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IRRLICHTER – Szene 7

Die Kinder stehen vor einem großen und einem kleinen Zelt. Alles ist dunkel.

Fleur: Hier ist Tines Zelt.

Annika: Das kleine hier gehört auch dazu. Dort habe ich ihre Eltern belauscht.

Klara (schaut vorsichtig erst in das große, dann in das kleine Zelt): Sie schlafen dort. (zeigt auf das große Zelt) In dem anderen sind nur Sachen. (zu Fleur) Kannst du dort hineinkrabbeln? Du bist die Kleinste von uns.

Fleur nickt und verschwindet geräuschlos im Zelt. Die anderen stehen Wache. Fleur kommt mit einem Brief in der Hand aus dem Zelt zurück.

Fleur: Das ist er.

Klara: Gut, dann nichts wie weg hier.

Die Kinder laufen zu dem großen Baum am Rande des Zeltplatzes. Einer nach dem anderen liest den Brief.

Katinka: Da will also jemand, dass Tines Vater, die Zulassung eines neuen Medikaments befürwortet. Und erst wenn das Medikament zugelassen ist, lässt er Tine frei.

Felix: Das ist doch Erpressung.

Annika: Ja, genau das ist es.

Fleur: Was ist eine Zulassung überhaupt?

Klara: Die Erlaubnis, dass das Medikament in der Apotheke verkauft werden darf.

Felix: Warum sollte Tines Vater das nicht tun?

Annika: Wahrscheinlich ist es nicht gut genug, oder sogar gefährlich.

Frieda: Damit wissen wir aber immer noch nicht, wo Tine steckt.

Die Kinder seufzen und schweigen. Einige gähnen.

Klara: Am besten, wir gehen jetzt schlafen und suchen morgen weiter.

Nele: Vielleicht hat uns Tine ja selbst verraten, wo sie ist. So wie Hänsel und Gretel. Was stand noch mal in dem Tagebuch?

Klara: Ich Esel! Natürlich! (zu den Dorfkindern) Wisst ihr, ob es hier in der Nähe eine Seemole oder Seekote oder so ähnlich gibt?

Petra: Klar, die Seekate. Das ist das leerstehende Restaurant, was direkt an den Klippen steht. Wegen Einsturzgefahr gesperrt.

Tim: Das perfekte Versteck.

Frieda: Na dann nichts wie los.

Alle springen auf und rennen davon.

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IRRLICHTER – Szene 1

Dünen an der Ostsee. Im Hintergrund hört man das Rauschen der Wellen. Ein paar Kinder sitzen im Kreis. Es ist Nachmittag. Die Sonne brennt heiß vom Himmel herunter.

Erzähler: Wir befinden und in den Dünen eines kleinen Ostseebades. Wie jeden Sommer ist zurzeit Hochsaison. Der nahegelegene Zeltplatz sowie jedes Bett im Ort sind ausgebucht. Auch die Kinder, die hier im Ort wohnen, haben Sommerferien. Sie verbringen ihre Freizeit fernab vom Ferienrummel an einsamen Orten und in geheimen  Schlupfwinkeln und sind auf keinen Fall bereit, diese Geheimnisse mit irgendwelchen Feriengästen zu teilen.

Einige der DORFKINDER sitzen im Kreis im Sand.

Petra: Was ist denn los?

Frieda: Nu erzähl schon!

Julina (seufzt): Ihr wisst doch, dass der Petersen, der Besitzer vom Zeltplatzes da drüben, ein alter Griesgram ist. Jeden Tag hat er etwas anderes zu meckern. Heute ging es darum, dass ich die Post für die Feriengäste hätte früher bringen sollen. Einige der Urlauber hätten sich beschwert. (macht den Zeltplatzbesitzer nach) Der Gast ist König. Saublöd. Und das nur wegen dem bisschen Taschengeld.

Frieda: Mach’s doch einfach nicht mehr.

Julina: Geht nicht. Ich will doch endlich nen eigenes I-Pad haben. Und meine Eltern geben höchstens was dazu.

Katinka: Mach dir nix draus. Bei uns im Laden beschwert sich andauernd einer. Zu lange Schlangen, zu viele Körner auf den Brötchen, zu wenige Körner auf den Brötchen, zu hohe Preise, was weiß ich … irgend nen Grund gibt es immer.

Victoria: Feriengäste sind die Pest.

Katinka: Ich krieg noch nicht mal Geld dafür, dass ich meinen Eltern helfe!

Petra: Warum treffen wir uns eigentlich HIER?

Maria: Sie haben die Seekate gesperrt. Wegen Einsturzgefahr.

Frieda: Ehrlich?

Maria (nickt): Bei dem Sturm im letzten Winter ist doch ein weiteres Stück von der Klippe abgebrochen.

Fee: Mist. Und wo schlagen wir dann diesen Sommer unser Hauptquartier auf?

Vom nahegelegenen Zeltplatz sind Kinderstimmen zu hören. Julina verdreht die Augen.

Julina: Die vom Zeltplatz sind eindeutig die Nervigsten.

Maria: Die ehemalige Strandsauna hier in der Nähe steht leer und zum Verkauf.

Petra: In unserer Pension ist es schlimmer. (macht die sich beschwerenden Feriengäste nach) Da ist ein Fleck auf dem Tisch. Die Tapete ist zu blau. Das Bett ist zu weich, der Strand drei Schritte zu weiter und ihre Kinder … stören. Zu laut, zu dreckig und überhaupt.

Victoria: Da ist aber abgeschlossen.

Petra (irritiert): Was? Unsere Pension?

Victoria: Nee, die alte Strandsauna.

Maria holt einen Schlüssel aus der Hosentasche und wirft ihn in die Mitte.

Maria: Kein Problem mit einer Immobilienmaklerin als Mutter.

Frieda: Klasse. (zu Petra) In unserer Pension benutzen die Ferienkinder sogar unser Spielzeug im Garten. Meine Eltern finden das super. Das Plus im Reiseprospekt.

Julina (nickt): Der Petersen gibt den Feriengästen auch immer Recht. Sie sind unser
Einkommen, also dürfen sie machen was sie wollen.

Eilika: Bei uns auf dem Markt sind die Leute eigentlich immer nett.

Frieda: Kunststück. Gäste kaufen eben nicht selbst Butter und Käse ein.

Katinka: Nee, die lassen sich bedienen.

Eilika: Dafür bezahlen sie ja auch Geld.

Petra: Gibt ihnen das das Recht, sich zu benehmen, als hätten sie den ganzen Ort gekauft?

Victoria: Eigentlich müsste man mal irgendwas machen, das ihnen klarmacht, dass das Dorf UNS gehört. Die sollen froh sein, dass wir sie an UNSEREM Strand baden lassen.

Die anderen lachen.

Julina: Seid mal still. Ich hör was.

Die Kinderstimmen vom Zeltplatz kommen näher.

Maria: Schnell weg.

Die Kinder springen auf und verstecken sich hinter den Dünen.

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