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IRRLICHTER – Notizen und Entstehungsprozess

Wie ich lesen, hat euch die Geschichte gefallen. Das freut mich sehr ;). Daher möchte ich hier noch ein paar kleine Zeilen zu Entstehung und Produktion des Theaterstückes schreiben:

1. Entstehungsgeschichte

Der Plan war mit der Theater-AG meiner Tochter ein Theaterstück aus Improvisationen und Brainstorming zu entwickeln. Ähnliches hatte ich bereits selbst während meines Studiums ausprobiert und es war eine sehr spannende und lehrreiche Erfahrung. Nun mußte ich feststellen, dass es etwas anderes ist, mit zwanzig Kindern zwischen 6 und 10 Jahren zu brainstormen als mit fünf Erwachsenen über zwanzig. Im Endeffekt ist es dann so gekommen, dass die Kinder ihre Wünsche geäußert haben und ich mich daran gesetzt habe, das Theaterstück zu plotten. Danach habe ich den Kindern die Geschichte erzählt und sie nochmal um Kritik gebeten, bevor ich den Dialog entgültig geschrieben habe.

Hier sind die Wünsche, die am meisten genannt wurden und nach denen ich mich dann gerichtet habe:

Es sollte eine Detektivgeschichte werden. Es sollte etwas mit Freundschaft zu tun haben. Entweder sollten Feinde Freunde werden oder Freunde, die sich zerstritten hatten, sich wieder vertragen. Es sollte jemand gerettet werden und es sollte im Urlaub spielen.

Als klar war, dass ein Mädchen verschwunden ist, von dem alle dachte, es wäre entführt, wurde noch gewünscht, dass es zum Schluss auch eine echte Entführung sein sollte, was mein damaliges Konzept ein bisschen umgeworfen hat, da ich zunächst die Geschichte im Kopf hatte, das Mädchen wäre weggelaufen, weil ihre Eltern sich im Urlaub andauernd streiten und nun auch die anderen Kinder hässlich zu ihr sind und sie würden sie bei einer Großmutter oder Tante in der Nähe finden, zu der sie sich geflüchtet hatte. Aber Wunsch ist eben Wunsch und ich hatte versprochen, das Stück so zu schreiben, wie die Kinder das wollten, also ist es am Ende doch eine echte Entführung geworden.

Komischerweise hatte damit nun wieder die Mutter eines Mädchens Probleme, die der Meinung war, eine solche Geschichte wäre doch zu grausam und nicht kindgerecht. Das Mädchen wurde dann auch kurz darauf, angeblich wegen Zeitmangels, aus der AG genommen. Schade, aber wahr. Sie war nämlich eine gute Schauspielerin.

Im Entstehungsprozess hatten sich alle Kinder gewünscht, wieviel Text sie haben wollten und es wurde klar, dass sie die Wichtigkeit der Rolle an der Anzahl ihrer Sätze bemessen, was natürlich ganz großer Quatsch ist. Ich habe jedenfalls versucht, dadurch, dass die beiden Gruppen der Ferien- und der Dorfkinder Protagonist und Antagonist sind, keine wirklichen Hauptrollen entstehen zu lassen und die Möglichkeit offenzulassen, jeder Rolle das gleiche Gewicht zu geben.

2. Produktionsprozess

Die meiste Zeit während der Einstudierung haben wir damit verbracht, die Szenen zu stellen, was sich als eine große Herausforderung herausgestellt hat, da zum Teil mehr als zehn Kinder gleichzeitig auf der Bühne waren, aber letztlich hat es doch geklappt.

Als das größte Hindernis zum Schauspiel hat sich der Text herausgestellt, weil die Kinder erst lernen mußten, dass man auf der Bühne anders sprechen muss als im wirklichen Leben, möchte man vom Zuschauer verstanden werden. Folglich wurden im Laufe der Proben unsere Schauspielübungen immer mehr zu Sprechübungen, damit die Zuschauer bei der Premiere das Stück überhaupt verstehen.

Zweitens ist mir aufgefallen, dass es viele Kinder gibt, die nicht wissen, dass man mit seinem Körper überhaupt spielen kann und dass man, solange man auf der Bühne ist, präsent und in seiner Rolle sein muss. Sobald der Text gesprochen war, wurde wieder geträumt.

Auf diese beiden Punkte würde ich jedenfalls bei der nächsten Produktion mehr Wert legen und diese noch genauer erarbeiten. Aber für die Zeit, die wir hatten, bin ich sehr zufrieden mit der Aufführung.

Nochmal? Dann zu Vorwort und Figuren