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Blind Date

Hier nochmal ein Kurzfilmdrehbuch, aber diesmal auf Deutsch. Viel Spass beim Lesen!

EXT. KAJAKCLUB AM WEHR – TAG

Ein Wehr. Vor dem Wehr paddelt ein Kajakfahrer in voller Montur gegen den Strom und versucht das Boot gerade zu halten. Obwohl die Kamera heranzoomt, kann man wegen des Helms und der Schwimmweste nicht einmal erkennen, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt.

Nach einem bisschen dreht er ab, paddelt flussabwärts in Richtung Ufer und legt elegant am Ufer an, während schon der nächste Kajakfahrer in Richtung Wehr aufbricht.

Die Trainerin kommt ihm entgegen. Der Kajakfahrer legt seinen Helm ab und man kann nun endlich erkennen, dass es sich um eine junge Frau handelt. Ihr Name ist LAURA. Sie steigt aus.

TRAINERIN
Gut. Gute Arbeit.

Laura strahlt.

Währenddessen fällt grade der andere Kajakfahrer in der Mitte des Wehrs ins Wasser.

TRAINERIN
Oh nee.

Die Trainerin winkt ihn zum Ufer. Laura dreht sich um und beobachtet die Szene.

TRAINERIN
(zu Laura)
Und dabei tun die Männer doch immer so, als hätten sie die Weisheit mit Löffeln gefressen … Ist eben doch mehr eine Frage der Technik als der Kraft.

LAURA
Das sag ihnen mal, wenn sie das nächste Mal mit mir ausgehen.

Die Trainerin lacht.

TRAINERIN
Ich glaube, Männer, die Du mit weiblichen Fähigkeiten beeindrucken willst, suchst Du besser außerhalb des Clubs.

Laura seufzt.

LAURA
Wenn ich nur welche kennen würde. Obwohl …

Der anderen Kajakfahrer kommt mit seinem Kajak im Schlepptau an den Steg geschwommen. Er schaut Laura an, die gerade ihr Kajak schultert.

KAJAKFAHRER
Wie machst Du das bloß?

LAURA
Technik.

Der Kajakfahrer grummelt

KAJAKFAHRER
Erzähl das bloß niemanden, den Du beeindrucken willst.

Laura und die Trainerin wechseln Blicke, dann dreht sich Laura endgültig und geht, mit dem Kajak auf der Schulter.

INT. ROSTLAUBE – TAG

Vor dem Sportlercafe im ersten Stock. Ein junger Mann, relativ sportlich, steht in einer Gruppe von Freunden, als er aus dem Augenwinkel ein Mädchen vorbeilaufen sieht. Es ist auffallend hübsch und stylisch gekleidet.

Er rennt ihr nach und fasst sie am Arm.

THOMAS
Claire!

Sie dreht sich um.

CLAIRE
(kühl)
Oh, hallo.

THOMAS
Claire, können wir noch mal reden? Bitte.

Seine Freunde schauen sich neugierig um. Sie kennen das Drama offensichtlich schon.

CLAIRE
Was willst Du?

Sie dreht sich wieder um und will weitergehen.

THOMAS
So warte doch!

Er hält sie weiter am Arm fest. Sie stolpert zwei Schritte zurück.

THOMAS
Claire, so können wir nicht auseinandergehen.
(sehr leise)
Ich liebe Dich.

Offensichtlich haben es die Zuhörer doch gehört oder können vermuten, was er gesagt hat, denn es geht ein „Uhh“ durch die Gruppe.

Claire reißt sich los und glättet ihren Ärmel mit der Hand.

CLAIRE
Wir haben nicht das Geringste gemeinsam.
(extra laut, so dass sie anderen es gestimmt hören)
Du hast ja noch nicht einmal mit mir geschlafen in den drei Monaten, die wir zusammen waren!

Claire macht auf dem Absatz kehrt und geht.

Er kehrt zu der Gruppe zurück, Tränen in den Augenwinkeln. Als er aufschaut, bemerkt er, dass sie alle mit breitem Grinsen dastehen. Ein Freund kann sich nicht halten und fängt lauthals an zu lachen. Thomas dreht kurz vor der Gruppe ab und geht mit gesenktem Kopf in die andere Richtung. Er ist allein auf dem Gang. Eine Freundin zupft ihn noch am Ärmel.

FREUNDIN
Thomas, warte!

Er schüttelt ihre Hand ab und geht, ohne sich nochmal umzudrehen weiter.

INT. ARBEITSZIMMER – TAG

Man hört das Klicken von Fingern auf einer Tastatur.

Dann sieht man die Finger tippen.

Auf dem Bildschirm sieht man, dass es sich um Instantmessanger oder ein ähnliches Chatprogram handelt.

Eine Hand blättert durch ein Reisemagazin. Auf einer Seite ist eine große Jacht mit allen Schikanen abgebildet.

THOMAS (V.O.)
Ja, ich habe eine richtig große Jacht.

LAURA (V.O.)
Was ehrlich? Ich glaube es ja nicht.

In einer ganz normalen Etagenwohnung geben die Eltern ihrem Sohn sein Taschengeld. Es ist genau abgezählt.

THOMAS (V.O.)
Jaja, ist voll cool, hab ich von meinen Eltern geschenkt bekommen.

LAURA (V.O.)
Nein.

THOMAS (V.O.)
Doch.

LAURA (V.O.)
Was machst Du so?

Man sieht ihn auf dem Sportplatz Leichtathletik trainieren.

Er geht mit seinem Freund an der Bibliothek der Uni vorbei. Er schüttelt den Kopf, sie verabschieden sich. Der Freund geht hinein und er geht weiter.

THOMAS (V.O.)
Oh, ich studiere im Augenblick ein bisschen, Jura, so, weißt Du? Und Du?

Die Kamera fährt durch ein Badezimmer. Auf der Ablage liegt eine sehr spärliche Schminkausstattung. An den Binden auf hinter der Badewanne kann man erkennen, dass das Badezimmer einem Mädchen gehören muss.

LAURA (V.O.)
Äh, nicht so was Tolles, ich arbeite im Augenblick in der Parfümabteilung vom KaDeWe. Am liebsten würde ich mal Parfüm designen.

 Sie betritt das KaDeWe. Die Parfümabteilung fängt gleich hinter der Tür an. Sie geht schnellen Schrittes mit zugehaltener Nase durch zu den Aufzügen.

Man sieht ihn seine Schwester begrüßen, die hinter der Bar in einer relativ kleinen Kneipe arbeitet.

THOMAS (V.O.)
Nein wirklich? Meine Schwester hat so etwas auch mal gemacht, allerdings nur als Hobby.

Sie schaut sie im ersten Stock des KaDeWe neue Kajakhelme an.

LAURA (V.O.)
Echt? Du musst sie mir mal vorstellen. Ehm, wenn wir uns sehen.

THOMAS (V.O.)
Klar.

LAURA (V.O.)
Wann?

THOMAS (V.O.)
Hast Du Lust auf einen Ausflug mit meiner Jacht?

LAURA (V.O.)
Das wäre super!

THOMAS (V.O.)
Wir könnten uns dann danach mit meiner Schwester zum Kaffeetrinken treffen, ok?

LAURA (V.O.)
Klar! Ich freu mich ja so sehr!

TITEL: BLIND DATE

AUFBLENDE

EXT. TREPPE ZUM BOOTSHAUS – TAG

CU Kamerafahrt

Eine brüchige Treppe hinauf, Gras wächst durch die Brüche.

Zwei Füße in hochhackigen Sandalettchen kommen vorsichtig herunter.

Einer der Hacken verfängt sich in einem Spalt, der Fuß knickt um und der Hacken bricht ab.

LAURA (O.S.)
Au. So ein Mist!

Eine Hand zieht den Schuh vom Fuß. Die Kamera schwenkt an ihren rasierten Beinen, den Hotpants und dem gepiersten Bauchnabel vorbei, als sie sich mit dem Schuh wieder nach oben beugt.

Vor dem Bauch. Beide Hände versuchen den Hacken notdürftig wieder an den Schuh zu stecken.

CU

Die junge Frau, LAURA, schaut konzentriert auf den Schuh, während sie daran arbeitet. Ihr gepflegtes geschminktes Gesicht passt zum Rest ihrer Aufmachung.

Ihre Hände streifen den Schuh wieder über den Fuß.

WIDESHOT

Wir sehen nun, dass die Treppe auf ein recht verwildertes Gelände führt. Hinter ein paar alten Backsteingebäuden ist ein See zu sehen. An den Stegen liegt eine Reihe von Motorbooten. Vorsichtig und auf den Zehenspitzen geht sie weiter.

EXT. BOOTSHAUS – TAG

Eine ältere Frau mit einem blässlichen Badeanzug sitzt in einem Liegestuhl auf dem Rasen und liest Zeitung.

LAURA kommt so heiter wie möglich um die Ecke gehumpelt.

CU LAURA

Sie versucht, das Humpeln zu überspielen und durch ihr strahlendes Lächeln davon abzulenken.

LAURA
Hallo!

Die Frau schaut kurz und desinteressiert von ihrer Zeitung auf.

FRAU
Hallo.

Dann liest sie weiter.

Laura schaut sich um.

Ihr Blick bleibt an den Motorbooten hängen, die an den Stegen vor Anker liegen. Sie stützt sich auf den Tisch und lehnt sich vertraulich zu der Frau hinüber.

LAURA
Ich bin ja so aufgeregt. Ich bin von jemandem zu einer Bootsfahrt eingeladen. Und der hat mir schon so viel von seiner Jacht erzählt.

Die Frau schaut wieder nur kurz hinter ihrer Zeitung hervor.

FRAU
Ach ja? Von wem denn?

LAURA
Ehm – … mein Freund. – Sie ist ja so toll, die Jacht, mit allen Schikanen.

FRAU
Aha.

Die Frau lächelt in sich hinein und liest weiter.

Laura setzt sich vorsichtig auf einen der Stühle und schlägt die Beine übereinander und wartet.

Nach einem Weilchen trommelt sie ein wenig mit ihren lackierten Fingernägeln auf dem Tisch.

Sie schaut zur Treppe.

Sie schaut auf die Uhr,

Wartet weiter, rutscht unruhig auf ihrem Stuhl hin und her und klopft nervös mit ihren Hacken auf den Boden, dabei löst sich der Hacken wieder. Sie richtet ihn unauffällig mit dem Fuß.

LAURA
Bitte … gibt es hier irgendwo eine Umkleidekabine?

FRAU
Wenn Sie eine brauchen – … da hinter und dann die erste Tür links, gleicht neben der Treppe.

Die Frau zeigt halb von ihrer Zeitung aufschauend um die Ecke, aus der Laura gekommen ist.

INT. UMKLEIDEKABINE – TAG

Laura zieht sich gerade das Oberteil ihres Bikinis an, als sie bemerkt, dass eine fette Spinne über ihr Bein krabbelt.

Sie lässt ihren BH los und wischt hektisch die Spinne von ihrem Bein.

Die Spinne fällt auf ihre restlichen Sachen auf der Bank und krabbelt weiter. Voller Panik greift sie ihren Schuh und schlägt auf die Spinne ein, bis diese tot an ihrer weißen Bluse klebt, die oben auf dem Stapel liegt. Widerwillig entfernt sie die Spinne von ihrer Bluse, ein brauner Fleck bleibt.

Sie schaut sich um.

Genau über ihr an einem Schrank hängt noch eine größere Spinne.

Panisch stopft sie ihre Sachen in ihre Tasche und rennt mit der Tasche vor der Brust aus der Kabine.

EXT. BOOTSHAUS – TAG

Draußen bleibt sie stehen und lässt erleichtert die Tasche sinken.

Ein Mann kommt gerade die Treppe herunter. Er pfeift ihr aufreizend nach, als er an ihr vorbeigeht.

Sie schaut an sich herab und bemerkt, dass sie in ihrer Panik das Bikinioberteil verloren hat.

Sie schaut sich um. Niemand ist zu sehen.

Sie beginnt in ihrer Tasche danach zu wühlen, immer darauf bedacht ihre Brust zwischen ihren Knien und ihrer Tasche bedeckt zu halten. Sie findet es nicht. Es muss noch in der Umkleidekabine sein.

Mit ihrer Tasche vor der Brust geht vorsichtig und mit einem sehr unbehaglichen Gefühl wieder rein.

INT. UMKLEIDEKABINE – TAG

Auf Zehenspitzen geht sie durch die Kabine und fischt das leuchtend blaue Oberteil aus dem Staub.

EXT. BOOTSHAUS – TAG

CU

Das Bikinioberteil wackelt an ihrem Körper.

Laura kommt um die Ecke – diesmal ordentlich angezogen.

Der Mann ist grad dabei seine Jacht zu putzen.

Sie hält inne, stutzt. Rückt ihr Oberteil zurecht.

Die Jacht leuchtet in der Sonne. Der Mann grinst sie an.

Sie schaut sich hilflos um, lächelt  dann unsicher zurück. Unruhig tritt sie von einem Fuß auf den anderen. Sie schaut sich suchend um. Ihr Blick bleibt an den leeren Stuhl hängen, auf dem sie vorher gesessen hat.

Dann setzt sie sich auf einen der Stühle. Sie schaut auf die Uhr, dann schaut sie wieder fragend den Mann an. Er schaut interessiert zurück.

Die ältere Frau strickt inzwischen. Sie beobachtet die Situation. Sie findet die ganze Szene sehr amüsant.

Ein sportlicher junger Mann kommt die Treppe herunter.

Laura bemerkt ihn nicht, bis er ihr auf die Schulter tippt.

Sie erschreckt sich, springt auf und knickt dabei wieder mit dem Fuß um. Sie hält sich den Fuß mit einer Hand und hüpft ein bisschen.

LAURA
Autsch. Haben Sie mich aber erschreckt.

Sie mustert ihn eingehend. Er ist braungebrannt und sieht sehr gut aus. Er mustert sie ebenfalls.

THOMAS
Laura?

LAURA
Thomas?

Er nickt. Sie strahlt hocherfreut. Er streckt ihr die Hand entgegen. Sie schütteln sich die Hände.

THOMAS
Tschuldiung, hab mich einfach in der Zeit verkalkuliert. – Ich geh mal das Boot rausholen, ja?

Thomas stellt seine Sachen neben Lauras Füßen ab und geht los. Laura strahlt gespannt.

Thomas geht zur Bootshaustür, grüßt die andere Frau kurz im Vorübergehen. Sie nickt kurz zurück, fängt an zu grinsen. Dann verschwindet er in der Bootshaustür.

Laura wartet, korrigiert nochmals ihre Fingernägel.

Die Bootshaustür geht auf. Thomas kommt heraus und zieht ein Paddelboot wie einen Hund hinter sich her. Laura schaut das Boot ungläubig an.

Die Frau hat alles beobachtet und lacht.

FRAU
Jaja, das ist schon etwas ganz tolles. Mit allen Schikanen.

Laura schaut kurz und irritiert zu der Frau hin, dann ignoriert sie die Frau.

Thomas steht vor ihr als ob nichts wäre. Sie schaut ihn an, dann wieder zurück zu dem Boot.

LAURA
Aber – … ich dachte … du hattest doch was von einer großen Jacht erzählt …

THOMAS
Ach, das war doch nur nen Scherz.

Er mustert ihre Aufmachung. Dann zuckt er mit den Schultern.

THOMAS
Kann ich ja nichts dafür, wenn du alles glaubst.

EIN WENIG SPÄTER

Das Paddelboot liegt im Wasser. Laura steht mit entschlossenem Gesicht auf dem schmalen Steg daneben. Sie zieht ihre Schuhe aus und schmeißt sie hinein.

Thomas steht mit dem Rücken zu ihr auf dem Rasen und steckt sein Paddel zusammen.

THOMAS
Hier ist dein Paddel!

Er schmeißt Laura das Paddel zu und bemerkt erstaunt und anerkennend, dass sie es ohne Mühe fängt.

THOMAS
Steig schon mal ein. Musst nur in die Mitte treten. Ich komm gleich.

Dann dreht er sich wieder um und steckt sein eigenes Paddel zusammen.

Laura, die Tasche in der einen, ihr Paddel in der anderen Hand, setzt einen Fuß in das Boot.

Thomas hört Paddelschläge. Als er sich umdreht, sieht er Laura mit seinem Boot geübt auf den See hinausfahren. Er springt auf und rennt zum Steg.

THOMAS
Hey, was soll denn das? Komm zurück!!

Er versucht sie, über den Steg noch zu erreichen, rutscht auf der Entenscheiße aus und fällt mit einem lauten Platsch ins Wasser.

Sein Kopf taucht wieder auf. Erbost schaut er dem Boot nach, das auf dem See dahinschwindet.

Laura dreht den Kopf und blickt mit einem schelmischen Lächeln zurück.

Thomas kneift die Augen zusammen, die Herausforderung nimmt er an. Er beginnt dem Boot hinterher zu schwimmen.

Laura paddelt inzwischen langsam und gemütlich auf dem See.

Kurz bevor Thomas das Boot eingeholt hat, taucht er unter.

Laura hat das Boot angehalten und genießt die Sonne. Thomas Hand greift von unten das Paddel und versucht es und damit auch Laura ins Wasser zu ziehen. Sie kabbeln miteinander um das Paddel. Erst grimmig, dann immer alberner. Thomas greift ihren Arm. Schließlich fällt sie halb gezwungen, halb nachgebend ebenfalls ins Wasser.

Beide halten sich am Boot fest und können nicht mehr aufhören zu lachen.

Währenddessen schwimmt Lauras Paddel lautlos davon. Thomas bemerkt es.

THOMAS
Scheiße, das Paddel!

Laura reckt sich vom Boot weg und erwischt es grade noch an der Spitze des Blattes.

Dies ist das zweite Mal, dass Thomas sie anerkennend anschaut.

THOMAS
Eh – Sorry wegen dem Boot … quitt?

LAURA
Lügner!

THOMAS
Ebenso.

LAURA
Ok.

THOMAS
Was?

LAURA
Quitt. – Blödmann.

Beide fangen wieder an zu lachen.

ABBLENDE