Schlagwort-Archive: Schumann

Der geraubte Schlaf, Fassung mit Musik

Wir hatten einen wundervolle Aufführung mit tollen Kostümen, schwungvoller Musik und ausgelassener Premierenfeier. Ich möchte gerne daraufhin das Stück noch einmal in der Aufführungsfassung mit euch teilen. Die Musikauswahl und die Texte der Lieder sind von Eva-Maria Wolf, mit der ich das Stück zusammen inszeniert habe. Vielleicht regt es ja zum Nachmachen an ;).

Viel Spass beim Lesen!

 

 

Der geraubte Schlaf
Ein romantisches Kindermusical nach einem Märchen

Szenen und Dialoge von Patricia Bauer
Liedtexte und Musikarrangements Eva-Maria Wolf

Dauer ca. 1. Std.

 

FIGUREN

Erzählerin

Wurzelgeist
Musikant
Prinzessin
König
Königin

Hofstaat des Königs:
Amme der Prinzessin
Dienerinnen der Prinzessin
Torwache
Schreiber
Diener

Ärzte
Ritter des Königs

Hofstaat des Wurzelgeistes:
alle Tiere, die unter der Erde leben, in ihr Höhlen bauen oder ihre Vorräte verstecken, wie:
Eichhörnchen
Kaninchen
Maulwurf
Regenwurm
Käfer
Tausendfüßler
Assel
Spinne
Maus
Dachs
Fuchs
Schnecke
Igel
Blindschleiche
Ratte
Grille
Ameise

Die goldenen Träume der Prinzessin

Fliegenpilz

Bäume

 

MUSIK

Umrahmt wird das Kindermusical von Robert Schumann:
Auszüge aus den Kinderszenen für Klavier (Opus 15)
und den Märchenbildern für Bratsche und Klavier (Opus 113).

Die Träume tanzen zum Walzer in As-Dur von Johannes Brahms (Opus 39, Nr. 15)

 

SZENENBILDER

Die Spinnstube (ein Ort neben der Hauptbühne, wo die Erzählerin sitzt)
der Wald (gut vor dem Vorhang zu spielen)
das Schlafzimmer der Prinzessin im Schloss
die Palasthöhle des Wurzelgeistes

 


 

DAS MÄRCHEN

Es war einmal ein reicher, kluger und gütiger König. Er war so reich, dass er in einem Schloss aus purem Gold wohnte, er war so klug, dass sich alle Gelehrten des Landes um ihn versammelten und ihn um Rat fragten, und er war so gütig, dass die Blumen und Gräser sich vor ihm neigten und die scheuen Tiere herbeikamen, wenn er durch die Wälder und über die Felder seines Landes ritt.

Aber trotzdem war der König nicht glücklich, denn seine einzige schöne Tochter, die er über alles liebte, hatte ein großes Unglück betroffen. Als die Prinzessin eines Tages mit ihrem goldenen Ball durch den Wald hüpfte, zertrat sie beim Spielen ganz ohne Absicht einen kleinen Fliegenpilz. Der Wurzelgeist, welcher Herr über alles ist, was im Walde wächst, wurde darüber so böse, dass er beschloss, sich zu rächen, und eines Nachts schlich er sich heimlich ins Schloss und raubte der Prinzessin ihren Schlaf. Die Prinzessin war erschreckt aufgewacht und hatte gerade noch den hässlichen braunen Wurzelgeist davoneilen sehen.

Da lag die arme Prinzessin in ihrem goldenen Bett mit brennenden Augen, die der Schlaf nicht mehr schloss, und wurde von Tag zu Tag blasser und elender. Der König ließ die berühmtesten Ärzte kommen, aber auch sie konnten der Prinzessin nicht helfen, und bald ging die traurige Kunde, dass die Prinzessin wohl sterben müsse, wenn ihr der Schlaf nicht bald zurückgegeben würde. Der König schickte viele beherzte Männer in die Wälder, um den Wurzelgeist zu fangen und ihm den Schlaf der Prinzessin wieder abzunehmen, aber niemand wusste, wo der Wurzelgeist wohnte, denn sein unterirdisches Reich war groß, und in jedem Erdloch konnte er sich verstecken. Da wurde der König so verzweifelt, dass er versprach, demjenigen, der seiner Tochter den Schlaf wiederbrächte, jeden Wunsch zu erfüllen und wenn er auch das ganze Königreich fordere.

Zu dieser Zeit wanderte ein Musikant durch das Land, und eines Tages kam er auch an den königlichen Hof. Weil der König hoffte, seine Tochter mit Musik ein wenig aufheitern zu können, ließ er den Geiger zu sich führen und bat ihn, der Prinzessin vorzuspielen. Und dieser spielte so schön, dass alle, die ihm zuhörten, ganz verzaubert waren. Auch die Prinzessin lächelte zum ersten Male wieder. Aber selbst die zartesten Töne der Geige konnte sie nicht in den Schlaf wiegen. Da wurde der Musikant traurig und beschloss, der Prinzessin zu helfen.

Noch am gleichen Tage machte er sich auf, um den Wurzelgeist zu suchen. Er wanderte drei Tage und drei Nächte durch den Wald, schaute in jedes Erdloch und unter jeden Stein, rief den Namen des Wurzelgeistes in die Lüfte und fragte jeden, der ihm begegnete, nach ihm, aber vergeblich. Müde und hungrig setzte er sich endlich am Fuß eines riesigen, hohlen Baumes nieder, und um seine trüben Gedanken zu verscheuchen, geigte er sich ein lustiges Lied. Da regte sich plötzlich etwas in dem hohlen Baumstumpf hinter ihm, und aus einem Astloch schaute das brauche, runzelige Gesicht eines kleinen Männchens hervor. Der Musikant wusste sofort, dass dies der Wurzelgeist sein musste, aber er ließ sich nichts anmerken. „Was ist das für ein Ding, von dem die schönen Töne kommen?“ fragte der Wurzelgeist. „Ich möchte diesen braunen Kasten haben, was willst du dafür?“ Der Musikant bedachte sich, dann sagte er: „Zeig mir alles, was dir gehört, ich werde mir etwas aussuchen.“ Der Wurzelgeist lachte vergnügt: „Wenn du willst, können wir gleich gehen.“ Er klatschte in die Hände, da wurde am Fuß des Baumes eine Treppe sichtbar; die stiegen sie hinunter, und immer tiefer und tiefer ging’s hinab, bis sie endlich in einen großen Saal kamen, in dem überall Truhen und Kisten standen, angefüllt mit Perlen, Gold und Edelsteinen. Der Wurzelgeist hob einen Deckel nach dem anderen auf und fragte: „Willst du dies, willst du das?“ Aber der Geiger schüttelte jedes Mal den Kopf. „Nein, nein, meine Geige ist viel, viel kostbarer.“ Endlich kamen sie an das letzte Kästchen, das ganz aus Elfenbein geschnitzt war; aber als der Geiger seine Hand danach ausstreckte, rief der Wurzelgeist schnell: „Das kannst du nicht bekommen.“ Der Geiger bat jedoch, er möchte wenigstens sehen, was in dem Kästchen sei. Da öffnete der Wurzelgeist das Kästchen, und der Musikant erblickte darin ein gläsernes Fläschchen, und als er das Fläschchen herausnahm, schaute er in eine blaue, unendliche Tiefe, auf deren Grund goldene Träume tanzten. Es war der Schlaf der Prinzessin. „Wenn du meine Geige haben willst, musst du mir dieses Fläschchen geben“, sagte der Geiger. „Nein, nein“, schrie der Wurzelgeist, „das kannst du nicht haben!“ Als die ersten Töne erklangen, kamen Maulwürfe, Mäuse, Würmer, Käfer und viele, viele andere Tiere aus ihren Löchern hervorgekrochen und lauschten, und er spielte, bis er vor Müdigkeit fast umfiel. „Bleib bei uns“, flehten die Tiere. „Deine Musik bringt uns Freude in unserem Leben hier unter der Erde, bleib bei uns mit deinem braunen Kasten.“ – „Das geht nicht“, antwortete der Geiger, „ich bin doch ein Mensch und gehöre auf die Erde. Aber ich will euch meine Geige hierlassen, wenn mir der Wurzelgeist das kleine, weiße Kästchen schenkt. Ihr müsst ihn nur darum bitten.“ Das taten die Tiere, aber der Wurzelgeist hörte nicht auf sie, er hielt das Kästchen mit beiden Händen fest und schrie, dass er es nie herausgeben würde. Da wurden die Tiere böse. Die Maulwürfe drohten, dass sie alle Zugänge zur Erde zuschütten wollten, und die Mäuse wisperten, dass sei ihm keinen Wintervorrat mehr herbei schaffen und ihn verhungern lassen würden. Als der Wurzelgeist das hörte, bekam er Angst, und es blieb ihm nichts anderes übrig, als dem Musikanten das Kästchen zu geben und ihn auf die Erde zurückzubringen.
Der Musikant eilte nun, so schnell ihn seine Füße trugen, nach dem königlichen Schloss zurück, wo er alle in tiefer Trauer fand, denn die Prinzessin lag still und weiß auf ihren Kissen und atmete kaum noch. Rasch nahm der Geiger das gläserne Fläschchen aus dem Elfenbeinkasten und tröpfelte der Prinzessin den Schlaf in die Augen, da tat sie einen tiefen Seufzer und schlief acht Tage lang. Und als sie dann ausgeschlafen hatte und erwachte, war sie schöner und lieblicher als zuvor.
Der König ließ den Geiger zu sich kommen, dankte ihm aus vollem Herzen und fragte ihn, welchen Wunsch er ihm erfüllen solle. Da bat der Musikant um eine neue Geige, denn er hatte doch seine alte beim Wurzelgeist lassen müssen. Der König befahl sofort, dass man die beste Geige im ganzen Land herbeischaffe, und er überreichte sie dem Musikanten. „Dein Wunsch ist sehr bescheiden“, sagte der König, „die hast für uns mehr getan, als wir dir jemals vergelten können.“ – „Herr König“, antwortete der Musikant, „wenn ich mir noch etwas wünschen darf, so möchte ich hier am Hof bleiben und der Prinzessin manchmal vorspielen. Ich bin des Herumziehens müde.“ – „Eine größere Freude kannst du der Prinzessin nicht machen“, sagte der König. „Ich weiß, dass sie dich und deine Geige liebgewonnen hat. Du sollst bei uns bleiben, aber nicht als Musikant, sondern ich will dich zu meinem Nachfolger machen und dir meine Tochter zur Frau geben.“ Da wurde dem armen Muskanten ganz schwindelig vor Glück. Er fasste die Prinzessin bei der Hand und versprach, von nun an ihren Schlaf zu bewachen, damit ihn niemand mehr stehlen könne – und sie lebten lange Jahre in Glück und Freude zusammen.

ENDE

 

 

Prolog                        SPINNSTUBE          

Musik: Schumann: Von fremden Ländern und Menschen

Die Erzählerin sitzt auf ihrem Platz neben der Bühne vor einem Spinnrad und spinnt. Sie hält inne und schaut auf.

Erzählerin: Hallo Kinder, schön euch zu sehen! In alten Zeiten saßen die Mädchen und Frauen zusammen in Spinnstuben wie dieser hier, spannen Wolle, webten Stoff, stellen Kleider her und erzählten sich derweil die Geschichten – …Geschichten, die wir heute Märchen nennen. Und eines davon möchte ich euch heute erzählen:

Musik: Schumann: Kuriose Geschichte

Szene 1          WALD                                                           Pantomime

Erzählerin: Es war einmal ein reicher, kluger und gütiger König. Er war so reich, dass er in einem Schloss aus purem Gold wohnte, er war so klug, dass sich alle Gelehrten des Landes um ihn versammelten und ihn um Rat fragten, und er war so gütig, dass die Blumen und Gräser sich vor ihm neigten und die scheuen Tiere herbeikamen, wenn er durch die Wälder und über die Felder seines Landes ritt. Aber trotzdem war der König nicht glücklich, denn seine einzige schöne Tochter, die er über alles liebte, hatte ein großes Unglück betroffen.

Musik: Schumann, Kuriose Geschichte

Die Prinzessin betritt die Bühne. Sie geht im Wald spazieren. Sie summt ein Lied und spielt mit ihrer goldenen Kugel. Die Tiere des Waldes kommen neugierig näher und die mutigsten lassen sich sogar von ihr streicheln. Als die Prinzessin beginnt, ihnen den Ball zuzurollen, spielen sie mit ihr. Dem Wurzelgeist gefällt das gar nicht. Er versucht, sie aus seinem Reich zu verjagen, doch sie bemerkt ihn gar nicht.

Musik Ende

Erzählerin: Als die Prinzessin eines Tages mit ihrem goldenen Ball durch den Wald hüpfte, zertrat sie beim Spielen ganz ohne Absicht einen kleinen Fliegenpilz. Der Wurzelgeist, welcher Herr über alles ist, was im Walde wächst, wurde darüber so böse, dass er beschloss, sich zu rächen …

Beim Spiel zertritt sie in unachtsamer Naivität einen Fliegenpilz (gespielt von einem Kind) unter ihren Füßen. Der Wurzelgeist ist wütend und schüttelt die Fäuste.

Musik: Schumann, Haschemann

 

Vorhang auf:

Szene 2          SCHLAFZIMMER DER PRINZESSIN        Pantomime und Tanz

Erzählerin: … und eines Nachts schlich er sich heimlich ins Schloss und raubte der Prinzessin ihren Schlaf.

Musik: Brahms, Walzer As Dur

Die Prinzessin schläft in ihrem goldenen Bett. Ihre goldenen Träume tanzen um sie herum. Der Wurzelgeist schleicht heimlich ins Schloss an das Bett der Prinzessin. Er fängt sie Träume ein, sperrt sie in ein kleines Fläschchen und hält triumphierend die Flasche in die Höhe.

Musik Ende

Die Prinzessin wacht mit einem Schrei auf. Im letzten Moment sieht sie den Wurzelgeist aus dem Zimmer huschen. Der König, die Königin, die Amme und die Dienerinnen der Prinzessin kommen, durch den Radau geweckt ans Bett.

König: Mein Kind! Ist alles in Ordnung? Geht es dir gut?

Prinzessin: Ja, ja ich glaube schon. Ich bin nur … verwirrt. (Sie reibt sich die Augen.) Ich habe … ich habe von einem hässlichen, braunen Männchen geträumt. Es hat mich durch den Wald bis ins Schloss verfolgt und wollte mir etwas stehlen. Ich weiß nicht was, nur, dass es sehr wertvoll war. Und … als es das getan hatte, bin ich aufgewacht und sah eben genau dieses Männchen aus dem Schlafzimmer huschen.

König (beruhigend):Sicher hast du noch geträumt.

Amme: Das Männchen, welches die Prinzessin beschreibt, war ganz bestimmt der Wurzelgeist, der Herr über alles ist, was im Wald lebt.

Der König lächelt milde.

König: Den Wurzelgeist gibt es nicht. Das weißt du so gut wie ich, Marie. Schlaf wieder ein, meine Tochter.

Amme (murmelt): Und doch gibt es ihn, den Wurzelgeist.

Die Prinzessin legt sich hin und versucht, die Augen zu schließen. Wie eine Puppe schießt sie wieder nach oben und bleibt erschrocken im Bett sitzen.

Prinzessin: Ich kann nicht einschlafen.

Der König starrt sie entsetzt an.

Musik: Schumann, Fürchten machen

 

Szene 3          SCHLAFZIMMER DER PRINZSSIN

Einige Tage später.

Erzählerin: Da saß die arme Prinzessin in ihrem goldenen Bett mit brennenden Augen, die der Schlaf nicht mehr schloss, und wurde von Tag zu Tag blasser und elender. Der König ließ die berühmtesten Ärzte kommen.

Der Schreiber tritt vor.

Begrüßungslied der Ärzte

Schreiber solo: Guten Morgen!
Chor: Guten Morgen!
Schreiber Solo: Good Morning!
Chor: Good Morning!
Schreiber Solo: Bonjour!
Chor:
Bonjour!
Schreiber Solo: Buenos Dias!
Chor:
Buenos Dias!
Schreiber Solo:
Kalimera!
Chor:
Kalimera!
Schreiber Solo:
Günaydin!
Chor:
Günaydin!
Schreiber Solo:
Dzien Dobry!
Chor:
Dzien Dobry!
Schreiber Solo: Buon Giorno!
Chor:
Buon Giorno!

Während des Liedes treten die Ärzte ein und begrüßen König und Königin. Sie scharen sich um das Bett der Prinzessin, die mit offenen Augen darin sitzt und keinen Schlaf findet.

Erzählerin: Die Ärzte untersuchen die Prinzessin immer und immer wieder.

Musik: Schumann, Fast zu ernst

Während der Musik untersuchen sie die Prinzessin, flößen ihr Tee und Pulver ein, verabreichen ihr Salben und Kompressen, doch nichts bringt die Prinzessin dazu, die Augen zu schließen. Die Prinzessin sitzt im Bett und schnellt jedes Mal wieder hoch wie ein Stehaufmännchen, wenn sie einer der Ärzte in die Kissen drückt. Schließlich wissen sich die Ärzte keinen Rat mehr.

Erzählerin: Sie erkennen, dass keinerlei herkömmliche Medizin der Prinzessin ihren Schlaf wiederbringen kann.

Lied der Ärzte (Melodie: Ich armes, welsches Teufli…“)

Wir können nicht mehr helfen, wir können nicht mehr helfen,
nicht helfen, wir wissen keinen Rat!
Sie hat verlor´n die Träume und kann nun nicht mehr schlafen ein,
schlafen ein, kommt lasst sie nicht allein!
Wir müssen ihn jetzt finden, den listig, kleinen Wurzelgeist,
Wurzelgeist, der durch die Wälder riest.

Arzt: Majestät, wir können der Prinzessin mit unserer Kunst nicht helfen. Ihr ist der Schlaf gestohlen worden und wenn sie ihn nicht wieder zurückbekommt, muss sie sterben.

König: Sterben?

Arzt: So ist es.

König: Nein. Nein! Das darf nicht passieren. Das will ich nicht!

Arzt: Diese Entscheidung liegt nicht in Eurer Hand.

Der König senkt den Kopf, dann fasst er sich.

König: Meine Ritter! Meine tapferen, starken Ritter! Kommt zu mir.

Musik: Schumann, Wichtige Begebenheit

Die Ritter marschieren auf die Bühne und versammeln sich um ihn.

Musik Ende

König: Ihr habt es gehört. Meine Tochter ist todkrank. Geht hinaus und findet ein Heilmittel. Geht … geht in alle Wälder, sucht nach dem Wurzelgeist und bringt meiner Tochter ihren Schlaf zurück!

Amme: Das wird nicht so einfach sein, mein Herr. Der Wurzelgeist ist listig und verschlagen und sein Reich ist groß.

König: Geht.

Die Ritter salutieren.

Ritter: Mit Freude folgen wir Eurem Befehl, Majestät!

Musik: Schumann, Der Ritter vom Steckenpferd

Die Ritter nehmen Schwert und Schild, schwingen sich auf ihre Steckenpferde und reiten in den Wald. Sie suchen in allen Ecken des Waldes, kämpfen mit den Bäumen, wenn sie glauben, den Wurzelgeist dort gefunden zu haben, doch dieser versteckt sich erfolgreich vor ihnen. Gelegentlich finden sie einen anderen Ritter, mit dem sie kämpfen, bis sie merken, dass es sich nicht um den Wurzelgeist handelt. Schließlich kehren sie erschöpft und derangiert ins Schloss zurück.

Musik Ende

Ritter: Wir haben Euren Auftrag ausgeführt, Herr, aber ein Heilmittel konnten wir nicht finden.

Der König verbirgt den Kopf in den Händen und weint.

König: Schreiber! Schreibe folgendes:

Meiner geliebten Tochter wurde vom Wurzelgeist, der Herr über
alles ist, was im Wald lebt, heimtückisch der Schlaf geraubt. Wenn sie ihren Schlaf nicht bald zurückbekommt, muss sie sterben. Demjenigen, der es schafft, den Schlaf der Prinzessin zu finden, erfülle ich JEDEN Wunsch, und wenn es mein Königreich kostet.

Hänge diese Nachricht gut sichtbar an jedes Stadttor und jede Dorfkirche im Reich.

Der Schreiber schreibt mit.

Schreiber: Sehr wohl, Majestät.

Lied des Schreibers (Melodie: „Sonnenregen überm Land…“)

1. Ich will eilen rundherum und jeder soll es sehen!
Die Wartezeit ist schon fast um, es muss etwas geschehen,
Die Wartezeit ist schon fast um, es muss etwas geschehen.
2. Leute höret mir gut zu, damit ihr mir das glaubt:
Der Wurzelgeist, der Waldesmann, hat Wertvolles geraubt!
Der Wurzelgeist, der Waldesmann, hat Wertvolles geraubt!
3. Ich will eilen rundherum und jeder soll es sehen!
Die Wartezeit ist schon fast um, es muss etwas geschehen,
Die Wartezeit ist schon fast um, es muss etwas geschehen.

Der Schreiber rollt das Dokument zusammen und geht. In diesem Moment pocht es laut vernehmlich ans Burgtor. Eine Torwache tritt ein. Sie verbeugt sich.

Torwache: Herr, vor dem Tor steht ein Musikant, der um Einlass bittet.

König: Lasst ihn herein.

Die Torwache lässt den Musikanten ein. Der Musikant verbeugt sich.

Musikant: Majestät, ich bin ein armer Musikant und ziehe von Ort zu Ort. Ich bitte Euch um ein warmes Abendessen und ein Bett für die Nacht. Gern spiele ich Euch heute Abend auf. Zu meiner Musik kann man lachen und weinen, singen, träumen, tanzen und sogar schlafen, was immer Euch gefällt.

König (zum Musikanten): Ihr bekommt Euren Mahlzeit und Euer Bett. Nur um eins bitte ich Euch: spielt für meine Tochter. Sie ist todkrank. Macht Sie ein wenig fröhlich.

Der Musikant betrachtet die Prinzessin und nickt.

Der Musikant setzt seine Bratsche ans Kinn und spielt der Prinzessin vor.

Musik: Schumann, Märchenbilder 1. Satz Nicht schnell, D-moll (verkürzt)

Die Prinzessin lächelt, aber sie schläft nicht ein.

Arzt (ruft): Sie hat gelächelt!

Hofstaat (flüstert): Sie hat gelächelt. Zum ersten Mal seit Tagen hat sie gelächelt!

König (enttäuscht): Aber sie ist nicht eingeschlafen.

Währenddessen schauen sich der Musikant und die Prinzessin tief in die Augen.

Musikant (zur Prinzessin): Was fehlt dir?

Prinzessin (flüstert heiser): Der Wurzelgeist hat meinen Schlaf gestohlen. Niemand kann ihn finden und ohne Schlaf kann ich nicht leben.

Musikant: Wo ist sein Reich?

Prinzessin: In den Wäldern.

Musikant: Ich werde dir helfen, ich verspreche es. (zum König) Ich habe Mitleid mit der Prinzessin. Ich will den Wurzelgeist suchen und nicht eher zurückkehren, bis ich ihren Schlaf gefunden habe.

Der König nickt.

König: Geh mit Gott.

Vorhang zu:

 

Szene 4          WALD                                                           Pantomime mit Musik

Der Musikant durchsucht den Wald nach dem Wurzelgeist, kann ihn aber nirgends entdecken. Die Zuschauer aber sehen den Wurzelgeist, der sich erfolgreich vor dem Musikanten versteckt und ihn an der Nase herumführt und beobachtet.

Suchlied des Musikanten (Melodie „Blau, blau, blau, so blau…):

||: Wo, wo ist er nur, kann ihn nirgends sehn!
Die Zeit läuft davon, wenn ich helfen will,
das muss er doch verstehn! :||

Der Musikant wird müde und setzt sich schließlich an den Fuß eines Baumes und beginnt auf seiner Bratsche zu spielen.

Musik: Schumann, Märchenbilder 2. Satz Lebhaft, F-Dur (verkürzt)

Der Wurzelgeist kommt neugierig hervor, stellt sich vor den Musikanten und hört zu. Der Musikant bemerkt ihn und hört auf zu spielen.

Wurzelgeist: Was ist das für ein Kasten, der solch wundervolle Musik macht?

Musikant: Das ist eine Bratsche. Und nicht die Bratsche macht die Musik, ich mache sie. Guten Tag, wer bist du, kleiner Mann?

Wurzelgeist (schnaubt durch die Nase und plustert sich auf): Halt mich nicht zum Narren. Ich habe genau gehört, wie dieser Kasten Musik gemacht hat. Ich will ihn haben.

Musikant (schmunzelt): Wer sagt, dass ich dir meine Bratsche geben möchte?

Wurzelgeist: Ich gebe dir dafür alles, was du dir wünschst.

Musikant: Alles?

Wurzelgeist: Alles. Ich kann dich reich machen und mächtig. All deine Träume kann ich erfüllen. Komm mit in mein Reich und suche dir etwas aus.

Musikant: Gut. Sehr gerne!

Der Wurzelgeist klatscht in die Hände und unter der Baumwurzel öffnet sich ein Loch, welches tief in die Erde führt. Der Musikant steht auf und sie verschwinden gemeinsam in der Höhle.

                                                                                              währenddessen: Umbau

 

Vorhang auf:

Szene 5          HÖHLE DES WURZELGEISTES

Musik: Schumann, Glückes genug

Der Wurzelgeist und der Musikant betreten die Fest- und Vorratshöhle des Wurzelgeistes. Sie ist angefüllt mit Schätzen und Diamanten, aber auch mit anderen Vorräten. In der Mitte ist eine freie Fläche.

Lied des Wurzelgeistes (Melodie: „Das wünsch ich sehr …“):

||: Das wünsch ich sehr, dass dieser Kasten bei mir wär.
Sein zarter Ton klingt fein und nur für mich allein! :||

Der Wurzelgeist geht mit dem Musikanten von einem Korb zum anderen.

Wurzelgeist: Hier findest du alle Schätze dieser Erde! Ich kann dich reicher machen als jeden König!

Der Wurzelgeist hält ihm eine Handvoll goldener Ketten hin.

Musikant (schüttelt den Kopf): Die brauche ich nicht.

Der Wurzelgeist legt die Ketten wieder zurück und zeigt ihm einen Korb voll Silbermünzen. Der Musikant schüttelt wieder den Kopf.

Musikant: Die auch nicht.

Der Wurzelgeist zeigt auf einen Korb mit Goldstücken.

Wurzelgeist: Wenn nicht Silber dann Gold?

Musikant: Nein. Meine Bratsche ist einzigartig. Sie kann nur gegen etwas Besonderes eingetauscht werden.

Wurzelgeist: Aber schau doch, wie viele Münzen es sind. Du könntest dir die ganze Welt kaufen.

Der Musikant schüttelt lächelnd den Kopf und schaut sich weiter suchend um.

Der Wurzelgeist zieht den Musikanten zu einer Kiste mit riesigen funkelnden Diamanten.

Wurzelgeist: Hier. Die schönsten Edelsteine, die es gibt. Die anmutigsten Mädchen könntest du damit betören.

Der Musikant beachtet ihn nicht. Er hat zwischen all den Kostbarkeiten ein kleines unscheinbares Kästchen entdeckt.

Musikant: Was ist in diesem Kästchen?

Der Wurzelgeist schnappt sich schnell das Kästchen und versteckt es hinter seinem Rücken.

Wurzelgeist: Das kannst du nicht haben.

Musikant: Warum? Du hast versprochen, ich dürfe mir alles aussuchen, was du besitzt.

Wurzelgeist: Das nicht!

Musikant: Du machst mich neugierig. Lass mich wenigstens einmal hineinschauen.

Wurzelgeist (zögerlich): Na gut.

Der Wurzelgeist klappt das Kästchen auf. Der Musikant sieht hinein. Auf weißem Samt liegt ein Fläschchen mit einer tiefblauen Flüssigkeit. Der Musikant schaut in die Flüssigkeit.

Tanz der gefangenen Träume:

Musik: Brahms, Walzer As-Dur

Die Bühne taucht sich in blaues Licht. Die die goldenen Träume der Prinzessin kommen hereingeschwebt und tanzen auf dem Grund des Fläschchens in dem tief dunklen Blau.

Musik Ende

Der Wurzelgeist klappt das Kästchen wieder zu, in diesem Moment verschwinden die Träume und er versteckt das Kästchen hinter seinem Rücken.

Musikant: Wenn du meine Bratsche haben willst, gibt mir das Kästchen dafür.

Wurzelgeist: Niemals.

Der Musikant zuckt mit den Schultern.

Musikant: Dann nicht.

Der Musikant stellt sich in die Mitte der freien Fläche und beginnt, die schönsten Weisen zu spielen, die ihm einfallen.

Musik: Schumann, Märchenbilder 3. Satz Rasch, D-moll (verkürzt)

Die Tiere des Waldes und der Unterwelt kommen aus allen Löchern und Spalten, scharen sich um den Musikanten und hören gebannt zu.

Der Musikant hört auf zu spielen. Abrupt stehen alle still.

Maus (flüstert): Wunderschön.

Der Musikant packt seine Bratsche in den Kasten.

Der Maulwurf zupft ihn am Ärmel.

Maulwurf: Bitte bleib bei uns.

Spinne: Deine Musik erwärmt unser Herz.

Eichhörnchen: Deine Musik würde uns in der langen Winterzeit Freude machen.

Regenwurm: Bitte bleib.

Käfer: Sie ist wie ein Leuchten in der Dunkelheit, heller und strahlender als jeder Edelstein.

Sololied der Tiere (Melodie: „Wenn der Winter müde wird,…“)

1.

Solo Dachs:    Die Musik klingt zart und schön und so leicht wie eine Feder.
Lasst uns tanzen und uns drehen, ganz verträumt singt dann jeder

Einige Tiere:   Wir glücklich und somit wollen wir sagen:
Bleib hier ohne Fragen, wir wären so froh!

Alle:                 Melodie so schön, lass uns zusammenstehen.

2.

Alle:                             Ja, der Dachs und auch der Fuchs bauen riesige Gänge
und der Hase und die Maus leben fröhlich in der Enge
und das Eichhörnchen springt, wenn Spinne und Igel
Hummel, Würmchen und Käfer ihr Liedchen gern singt:
Melodie so schön, lass uns zusammenstehen.

Während des Liedes beginnen die Tiere zu schunkeln und schließlich zu tanzen.

Musikant: Ich bin ein Mensch. Ich kann nicht bei euch unter der Erde leben. Aber ich kann in den Wald kommen und euch dort manchmal vorspielen.

Spinne (traurig): Im Winter können wir nicht über die Erde. Es ist zu kalt.

Wurzelgeist: Der Mensch dort schenkt mir den braunen Kasten. Er wird euch in trüben Wintertagen aufheitern.

Musikant: Nein. Nur, wenn du mir das Kästchen dafür gibst.

Der Wurzelgeist packt das Kästchen fester.

Maulwurf: Bitte, lieber Herr, tausche das Kästchen für die Bratsche.

Alle Tiere: Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte.

Wurzelgeist (kreischt): Nein, alles, was du willst, aber das Kästchen gebe ich NICHT her!

Der Musikant wendet sich zum Gehen.

Die Spinne hält ihn auf.

Spinne: Bitte bleib.

Der Musikant hält inne.

Spinne (zum Wurzelgeist): Wenn du ihm das Kästchen nicht tauschst, halte ich dir nicht mehr die Fliegen und Mücken fern.

Maulwurf: Und ich verstopfe alle Ausgänge zur Oberwelt.

Kaninchen: Und ich grabe keine Höhle mehr für dich.

Regenwurm: Ich sorge dann nicht mehr für frische Luft in deinem Reich.

Eichhörnchen: Und ich sammele keinen Wintervorrat mehr für dich!

Wurzelgeist (in Panik): Dann muss ich verhungern. (wieder gefasst) Gut, gut. (knurrig) Ich gebe dir das Kästchen.

Der Wurzelgeist überreicht dem Musikanten das Kästchen. Der Musikant nimmt es mit verschmitztem Lächeln und überreicht ihm im Gegenzug die Bratsche. Er verbeugt sich vor dem Wurzelgeist.

Musikant: Ich danke dir.

Musikant ab. Der Wurzelgeist stapft vor Wut mit dem Fuß auf.

Wutlied des Wurzelgeistes (Melodie: „Was mögen das für Bäume…“)

Wie konnte mir das nur passieren, mir, dem Herrscher
des Waldes und der Wurzelwelt, reich an Gold und Geld!
||:… Chef der Wurzelwelt … reich an Gold und Geld …:||

Beim Singen der letzten Zeile wird der Wurzelgeist immer leiser und verschwindet schließlich im hinteren Teil der Bühne.

Vorhang zu.

 

Szene 6          WALD                                                          

Mit dem Schlaf der Prinzessin eilt der Musikant so schnell wie es geht zurück zum Schloss.

Suchlied des Musikanten („Melodie „Blau, blau, blau, so blau…“)

||: Schnell, schnell eile ich hin zum Reich aus Gold!
Die Träume, sie werden retten dich, du Prinzessin hold! :||

währenddessen: Umbau

 

Vorhang auf:

Szene 7          SCHLAFZIMMER DER PRINZESSIN

Musik: Schumann, Fast zu ernst

Die Prinzessin sitzt wie tot mit offenen Augen in ihrem Bett. König und Königin sitzen todunglücklich neben dem Bett.

Musik Ende

Der Musikant eilt in das Schlafzimmer der Prinzessin. Er öffnet schnell das Fläschchen und träufelt der Prinzessin den Schlaf in die Augen.

Musik: Brahms: Walzer As Dur

Tanz: Ein Traum nach dem anderen kommt bei jedem Tropfen herein.

Die Prinzessin seufzt und schließt die Augen. Die Träume tanzen um sie herum, betten sie und decken sie zu. Der König und der Musikant halten am Bett der Prinzessin Wache.

Musik Ende

Erzählerin: Und die Prinzessin schlief acht Tage lang und der König und der Musikant wachten an ihrem Bett. Schließlich erwachte sie, frisch und munter ausgeruht.

Die Träume verschwinden. Die Prinzessin erwacht. Sie reckt und streckt sich. Der König, der an ihrem Bett auf dem Stuhl eingenickt war, schreckt auf und umarmt sie. Fast weint er. Der Musikant erhebt sich von seinem Stuhl und wartet.

König: Mein Kind! Mein geliebtes Kind! Du bist wieder gesund.

Prinzessin: Gesund und munter.

Der König wendet sich dem Musikanten zu.

König: Ich habe geschworen, dem Retter meiner Tochter jeden Wunsch zu erfüllen. Was wünschst du dir?

Musikant: Ich musste ja meine Bratsche beim Wurzelgeist lassen und ein Musikant ohne Instrument ist kein Musikant. Majestät, ich bitte Euch um ein neues Instrument.

Der König klatscht in die Hände. Der Diener erscheint.

König: Man bringe mir sofort die beste Bratsche im ganzen Königreich.

Der Diener verneigt sich und eilt davon. In der Zwischenzeit haben die Prinzessin und der Musikant nur Augen füreinander. Der König schmunzelt.

König: Dein Wunsch ist sehr bescheiden. Gibt es noch etwas anderes, womit ich dir eine Freude machen kann?

Musikant (mit einem Blick auf die Prinzessin): Ich bin des Herumziehens müde. Wenn ich mir noch etwas wünschen darf, dann würde ich gerne hier am Hof bleiben und der Prinzessin manchmal vorspielen.

Prinzessin (klatscht vor Freude in die Hände): Au ja!

König: Ich sehe, wie gern ihr euch habt und mache euch einen anderen Vorschlag. Heirate meine Tochter und bleibe hier am Hof, aber nicht als armer Musikant, sondern als mein Nachfolger.

Der Musikant schaut die Prinzessin an. Sie fällt ihm in die Arme.

Musikant: Von Herzen gern nehme ich Euren Vorschlag an.

Alle Mitwirkenden kommen auf die Bühne und feiern mit dem Brautpaar.

Abschlusslied „Shalalalala….“

Refrain: Shalalalala Shalalala Shalalalala Shalalala.

1. Das Böse hat sich doch zum Guten gewandt,
ja glücklich sind wir hier an unserem Waldesrand.
Schenkt die Freude weiter und gebt euch die Hand,
Frieden für das Land!
Hört nun ganz genau den Ton, Rhythmus, Melodie …
Wir stimmen fröhlich mit euch ein
und singen: One, two, three!

Refrain: Shalalalala Shalalala Shalalalala Shalalala.

2. Wir freuen uns mit Euch, dass wir zusammen singen,
ein Leid kann fröhlich nur mit Schwung und Freude klingen,
drum stimmt mit uns nun ein – das macht ihr ganz fein:
Taucht in den Klang hinein!
Hört nun ganz genau den Ton, Rhythmus, Melodie …
Wir stimmen fröhlich mit euch ein
und singen: One, two, three!

Refrain: Shalalalala Shalalala Shalalalala Shalalala.

 

ENDE