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Schneeweißchen und Rosenrot – Szene 8

Szene 8          SEE

Im See schwimmt ein großer, bunter Fisch (oder mehrere). Alberich schiebt ein Boot ins Schilf. Er wirft seine Angel aus.

Der Bär beobachtet Alberich vom Ufer aus.

Die Fische betrachten interessiert den Wurm, der an der Angel hängt.

Fisch (zum Wurm): Du siehst aber lecker aus. Soll ich dich jetzt gleich verspeisen oder doch erst zum Abendbrot. Hmm, mal überlegen …

Bär (vom Ufer): He Fisch! Vorsicht! Der Wurm hängt an einer tödlichen Angel. Friss ihn nicht.

Der Fisch schaut sich um.

Fisch: Wirklich? Schade. Danke für die Warnung, lieber Bär. Du hast mir das Leben gerettet. Kann ich irgendetwas für dich tun?

Bär: Ja, das kannst du. Der die Angel auswirft ist mein Feind, der Zwerg Alberich. Ein Zauberbann umgibt ihn, so dass ich ihn nicht erreichen kann. Kannst du ihn für mich unter Wasser ziehen und ertränken?

Fisch: Aber mit Leichtigkeit kann ich das für dich tun.

Der Fisch nimmt die Angelschnur in die Flosse und beginnt zu ziehen. Der Zwerg zieht ebenfalls. Beide sind ungefähr gleich stark. Während des Tauziehens verwickelt sich der Bart des Zwerges in der Angelschnur. Er will ihn wieder entheddern und wird dabei fast vom Fisch ins Wasser gezogen. Gerade noch kann er sich wieder fangen.

Alberich: Hilfe! Hilfe!

Schneeweißchen und Rosenrot haben auf der anderen Seite des Sees Blumen gepflückt und Kränze gewunden. Sie schauen auf, eilen herbei.

Rosenrot: Wo willst du hin? Du willst doch nicht ins Wasser?

Alberich: Solch ein Narr bin ich nicht. Seht ihr nicht, der verwünschte Fisch will mich hineinziehen!

Die Mädchen halten Alberich fest und versuchen den Bart von der Schnur loszumachen, aber vergebens, Bart und Schnur sind fest ineinander verwirrt. Rosenrot zückt die Schere und schneidet dem Zwerg die Hälfte seines Bartes ab. Sie fallen zurück ins Boot und die Angel gleitet mit der anderen Hälfte des Bartes ins Wasser.

Alberich: Ist das Manier, ihr Lorche, einem das Gesicht zu schänden? Nicht genug, daß ihr mir den Bart unten abgestutzt habt, jetzt schneidet ihr mir den besten Teil davon ab: ich darf mich vor den Meinigen garnicht sehen lassen. Daß ihr laufen müßtet und die Schuhsohlen verloren hättet!

Der Zwerg schultert seinen Sack und stiefelt ohne Abschiedswort aus dem Boot.

Schneeweißchen: Wir hätten ihm nicht das Leben retten sollen?

Die Mädchen schauen ihm verwundert nach.

Rosenrot: So ein unfreundlicher Geselle. Vielleicht sollten wir ihm gar nicht mehr helfen. Er hat es nicht verdient.

Schneeweißchen: Auch wenn er es nicht verdient hat. Jede gute Tat bringt etwas Gutes hervor, auch wenn wir im Augenblick noch nicht sehen können, was es ist.

Rosenrot: Bei deiner Zuversicht muss es wohl so sein, kleine Schwester.

Schneeweißchen: Natürlich ist es so.

Schneeweißchen fasst die Schwester beim Arm und sie gehen gemeinsam zurück zu der Wiese und pflücken weiter Blumen.

Der Bär hat die ganze Szene beobachtet. Enttäuscht wendet er.

Bär: Nun ist mein Plan wieder fehlgeschlagen. Ich weiß ja, dass es gut ist jemandem zu helfen, der in Not ist, doch in diesem Fall werde ich wohl ewig als Bär durch den Wald laufen, wenn die beiden Mädchen so gut auf die Geschöpfe des Waldes achtgeben. Selbst kann ich ihn nicht besiegen, seine Zauberkraft ist zu stark und die Mädchen möchte ich nicht einweihen. Ich möchte ihren Glauben an das Gute nicht zerstören. Noch ein einziges Mal will ich versuchen, einen Verbündeten aus dem Tierreich zu gewinnen. Betet für mich, dass es gelingt.

Der Bär verschwindet im Wald.

Schneeweißchen und Rosenrot – 5. Szene

Szene 5          HÄUSCHEN VON SCHNEEWEISSCHEN UND ROSENROT

Es ist Winter. Vor den Fenstern liegt dicker Schnee. Ein lustiges Feuer prasselt im Kamin. Rosenrot sitzt am Spinnrad. Schneeweißchen schürt das Feuer. Die Mutter setzt ihre Brille auf und nimmt ein dickes Buch zur Hand.

Es klopft an der Tür.

Mutter: Geschwind, Rosenrot, mach auf, es wird ein Wanderer sein, der Obdach sucht.

Rosenrot steht auf und öffnet. Der Bär steht davor und brummt. Rosenrot springt erschreckt zurück. Schneeweißchen versteckt sich unter dem Bett.

Bär: Fürchtet euch nicht, ich tue euch nichts zuleid, ich bin halb erfroren und will mich nur ein wenig bei euch wärmen.

Mutter: Du armer Bär! Leg dich ans Feuer, und gib nur acht, dass dir dein Pelz nicht brennt. Schneeweißchen, Rosenrot, kommt hervor, der Bär tut euch nichts, er meints ehrlich.

Der Bär legt sich vor den Kamin und seufzt behaglich. Schneeweißchen und Rosenrot kommen vorsichtig und neugierig hervor.

Bär: Ich danke euch. Ohne euch wäre ich erfroren.

Rosenrot: Was tust du denn draußen in der Kälte. Solltest du nicht in einer Höhle liegen und schlafen?

Bär: Ich habe keine gefunden.

Schneeweißchen: Aber es gibt doch so viele Höhlen hier. Die Hohlsteinhöhle, die Einhornhöhle, die Silberhöhle. Wir sind oft darin geklettert im Sommer.

Bär: Wahrscheinlich wollte er, dass ich erfriere.

Rosenrot: Wer, er?

Bär: Er, der … ich kann es euch nicht sagen.

Schneeweißchen: Wer bist du?

Bär: Ich habe gehört, dass ihr euch gern am Kamin Geschichten erzählt. Da ihr mich so freundlich aufgenommen habt, will ich euch eine erzählen.

Schneeweißchen: Das stimmt. Woher weißt du das?

Rosenrot (ungeduldig): Frag doch nicht so viel. Lass uns die Geschichte hören.

Bär: Es waren einmal zwei Prinzen. Sie waren Brüder und der eine war nur ein Jahr jünger als der andere. Wie es nun einmal so Sitte ist, wurde der Ältere zum Thronfolger bestimmt. Der jüngere Prinz aber war viel geschickter mit dem Schwert als der ältere. Jegliche Kampfkunst fiel ihm leicht. Er war für das geboren, was sich der ältere hart erkämpfen musste und doch wurde er nie so gut wie sein Bruder. So war der jüngere Bruder eifersüchtig auf den anderen, weil er den Thron erben würde und der ältere, weil der Kleine so viel geschickter war in der Kriegskunst. Bald glaubte er wie sein Bruder, dass dieser den besseren König abgeben würde. Und daher ging er weg und er kehrte nicht zurück. Was meint ihr, wollte er den Platz frei machen für seinen Bruder, weil er zu der Überzeugung gekommen war, er wäre nicht der richtige?

Schneeweißchen: Das ist ja nur der Anfang der Geschichte.

Bär: Erzähl sie zuende.

Schneeweißchen: Also gut. Ich glaube, dass der ältere Prinz sich nicht feige aus dem Staub gemacht hat, sondern er hat auf seiner Reise erkannt, dass seine Rolle die Verantwortung mit sich bringt, aus seinen Fähigkeiten das beste für sein Volk zu machen, egal wie gut sie sein mögen. Und ich glaube, dass der Kleine, sobald er mit Regierungsaufgaben vom Vater betraut wurde, erkannte, dass er seine Fähigkeiten eher als Feldherr zur Geltung bringen kann, denn als König, der sich doch eher mit langweiligen Verwaltungsaufgaben zu beschäftigen hat.

Bär: Aber so war es nicht. Der Prinz kam nicht zurück.

Rosenrot: Dann ist ihm etwas zugestoßen.

Schneeweißchen: Ich bin mir sicher, dass er zurückgekommen ist. Er wird alle Schwierigkeiten gemeistert haben.

Bär: Warum glaubst du das?

Schneeweißchen: Weil Geschichten immer gut ausgehen.

Schneeweißchen krault dem Bären das Fell.

Mutter: Du kannst in Gottes Namen da am Herde liegen bleiben, so bist du vor der Kälte und dem bösen Wetter geschützt.

Bär: Ich danke Euch.

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Schneeweißchen und Rosenrot – 4. Szene

Szene 4          WALDLICHTUNG

Alexander schlägt sich im Wald durch das Dickicht. Er kommt zu einem wunderschönen kleinen Talkessel, der im Hintergrund von einer steilen Felswand abgeschlossen wird. Vor dem Felsen liegt ein dicker Wurzelstrunk eines umgekippten Baumes. Oben auf dem Felsen hat ein Adler sein Nest gebaut. Alexander ist von der Schönheit des Ortes begeistert.

Alexander: Was für ein wunderschönes kleines Tal. Hier werde ich bleiben.

Alexander legt seine Waffen und sein Gepäck ab und breitet den Mantel auf der Erde aus. Dabei summt er leise vor sich hin.

Alberich, der Zwerg, lugt aus der Felswand und beobachtet Alexander. Dann schleicht er unbemerkt um ihn herum, so dass sein endlos langer Bart einen Kreis um Alexander und sein Lager bildet. Als der Kreis geschlossen ist, tritt er leise an ihn heran und klopft ihm auf die Schulter. Alexander fährt erschreckt herum.

Alberich: Was willst du hier?

Alexander verbeugt sich gekonnt.

Alexander: Mein Name ist Alexander und ich plane, die nächsten Tage hier zu nächtigen. Wie ist Euer werter Name.

Alberich: Ich bin Alberich und hier ist mein Reich und du hast ohne meine Erlaubnis die Grenze übertreten.

Alexander: Dann bitte ich jetzt um Eure geschätzte Erlaubnis.

Der Zwerg lacht höhnisch.

Alberich: Dazu ist es zu spät. Wer mein Reich betritt, verlässt es nicht wieder. (Er hebt die Hände und beginnt zu zaubern.)

Allerleirauh, Bärentraube,
ewig trage eine Haube
und ein Kleid aus Bärenhaut
dem wilden Tiere niemand traut.

Während des Zauberspruchs steht der Prinz hilflos in dem Kreis und kann sich nicht bewegen. Bei jeder Zeile verwandelt er sich mehr und mehr in einen Bären. Der Zwerg lacht hämisch.

Alberich: Jetzt kannst du dich solange in meinem Wald aufhalten, wie du willst. Nur verlassen würde ich ihn an deiner Stelle nicht, dann erwischen dich die Jäger des Königs.

Der Bär versucht, den Zwerg mit der Tatze zu hauen, doch er kommt nicht nahe genug an den Zwerg heran.

Alberich: Versuch es nur, du kannst mich nicht berühren. Gegen meine Zauberkraft kommst du nicht an.

Bär: Ich werde einen Weg finden, mich zu befreien.

Alberich: Den gibt es nicht. Der Zauber wirkt solange ich lebe.

Bär: Dann töte ich dich.

Alberich: Das haben schon andere vor dir versucht. Ohne Erfolg.

Wieder versucht der Bär, den Zwerg mit der Tatze zu erwischen. Es klappt nicht. Der Zwerg lacht und öffnet den Kreis einen Spalt breit. Dann scheucht er den Bären hinaus.

Alberich: Husch, husch zu deinesgleichen in den Wald.

Der Bär trottet davon.

Seelenruhig sammelt der Zwerg die Habseligkeiten des Bären ein. Als er den goldenen Reif in der Tasche des Bären entdeckt, betrachtet er ihn gierig.

Alberich: Wundervoll. Diese Schätze werden meinen Reichtum mehren.

Dann nimmt er alles und verschwindet damit durch einen Spalt in der Felswand.

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Schneeweißchen und Rosenrot – 3. Szene

Szene 3          MARKT

Schneeweißchen und Rosenrot stehen hinter ihrem Stand auf dem Markt. Sie verkaufen Pilze und Waldbeeren, sowie selbstgemachte Marmeladen und Handarbeiten. Sie sind gut gelaunt und albern herum.

Rosenrot: Waldpilze, frische Waldpilze! Heute früh gesammelt! Kauft Waldpilze, ihr Leute!

Rosenrot stößt Schneeweißchen an.

Rosenrot: Jetzt bist du dran.

Schneeweißchen traut sich nicht.

Schneeweißchen (schüchtern): Du weißt, ich kann das nicht so gut wie du.

Rosenrot: Nu komm schon, irgendwann muss du es ja lernen.

Schneeweißchen lacht.

Schneeweißchen: Muss ich nicht. Ich habe ja eine Schwester, die unsere Ware sehr sehr gut anpreisen kann.

Sie lächelt Rosenrot zuckersüß an.

Rosenrot: Was wirst du bloß machen, wenn wir nicht mehr zusammen sind?

Schneeweißchen: Das darf dann eben nicht passieren. Wir heiraten einfach zwei Brüder und bleiben immer zusammen.

Rosenrot lacht.

Rosenrot: Du und deine Phantasie. Na gut, ich mach weiter. Waldpilze! Frische Waldpilze! Leckere Brombeeren! Saftige Preiselbeeren!

Alexander tritt an den Stand und betrachtet interessiert die Auslagen und die beiden Mädchen.

Alexander: Ist der Wald, in dem ihr sammelt, hier in der Nähe?

Scheeweißchen: Nicht weit von hier in diese Richtung. Wir wohnen dort am Waldrand.

Alexander: Gibt es in dieser Gegend keinen Fürsten, der auf die Früchte des Waldes Anspruch erhebt?

Rosenrot: Nein, nicht in diesem Wald. Er ist zu wild und verwunschen. Noch nicht einmal die Soldaten des Königs trauen sich hinein.

Alexander: Und ihr?

Rosenrot: Uns ist noch nie etwas passiert.

Schneeweißchen: Einmal haben wir uns verlaufen und mussten dort übernachten. Früh am Morgen bin ich aufgewacht und habe gesehen, dass wir ganz in der Nähe einer Felswand geschlafen haben. Ein paar Schritte weiter in der Dunkelheit und wir wären abgestürzt. Neben Rosenrot, die noch geschlafen hat, saß ein Kind, ganz in Weiß gekleidet. Unsere Mutter meinte, es wäre ein Engel gewesen, der uns beschützt hat.

Alexander lächelt.

Alexander (zu sich): Vielleicht ist der Wald ja genau der richtige.

Rosenrot (neugierig): Was sagt ihr?

Alexander: Ich suche einen Ort, an dem ich absolut ungestört bin und vielleicht ist dieser Wald genau der richtige dafür.

Rosenrot: Bestimmt. Niemand kommt dorthin außer uns.

Schneeweißchen: Wer seid Ihr?

Alexander: Warum denkst du, ich sei jemand besonderes?

Schneeweißchen: Nur ein Pilger oder ein Einsiedler sucht freiwillig einen solchen Ort. Und Ihr seht weder wie der eine noch der andere aus. Eher wie ein Krieger.

Alexander: Wer ich bin, erzähle ich euch wenn ich zurückkomme. (Die Mädchen schauen ihn neugierig an.) Ihr seid Schwestern? (Die Mädchen nicken.) Wart ihr jemals eifersüchtig aufeinander?

Die Schwestern schauen einander an.

Schneeweißchen: Eigentlich noch nie. Rosenrot kann unsere Ware viel besser anpreisen als ich und ich bin froh darüber.

Rosenrot: Und ich bin froh, wenn Schneeweißchen die kleinen Stickereien übernimmt. Sie hat viel mehr Geduld als ich. Und sie kann wunderschöne Geschichten erzählen. Im Winter am Kamin.

Alexander: Schneeweißchen. Rosenrot. Was für lustige Namen!

Die Mädchen kichern.

Rosenrot: Das sind nicht unsere richtigen Namen.

Schneeweißchen: Unser Vater hat sie uns gegeben. Bei unserer Geburt hat er vor dem Haus zwei Rosenbüsche gepflanzt und als sie im nächsten Sommer das erste Mal blühten, trug der eine rote und der andere weiße Rosen.

Alexander: Das ist eine schöne Geschichte. Ich muss jetzt weiterziehen, aber wenn wir uns das nächste Mal sehen, erzähle ich euch meine.

Rosenrot: Versprochen?

Alexander: Versprochen.

Alexander geht.

Schneeweißchen: Viel Glück!

Rosenrot: Waldpilze! Kauft Waldpilze ihr Leute! Leckere Waldpilze, frisch gepflückt!

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Schneeweißchen und Rosenrot – 2. Szene

Szene 2          THRONSAAL

Der König arbeitet an seinem Schreibtisch. Es klopft. Er schaut von seinen Papieren auf.

König: Herein!

Alexander tritt ein, bleibt in gemessenem Abstand vor dem Schreibtisch stehen und verbeugt sich. Wir sehen, wie Kilian, der Alexander nachgeschlichen ist, hinter der Tür stehen bleibt und lauscht.

König: Was gibt es, mein Sohn?

Alexander: Ich bin mir nicht sicher, ob ich für das Amt des Thronfolgers geeignet bin. Ich bitte Euch, mich bis zu meinem Geburtstag in die Einsamkeit zurückziehen zu dürfen, um darüber nachzudenken.

König: Du bist mein älterer Sohn und in einem halben Jahr einundzwanzig Jahre alt. Damit bist du geeignet.

Alexander: Aber bin ich auch gut genug?

Kilian hinter der Tür grinst.

König: Gut. Gehe und denke darüber nach. Ich werde dich mit allem ausstatten, was du brauchst. (der König nimmt einen Schild und ein Schwert von der Wand) Dieses Schwert und dieser Schild gehörten meinem Großvater. Sie werden dich schützen. (Er nimmt einen Mantel aus einer Truhe) Diesen Mantel hat meine Mutter gewebt. Er wird dich wärmen. (Er nimmt einen Bogen und einen Köcher mit Pfeilen von der anderen Wand) Mit diesem Bogen ging mein Vater auf die Jagd. Er wird dich nähren. (Schließlich holt er aus der Schublade des Schreibtisches einen goldenen Reif) Diesen Reif habe ich getragen, bevor ich König wurde. Er wird dich als meinen Sohn ausweisen. Bewahre die Dinge gut. Sie sind lebensnotwendig in der Fremde.

Der König möchte Alexander den Reif auf den Kopf setzen, doch dieser wehrt ab.

Alexander: Vater, ich danke Euch sehr für diese Gaben, aber ich möchte unerkannt reisen.

König: Dann stecke den Reif in dein Gepäck. So kannst du dich, wenn es nötig sein sollte, zu erkennen geben.

Alexander: Das werde ich tun. (Er umarmt seinen Vater.) Spätestens drei Tage vor meinem Geburtstag werde ich wieder da sein.

Alexander verbeugt sich und verlässt den Thronsaal. Den hinter der Tür im Flur stehenden Kilian sieht er nicht. Die Tür schlägt zu und Kilian kommt nachdenklich heraus.

Kilian: Ich weiß nicht recht, was ich denken soll. Ich möchte so gerne König werden. Ich glaube, ich wäre ein guter König. Ich würde fremde Länder erobern und das Reich vergrößern. Auf jedem Feldzug würde ich Heldentaten vollbringen. Mein Bruder ist zu nett und zu schwach dazu. Andererseits ist er mein Bruder. Es wäre am besten, er käme nicht wieder. Dann würde mein Vater mich zum Nachfolger erklären. Und wenn er doch wiederkommt? (überlegt) Josef! (Der Diener Josef erscheint.) Halte vor dem Tor Wache und melde mir sofort, wenn mein Bruder zurückkommt. Ich möchte es als erster erfahren.

Josef lächelt verschlagen.

Josef: Ich erkenne Eure Absicht, mein Herr. Soll ich meinen Dolch bereithalten?

Kilian: Nein. Ich habe andere Pläne. Sorg einfach dafür, dass ich von seiner Ankunft erfahre, bevor er das Schloss betritt.

Josef verbeugt sich.

Josef: Es wird mir ein Vergnügen sein.

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Schneeweißchen und Rosenrot – 1. Szene

Szene 1          THRONSAAL

Die beiden Prinzen Alexander und Kilian kommen fechtend in den leeren Saal. Kilian treibt Alexander vorwärts, der sich verbissen verteidigt.

Kilian: Und hey und hepp und hey!

Kilian ist in seinem Element. Alexander wird wütend und drischt immer wilder auf den Bruder ein, der elegant pariert. Immer wieder muss Alexander zurückweichen. Seine Hiebe werden wilder. Kilian weicht geschickt aus. Alexander schlägt ins Leere und fällt nach vorn auf den Boden. Kilian hält sein Schwert über ihn. Alexander keucht vor Anstrengung.

Kilian: Gewonnen!

Alexander: Du hattest Glück.

Kilian: Ich bin einfach der bessere Schwertkämpfer.

Alexander steht auf.

Alexander: Revanche.

Kilian: Kein Problem.

Sie stellen sich auf und beginnen erneut zu fechten. Der Kampf ist erbittert. Beide tanzen umeinander im Saal herum. Kilian ist schnell und geschickt. Immer wieder kann er Alexanders Schlägen ausweichen. Dieser trifft eine Vase, die auf einer Anrichte steht. Sie fällt herunter und zerbricht. Die beiden Brüder kümmern sich nicht darum. Kilian greift diesmal nicht an, sondern lässt Alexander immer wieder ins Leere laufen, was diesen nur noch wütender macht. Plötzlich schnellt Kilians Schwert nach vorn und trifft Alexander an der Schulter. Diese beginnt zu bluten. Alexander hört auf zu kämpfen und hält sich die Schulter.

Alexander (schreit): Bist du verrückt? Willst du mich umbringen?

Kilian hält sein Schwert auf ihn.

Kilian: Doppelt gewonnen, wie mir scheint. Noch eine Revanche gibt es nicht. Und wenn würdest du sie auch verlieren, Brüderchen.

Alexander: Das war unfair.

Er wirft sein Schwert weg und schmeißt sich auf den Bruder, um mit ihm zu raufen. Auch Kilian lässt sein Schwert fallen und beide wälzen sich auf dem Boden.

Kilian: Vielleicht solltest du mir den Thron überlassen. Du bist einfach zu schwach dazu.

Alexander: Das könnte dir so passen.

Kilian: Wenn nicht, nehme ich einfach mein Schwert und hole ihn mir.

Alexander: Zu einem guten König gehört mehr als nur ein guter Schwertkämpfer zu sein.

Kilian: So was denn? Ein guter Flötenspieler?

Alexander: Ein König ist diplomatisch. Er besitzt Verhandlungsgeschick.

Kilian: Was kannst du mit Worten gegen ein Schwert ausrichten?

Alexander: Ein König sorgt dafür, dass es seinem Volk gut geht.

Kilian: Das ist sentimental. Ein König vergrößert seine Macht.

Alexander: Ein König besitzt nur Untertanen, wenn er ein gutes Vorbild ist.

Kilian: Ein König besitzt die Untertanen, die er beherrschen kann.

Die beiden ringen verbissen. In diesem Punkt sind sie gleich stark.

In diesem Moment öffnet sich die Tür und der König steht im Türrahmen.

König: Was ist denn hier los? Seid ihr von allen guten Geistern verlassen?

Schweißnass stehen die beiden auf. Artig verbeugen sie sich vor ihrem Vater.

König: Wie könnt ihr euch nur so benehmen! Alexander! Du bist der ältere und trägst die Verantwortung. Was ist geschehen?

Alexander: Vater, wir haben uns nur ein wenig im Ringen geübt.

König: Im Thronsaal?

Alexander: Es regnet draußen.

König: Ich bin sehr enttäuscht von dir. In einem halben Jahr wirst du offiziell zu meinem Nachfolger erklärt und ich erwarte, dass du dich dementsprechend benimmst. Wie ist es damit zu vereinbaren, dass du dich wie ein Gassenjunge mit deinem kleinen Bruder auf dem Boden wälzt?

Alexander: Er hat mich herausgefordert, Vater.

König: Sag nichts weiter. Ich bin einfach sehr enttäuscht von dir.

Wortlos verlässt Alexander den Saal. Kilian grinst.

weiter bei Szene 2

Schneeweißchen und Rosenrot – Figuren und Szenenbilder

Hallo ihr Lieben,

ich habe mal wieder ein neues Theaterstück verzapft. In diesem Winter haben doch meine Kinder und ich in „Rapunzel“ mitgespielt und meine Tochter war der Meinung, das nächste Märchen-Stück solle unbedingt „Schneeweißchen und Rosenrot“ sein. Also habe ich mich rangesetzt und eine Theaterfassung davon geschrieben und hier ist sie:

Ich werde es so machen wie bei den Irrlichtern und jeden Tag eine Szene posten, da sonst die Artikel wahrscheinlich zu lang werden. Und ein bisschen Spannung muss ja auch dabei sein, auch wenn jeder das Märchen wahrscheinlich kennt …. 😀

Viel Spass beim Lesen!

Schneeweißchen und Rosenrot
ein Theaterstück von Patricia Bauer
nach dem Märchen der Gebrüder Grimm

Dauer ca. 1. Std.

 

FIGUREN

Kronprinz Alexander/Bär
sein jüngerer Bruder Kilian
König
Diener Josef

Schneeweißchen
Rosenrot
Mutter

Zwerg Alberich
Wurzel/Fisch/Adler

Weitere mögliche stumme Rollen (falls Kinder in das Stück eingebaut werden sollen):

Der Engel, der die Mädchen durch den Wald begleitet
Lämmchen, Täubchen (Tiere von Schneeweißchen und Rosenrot in ihrer Hütte)
Tiere, Pflanzen und Waldgeister in Alberichs Wald
Marktbesucher
weitere Fische im See

 

SZENENBILDER

Thronsaal
Markt
Wohnstube von Schneeweißchen und Rosenrot
Waldlichtung
See
Alberichs Höhle

weiter bei Szene 1

Der geraubte Schlaf, Fassung mit Musik

Wir hatten einen wundervolle Aufführung mit tollen Kostümen, schwungvoller Musik und ausgelassener Premierenfeier. Ich möchte gerne daraufhin das Stück noch einmal in der Aufführungsfassung mit euch teilen. Die Musikauswahl und die Texte der Lieder sind von Eva-Maria Wolf, mit der ich das Stück zusammen inszeniert habe. Vielleicht regt es ja zum Nachmachen an ;).

Viel Spass beim Lesen!

 

 

Der geraubte Schlaf
Ein romantisches Kindermusical nach einem Märchen

Szenen und Dialoge von Patricia Bauer
Liedtexte und Musikarrangements Eva-Maria Wolf

Dauer ca. 1. Std.

 

FIGUREN

Erzählerin

Wurzelgeist
Musikant
Prinzessin
König
Königin

Hofstaat des Königs:
Amme der Prinzessin
Dienerinnen der Prinzessin
Torwache
Schreiber
Diener

Ärzte
Ritter des Königs

Hofstaat des Wurzelgeistes:
alle Tiere, die unter der Erde leben, in ihr Höhlen bauen oder ihre Vorräte verstecken, wie:
Eichhörnchen
Kaninchen
Maulwurf
Regenwurm
Käfer
Tausendfüßler
Assel
Spinne
Maus
Dachs
Fuchs
Schnecke
Igel
Blindschleiche
Ratte
Grille
Ameise

Die goldenen Träume der Prinzessin

Fliegenpilz

Bäume

 

MUSIK

Umrahmt wird das Kindermusical von Robert Schumann:
Auszüge aus den Kinderszenen für Klavier (Opus 15)
und den Märchenbildern für Bratsche und Klavier (Opus 113).

Die Träume tanzen zum Walzer in As-Dur von Johannes Brahms (Opus 39, Nr. 15)

 

SZENENBILDER

Die Spinnstube (ein Ort neben der Hauptbühne, wo die Erzählerin sitzt)
der Wald (gut vor dem Vorhang zu spielen)
das Schlafzimmer der Prinzessin im Schloss
die Palasthöhle des Wurzelgeistes

 


 

DAS MÄRCHEN

Es war einmal ein reicher, kluger und gütiger König. Er war so reich, dass er in einem Schloss aus purem Gold wohnte, er war so klug, dass sich alle Gelehrten des Landes um ihn versammelten und ihn um Rat fragten, und er war so gütig, dass die Blumen und Gräser sich vor ihm neigten und die scheuen Tiere herbeikamen, wenn er durch die Wälder und über die Felder seines Landes ritt.

Aber trotzdem war der König nicht glücklich, denn seine einzige schöne Tochter, die er über alles liebte, hatte ein großes Unglück betroffen. Als die Prinzessin eines Tages mit ihrem goldenen Ball durch den Wald hüpfte, zertrat sie beim Spielen ganz ohne Absicht einen kleinen Fliegenpilz. Der Wurzelgeist, welcher Herr über alles ist, was im Walde wächst, wurde darüber so böse, dass er beschloss, sich zu rächen, und eines Nachts schlich er sich heimlich ins Schloss und raubte der Prinzessin ihren Schlaf. Die Prinzessin war erschreckt aufgewacht und hatte gerade noch den hässlichen braunen Wurzelgeist davoneilen sehen.

Da lag die arme Prinzessin in ihrem goldenen Bett mit brennenden Augen, die der Schlaf nicht mehr schloss, und wurde von Tag zu Tag blasser und elender. Der König ließ die berühmtesten Ärzte kommen, aber auch sie konnten der Prinzessin nicht helfen, und bald ging die traurige Kunde, dass die Prinzessin wohl sterben müsse, wenn ihr der Schlaf nicht bald zurückgegeben würde. Der König schickte viele beherzte Männer in die Wälder, um den Wurzelgeist zu fangen und ihm den Schlaf der Prinzessin wieder abzunehmen, aber niemand wusste, wo der Wurzelgeist wohnte, denn sein unterirdisches Reich war groß, und in jedem Erdloch konnte er sich verstecken. Da wurde der König so verzweifelt, dass er versprach, demjenigen, der seiner Tochter den Schlaf wiederbrächte, jeden Wunsch zu erfüllen und wenn er auch das ganze Königreich fordere.

Zu dieser Zeit wanderte ein Musikant durch das Land, und eines Tages kam er auch an den königlichen Hof. Weil der König hoffte, seine Tochter mit Musik ein wenig aufheitern zu können, ließ er den Geiger zu sich führen und bat ihn, der Prinzessin vorzuspielen. Und dieser spielte so schön, dass alle, die ihm zuhörten, ganz verzaubert waren. Auch die Prinzessin lächelte zum ersten Male wieder. Aber selbst die zartesten Töne der Geige konnte sie nicht in den Schlaf wiegen. Da wurde der Musikant traurig und beschloss, der Prinzessin zu helfen.

Noch am gleichen Tage machte er sich auf, um den Wurzelgeist zu suchen. Er wanderte drei Tage und drei Nächte durch den Wald, schaute in jedes Erdloch und unter jeden Stein, rief den Namen des Wurzelgeistes in die Lüfte und fragte jeden, der ihm begegnete, nach ihm, aber vergeblich. Müde und hungrig setzte er sich endlich am Fuß eines riesigen, hohlen Baumes nieder, und um seine trüben Gedanken zu verscheuchen, geigte er sich ein lustiges Lied. Da regte sich plötzlich etwas in dem hohlen Baumstumpf hinter ihm, und aus einem Astloch schaute das brauche, runzelige Gesicht eines kleinen Männchens hervor. Der Musikant wusste sofort, dass dies der Wurzelgeist sein musste, aber er ließ sich nichts anmerken. „Was ist das für ein Ding, von dem die schönen Töne kommen?“ fragte der Wurzelgeist. „Ich möchte diesen braunen Kasten haben, was willst du dafür?“ Der Musikant bedachte sich, dann sagte er: „Zeig mir alles, was dir gehört, ich werde mir etwas aussuchen.“ Der Wurzelgeist lachte vergnügt: „Wenn du willst, können wir gleich gehen.“ Er klatschte in die Hände, da wurde am Fuß des Baumes eine Treppe sichtbar; die stiegen sie hinunter, und immer tiefer und tiefer ging’s hinab, bis sie endlich in einen großen Saal kamen, in dem überall Truhen und Kisten standen, angefüllt mit Perlen, Gold und Edelsteinen. Der Wurzelgeist hob einen Deckel nach dem anderen auf und fragte: „Willst du dies, willst du das?“ Aber der Geiger schüttelte jedes Mal den Kopf. „Nein, nein, meine Geige ist viel, viel kostbarer.“ Endlich kamen sie an das letzte Kästchen, das ganz aus Elfenbein geschnitzt war; aber als der Geiger seine Hand danach ausstreckte, rief der Wurzelgeist schnell: „Das kannst du nicht bekommen.“ Der Geiger bat jedoch, er möchte wenigstens sehen, was in dem Kästchen sei. Da öffnete der Wurzelgeist das Kästchen, und der Musikant erblickte darin ein gläsernes Fläschchen, und als er das Fläschchen herausnahm, schaute er in eine blaue, unendliche Tiefe, auf deren Grund goldene Träume tanzten. Es war der Schlaf der Prinzessin. „Wenn du meine Geige haben willst, musst du mir dieses Fläschchen geben“, sagte der Geiger. „Nein, nein“, schrie der Wurzelgeist, „das kannst du nicht haben!“ Als die ersten Töne erklangen, kamen Maulwürfe, Mäuse, Würmer, Käfer und viele, viele andere Tiere aus ihren Löchern hervorgekrochen und lauschten, und er spielte, bis er vor Müdigkeit fast umfiel. „Bleib bei uns“, flehten die Tiere. „Deine Musik bringt uns Freude in unserem Leben hier unter der Erde, bleib bei uns mit deinem braunen Kasten.“ – „Das geht nicht“, antwortete der Geiger, „ich bin doch ein Mensch und gehöre auf die Erde. Aber ich will euch meine Geige hierlassen, wenn mir der Wurzelgeist das kleine, weiße Kästchen schenkt. Ihr müsst ihn nur darum bitten.“ Das taten die Tiere, aber der Wurzelgeist hörte nicht auf sie, er hielt das Kästchen mit beiden Händen fest und schrie, dass er es nie herausgeben würde. Da wurden die Tiere böse. Die Maulwürfe drohten, dass sie alle Zugänge zur Erde zuschütten wollten, und die Mäuse wisperten, dass sei ihm keinen Wintervorrat mehr herbei schaffen und ihn verhungern lassen würden. Als der Wurzelgeist das hörte, bekam er Angst, und es blieb ihm nichts anderes übrig, als dem Musikanten das Kästchen zu geben und ihn auf die Erde zurückzubringen.
Der Musikant eilte nun, so schnell ihn seine Füße trugen, nach dem königlichen Schloss zurück, wo er alle in tiefer Trauer fand, denn die Prinzessin lag still und weiß auf ihren Kissen und atmete kaum noch. Rasch nahm der Geiger das gläserne Fläschchen aus dem Elfenbeinkasten und tröpfelte der Prinzessin den Schlaf in die Augen, da tat sie einen tiefen Seufzer und schlief acht Tage lang. Und als sie dann ausgeschlafen hatte und erwachte, war sie schöner und lieblicher als zuvor.
Der König ließ den Geiger zu sich kommen, dankte ihm aus vollem Herzen und fragte ihn, welchen Wunsch er ihm erfüllen solle. Da bat der Musikant um eine neue Geige, denn er hatte doch seine alte beim Wurzelgeist lassen müssen. Der König befahl sofort, dass man die beste Geige im ganzen Land herbeischaffe, und er überreichte sie dem Musikanten. „Dein Wunsch ist sehr bescheiden“, sagte der König, „die hast für uns mehr getan, als wir dir jemals vergelten können.“ – „Herr König“, antwortete der Musikant, „wenn ich mir noch etwas wünschen darf, so möchte ich hier am Hof bleiben und der Prinzessin manchmal vorspielen. Ich bin des Herumziehens müde.“ – „Eine größere Freude kannst du der Prinzessin nicht machen“, sagte der König. „Ich weiß, dass sie dich und deine Geige liebgewonnen hat. Du sollst bei uns bleiben, aber nicht als Musikant, sondern ich will dich zu meinem Nachfolger machen und dir meine Tochter zur Frau geben.“ Da wurde dem armen Muskanten ganz schwindelig vor Glück. Er fasste die Prinzessin bei der Hand und versprach, von nun an ihren Schlaf zu bewachen, damit ihn niemand mehr stehlen könne – und sie lebten lange Jahre in Glück und Freude zusammen.

ENDE

 

 

Prolog                        SPINNSTUBE          

Musik: Schumann: Von fremden Ländern und Menschen

Die Erzählerin sitzt auf ihrem Platz neben der Bühne vor einem Spinnrad und spinnt. Sie hält inne und schaut auf.

Erzählerin: Hallo Kinder, schön euch zu sehen! In alten Zeiten saßen die Mädchen und Frauen zusammen in Spinnstuben wie dieser hier, spannen Wolle, webten Stoff, stellen Kleider her und erzählten sich derweil die Geschichten – …Geschichten, die wir heute Märchen nennen. Und eines davon möchte ich euch heute erzählen:

Musik: Schumann: Kuriose Geschichte

Szene 1          WALD                                                           Pantomime

Erzählerin: Es war einmal ein reicher, kluger und gütiger König. Er war so reich, dass er in einem Schloss aus purem Gold wohnte, er war so klug, dass sich alle Gelehrten des Landes um ihn versammelten und ihn um Rat fragten, und er war so gütig, dass die Blumen und Gräser sich vor ihm neigten und die scheuen Tiere herbeikamen, wenn er durch die Wälder und über die Felder seines Landes ritt. Aber trotzdem war der König nicht glücklich, denn seine einzige schöne Tochter, die er über alles liebte, hatte ein großes Unglück betroffen.

Musik: Schumann, Kuriose Geschichte

Die Prinzessin betritt die Bühne. Sie geht im Wald spazieren. Sie summt ein Lied und spielt mit ihrer goldenen Kugel. Die Tiere des Waldes kommen neugierig näher und die mutigsten lassen sich sogar von ihr streicheln. Als die Prinzessin beginnt, ihnen den Ball zuzurollen, spielen sie mit ihr. Dem Wurzelgeist gefällt das gar nicht. Er versucht, sie aus seinem Reich zu verjagen, doch sie bemerkt ihn gar nicht.

Musik Ende

Erzählerin: Als die Prinzessin eines Tages mit ihrem goldenen Ball durch den Wald hüpfte, zertrat sie beim Spielen ganz ohne Absicht einen kleinen Fliegenpilz. Der Wurzelgeist, welcher Herr über alles ist, was im Walde wächst, wurde darüber so böse, dass er beschloss, sich zu rächen …

Beim Spiel zertritt sie in unachtsamer Naivität einen Fliegenpilz (gespielt von einem Kind) unter ihren Füßen. Der Wurzelgeist ist wütend und schüttelt die Fäuste.

Musik: Schumann, Haschemann

 

Vorhang auf:

Szene 2          SCHLAFZIMMER DER PRINZESSIN        Pantomime und Tanz

Erzählerin: … und eines Nachts schlich er sich heimlich ins Schloss und raubte der Prinzessin ihren Schlaf.

Musik: Brahms, Walzer As Dur

Die Prinzessin schläft in ihrem goldenen Bett. Ihre goldenen Träume tanzen um sie herum. Der Wurzelgeist schleicht heimlich ins Schloss an das Bett der Prinzessin. Er fängt sie Träume ein, sperrt sie in ein kleines Fläschchen und hält triumphierend die Flasche in die Höhe.

Musik Ende

Die Prinzessin wacht mit einem Schrei auf. Im letzten Moment sieht sie den Wurzelgeist aus dem Zimmer huschen. Der König, die Königin, die Amme und die Dienerinnen der Prinzessin kommen, durch den Radau geweckt ans Bett.

König: Mein Kind! Ist alles in Ordnung? Geht es dir gut?

Prinzessin: Ja, ja ich glaube schon. Ich bin nur … verwirrt. (Sie reibt sich die Augen.) Ich habe … ich habe von einem hässlichen, braunen Männchen geträumt. Es hat mich durch den Wald bis ins Schloss verfolgt und wollte mir etwas stehlen. Ich weiß nicht was, nur, dass es sehr wertvoll war. Und … als es das getan hatte, bin ich aufgewacht und sah eben genau dieses Männchen aus dem Schlafzimmer huschen.

König (beruhigend):Sicher hast du noch geträumt.

Amme: Das Männchen, welches die Prinzessin beschreibt, war ganz bestimmt der Wurzelgeist, der Herr über alles ist, was im Wald lebt.

Der König lächelt milde.

König: Den Wurzelgeist gibt es nicht. Das weißt du so gut wie ich, Marie. Schlaf wieder ein, meine Tochter.

Amme (murmelt): Und doch gibt es ihn, den Wurzelgeist.

Die Prinzessin legt sich hin und versucht, die Augen zu schließen. Wie eine Puppe schießt sie wieder nach oben und bleibt erschrocken im Bett sitzen.

Prinzessin: Ich kann nicht einschlafen.

Der König starrt sie entsetzt an.

Musik: Schumann, Fürchten machen

 

Szene 3          SCHLAFZIMMER DER PRINZSSIN

Einige Tage später.

Erzählerin: Da saß die arme Prinzessin in ihrem goldenen Bett mit brennenden Augen, die der Schlaf nicht mehr schloss, und wurde von Tag zu Tag blasser und elender. Der König ließ die berühmtesten Ärzte kommen.

Der Schreiber tritt vor.

Begrüßungslied der Ärzte

Schreiber solo: Guten Morgen!
Chor: Guten Morgen!
Schreiber Solo: Good Morning!
Chor: Good Morning!
Schreiber Solo: Bonjour!
Chor:
Bonjour!
Schreiber Solo: Buenos Dias!
Chor:
Buenos Dias!
Schreiber Solo:
Kalimera!
Chor:
Kalimera!
Schreiber Solo:
Günaydin!
Chor:
Günaydin!
Schreiber Solo:
Dzien Dobry!
Chor:
Dzien Dobry!
Schreiber Solo: Buon Giorno!
Chor:
Buon Giorno!

Während des Liedes treten die Ärzte ein und begrüßen König und Königin. Sie scharen sich um das Bett der Prinzessin, die mit offenen Augen darin sitzt und keinen Schlaf findet.

Erzählerin: Die Ärzte untersuchen die Prinzessin immer und immer wieder.

Musik: Schumann, Fast zu ernst

Während der Musik untersuchen sie die Prinzessin, flößen ihr Tee und Pulver ein, verabreichen ihr Salben und Kompressen, doch nichts bringt die Prinzessin dazu, die Augen zu schließen. Die Prinzessin sitzt im Bett und schnellt jedes Mal wieder hoch wie ein Stehaufmännchen, wenn sie einer der Ärzte in die Kissen drückt. Schließlich wissen sich die Ärzte keinen Rat mehr.

Erzählerin: Sie erkennen, dass keinerlei herkömmliche Medizin der Prinzessin ihren Schlaf wiederbringen kann.

Lied der Ärzte (Melodie: Ich armes, welsches Teufli…“)

Wir können nicht mehr helfen, wir können nicht mehr helfen,
nicht helfen, wir wissen keinen Rat!
Sie hat verlor´n die Träume und kann nun nicht mehr schlafen ein,
schlafen ein, kommt lasst sie nicht allein!
Wir müssen ihn jetzt finden, den listig, kleinen Wurzelgeist,
Wurzelgeist, der durch die Wälder riest.

Arzt: Majestät, wir können der Prinzessin mit unserer Kunst nicht helfen. Ihr ist der Schlaf gestohlen worden und wenn sie ihn nicht wieder zurückbekommt, muss sie sterben.

König: Sterben?

Arzt: So ist es.

König: Nein. Nein! Das darf nicht passieren. Das will ich nicht!

Arzt: Diese Entscheidung liegt nicht in Eurer Hand.

Der König senkt den Kopf, dann fasst er sich.

König: Meine Ritter! Meine tapferen, starken Ritter! Kommt zu mir.

Musik: Schumann, Wichtige Begebenheit

Die Ritter marschieren auf die Bühne und versammeln sich um ihn.

Musik Ende

König: Ihr habt es gehört. Meine Tochter ist todkrank. Geht hinaus und findet ein Heilmittel. Geht … geht in alle Wälder, sucht nach dem Wurzelgeist und bringt meiner Tochter ihren Schlaf zurück!

Amme: Das wird nicht so einfach sein, mein Herr. Der Wurzelgeist ist listig und verschlagen und sein Reich ist groß.

König: Geht.

Die Ritter salutieren.

Ritter: Mit Freude folgen wir Eurem Befehl, Majestät!

Musik: Schumann, Der Ritter vom Steckenpferd

Die Ritter nehmen Schwert und Schild, schwingen sich auf ihre Steckenpferde und reiten in den Wald. Sie suchen in allen Ecken des Waldes, kämpfen mit den Bäumen, wenn sie glauben, den Wurzelgeist dort gefunden zu haben, doch dieser versteckt sich erfolgreich vor ihnen. Gelegentlich finden sie einen anderen Ritter, mit dem sie kämpfen, bis sie merken, dass es sich nicht um den Wurzelgeist handelt. Schließlich kehren sie erschöpft und derangiert ins Schloss zurück.

Musik Ende

Ritter: Wir haben Euren Auftrag ausgeführt, Herr, aber ein Heilmittel konnten wir nicht finden.

Der König verbirgt den Kopf in den Händen und weint.

König: Schreiber! Schreibe folgendes:

Meiner geliebten Tochter wurde vom Wurzelgeist, der Herr über
alles ist, was im Wald lebt, heimtückisch der Schlaf geraubt. Wenn sie ihren Schlaf nicht bald zurückbekommt, muss sie sterben. Demjenigen, der es schafft, den Schlaf der Prinzessin zu finden, erfülle ich JEDEN Wunsch, und wenn es mein Königreich kostet.

Hänge diese Nachricht gut sichtbar an jedes Stadttor und jede Dorfkirche im Reich.

Der Schreiber schreibt mit.

Schreiber: Sehr wohl, Majestät.

Lied des Schreibers (Melodie: „Sonnenregen überm Land…“)

1. Ich will eilen rundherum und jeder soll es sehen!
Die Wartezeit ist schon fast um, es muss etwas geschehen,
Die Wartezeit ist schon fast um, es muss etwas geschehen.
2. Leute höret mir gut zu, damit ihr mir das glaubt:
Der Wurzelgeist, der Waldesmann, hat Wertvolles geraubt!
Der Wurzelgeist, der Waldesmann, hat Wertvolles geraubt!
3. Ich will eilen rundherum und jeder soll es sehen!
Die Wartezeit ist schon fast um, es muss etwas geschehen,
Die Wartezeit ist schon fast um, es muss etwas geschehen.

Der Schreiber rollt das Dokument zusammen und geht. In diesem Moment pocht es laut vernehmlich ans Burgtor. Eine Torwache tritt ein. Sie verbeugt sich.

Torwache: Herr, vor dem Tor steht ein Musikant, der um Einlass bittet.

König: Lasst ihn herein.

Die Torwache lässt den Musikanten ein. Der Musikant verbeugt sich.

Musikant: Majestät, ich bin ein armer Musikant und ziehe von Ort zu Ort. Ich bitte Euch um ein warmes Abendessen und ein Bett für die Nacht. Gern spiele ich Euch heute Abend auf. Zu meiner Musik kann man lachen und weinen, singen, träumen, tanzen und sogar schlafen, was immer Euch gefällt.

König (zum Musikanten): Ihr bekommt Euren Mahlzeit und Euer Bett. Nur um eins bitte ich Euch: spielt für meine Tochter. Sie ist todkrank. Macht Sie ein wenig fröhlich.

Der Musikant betrachtet die Prinzessin und nickt.

Der Musikant setzt seine Bratsche ans Kinn und spielt der Prinzessin vor.

Musik: Schumann, Märchenbilder 1. Satz Nicht schnell, D-moll (verkürzt)

Die Prinzessin lächelt, aber sie schläft nicht ein.

Arzt (ruft): Sie hat gelächelt!

Hofstaat (flüstert): Sie hat gelächelt. Zum ersten Mal seit Tagen hat sie gelächelt!

König (enttäuscht): Aber sie ist nicht eingeschlafen.

Währenddessen schauen sich der Musikant und die Prinzessin tief in die Augen.

Musikant (zur Prinzessin): Was fehlt dir?

Prinzessin (flüstert heiser): Der Wurzelgeist hat meinen Schlaf gestohlen. Niemand kann ihn finden und ohne Schlaf kann ich nicht leben.

Musikant: Wo ist sein Reich?

Prinzessin: In den Wäldern.

Musikant: Ich werde dir helfen, ich verspreche es. (zum König) Ich habe Mitleid mit der Prinzessin. Ich will den Wurzelgeist suchen und nicht eher zurückkehren, bis ich ihren Schlaf gefunden habe.

Der König nickt.

König: Geh mit Gott.

Vorhang zu:

 

Szene 4          WALD                                                           Pantomime mit Musik

Der Musikant durchsucht den Wald nach dem Wurzelgeist, kann ihn aber nirgends entdecken. Die Zuschauer aber sehen den Wurzelgeist, der sich erfolgreich vor dem Musikanten versteckt und ihn an der Nase herumführt und beobachtet.

Suchlied des Musikanten (Melodie „Blau, blau, blau, so blau…):

||: Wo, wo ist er nur, kann ihn nirgends sehn!
Die Zeit läuft davon, wenn ich helfen will,
das muss er doch verstehn! :||

Der Musikant wird müde und setzt sich schließlich an den Fuß eines Baumes und beginnt auf seiner Bratsche zu spielen.

Musik: Schumann, Märchenbilder 2. Satz Lebhaft, F-Dur (verkürzt)

Der Wurzelgeist kommt neugierig hervor, stellt sich vor den Musikanten und hört zu. Der Musikant bemerkt ihn und hört auf zu spielen.

Wurzelgeist: Was ist das für ein Kasten, der solch wundervolle Musik macht?

Musikant: Das ist eine Bratsche. Und nicht die Bratsche macht die Musik, ich mache sie. Guten Tag, wer bist du, kleiner Mann?

Wurzelgeist (schnaubt durch die Nase und plustert sich auf): Halt mich nicht zum Narren. Ich habe genau gehört, wie dieser Kasten Musik gemacht hat. Ich will ihn haben.

Musikant (schmunzelt): Wer sagt, dass ich dir meine Bratsche geben möchte?

Wurzelgeist: Ich gebe dir dafür alles, was du dir wünschst.

Musikant: Alles?

Wurzelgeist: Alles. Ich kann dich reich machen und mächtig. All deine Träume kann ich erfüllen. Komm mit in mein Reich und suche dir etwas aus.

Musikant: Gut. Sehr gerne!

Der Wurzelgeist klatscht in die Hände und unter der Baumwurzel öffnet sich ein Loch, welches tief in die Erde führt. Der Musikant steht auf und sie verschwinden gemeinsam in der Höhle.

                                                                                              währenddessen: Umbau

 

Vorhang auf:

Szene 5          HÖHLE DES WURZELGEISTES

Musik: Schumann, Glückes genug

Der Wurzelgeist und der Musikant betreten die Fest- und Vorratshöhle des Wurzelgeistes. Sie ist angefüllt mit Schätzen und Diamanten, aber auch mit anderen Vorräten. In der Mitte ist eine freie Fläche.

Lied des Wurzelgeistes (Melodie: „Das wünsch ich sehr …“):

||: Das wünsch ich sehr, dass dieser Kasten bei mir wär.
Sein zarter Ton klingt fein und nur für mich allein! :||

Der Wurzelgeist geht mit dem Musikanten von einem Korb zum anderen.

Wurzelgeist: Hier findest du alle Schätze dieser Erde! Ich kann dich reicher machen als jeden König!

Der Wurzelgeist hält ihm eine Handvoll goldener Ketten hin.

Musikant (schüttelt den Kopf): Die brauche ich nicht.

Der Wurzelgeist legt die Ketten wieder zurück und zeigt ihm einen Korb voll Silbermünzen. Der Musikant schüttelt wieder den Kopf.

Musikant: Die auch nicht.

Der Wurzelgeist zeigt auf einen Korb mit Goldstücken.

Wurzelgeist: Wenn nicht Silber dann Gold?

Musikant: Nein. Meine Bratsche ist einzigartig. Sie kann nur gegen etwas Besonderes eingetauscht werden.

Wurzelgeist: Aber schau doch, wie viele Münzen es sind. Du könntest dir die ganze Welt kaufen.

Der Musikant schüttelt lächelnd den Kopf und schaut sich weiter suchend um.

Der Wurzelgeist zieht den Musikanten zu einer Kiste mit riesigen funkelnden Diamanten.

Wurzelgeist: Hier. Die schönsten Edelsteine, die es gibt. Die anmutigsten Mädchen könntest du damit betören.

Der Musikant beachtet ihn nicht. Er hat zwischen all den Kostbarkeiten ein kleines unscheinbares Kästchen entdeckt.

Musikant: Was ist in diesem Kästchen?

Der Wurzelgeist schnappt sich schnell das Kästchen und versteckt es hinter seinem Rücken.

Wurzelgeist: Das kannst du nicht haben.

Musikant: Warum? Du hast versprochen, ich dürfe mir alles aussuchen, was du besitzt.

Wurzelgeist: Das nicht!

Musikant: Du machst mich neugierig. Lass mich wenigstens einmal hineinschauen.

Wurzelgeist (zögerlich): Na gut.

Der Wurzelgeist klappt das Kästchen auf. Der Musikant sieht hinein. Auf weißem Samt liegt ein Fläschchen mit einer tiefblauen Flüssigkeit. Der Musikant schaut in die Flüssigkeit.

Tanz der gefangenen Träume:

Musik: Brahms, Walzer As-Dur

Die Bühne taucht sich in blaues Licht. Die die goldenen Träume der Prinzessin kommen hereingeschwebt und tanzen auf dem Grund des Fläschchens in dem tief dunklen Blau.

Musik Ende

Der Wurzelgeist klappt das Kästchen wieder zu, in diesem Moment verschwinden die Träume und er versteckt das Kästchen hinter seinem Rücken.

Musikant: Wenn du meine Bratsche haben willst, gibt mir das Kästchen dafür.

Wurzelgeist: Niemals.

Der Musikant zuckt mit den Schultern.

Musikant: Dann nicht.

Der Musikant stellt sich in die Mitte der freien Fläche und beginnt, die schönsten Weisen zu spielen, die ihm einfallen.

Musik: Schumann, Märchenbilder 3. Satz Rasch, D-moll (verkürzt)

Die Tiere des Waldes und der Unterwelt kommen aus allen Löchern und Spalten, scharen sich um den Musikanten und hören gebannt zu.

Der Musikant hört auf zu spielen. Abrupt stehen alle still.

Maus (flüstert): Wunderschön.

Der Musikant packt seine Bratsche in den Kasten.

Der Maulwurf zupft ihn am Ärmel.

Maulwurf: Bitte bleib bei uns.

Spinne: Deine Musik erwärmt unser Herz.

Eichhörnchen: Deine Musik würde uns in der langen Winterzeit Freude machen.

Regenwurm: Bitte bleib.

Käfer: Sie ist wie ein Leuchten in der Dunkelheit, heller und strahlender als jeder Edelstein.

Sololied der Tiere (Melodie: „Wenn der Winter müde wird,…“)

1.

Solo Dachs:    Die Musik klingt zart und schön und so leicht wie eine Feder.
Lasst uns tanzen und uns drehen, ganz verträumt singt dann jeder

Einige Tiere:   Wir glücklich und somit wollen wir sagen:
Bleib hier ohne Fragen, wir wären so froh!

Alle:                 Melodie so schön, lass uns zusammenstehen.

2.

Alle:                             Ja, der Dachs und auch der Fuchs bauen riesige Gänge
und der Hase und die Maus leben fröhlich in der Enge
und das Eichhörnchen springt, wenn Spinne und Igel
Hummel, Würmchen und Käfer ihr Liedchen gern singt:
Melodie so schön, lass uns zusammenstehen.

Während des Liedes beginnen die Tiere zu schunkeln und schließlich zu tanzen.

Musikant: Ich bin ein Mensch. Ich kann nicht bei euch unter der Erde leben. Aber ich kann in den Wald kommen und euch dort manchmal vorspielen.

Spinne (traurig): Im Winter können wir nicht über die Erde. Es ist zu kalt.

Wurzelgeist: Der Mensch dort schenkt mir den braunen Kasten. Er wird euch in trüben Wintertagen aufheitern.

Musikant: Nein. Nur, wenn du mir das Kästchen dafür gibst.

Der Wurzelgeist packt das Kästchen fester.

Maulwurf: Bitte, lieber Herr, tausche das Kästchen für die Bratsche.

Alle Tiere: Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte.

Wurzelgeist (kreischt): Nein, alles, was du willst, aber das Kästchen gebe ich NICHT her!

Der Musikant wendet sich zum Gehen.

Die Spinne hält ihn auf.

Spinne: Bitte bleib.

Der Musikant hält inne.

Spinne (zum Wurzelgeist): Wenn du ihm das Kästchen nicht tauschst, halte ich dir nicht mehr die Fliegen und Mücken fern.

Maulwurf: Und ich verstopfe alle Ausgänge zur Oberwelt.

Kaninchen: Und ich grabe keine Höhle mehr für dich.

Regenwurm: Ich sorge dann nicht mehr für frische Luft in deinem Reich.

Eichhörnchen: Und ich sammele keinen Wintervorrat mehr für dich!

Wurzelgeist (in Panik): Dann muss ich verhungern. (wieder gefasst) Gut, gut. (knurrig) Ich gebe dir das Kästchen.

Der Wurzelgeist überreicht dem Musikanten das Kästchen. Der Musikant nimmt es mit verschmitztem Lächeln und überreicht ihm im Gegenzug die Bratsche. Er verbeugt sich vor dem Wurzelgeist.

Musikant: Ich danke dir.

Musikant ab. Der Wurzelgeist stapft vor Wut mit dem Fuß auf.

Wutlied des Wurzelgeistes (Melodie: „Was mögen das für Bäume…“)

Wie konnte mir das nur passieren, mir, dem Herrscher
des Waldes und der Wurzelwelt, reich an Gold und Geld!
||:… Chef der Wurzelwelt … reich an Gold und Geld …:||

Beim Singen der letzten Zeile wird der Wurzelgeist immer leiser und verschwindet schließlich im hinteren Teil der Bühne.

Vorhang zu.

 

Szene 6          WALD                                                          

Mit dem Schlaf der Prinzessin eilt der Musikant so schnell wie es geht zurück zum Schloss.

Suchlied des Musikanten („Melodie „Blau, blau, blau, so blau…“)

||: Schnell, schnell eile ich hin zum Reich aus Gold!
Die Träume, sie werden retten dich, du Prinzessin hold! :||

währenddessen: Umbau

 

Vorhang auf:

Szene 7          SCHLAFZIMMER DER PRINZESSIN

Musik: Schumann, Fast zu ernst

Die Prinzessin sitzt wie tot mit offenen Augen in ihrem Bett. König und Königin sitzen todunglücklich neben dem Bett.

Musik Ende

Der Musikant eilt in das Schlafzimmer der Prinzessin. Er öffnet schnell das Fläschchen und träufelt der Prinzessin den Schlaf in die Augen.

Musik: Brahms: Walzer As Dur

Tanz: Ein Traum nach dem anderen kommt bei jedem Tropfen herein.

Die Prinzessin seufzt und schließt die Augen. Die Träume tanzen um sie herum, betten sie und decken sie zu. Der König und der Musikant halten am Bett der Prinzessin Wache.

Musik Ende

Erzählerin: Und die Prinzessin schlief acht Tage lang und der König und der Musikant wachten an ihrem Bett. Schließlich erwachte sie, frisch und munter ausgeruht.

Die Träume verschwinden. Die Prinzessin erwacht. Sie reckt und streckt sich. Der König, der an ihrem Bett auf dem Stuhl eingenickt war, schreckt auf und umarmt sie. Fast weint er. Der Musikant erhebt sich von seinem Stuhl und wartet.

König: Mein Kind! Mein geliebtes Kind! Du bist wieder gesund.

Prinzessin: Gesund und munter.

Der König wendet sich dem Musikanten zu.

König: Ich habe geschworen, dem Retter meiner Tochter jeden Wunsch zu erfüllen. Was wünschst du dir?

Musikant: Ich musste ja meine Bratsche beim Wurzelgeist lassen und ein Musikant ohne Instrument ist kein Musikant. Majestät, ich bitte Euch um ein neues Instrument.

Der König klatscht in die Hände. Der Diener erscheint.

König: Man bringe mir sofort die beste Bratsche im ganzen Königreich.

Der Diener verneigt sich und eilt davon. In der Zwischenzeit haben die Prinzessin und der Musikant nur Augen füreinander. Der König schmunzelt.

König: Dein Wunsch ist sehr bescheiden. Gibt es noch etwas anderes, womit ich dir eine Freude machen kann?

Musikant (mit einem Blick auf die Prinzessin): Ich bin des Herumziehens müde. Wenn ich mir noch etwas wünschen darf, dann würde ich gerne hier am Hof bleiben und der Prinzessin manchmal vorspielen.

Prinzessin (klatscht vor Freude in die Hände): Au ja!

König: Ich sehe, wie gern ihr euch habt und mache euch einen anderen Vorschlag. Heirate meine Tochter und bleibe hier am Hof, aber nicht als armer Musikant, sondern als mein Nachfolger.

Der Musikant schaut die Prinzessin an. Sie fällt ihm in die Arme.

Musikant: Von Herzen gern nehme ich Euren Vorschlag an.

Alle Mitwirkenden kommen auf die Bühne und feiern mit dem Brautpaar.

Abschlusslied „Shalalalala….“

Refrain: Shalalalala Shalalala Shalalalala Shalalala.

1. Das Böse hat sich doch zum Guten gewandt,
ja glücklich sind wir hier an unserem Waldesrand.
Schenkt die Freude weiter und gebt euch die Hand,
Frieden für das Land!
Hört nun ganz genau den Ton, Rhythmus, Melodie …
Wir stimmen fröhlich mit euch ein
und singen: One, two, three!

Refrain: Shalalalala Shalalala Shalalalala Shalalala.

2. Wir freuen uns mit Euch, dass wir zusammen singen,
ein Leid kann fröhlich nur mit Schwung und Freude klingen,
drum stimmt mit uns nun ein – das macht ihr ganz fein:
Taucht in den Klang hinein!
Hört nun ganz genau den Ton, Rhythmus, Melodie …
Wir stimmen fröhlich mit euch ein
und singen: One, two, three!

Refrain: Shalalalala Shalalala Shalalalala Shalalala.

 

ENDE

Der geraubte Schlaf

Hier kommt das Kindertheaterstück, welches wir gerade mit der Theater-AG an der Schule meiner Tochter proben. Es ist nach einem Märchen, welches die Kinder sehr gerne als Gute-Nacht-Geschichte gehört haben. Das Original-Märchen habe ich der besseren Verständlichkeit halber mit eingefügt, obwohl es nicht von mir geschrieben ist. Spezifische Musikszenen sind noch nicht eingefügt, da diese die Lehrerin bearbeitet, mit der ich das Stück zusammen inszeniere. Ich werde später nachreichen, was wir für Musik verwendet haben.

 Der geraubte Schlaf
Kindermusical nach einem Märchen

FIGUREN

Erzählerin

Wurzelgeist (kann sowohl von einem Mädchen als auch von einem Jungen gespielt werden)
Musikant
Prinzessin
König

Hofstaat des Königs:
Amme der Prinzessin
Torwache
Schreiber
Diener

Ärzte
Ritter des Königs

Hofstaat des Wurzelgeistes:
alle Tiere, die unter der Erde leben, in ihr Höhlen bauen oder ihre Vorräte verstecken
wie
Eichhörnchen
Kaninchen
Maulwurf
Regenwurm
Käfer
Tausendfüßler
Assel
Spinne
Maus
Dachs
Fuchs
Schnecke
Igel
Blindschleiche
Ratte
Grille
Ameise

Die goldenen Träume der Prinzessin (drei bis max. fünf)

Fliegenpilz

SZENENBILDER

Die Spinnstube (ein Ort neben der Hauptbühne, wo die Erzählerin sitzt)
der Wald (gut vor dem Vorhang zu spielen)
das Schlafzimmer der Prinzessin im Schloss
die Palasthöhle des Wurzelgeistes

 

DAS MÄRCHEN

Es war einmal ein reicher, kluger und gütiger König. Er war so reich, dass er in einem Schloss aus purem Gold wohnte, er war so klug, dass sich alle Gelehrten des Landes um ihn versammelten und ihn um Rat fragten, und er war so gütig, dass die Blumen und Gräser sich vor ihm neigten und die scheuen Tiere herbeikamen, wenn er durch die Wälder und über die Felder seines Landes ritt.

Aber trotzdem war der König nicht glücklich, denn seine einzige schöne Tochter, die er über alles liebte, hatte ein großes Unglück betroffen. Als die Prinzessin eines Tages mit ihrem goldenen Ball durch den Wald hüpfte, zertrat sie beim Spielen ganz ohne Absicht einen kleinen Fliegenpilz. Der Wurzelgeist, welcher Herr über alles ist, was im Walde wächst, wurde darüber so böse, dass er beschloss, sich zu rächen, und eines Nachts schlich er sich heimlich ins Schloss und raubte der Prinzessin ihren Schlaf. Die Prinzessin war erschreckt aufgewacht und hatte gerade noch den hässlichen braunen Wurzelgeist davoneilen sehen.

Da lag die arme Prinzessin in ihrem goldenen Bett mit brennenden Augen, die der Schlaf nicht mehr schloss, und wurde von Tag zu Tag blasser und elender. Der König ließ die berühmtesten Ärzte kommen, aber auch sie konnten der Prinzessin nicht helfen, und bald ging die traurige Kunde, dass die Prinzessin wohl sterben müsse, wenn ihr der Schlaf nicht bald zurückgegeben würde. Der König schickte viele beherzte Männer in die Wälder, um den Wurzelgeist zu fangen und ihm den Schlaf der Prinzessin wieder abzunehmen, aber niemand wusste, wo der Wurzelgeist wohnte, denn sein unterirdisches Reich war groß, und in jedem Erdloch konnte er sich verstecken. Da wurde der König so verzweifelt, dass er versprach, demjenigen, der seiner Tochter den Schlaf wiederbrächte, jeden Wunsch zu erfüllen und wenn er auch das ganze Königreich fordere.

Zu dieser Zeit wanderte ein Musikant durch das Land, und eines Tages kam er auch an den königlichen Hof. Weil der König hoffte, seine Tochter mit Musik ein wenig aufheitern zu können, ließ er den Geiger zu sich führen und bat ihn, der Prinzessin vorzuspielen. Und dieser spielte so schön, dass alle, die ihm zuhörten, ganz verzaubert waren. Auch die Prinzessin lächelte zum ersten Male wieder. Aber selbst die zartesten Töne der Geige konnte sie nicht in den Schlaf wiegen. Da wurde der Musikant traurig und beschloss, der Prinzessin zu helfen.

Noch am gleichen Tage machte er sich auf, um den Wurzelgeist zu suchen. Er wanderte drei Tage und drei Nächte durch den Wald, schaute in jedes Erdloch und unter jeden Stein, rief den Namen des Wurzelgeistes in die Lüfte und fragte jeden, der ihm begegnete, nach ihm, aber vergeblich. Müde und hungrig setzte er sich endlich am Fuß eines riesigen, hohlen Baumes nieder, und um seine trüben Gedanken zu verscheuchen, geigte er sich ein lustiges Lied. Da regte sich plötzlich etwas in dem hohlen Baumstumpf hinter ihm, und aus einem Astloch schaute das brauche, runzelige Gesicht eines kleinen Männchens hervor. Der Musikant wusste sofort, dass dies der Wurzelgeist sein musste, aber er ließ sich nichts anmerken. „Was ist das für ein Ding, von dem die schönen Töne kommen?“ fragte der Wurzelgeist. „Ich möchte diesen braunen Kasten haben, was willst du dafür?“ Der Musikant bedachte sich, dann sagte er: „Zeig mir alles, was dir gehört, ich werde mir etwas aussuchen.“ Der Wurzelgeist lachte vergnügt: „Wenn du willst, können wir gleich gehen.“ Er klatschte in die Hände, da wurde am Fuß des Baumes eine Treppe sichtbar; die stiegen sie hinunter, und immer tiefer und tiefer ging’s hinab, bis sie endlich in einen großen Saal kamen, in dem überall Truhen und Kisten standen, angefüllt mit Perlen, Gold und Edelsteinen. Der Wurzelgeist hob einen Deckel nach dem anderen auf und fragte: „Willst du dies, willst du das?“ Aber der Geiger schüttelte jedes Mal den Kopf. „Nein, nein, meine Geige ist viel, viel kostbarer.“ Endlich kamen sie an das letzte Kästchen, das ganz aus Elfenbein geschnitzt war; aber als der Geiger seine Hand danach ausstreckte, rief der Wurzelgeist schnell: „Das kannst du nicht bekommen.“ Der Geiger bat jedoch, er möchte wenigstens sehen, was in dem Kästchen sei. Da öffnete der Wurzelgeist das Kästchen, und der Musikant erblickte darin ein gläsernes Fläschchen, und als er das Fläschchen herausnahm, schaute er in eine blaue, unendliche Tiefe, auf deren Grund goldene Träume tanzten. Es war der Schlaf der Prinzessin. „Wenn du meine Geige haben willst, musst du mir dieses Fläschchen geben“, sagte der Geiger. „Nein, nein“, schrie der Wurzelgeist, „das kannst du nicht haben!“ Als die ersten Töne erklangen, kamen Maulwürfe, Mäuse, Würmer, Käfer und viele, viele andere Tiere aus ihren Löchern hervorgekrochen und lauschten, und er spielte, bis er vor Müdigkeit fast umfiel. „Bleib bei uns“, flehten die Tiere. „Deine Musik bringt uns Freude in unserem Leben hier unter der Erde, bleib bei uns mit deinem braunen Kasten.“ – „Das geht nicht“, antwortete der Geiger, „ich bin doch ein Mensch und gehöre auf die Erde. Aber ich will euch meine Geige hierlassen, wenn mir der Wurzelgeist das kleine, weiße Kästchen schenkt. Ihr müsst ihn nur darum bitten.“ Das taten die Tiere, aber der Wurzelgeist hörte nicht auf sie, er hielt das Kästchen mit beiden Händen fest und schrie, dass er es nie herausgeben würde. Da wurden die Tiere böse. Die Maulwürfe drohten, dass sie alle Zugänge zur Erde zuschütten wollten, und die Mäuse wisperten, dass sei ihm keinen Wintervorrat mehr herbei schaffen und ihn verhungern lassen würden. Als der Wurzelgeist das hörte, bekam er Angst, und es blieb ihm nichts anderes übrig, als dem Musikanten das Kästchen zu geben und ihn auf die Erde zurückzubringen.
Der Musikant eilte nun, so schnell ihn seine Füße trugen, nach dem königlichen Schloss zurück, wo er alle in tiefer Trauer fand, denn die Prinzessin lag still und weiß auf ihren Kissen und atmete kaum noch. Rasch nahm der Geiger das gläserne Fläschchen aus dem Elfenbeinkasten und tröpfelte der Prinzessin den Schlaf in die Augen, da tat sie einen tiefen Seufzer und schlief acht Tage lang. Und als sie dann ausgeschlafen hatte und erwachte, war sie schöner und lieblicher als zuvor.
Der König ließ den Geiger zu sich kommen, dankte ihm aus vollem Herzen und fragte ihn, welchen Wunsch er ihm erfüllen solle. Da bat der Musikant um eine neue Geige, denn er hatte doch seine alte beim Wurzelgeist lassen müssen. Der König befahl sofort, dass man die beste Geige im ganzen Land herbeischaffe, und er überreichte sie dem Musikanten. „Dein Wunsch ist sehr bescheiden“, sagte der König, „die hast für uns mehr getan, als wir dir jemals vergelten können.“ – „Herr König“, antwortete der Musikant, „wenn ich mir noch etwas wünschen darf, so möchte ich hier am Hof bleiben und der Prinzessin manchmal vorspielen. Ich bin des Herumziehens müde.“ – „Eine größere Freude kannst du der Prinzessin nicht machen“, sagte der König. „Ich weiß, dass sie dich und deine Geige liebgewonnen hat. Du sollst bei uns bleiben, aber nicht als Musikant, sondern ich will dich zu meinem Nachfolger machen und dir meine Tochter zur Frau geben.“ Da wurde dem armen Muskanten ganz schwindelig vor Glück. Er fasste die Prinzessin bei der Hand und versprach, von nun an ihren Schlaf zu bewachen, damit ihn niemand mehr stehlen könne – und sie lebten lange Jahre in Glück und Freude zusammen.

ENDE

Prolog                        SPINNSTUBE          

Die Erzählerin sitzt auf ihrem Platz neben der Bühne vor einem Spinnrad und spinnt. Sie hält inne und schaut auf.

Erzählerin: Hallo Kinder, schön euch zu sehen! In alten Zeiten saßen die Mädchen und Frauen zusammen in Spinnstuben wie dieser hier, spannen Wolle, webten Stoff, stellen Kleider her und erzählten sich derweil die Geschichten – …Geschichten, die wir heute Märchen nennen. Und eines davon möchte ich euch heute erzählen:

Vorhang auf:

 

Szene 1          WALD                                                           Pantomime oder Tanz

Erzählerin: Es war einmal ein reicher, kluger und gütiger König. Er war so reich, dass er in einem Schloss aus purem Gold wohnte, er war so klug, dass sich alle Gelehrten des Landes um ihn versammelten und ihn um Rat fragten, und er war so gütig, dass die Blumen und Gräser sich vor ihm neigten und die scheuen Tiere herbeikamen, wenn er durch die Wälder und über die Felder seines Landes ritt. Aber trotzdem war der König nicht glücklich, denn seine einzige schöne Tochter, die er über alles liebte, hatte ein großes Unglück betroffen. Als die Prinzessin eines Tages mit ihrem goldenen Ball durch den Wald hüpfte, zertrat sie beim Spielen ganz ohne Absicht einen kleinen Fliegenpilz. Der Wurzelgeist, welcher Herr über alles ist, was im Walde wächst, wurde darüber so böse, dass er beschloss, sich zu rächen …

Die Prinzessin geht im Wald spazieren. Sie summt ein Lied und spielt mit ihrer goldenen Kugel. Die Tiere des Waldes kommen neugierig näher und die mutigsten lassen sich sogar von ihr streicheln. Als die Prinzessin beginnt, ihnen den Ball zuzurollen, spielen sie mit ihr. Dem Wurzelgeist gefällt das gar nicht. Er versucht, sie aus seinem Reich zu verjagen, doch sie bemerkt ihn gar nicht. Beim Spiel zertritt sie in unachtsamer Naivität einen Fliegenpilz (gespielt von einem Kind) unter ihren Füßen. Der Wurzelgeist ist wütend und schüttelt die Fäuste.

 

Szene 2          SCHLAFZIMMER DER PRINZESSIN        Pantomime oder Tanz

Erzählerin: … und eines Nachts schlich er sich heimlich ins Schloss und raubte der Prinzessin ihren Schlaf.

Der Wurzelgeist schleicht in der Nacht ins Schloss an das Bett der Prinzessin, raubt ihren Schlaf und ihre goldenen Träume, sperrt sie in ein kleines Fläschchen und verschwindet so leise und unbemerkt wie er gekommen ist. Die Prinzessin wacht mit einem Schrei auf und sitzt dann aufrecht im Bett und kann nicht mehr einschlafen. König und Gefolge kommen, durch den Radau geweckt ans Bett.

König: Mein Kind! Ist alles in Ordnung? Geht es dir gut?

Prinzessin: Ja, ja ich glaube schon. Ich bin nur … verwirrt. (Sie reibt sich die Augen.) Ich habe … ich habe von einem hässlichen, braunen Männchen geträumt. Es hat mich durch den Wald bis ins Schloss verfolgt und wollte mir etwas stehlen. Ich weiß nicht was, nur, dass es sehr wertvoll war. Und … als es das getan hatte, bin ich aufgewacht und sah eben genau dieses Männchen aus dem Schlafzimmer huschen.

König (beruhigend):Sicher hast du noch geträumt.

Amme: Das Männchen, welches die Prinzessin beschreibt, war ganz bestimmt der Wurzelgeist, der Herr über alles ist, was im Wald lebt.

Der König lächelt milde.

König: Den Wurzelgeist gibt es nicht. Das weißt du so gut wie ich, Marie. Schlaf wieder ein, meine Tochter.

Amme (murmelt): Und doch gibt es ihn, den Wurzelgeist.

Die Prinzessin legt sich hin und versucht, die Augen zu schließen. Wie eine Puppe schießt sie wieder nach oben und bleibt erschrocken im Bett sitzen.

Prinzessin: Ich kann nicht einschlafen.

Der König starrt sie entsetzt an.

Szene 3          SCHLAFZIMMER DER PRINZSSIN

Erzählerin: Da saß die arme Prinzessin in ihrem goldenen Bett mit brennenden Augen, die der Schlaf nicht mehr schloss, und wurde von Tag zu Tag blasser und elender. Der König ließ die berühmtesten Ärzte kommen.

Einige Tage später.

Musikszene: Die berühmtesten Ärzte scharen sich um das Bett der Prinzessin, die mit offenen Augen darin liegt und keinen Schlaf findet. Sie untersuchen sie, flößen ihr Tee und Pulver ein, verabreichen ihr Salben und Kompressen, doch nichts bringt die Prinzessin dazu, die Augen zu schließen. Die Prinzessin sitzt im Bett und schnellt jedes Mal wieder hoch wie ein Stehaufmännchen, wenn sie einer der Ärzte in die Kissen drückt. Schließlich wissen sich die Ärzte keinen Rat mehr.

Arzt: Majestät, wir können der Prinzessin mit unserer Kunst nicht helfen. Ihr ist der Schlaf gestohlen worden und wenn sie ihn nicht wieder zurückbekommt, muss sie sterben.

König: Sterben?

Arzt: So ist es.

König: Nein. Nein! Das darf nicht passieren. Das will ich nicht!

Arzt: Diese Entscheidung liegt nicht in Eurer Hand.

Der König senkt den Kopf, dann fasst er sich.

König: Meine Ritter! Meine tapferen, starken Ritter! Kommt zu mir. (Die Ritter versammeln sich um ihn.) Ihr habt es gehört. Meine Tochter ist todkrank. Geht hinaus und findet ein Heilmittel. Geht … geht in alle Wälder, sucht nach dem Wurzelgeist und bringt meiner Tochter ihren Schlaf zurück!

Amme: Das wird nicht so einfach sein, mein Herr. Der Wurzelgeist ist listig und verschlagen und sein Reich ist groß.

König: Geht.

Die Ritter salutieren.

Ritter: Mit Freude folgen wir Eurem Befehl, Majestät!

Musikszene: Die Ritter nehmen Schwert und Schild, schwingen sich auf ihre Steckenpferde und reiten in den Wald. Sie suchen in allen Ecken des Waldes, kämpfen mit den Bäumen, wenn sie glauben, den Wurzelgeist dort gefunden zu haben, doch dieser versteckt sich erfolgreich vor ihnen. Gelegentlich finden sie einen anderen Ritter, mit dem sie kämpfen, bis sie merken, dass es sich nicht um den Wurzelgeist handelt. Schließlich kehren sie erschöpft und derangiert ins Schloss zurück.

Ritter: Wir haben Euren Auftrag ausgeführt, Herr, aber ein Heilmittel konnten wir nicht finden.

Der König verbirgt den Kopf in den Händen und weint.

König: Schreiber! Schreibe folgendes:

Meiner geliebten Tochter wurde vom Wurzelgeist, der Herr über
alles ist, was im Wald lebt, heimtückisch der Schlaf geraubt. Wenn sie ihren Schlaf nicht bald zurückbekommt,
muss sie sterben. Demjenigen, der es schafft, den Schlaf der Prinzessin zu finden, erfülle ich JEDEN Wunsch,
und wenn es mein Königreich kostet.

Hänge diese Nachricht gut sichtbar an jedes Stadttor und jede Dorfkirche im Reich.

Der Schreiber schreibt mit.

Schreiber: Sehr wohl, Majestät.

In diesem Moment pocht es laut vernehmlich ans Burgtor. Eine Torwache tritt ein. Sie verbeugt sich.

Torwache: Herr, vor dem Tor steht ein Geiger, der um Einlass bittet.

König: Lasst ihn herein.

Die Torwache verbeugt sich nochmals und geht.

Der König bespricht sich mit dem Schreiber. Dieser rollt das Dokument zusammen und geht.

In diesem Moment kommt die Torwache mit dem Musikanten wieder. Der Musikant verbeugt sich.

Musikant: Majestät, ich bin ein armer Musikant und ziehe von Ort zu Ort. Ich bitte Euch um ein warmes Abendessen und ein Bett für die Nacht. Gern spiele ich Euch heute Abend auf. Zu meiner Musik kann man lachen und weinen, singen, träumen, tanzen und sogar schlafen, was immer Euch gefällt.

König (zum Musikanten): Ihr bekommt Euren Mahlzeit und Euer Bett. Nur um eins bitte ich Euch: spielt für meine Tochter. Sie ist todkrank. Macht Sie ein wenig fröhlich.

Der Geiger betrachtet die Prinzessin und nickt.

Musikszene: Der Musikant setzt seine Geige ans Kinn und spielt der Prinzessin vor. Sie lächelt, aber sie schläft nicht ein.

Arzt (ruft): Sie hat gelächelt!

Hofstaat (flüstern): Sie hat gelächelt. Zum ersten Mal seit Tagen hat sie gelächelt!

König (enttäuscht): Aber sie ist nicht eingeschlafen.

Währenddessen schauen sich der Musikant und die Prinzessin tief in die Augen. Der Musikant dreht sich zum König um.

Musikant: Was fehlt dir?

Prinzessin (flüstert heiser): Der Wurzelgeist hat meinen Schlaf gestohlen. Niemand kann ihn finden und ohne Schlaf kann ich nicht leben.

Musikant: Wo ist sein Reich?

Prinzessin: In den Wäldern.

Der Musikant streicht ihr vorsichtig über die Wange.

Musikant: Ich werde dir helfen, ich verspreche es. (zum König)  Ich habe Mitleid mit der Prinzessin. Ich will den Wurzelgeist suchen und nicht eher zurückkehren, bis ich ihren Schlaf gefunden habe.

Der König nickt.

König: Geh mit Gott.

Szene 4          WALD                                                           Pantomime mit Musik

Der Musikant durchsucht den Wald nach dem Wurzelgeist, kann ihn aber nirgends entdecken. Die Zuschauer aber sehen den Wurzelgeist, der sich erfolgreich vor dem Musikanten versteckt und ihn an der Nase herumführt und beobachtet. Der Musikant wird müde und setzt sich schließlich an den Fuß eines Baumes und beginnt auf seiner Geige zu spielen. Der Wurzelgeist kommt neugierig hervor, stellt sich vor den Musikanten und hört zu. Der Musikant bemerkt ihn und hört auf zu spielen.

Wurzelgeist: Was ist das für ein Kasten, der solch wundervolle Musik macht?

Musikant: Das ist eine Geige. Und nicht die Geige macht die Musik, ich mache sie. Guten Tag, wer bist du, kleiner Mann?

Wurzelgeist (schnaubt durch die Nase und plustert sich auf): Halt mich nicht zum Narren. Ich habe genau gehört, wie dieser Kasten Musik gemacht hat. Ich will ihn haben.

Musikant (schmunzelt): Wer sagt, dass ich dir meine Geige geben möchte?

Wurzelgeist: Ich gebe dir dafür alles, was du dir wünschst.

Musikant: Alles?

Wurzelgeist: Alles. Ich kann dich reich machen und mächtig. All deine Träume kann ich erfüllen. Komm mit in mein Reich und suche dir etwas aus.

Musikant: Gut. Sehr gerne!

Der Wurzelgeist klatscht in die Hände und unter der Baumwurzel öffnet sich ein Loch, welches tief in die Erde führt. Der Musikant steht auf und sie verschwinden gemeinsam in der Höhle.

                                                                                              währenddessen: Umbau

Szene 5          HÖHLE DES WURZELGEISTES

Der Wurzelgeist und der Musikant betreten die Fest- und Vorratshöhle des Wurzelgeistes. Sie ist angefüllt mit Schätzen und Diamanten, aber auch mit anderen Vorräten. In der Mitte ist eine freie Fläche. Der Wurzelgeist geht mit dem Musikanten von einem Korb zum anderen.

Wurzelgeist: Hier findest du alle Schätze dieser Erde! Ich kann dich reicher machen als jeden König!

Der Wurzelgeist hält ihm eine Handvoll goldener Ketten hin.

Musikant (schüttelt den Kopf): Die brauche ich nicht.

Der Wurzelgeist legt die Ketten wieder zurück und zeigt ihm einen Korb voll Silbermünzen. Der Musikant schüttelt wieder den Kopf.

Musikant: Die auch nicht.

Der Wurzelgeist zeigt auf einen Korb mit Goldstücken.

Wurzelgeist: Wenn nicht Silber dann Gold?

Musikant: Nein. Meine Geige ist einzigartig. Sie kann nur gegen etwas Besonderes eingetauscht werden.

Wurzelgeist: Aber schau doch, wie viele Münzen es sind. Du könntest dir die ganze Welt kaufen.

Der Musikant schüttelt lächelnd den Kopf und schaut sich weiter suchend um.

Der Wurzelgeist zieht den Musikanten zu einer Kiste mit riesigen funkelnden Diamanten.

Wurzelgeist: Hier. Die schönsten Edelsteine, die es gibt. Die anmutigsten Mädchen könntest du damit betören.

Der Musikant beachtet ihn nicht. Er hat zwischen all den Kostbarkeiten ein kleines unscheinbares Kästchen entdeckt.

Musikant: Was ist in diesem Kästchen?

Der Wurzelgeist schnappt sich schnell das Kästchen und versteckt es hinter seinem Rücken.

Wurzelgeist: Das kannst du nicht haben.

Musikant: Warum? Du hast versprochen, ich dürfe mir alles aussuchen, was du besitzt.

Wurzelgeist: Das nicht!

Musikant: Du machst mich neugierig. Lass mich wenigstens einmal hineinschauen.

Wurzelgeist (zögerlich): Na gut.

Der Wurzelgeist klappt das Kästchen auf. Der Musikant sieht hinein. Auf weißem Samt liegt ein Fläschchen mit einer tiefblauen Flüssigkeit. Der Musikant schaut in die Flüssigkeit.

Tanzszene: Auf dem Grund des Fläschchens in dem tief dunklen Blau tanzen die goldenen Träume der Prinzessin.

Der Wurzelgeist klappt das Kästchen wieder zu und versteckt es hinter seinem Rücken.

Musikant: Wenn du meine Geige haben willst, gibt mir das Kästchen dafür.

Wurzelgeist: Niemals.

Der Musikant zuckt mit den Schultern.

Musikant: Dann nicht.

Musikszene: Der Musikant stellt sich in die Mitte der freien Fläche und beginnt, die schönsten Weisen zu spielen, die ihm einfallen.

Die Tiere des Waldes und der Unterwelt kommen aus allen Löchern und Spalten, scharen sich um den Musikanten und hören gebannt zu. Sie beginnen zu schunkeln und mit zu summen und schließlich zu tanzen.

Der Musikant hört auf zu spielen. Abrupt stehen alle still.

Maus (flüstert): Wunderschön.

Der Musikant packt seine Geige in den Geigenkasten.

Der Maulwurf zupft ihn am Ärmel.

Maulwurf: Bitte bleib bei uns.

Spinne: Deine Musik erwärmt unser Herz.

Eichhörnchen: Deine Musik würde uns in der langen Winterzeit Freude machen.

Regenwurm: Bitte bleib.

Käfer: Sie ist wie ein Leuchten in der Dunkelheit, heller und strahlender als jeder Edelstein.

Musikant: Ich bin ein Mensch. Ich kann nicht bei euch unter der Erde leben. Aber ich kann in den Wald kommen und euch dort manchmal vorspielen.

Spinne (traurig): Im Winter können wir nicht über die Erde. Es ist zu kalt.

Wurzelgeist: Der Mensch dort schenkt mir den braunen Kasten. Er wird euch in trüben Wintertagen aufheitern.

Musikant: Nein. Nur, wenn du mir das Kästchen dafür gibst.

Der Wurzelgeist packt das Kästchen fester.

Maulwurf: Bitte, lieber Herr, tausche das Kästchen für die Geige.

Alle Tiere: Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte.

Wurzelgeist (kreischt): Nein, alles, was du willst, aber das Kästchen gebe ich NICHT her!

Der Musikant wendet sich zum Gehen.

Die Spinne hält ihn auf.

Spinne: Geh nicht.

Der Musikant hält inne.

Spinne (zum Wurzelgeist): Wenn du ihm das Kästchen nicht tauschst, halte ich dir nicht mehr die Fliegen und Mücken fern.

Maulwurf: Und ich verstopfe alle Ausgänge zur Oberwelt.

Kaninchen: Und ich grabe keine Höhle mehr für dich.

Regenwurm: Ich sorge dann nicht mehr für frische Luft in deinem Reich.

Eichhörnchen: Und ich sammele keinen Wintervorrat mehr für dich!

Wurzelgeist (in Panik): Dann muss ich verhungern. (wieder gefasst) Gut, gut. (knurrig) Ich gebe dir das Kästchen.

Der Wurzelgeist überreicht dem Musikanten das Kästchen. Der Musikant nimmt es mit verschmitztem Lächeln und überreicht ihm im Gegenzug die Geige. Er verbeugt sich vor dem Wurzelgeist.

Musikant: Ich danke dir.

Musikant ab. Der Wurzelgeist stapft vor Wut mit dem Fuß auf.


 

Szene 6          WALD                                                          

Mit dem Schlaf der Prinzessin eilt der Musikant so schnell wie es geht zurück zum Schloss.

währenddessen: Umbau

 

Szene 7          SCHLAFZIMMER DER PRINZESSIN

Musikszene: Der Musikant eilt in das Schlafzimmer der Prinzessin. Die Prinzessin sitzt wie tot mit offenen Augen in ihrem Bett. Der Hofstaat hat bereits die Totenklage angestimmt.

Der Musikant öffnet schnell das Fläschchen und träufelt der Prinzessin den Schlaf in die Augen. Sie seufzt und schließt die Augen.

Tanzszene: Die Träume kommen, betten sie und decken sie zu.

Der Hofstaat verlässt das Zimmer, nur der König und der Musikant halten am Bett der Prinzessin Wache.

Die Träume tanzen um das Bett der Prinzessin, bis diese erwacht.

Erzählerin: Und die Prinzessin schlief acht Tage lang und der König und der Musikant wachten an ihrem Bett. Schließlich erwachte sie, frisch und munter ausgeruht.

Die Prinzessin erwacht. Sie reckt und streckt sich. Der König, der an ihrem Bett auf dem Stuhl eingenickt war, schreckt auf und umarmt sie. Fast weint er. Der Musikant erhebt sich von seinem Stuhl und wartet.  

König: Mein Kind! Mein geliebtes Kind! Du bist wieder gesund.

Prinzessin: Gesund und munter.

Der König wendet sich dem Musikanten zu.

König: Ich habe geschworen, dem Retter meiner Tochter jeden Wunsch zu erfüllen. Was wünschst du dir?

Musikant: Ich musste ja meine Geige beim Wurzelgeist lassen und ein Geiger ohne Geige ist …Majestät, ich bitte Euch um ein neues Instrument.

Der König klatscht in die Hände. Der Diener erscheint.

König: Man bringe mir sofort die beste Geige im ganzen Königreich.

Der Diener verneigt sich und eilt davon. In der Zwischenzeit haben die Prinzessin und der Musikant nur Augen füreinander. Der König schmunzelt.

König: Dein Wunsch ist sehr bescheiden. Gibt es noch etwas anderes, womit ich dir eine Freude machen kann?

Musikant (mit einem Blick auf die Prinzessin): Ich bin des Herumziehens müde. Wenn ich mir noch etwas wünschen darf, dann würde ich gerne hier am Hof bleiben und der Prinzessin manchmal vorspielen.

Prinzessin (klatscht vor Freude in die Hände): Au ja!

König: Ich sehe, wie gern ihr euch habt und mache euch einen anderen Vorschlag. Heirate meine Tochter und bleibe hier am Hof, aber nicht als armer Musikant, sondern als mein Nachfolger.

Der Musikant schaut die Prinzessin an. Sie fällt ihm in die Arme.

Musikant: Von Herzen gern nehme ich Euren Vorschlag an.

Musikszene: Der Hofstaat des Königs und alle Tiere des Waldes erscheinen, um die Hochzeit der Prinzessin und des Musikanten zu feiern.

ENDE

ÜBERLEGUNGEN ZU DEN MUSIK- UND TANZSZENEN

  1. Liebesthema: der Musikant spielt ein Liebesthema bei dem Versuch, die Prinzessin in den Schlaf zu wiegen, dieses wiederholt er allein im Wald (evtl. auch leicht abgewandelt und melancholischer)
  2. Tanzlied: in der Höhle des Wurzelgeistes spielt der Musikant ein Tanzlied, zu dem die Tiere tanzen und welches sich am Schluss in der Hochzeitsszene wiederholt
  3. Lied der Ärzte: Während die Ärzte die Prinzessin untersuchen, singen oder tanzen sie zu einer geschäftigen, aufgeregten Melodie, die sich langsam und in Moll als Totenklage wiederholt, wenn der Musikant mit dem Fläschchen Schlaf zurückkehrt
  4. Perkussion und/oder Sprechgesang bei Auszug und Rückkehr der Ritter
  5. Kinderlied, welches die Prinzessin auf ihrem Waldspaziergang summt und/oder singt.
  6. Melodie der Träume

Die Geige wird bei uns von einer ausgebildeten Bratschistin gespielt, das Kind auf der Bühne bekommt eine „gebastelte“ Geige als Requisit.

Diese Geschichte heißt: Lilli und der Höhlengeist

Dieses Märchen ist nicht von mir. Es wurde mir in den Sommerferien von meiner sechsjährigen Tochter diktiert und ich habe es wortwörtlich aufgeschrieben. Ich finde, die kindliche Ausdrucksweise verleiht der Geschichte ihren besonderen Charme.

Diese Geschichte heißt: Lilli und der Höhlengeist

Lilli wurde so wie alle Kinder von einer armen Frau geboren. Lilli schrie erst einmal. Dann nahm die arme Frau Lilli auf den Arm. Als sie erblickte, dass auf Lillis Ohr ein winziger Pickel war, wollte sie das Kind nicht mehr haben. Darum ging sie in eine Höhlengrotte und setzte das Baby vor der Tür von der Höhlengrotte ab. Ein paar arme Leute fanden das Baby und hoben es auf, um es aufzuziehen. Aber als erstes wollten sie herausfinden, wem das Baby richtig gehört. Aber sie fanden die Frau oder den Mann nicht. Also haben sie das Baby selber aufgezogen.

Dann wurde Lilli groß. Als Lilli jugendlich war, hat Lilli gesagt, sie will jetzt die Welt erkundigen gehen. Dann ging sie in den Eingang der Höhlengrotte und wollte wissen, was da vor sich geht. Dann ging sie die schönen Marmorstufen hinunter. Und dann sah sie glitzernde Herzkristalle. Und sie faßte einen von ihnen an. Es war der Schönste. Dann kam aus einer dunklen Ecke ein Gespenst. Lilli erschrak furchtbar. Aber als sie bemerkte, dass der Geist gar nichts Böses von ihr wollte, hat sie gelacht. Und dann küßte sie den Geist. Dann wurde er ein schöner Prinz. Als der Prinz Lilli anfaßte und an die Hand nahm, sagte er: „Ich bin der Höhlenprinz. Möchtest du mitkommen auf mein Schloss und mich heiraten?“ Lilli sagte ja. Als Lilli aber ja sagte, kam eine böse Hexe aus irgendeiner Ecke. Der Prinz zog sein Schwert und die Hexe zog ihren Zauberstab. Und die Hexe sagte: „Hokuspokus, malus locus, bonnus, jokus, hokuspokus!“ Und der Prinz kippte um. Aber da Lilli den Prinzen noch halten konnte, nahm sie schnell sein Schwert und stach die Hexe damit in den Hals. Und dann fiel die Hexe um. Lilli spürte, dass die Hexe tot war. Bloß der Kater, der bei ihr Wache gehalten hatte, war nicht tot. Er zerbiß jetzt ihren Rock und kratzte ihre Beine auf. Aber hinter ihr erhob sich eine Gestalt. Sie erschrack furchtbar, aber dann hat sie gesehen, dass das nur der Prinz war. Dann nahm der Prinz sie wieder bei der Hand und führte sie zum Ausgang.

Und oben am Ausgang stand Lillis richtige Mutter. „Mama!“ Die Frau rief: „Lilli!“ Und Lilli rannte ihrer Mutter in die Arme. Die Mutter nahm sie auf den Arm, obwohl sie schon so groß war. Dann erblickte die Mutter dern Prinzen. Dann sagte die Mutter „Hallo“ zu dem Prinzen und die Mama sagte: „Ich kenne deinen Vater und deine Mutter.“ Dann sagte Lilli: „Weißt du, Mama, wir haben besprochen, dass wir heiraten wollen, der Höhlenprinz und ich.“ Die Mama sagte: „Naja, wir haben das ja schon lange verabredet, dein Vater und der Vater vom Höhlenprinz. Dann kann es ja jetzt auch so geschehen. Aber da jetzt eure beiden Väter tot sind, beschließen jetzt die Mütter, dass ihr heiratet. Kommt Kinder, wir gehen jetzt nach draußen. Draußen wartet schon die Hochzeit auf euch.“

Richtig viele Verwandte und Freunde haben draußen richtig viel aufgebaut für eine Hochzeit von einem Mädchen das Lilli heißt und einem Prinz der Höhlen. Ein Orchester war da und zwei lange Tische mit richtig viel Buffet. Alle Hochzeitsgäste waren schon da. Sie haben sich hübsch gemacht und sahen elegant aus. Lilli und der Höhlenprinz gingen schnell in ihre Kabinen, um sich umzuziehen als Brautpaar. Und dann begann das Fest. Der neue König, der Höhlenprinz, hat gesagt: „Jetzt kann das Fest beginnen. Kapelle spielt!“ Und alle durften tanzen und das Brautpaar fing an zu tanzen und die Väter von dem Brautpaar guckten hinunter und winkten ihnen zu. Das Brautpaar winkte zurück. Nun war es Abend, alle Hochzeitsgäste gingen nach Hause und das Brautpaar ging von der Höhlengrotte auf sein Schloss und dort regierte es lange und bekam viele Kinder. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.