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Kapitän Maximiliano auf Schatzsuche

Wieder eine Geburtstagsgeschichte, diesmal zum vierten Geburtstag meines Sohnes! Jaja, ist schon ein bisschen länger her …

Kapitän Maximiliano auf Schatzsuche

Max war vier Jahre alt und spielte am liebsten Piraten. Er wurde dann zum gefürchteten Piratenkapitän Maximiliano, der mit seinem Schiff, der „Schwarzen Krabbe“, die sieben Weltmeere unsicher machte.

Äußerst selten konnte er seine zwei Jahre ältere Schwester Laura davon überzeugen, mit ihm zu spielen, doch diesmal war es ihm gelungen. Laura hatte sich bereit erklärt, das kleine Waisenmädchen Jenny zu sein, dass Kapitän Maximiliano als  Schiffsjungen mit an Bord genommen hatte – allerdings nur, weil er erst auf hoher See gemerkt hatte, dass der freche Fratz ein Mädchen war, und es keine Gelegenheit gab, sie wieder zurückzuschicken.

Paul, Max kleiner Bruder, spielte immer mit, ob er nun gefragt wurde oder nicht. Ihm wurde die Rolle des Schiffspapageien Loro zugeteilt, da er sowieso immer alles nachplapperte.

Dieses Mal sollte die Fahrt zu den gefährlichen Nebelinseln gehen, auf denen ein sagenhafter Schatz versteckt sein sollte, aber auch menschenfressende Eingeborene wohnten.

Maximiliano kam gerade aus einem finster aussehenden Buchladen, in dem er die Schatzkarte für die Reise besorgt hatte, als ihm Kapitän Pudelmütze, sein Erzrivale, begegnete, der im selben Moment wie Maximiliano in die Hafenkneipe „Zum schreienden Hahn“ gehen wollte. Beide quetschten sich gleichzeitig durch die Tür, da keiner dem anderen den Vortritt lassen wollte. In der Kneipe gerieten sie nach einigen Bechern Rumtreiber-Tee. Maximiliano hatte Pudelmütze von seinem Plan erzählt und dieser kam nun auf die Idee, auch nach dem Schatz zu suchen. Maximiliano fühlte die Karte in seiner rechten Brusttasche und fühlte sich sicher. Er wettete mit Pudelmütze um tausend Goldstücke, dass er den Schatz vor Pudelmütze finden werde. Beide verabschiedeten sich mit Handschlag, der besiegelte, dass sie sich in einem Monat zur Begleichung der Wettschuld hier wiedertreffen würden.

Nun waren sie auf hoher See. Kapitän Maximiliano hatte gerade mitbekommen, dass Jenny kein Schiffsjunge sondern ein Schiffsmädchen war, und hatte schrecklich schlechte Laune.

Auf dem Schiff

Jenny hatte sich auf den höchsten Mast in Sicherheit gebracht und hielt nun zusammen mit dem Schiffspapageien Loro Ausschau nach den Inseln.

Kapitän Maximiliano hielt eigenhändig das Steuer, prüfte von Zeit zu Zeit die Karte und lauschte den Hinweisen der sechs Tanten, die neben dem Steuerrad postiert waren.

Die Mannschaft schrubbte das Deck.

Am blauen Himmel war kein Wölkchen zu sehen, doch plötzlich entdeckte Jenny in der Ferne eine Nebelbank, unter der Schaumrkonen auf dem aufgewirbelten Wasser tanzten. „Hoy“, schrie sie nach unten. „Untiefe in Sicht. Wir fahren direkt darauf zu!“ „Ho, tiefe Sicht. Fahren direkt zu“, echote der Papagei. Kapitän brummte etwas in seinem Bart, zückte sein Fernrohr und sah sich die Sache genauer an. Und tatsächlich, das mußten die Inseln sein!

Ein paar Stunden später hatten sie die Stelle erreicht und tauchten in den Nebel ein. Gischt spritze und Kapitän Maximiliano gab seiner Mannschaft die Anweisung, die Segel zu reffen und mit dem Lot die Wassertiefe im Auge zu behalten. Langsam und vorsichtig schlängelte sich die „Schwarze Krabbe“ zwischen den Riffen hindurch. Jenny hielt immer noch Ausschau, doch der Nebel war so dicht, dass sie nicht einmal die Hand vor Augen sehen konnte. Plötzlich tauchte eine gewaltige, tangbedeckte Felswand direkt vor ihnen auf – die Insel! Kapitän Maximiliano riss blitzschnell das Ruder herum. Die „Schwarze Krabbe“ drehte auf der Stelle bei und saß einen Augenblick später mit einem gewaltigen RUMS auf einem vorgelagerten Felsen, der eine Handbreit aus dem Wasser ragte.

Die Matrosen versuchten alles, um das Schiff wieder flott zu bekommen. Einige tauchten sogar unter den Rumpf, um sich den Schaden von unten zu begucken, doch das Schiff saß fest und rückte und rührte sich nicht, obwohl die Brandung ringsum tobte und spritzte.

Kapitän Maximiliano und seiner Mannschaft blieb nichts anderes übrig, als die Beiboote zu Wasser zu lassen, um so den sicheren Strand zu erreichen. Die „Krabbe“ überließen sie vorerst ihrem Schicksal.

Kurz darauf ruderten sie durch die heranrollenden Wellen dem Land entgegen.

Drei der vier Boote wurden von den Brechern erfasst und so herumgewirbelt, dass sie zerschellten und die See die Matrosen einzeln an Land spuckte.

Nur das vierte Boot landete in einem Stück kopfüber auf dem weißen Sand. Ganz langsam bewegte es sich, schaukelte einen Moment und kippte dann über eine Seite auf den Kiel. Zum Vorschein kamen Kapitän Maximiliano, Jenny und vier Seeleute.  „Potz Rotzlöffel und Kanonenbart, was für einen See.“ Kapitän Maximiliano schüttelte sich den Sand aus seinen schwarzen Locken. „Potz Rotz und Kanonenfutter. Was für ein Seelachs“, krächzte nun auch der Papagei, der als einziger unbeschadet über dem Durcheinander flatterte. „Halt den Schnabel“, knurrte Kapitän Maximiliano und warf einen Schuh nach dem Vogel. „Halt den Schnabel“, wiederholte der Papagei fröhlich und setzte sich auf Maximilianos Schulter. Zärtlich knabberte er an seinem Ohr. Maximiliano mußte wider Willen kichern. Der Vogel kitzelte ihn.

Er rappelte sich hoch und sah sich um. Der Strand war von der Sonne beschienen. Der Nebelring lag nur im Wasser um die Insel herum.

Am Strand

Plötzlich stürmte eine Horde wilder Gesellen auf die Gestrandeten zu, die sich als Kapitän Pudelmütze und seine Mannschaft herausstellten. „Wir waren zuerst hier“, brüllte Pudelmütze und stürzte sich auf den verblüfften Maximiliano. Ein wüster Kampf entbrannte. Pudelmütze und Maximiliano kreutzen die Säbel immer schneller und auch ihre Matrosen waren in erbarmungslose Handgemenge und Messerkämpfe verstrickt. Die heiße Südseesonne brannte unbarmherzig auf die Kämpfenden hernieder, so dass ihnen der Schweiß ihnen von der Stirn lief .

Einzig Jenny kämpfte nicht. Sie machte sich nichts aus Pulverdampf und Säbelgerassel. Stattdessen ging sie fort, um in der Zwischenzeit die Insel zu erkunden. Loro, der Papagei folgte ihr.

Maximiliano und seine Mannschaft wehrten sich heldenhaft, doch der Übermacht von Pudelmützes Leuten waren sie nicht gewachsen. Dieser klaute Maximiliano die Schatzkarte und ließ ihn und seine Mannen fein säberlich wie die Frachtpakete verschnürt am Ufer liegen.

So wurden sie einige Stunden später von einer Horde Eingeborener gefunden, die sich neugierig aber mit erhobenen Speeren näherschlichen.

Immer noch verschnürt und an den Speeren aufgehängt, wurden sie kurz darauf unter Gejubel als „gefundenes Fressen“ ins Kanibalendorf getragen. Mißtrauisch beobachteten Maximiliano und seine Mannschaft die Eingeborenen, die fleißig Holz herbeischleppten, um über großen Feuern große Kessel mit Wasser zum Kochen zu bringen. Die Frauen putzen währenddessen Suppengemüse und warfen es in die Kessel, als Maximiliano plötzlich laut kichern mußte. Etwas kitzelte ihn am Ohr. Die Kanibalen schauten ihn mit merkwürdigen Gesichtern an, sahen jedoch, dass es sich lediglich um einen harmlosen Papageien handelte, der auf Maximilianos Brust saß und an seinem Ohr knabberte. Ihre schaurig aussehenden Gesichter verzogen sich zu einem breiten Grinsen, dann wandten sie sich wieder ihrer Arbeit zu.

Bei den Eingeborenen

„Loro“, zischte Maximiliano leise durch die Zähne, „Knabber den Strick durch.“ „Strick durch?“ wiederholte der Papagei zärtlich. Er hatte nicht verstanden. „Scht“, machte der Kapitän. Er schubste Loro mit der Nase in Richtung seiner Hände und flüstert: „Mach das Seil kaputt“, endlich verstand dieser. Kaputt machen, das konnte er und machte sich an die Arbeit. Geschickt nagte er mit Hilfe von Schnabel und Krallen Maximilianos Handfesseln durch und als dieser seine Hände befreit sah, machte er sich flugs daran, zunächst auch seine Füße und dann seine Kameraden zu befreien. Die Eingeborenen waren so sehr mit der Zubereitung der Suppe beschäftigt, dass sie gar nicht bemerkten wie sich ihr Eintopf lautlos davonschlich, so dass ihre Suppe eine Gemüsesuppe bleiben sollte.

„Kommt, hier entlang“, flüsterte Maximiliano und führte seine Mannen auf einem schmalen Pfad direkt in den Urwald. Trotz der fehlenden Schatzkarte lief er zielsicher zu einem Wasserfall, in dessen dahinterliegender Höhle der Schatz versteckt war. Kapitän Maximiliano hatte nämlich ein fotografisches Gedächtnis.

Am Höhleneingang

Allerdings kamen ihnen durch den Wasserfall vier Matrosen entgegen, die eine schwere Kiste trugen, gefolgt von Kapitän Pudelmütze, der die Ankömmlinge hämisch angrinste. „Wir sehen uns dann im „Krähenden Hahn“. Bring schon mal deinen Wetteinsatz mit. Ich werde mit der Öffnung der Kiste bis dahin warten, damit du auch was davon hast.“ Er zeigte Maximiliano eine lange Nase und alle fünf verschwanden im Dschungel.

Erschöpft und mißmutig machten sich die Seeleute der „Schwarzen Krabbe“ auf den Rückweg zu ihrem Schiff, welches immer noch auf dem Felsenriff festsaß. Müde und ratlos setzten sie sich in den Sand und starrten ihr Schiff an.

Plötzlich sah Maximiliano, wie sich etwas Blaues an Bord bewegte. Er zückte sein Fernrohr und sah genauer hin. Es war Jenny, die über die Felsen zurück auf das Schiff geklettert war und nun ihr blaues Kopftuch schwenkte. Vorsichtig machten sich die Matrosen über die glitschigen Steine auf den Weg zu ihrem Schiff.

Dort berichtete ihnen Jenny, sie habe die Schatzkiste vor den anderen entdeckt, den einzigen Gegenstand, der sich darin befand, an sich genommen und für nachfolgende Schatzsucher eine kleine Überraschung hinterlassen. Welche, wollte sie jedoch nicht verraten. Mit diesen Worten drückte sie Maximiliano eine kleine Flöte in die Hand und dieser betrachtete sie mißtrauisch. „Und nu?“ Er sah Jenny planlos an. Jenny zuckte mit den Schultern. „Ich denke, man muss sie spielen.“ „Spielen“, echote der Papagei. Kapitän Maximiliano legte die Flöte so schnell wieder in Jennys Hand, als habe er sich daran verbrannt. „Dafür bin ich nicht zuständig“, wehrte er ab. Jenny grinste und hob die Flöte an die Lippen.

Die Seeschlange

Kaum hatte sie ihr den ersten Ton entlockt, als sich eine gewaltige Seeschlange aus dem Wasser erhob und Jenny freundlich in die Augen sah. „Ich stehe zu deinen Diensten. Was ist dein Begehr?“ Jenny schaute die Schlange mehr verblüfft als erschrocken an, besann sich aber nicht lange. „Kannst du unser Schiff wieder flott machen?“ „Aber na klar“ und mit einem kleinen Schubs ihrer Schwanzspitze hob die Schlange das Boot hoch und setze es vorsichtig ins tiefe Wasser. „Ehm“, meldete sich nun Kapitän Maximiliano. „Da wäre noch etwas. Wie überzeugen wir Pudelmütze, dass Jenny den Schatz gefunden hat? Ich mein, eine kleine Flöte wird ihn schwerlich beeindrucken …“ Maximiliano schaute Jenny und die Schlange ratlos an. Auf den Lippen der Schlange erschien ein winziges Lächeln. Dann tauchte sie ab und kam mit einer wunderschönen Perlenkette, an der ein goldenes Amulett baumelte, im Maul wieder an die Wasseroberfläche. Vorsichtig legte sie Jenny die Kette um, die sie bewundernd betrachtete. Auf dem Amulett stand in verschlungenen Buchstaben geschrieben: Der Besitzer dieses Amuletts ist der rechtmäßige Eigentümer des Schatzes der Nebelinseln.“ Kapitän Maximiliano las dies ebenfalls. „Moment mal …“, begann er zu protestieren und zeigte ungläubig auf Jenny, „eigentlich bin ich … „, doch die Schlange zwinkerte Jenny noch ein letztes Mal zu und verschwand dann mit einem riesigen Platscher in der Tiefe.

Verwundert schauten Jenny, Maximiliano und Loro ihr nach. Kapitän Maximiliano wollte schon nach der Kette an Jennys Hals, doch sie hielt selbstbewußt ihre Hand auf das Amulett und funkelte ihn an. „Die gehört mir, hast du doch gehört!“ Maximiliano machte ein betretenes Gesicht. „Aber keine Angst, ich werd dich zum „Krähenden Hahn“ begleiten.“ Jenny lachte ihn versöhnlich an.

In der Kaschemme

Genau einen Monat nach ihrem ersten Zusammentreffen betraten Kapitän Maximiliano zusammen mit Jenny und Loro und Kapitän Pudelmütze den „Krähenden Hahn“ wieder. Aug in Aug saßen sie einander an dem alten Eichentisch gegenüber, auf den Pudelmützes Matrosen die Kiste gestellt hatten. „Nun wollen wir mal sehen.“ Kapitän Pudelmützes Augen blitzten schadenfroh. Langsam und bedächtig öffnete er den Deckel der Truhe. Kurz darauf verwandelte sich sein siegesgewisses Lächeln in einen ziemlich belämmerten Gesichtsausdruck. Die Kiste war bis zum Rand gefüllt mit Sand und Kieselsteinen. Oben auf lag ein Zettel, auf dem zu lesen stand: „Für alle nachfolgenden Schatzsucher! Wie ihr seht, habe ich den Schatz schon gefunden und mitgenommen. Hier ein kleiner Trostpreis für euch. Kapitän Maximiliano.“ Maximiliano schaute Jenny überrascht an. Soviel uneigennützige Loyalität hatte er ihr gar nicht zugetraut. Diese kicherte. „Hab ich’s nicht gesagt? Nur eine kleine Überraschung …“ Kapitän Maximiliano streckte seine Hand aus. „Nun bin ich wohl an der Reihe, deinen Wetteinsatz zu fordern.“ Zähneknirschend zählte Pudelmütze die tausend Taler in Maximilianos Hand, die dieser in seiner Geldkatze verschwinden ließ. „Besten Dank.“ „Besten Dank“, krächste auch der Papagei. Pudelmütze knirschte vor Zorn mit den Zähnen. „Komm Jenny, wir haben alles, was wir wollten.“ Und so ließen sie Pudelmütze mitsamt der Kiste voller Sand und Steine stehen und verließen die Kascheme.

Von diesem Tag an beschwerte sich Maximiliano nie wieder, ein Mädchen als Schiffsjungen bekommen zu haben.

„Abendessen!“ schallte es aus der Küche. Die Kinder sahen sich an und lachten. Erst jetzt bemerkten sie, dass die Abendsonne bereits rot durch die Fenster schien und sie großen Hunger hatten. Abenteuer machen hungrig! Die Kinder klettern vom Hochbett, der „Schwarzen Krabbe“ und ließen den Wust von Verkleidungs- und Spielsachen achtlos auf dem Boden liegen. Dann rannten sie in die Küche.

ENDE