Schlagwort-Archive: Streit

Schneeweißchen und Rosenrot – 3. Szene

Szene 3          MARKT

Schneeweißchen und Rosenrot stehen hinter ihrem Stand auf dem Markt. Sie verkaufen Pilze und Waldbeeren, sowie selbstgemachte Marmeladen und Handarbeiten. Sie sind gut gelaunt und albern herum.

Rosenrot: Waldpilze, frische Waldpilze! Heute früh gesammelt! Kauft Waldpilze, ihr Leute!

Rosenrot stößt Schneeweißchen an.

Rosenrot: Jetzt bist du dran.

Schneeweißchen traut sich nicht.

Schneeweißchen (schüchtern): Du weißt, ich kann das nicht so gut wie du.

Rosenrot: Nu komm schon, irgendwann muss du es ja lernen.

Schneeweißchen lacht.

Schneeweißchen: Muss ich nicht. Ich habe ja eine Schwester, die unsere Ware sehr sehr gut anpreisen kann.

Sie lächelt Rosenrot zuckersüß an.

Rosenrot: Was wirst du bloß machen, wenn wir nicht mehr zusammen sind?

Schneeweißchen: Das darf dann eben nicht passieren. Wir heiraten einfach zwei Brüder und bleiben immer zusammen.

Rosenrot lacht.

Rosenrot: Du und deine Phantasie. Na gut, ich mach weiter. Waldpilze! Frische Waldpilze! Leckere Brombeeren! Saftige Preiselbeeren!

Alexander tritt an den Stand und betrachtet interessiert die Auslagen und die beiden Mädchen.

Alexander: Ist der Wald, in dem ihr sammelt, hier in der Nähe?

Scheeweißchen: Nicht weit von hier in diese Richtung. Wir wohnen dort am Waldrand.

Alexander: Gibt es in dieser Gegend keinen Fürsten, der auf die Früchte des Waldes Anspruch erhebt?

Rosenrot: Nein, nicht in diesem Wald. Er ist zu wild und verwunschen. Noch nicht einmal die Soldaten des Königs trauen sich hinein.

Alexander: Und ihr?

Rosenrot: Uns ist noch nie etwas passiert.

Schneeweißchen: Einmal haben wir uns verlaufen und mussten dort übernachten. Früh am Morgen bin ich aufgewacht und habe gesehen, dass wir ganz in der Nähe einer Felswand geschlafen haben. Ein paar Schritte weiter in der Dunkelheit und wir wären abgestürzt. Neben Rosenrot, die noch geschlafen hat, saß ein Kind, ganz in Weiß gekleidet. Unsere Mutter meinte, es wäre ein Engel gewesen, der uns beschützt hat.

Alexander lächelt.

Alexander (zu sich): Vielleicht ist der Wald ja genau der richtige.

Rosenrot (neugierig): Was sagt ihr?

Alexander: Ich suche einen Ort, an dem ich absolut ungestört bin und vielleicht ist dieser Wald genau der richtige dafür.

Rosenrot: Bestimmt. Niemand kommt dorthin außer uns.

Schneeweißchen: Wer seid Ihr?

Alexander: Warum denkst du, ich sei jemand besonderes?

Schneeweißchen: Nur ein Pilger oder ein Einsiedler sucht freiwillig einen solchen Ort. Und Ihr seht weder wie der eine noch der andere aus. Eher wie ein Krieger.

Alexander: Wer ich bin, erzähle ich euch wenn ich zurückkomme. (Die Mädchen schauen ihn neugierig an.) Ihr seid Schwestern? (Die Mädchen nicken.) Wart ihr jemals eifersüchtig aufeinander?

Die Schwestern schauen einander an.

Schneeweißchen: Eigentlich noch nie. Rosenrot kann unsere Ware viel besser anpreisen als ich und ich bin froh darüber.

Rosenrot: Und ich bin froh, wenn Schneeweißchen die kleinen Stickereien übernimmt. Sie hat viel mehr Geduld als ich. Und sie kann wunderschöne Geschichten erzählen. Im Winter am Kamin.

Alexander: Schneeweißchen. Rosenrot. Was für lustige Namen!

Die Mädchen kichern.

Rosenrot: Das sind nicht unsere richtigen Namen.

Schneeweißchen: Unser Vater hat sie uns gegeben. Bei unserer Geburt hat er vor dem Haus zwei Rosenbüsche gepflanzt und als sie im nächsten Sommer das erste Mal blühten, trug der eine rote und der andere weiße Rosen.

Alexander: Das ist eine schöne Geschichte. Ich muss jetzt weiterziehen, aber wenn wir uns das nächste Mal sehen, erzähle ich euch meine.

Rosenrot: Versprochen?

Alexander: Versprochen.

Alexander geht.

Schneeweißchen: Viel Glück!

Rosenrot: Waldpilze! Kauft Waldpilze ihr Leute! Leckere Waldpilze, frisch gepflückt!

weiter zu Szene 4

Schneeweißchen und Rosenrot – 1. Szene

Szene 1          THRONSAAL

Die beiden Prinzen Alexander und Kilian kommen fechtend in den leeren Saal. Kilian treibt Alexander vorwärts, der sich verbissen verteidigt.

Kilian: Und hey und hepp und hey!

Kilian ist in seinem Element. Alexander wird wütend und drischt immer wilder auf den Bruder ein, der elegant pariert. Immer wieder muss Alexander zurückweichen. Seine Hiebe werden wilder. Kilian weicht geschickt aus. Alexander schlägt ins Leere und fällt nach vorn auf den Boden. Kilian hält sein Schwert über ihn. Alexander keucht vor Anstrengung.

Kilian: Gewonnen!

Alexander: Du hattest Glück.

Kilian: Ich bin einfach der bessere Schwertkämpfer.

Alexander steht auf.

Alexander: Revanche.

Kilian: Kein Problem.

Sie stellen sich auf und beginnen erneut zu fechten. Der Kampf ist erbittert. Beide tanzen umeinander im Saal herum. Kilian ist schnell und geschickt. Immer wieder kann er Alexanders Schlägen ausweichen. Dieser trifft eine Vase, die auf einer Anrichte steht. Sie fällt herunter und zerbricht. Die beiden Brüder kümmern sich nicht darum. Kilian greift diesmal nicht an, sondern lässt Alexander immer wieder ins Leere laufen, was diesen nur noch wütender macht. Plötzlich schnellt Kilians Schwert nach vorn und trifft Alexander an der Schulter. Diese beginnt zu bluten. Alexander hört auf zu kämpfen und hält sich die Schulter.

Alexander (schreit): Bist du verrückt? Willst du mich umbringen?

Kilian hält sein Schwert auf ihn.

Kilian: Doppelt gewonnen, wie mir scheint. Noch eine Revanche gibt es nicht. Und wenn würdest du sie auch verlieren, Brüderchen.

Alexander: Das war unfair.

Er wirft sein Schwert weg und schmeißt sich auf den Bruder, um mit ihm zu raufen. Auch Kilian lässt sein Schwert fallen und beide wälzen sich auf dem Boden.

Kilian: Vielleicht solltest du mir den Thron überlassen. Du bist einfach zu schwach dazu.

Alexander: Das könnte dir so passen.

Kilian: Wenn nicht, nehme ich einfach mein Schwert und hole ihn mir.

Alexander: Zu einem guten König gehört mehr als nur ein guter Schwertkämpfer zu sein.

Kilian: So was denn? Ein guter Flötenspieler?

Alexander: Ein König ist diplomatisch. Er besitzt Verhandlungsgeschick.

Kilian: Was kannst du mit Worten gegen ein Schwert ausrichten?

Alexander: Ein König sorgt dafür, dass es seinem Volk gut geht.

Kilian: Das ist sentimental. Ein König vergrößert seine Macht.

Alexander: Ein König besitzt nur Untertanen, wenn er ein gutes Vorbild ist.

Kilian: Ein König besitzt die Untertanen, die er beherrschen kann.

Die beiden ringen verbissen. In diesem Punkt sind sie gleich stark.

In diesem Moment öffnet sich die Tür und der König steht im Türrahmen.

König: Was ist denn hier los? Seid ihr von allen guten Geistern verlassen?

Schweißnass stehen die beiden auf. Artig verbeugen sie sich vor ihrem Vater.

König: Wie könnt ihr euch nur so benehmen! Alexander! Du bist der ältere und trägst die Verantwortung. Was ist geschehen?

Alexander: Vater, wir haben uns nur ein wenig im Ringen geübt.

König: Im Thronsaal?

Alexander: Es regnet draußen.

König: Ich bin sehr enttäuscht von dir. In einem halben Jahr wirst du offiziell zu meinem Nachfolger erklärt und ich erwarte, dass du dich dementsprechend benimmst. Wie ist es damit zu vereinbaren, dass du dich wie ein Gassenjunge mit deinem kleinen Bruder auf dem Boden wälzt?

Alexander: Er hat mich herausgefordert, Vater.

König: Sag nichts weiter. Ich bin einfach sehr enttäuscht von dir.

Wortlos verlässt Alexander den Saal. Kilian grinst.

weiter bei Szene 2

Schneeweißchen und Rosenrot – Figuren und Szenenbilder

Hallo ihr Lieben,

ich habe mal wieder ein neues Theaterstück verzapft. In diesem Winter haben doch meine Kinder und ich in „Rapunzel“ mitgespielt und meine Tochter war der Meinung, das nächste Märchen-Stück solle unbedingt „Schneeweißchen und Rosenrot“ sein. Also habe ich mich rangesetzt und eine Theaterfassung davon geschrieben und hier ist sie:

Ich werde es so machen wie bei den Irrlichtern und jeden Tag eine Szene posten, da sonst die Artikel wahrscheinlich zu lang werden. Und ein bisschen Spannung muss ja auch dabei sein, auch wenn jeder das Märchen wahrscheinlich kennt …. 😀

Viel Spass beim Lesen!

Schneeweißchen und Rosenrot
ein Theaterstück von Patricia Bauer
nach dem Märchen der Gebrüder Grimm

Dauer ca. 1. Std.

 

FIGUREN

Kronprinz Alexander/Bär
sein jüngerer Bruder Kilian
König
Diener Josef

Schneeweißchen
Rosenrot
Mutter

Zwerg Alberich
Wurzel/Fisch/Adler

Weitere mögliche stumme Rollen (falls Kinder in das Stück eingebaut werden sollen):

Der Engel, der die Mädchen durch den Wald begleitet
Lämmchen, Täubchen (Tiere von Schneeweißchen und Rosenrot in ihrer Hütte)
Tiere, Pflanzen und Waldgeister in Alberichs Wald
Marktbesucher
weitere Fische im See

 

SZENENBILDER

Thronsaal
Markt
Wohnstube von Schneeweißchen und Rosenrot
Waldlichtung
See
Alberichs Höhle

weiter bei Szene 1