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IRRLICHTER – Szene 5

Auf dem Weg zurück zum Zeltplatz schlendern die Kinder nachdenklich nebeneinander her.

Kathrin: Ich wette, die Kinder aus dem Dorf haben den Brief geschrieben.

Mara: Warum? Das ergibt doch keinen Sinn.

Kathrin: Du hast es doch selbst gehört. “Das ist unser Haus. Je weniger Feriengäste, umso besser.”

Julia: Ich glaub nicht, dass Kinder so was tun würden.

Kathrin: Ich schon.

Annika: Und jetzt?

Klara: Wir tun, was in dem Brief steht. Eine andere Spur haben wir nicht.

Annika: Das kann sehr gefährlich werden.

Susanne: Dann sollten wir einen guten Schlachtplan parat haben.

Tim schaut nochmal auf den Brief.

Tim: Irrlichter? (überlegt) Wie erschreckt man Moorgeister? ….

Fleur hat inzwischen etwas auf dem Fußboden entdeckt und hebt es auf. Es ist ein kleines Büchlein.

Fleur: Hey, schaut mal.

Fleur zeigt das Buch den anderen. Tim erkennt es sofort.

Tim: Tines Tagebuch.

Kai: Zeig mal.

Fleur gibt Kai das Tagebuch. Kai blättert es aufmerksam durch.

Kai: Scheint nichts Interessantes drin zu stehen.

Tim nimmt ihm das Buch aus der Hand und schaut es ebenfalls durch. Dann schüttelt er  enttäuscht den Kopf. Auf der letzten Seite hält er erstaunt inne.

Tim: Was ist das?

Die anderen schauen ebenfalls neugierig auf die Seite.

Hanna: Das ist doch nur Gekritzel.

Tim: Nein, ist es nicht. Aber ich kann das kaum lesen. Was heißt denn das?

Frederike: Seekale, Seekole oder so ähnlich?

Nele: Das heißt Seemole. Klingt wie ein Ortsname hier in der Gegend. Moment, bin gleich wieder da.

Nele springt auf und kommt kurze Zeit später mit einer Karte und einem kleinen Büchlein zurück.

Nele: Tata! Ortsplan und Telefonbuch.

Sie klappen die Karte auf und suchen auf der Karte und im Telefonbuch fieberhaft nach den Namen. Schließlich schauen sie sich enttäuscht an.

Kai: Nirgendwo eine Seemole.

Mara: Hier auch nicht.

Kathrin: Versteh ich nicht, das muss doch ein Ort sein.

Klara (klappt entschlossen das Telefonbuch zu): Oder auch nicht. Darüber können wir uns später den Kopf zerbrechen. Wir haben noch viel zu tun bis Mitternacht.

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IRRLICHTER – Szene 4

Die alte Strandsauna in den Dünen. Hanna verfolgt eine Spur im Sand. Sie schaut auf und entdeckt das Haus. Ein Pfiff durch die Zähne. Vorsichtig geht sie um das Haus herum.

Hanna (ruft laut): Hey, kommt mal hierher. Ich hab was gefunden.

Die anderen Kinder kommen angerannt und betrachten die Strandsauna von allen Seiten.

Frederike: Eine Strandsauna.

Hanna: So, wie’s aussieht, steht sie leer.

Nele: Leise. Vielleicht is jemand drin.

Kai drückt die Klinke herunter und öffnet die Tür. Sie knarrt entsetzlich.

Hanna (triumphierend): Die Tür ist offen.

Alle Kinder schleichen in das Innere des Hauses und durchkämmen sämtliche Räume. Dann treffen sie sich im Flur wieder.

Klara (flüstert): Habt ihr was gefunden?

Die Kinder schütteln den Kopf.

Mara: Da waren wir noch nicht.

Mara zeigt auf eine Tür. Sie gehen hindurch und kommen in einen Raum, der vor kurzem benutzt worden zu sein scheint. Hier finden die Kinder zerschnittene Zeitungen, Schere und Klebstoff.

Kai: Schaut mal.

Die anderen werfen einen Blick auf die Zeitungen und schauen dann automatisch über ihre Schulter zur Tür.

Fleur (flüstert): Ob er noch da ist?

Kathrin: Woher weißt du, dass es ein ER ist?

Eine Tapetentür hinter ihnen geht auf. Eilika kommt hindurch.

Eilika (laut): Was macht ihr hier?

Die Ferienkinder schrecken zusammen und schauen sich um. Als sie sehen, dass es sich um ein Kind handelt, seufzen sie erleichtert.

Mara: Wir, äh, wir … weißt du, wer hier die Zeitungen so zerschnitten hat?

Eilika (spöttisch): Kein Ahnung.

Die anderen Dorfkinder kommen hinter dem einen durch die Tapetentür und bauen sich bedrohlich vor den Ferienkindern auf.

Mara schaut irritiert in die feindseligen Gesichter. Klara kommt ihr zu Hilfe.

Klara: Ehm, es ist nämlich … wir suchen ein Mädchen. Sie ist verschwunden …

Melanie: Hier ist sie nicht.

Frederike: Der Erpresserbrief …. er wurde aus Zeitungsbuchstaben zusammengestückelt.

Hanna: Könnt ihr uns vielleicht helfen, das Mädchen zu suchen?

Petra: Nein. Wir haben niemanden gesehen und auch kein kleines Mädchen. Und es wäre besser, wenn wir euch auch gleich nicht mehr sehen würden. Das ist unser Haus. Nur so nebenbei – verschwundene Feriengäste interessieren uns nicht, im Gegenteil, umso mehr umso besser.

Klara: (sauer) Wisst ihr, vielleicht sollte euch so was mal passieren, damit ihr mitreden könnt. Obwohl – sone Zimtzicken will wahrscheinlich eh niemand haben. (zu den anderen) Kommt wir gehen. Das war reine Zeitverschwendung.

Die Ferienkinder ab.

Die Dorfkinder brechen in Gelächter aus.

Sophia: Au weia. Wie kann man nur so’n Quatsch glauben.

Petra: Ist doch cool. Vielleicht kommen sie ja sogar wirklich ins Moor. Dann müssen wir uns ne gute Überraschung überlegen.

Fee: Ich wüßt schon was.

Melanie: Und was is nun mit dem komischen Mädchen? Is die jetzt wirklich verschwunden?

Petra: Is doch egal. Je länger sie wegbleibt, umso lustiger wird‘s.

Sophia: Wahrscheinlich is sie weggelaufen.

Frieda: Wirklich egal. (zu Fee) Los erzähl.

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IRRLICHTER – Szene 3

Auf dem Zeltplatz.

Erzähler: Am nächsten Morgen treffen sich die Kinder wieder. Es ist strahlend blauer Himmel. Keine einzige Wolke ist zu sehen.

Susanne, Frederike, Felix, Mara und Tim sitzen zwischen den Zelten und spielen. Klara und Fleur kommen hinzu.

Klara: Hi, hab ihr Tine irgendwo gesehen?

Susanne: Nicht seit gestern Nachmittag, warum?

Klara: Ihre Eltern haben mich gefragt, ob sie bei einem von uns geschlafen hat. Sie ist gestern Abend nicht zurückgekommen.

Susanne: Komisch.

Frederike: Na, ein bisschen komisch war sie ja sowieso, oder?

Mara: Vielleicht ist sie ausgerissen.

Felix: Ich könnt das nicht. Ich würd spätestens nach zwei Stunden vor Hunger sterben.

Tim: So schnell stirbt man nicht.

Julina kommt mit einem Fahrrad und einem Postkorb auf den Platz zwischen den Zelten gefahren.

Hanna: Schaut mal, da kommt die Post.

Alle Kinder stehen auf, rennen zum Fahrrad und umringen Julina. Weitere kommen dazu.

Julina nimmt professionell einen Fächer Briefe in die Hand und liest nacheinander die Namen vor.

Julina: Fuchs?

Tim: Das ist für uns.

Der Brief wechselt den Besitzer. Tim läuft mit dem Brief zum Zelt seiner Eltern.

Julina: Müller?

Felix: Hier.

Nele: Hier.

Beide lachen. Julina kann sich das Lachen grade so verkneifen und macht weiterhin ein professionelles Gesicht.

Julina: Waltraud Müller.

Nele: Das ist meine Mutter.

Der Brief wechselt den Besitzer.

Felix: Deine Mutter heißt Waltraud?

Nele zuckt mit den Schultern, will sich zum Gehen wenden, bleibt aber stehen und schaut Julina weiter interessiert zu.

Julina hält noch einen Brief in der Hand. Sie dreht und wendet ihn, räuspert sich und spricht betont langsam.

Julina: Auf dem hier steht … nun ja, ich glaub, der is für euch.

Klara: Ich nehm ihn.

Julina übergibt den Brief, nimmt ihr Fahrrad und radelt schnell davon.

Klara schaut sich den Brief von allen Seiten an. Die anderen Kinder scharen sich um sie und bestürmen sie alle gleichzeitig.

Kathrin: Lass sehen.

Kai: Was steht drauf?

Frederike: Zeig doch mal her.

Klara: Komisch.

Nele: Was ist?

Klara: Schaut mal, was da drauf steht: An die Kinder vom Zeltplatz. In ausgeschnittenen Zeitungsbuchstaben? Welcher Depp macht denn so was?

Klara reißt den Brief auf.

Annika: Darfst du das denn überhaupt?

Klara: Der Brief ist doch für uns, oder?

Sie nimmt den Brief heraus und liest ihn. Die anderen recken die Hälse, um auch etwas sehen zu können.

Als sie fertig ist mit Lesen, senkt sie das Blatt Papier und steht wie vom Donner gerührt da.

Klara: Ach du meine Scheiße.

Julia: Das sagt man doch nicht.

Fleur: Meine Mutter sagt immer –

Klara: Haltet mal die Klappe und hört zu. Hier steht:

Wir haben Tine. Wenn ihr sie wiederhaben wollt, kommt um Mitternacht ALLEIN zur dicken Eiche im Moor. Dort findet ihr weitere Anweisungen. Gez. die Irrlichter

Stille. Alle setzen sich langsam in einen Kreis.

Kathrin: Hätten wir sie nicht ausgelacht, wär sie nicht …

Klara: … fortgelaufen und …

Mara: … den beiden komischen Verfolgern direkt in die Arme.

Tim (entschlossen): Wir bringen das wieder in Ordnung.

Annika: Sollten wir den Brief nicht ihren Eltern zeigen?

Tim: Und was sollen wir ihnen sagen? Tut uns ja leid, wir sind schuld daran, dass Ihre Tochter gekidnappt wurde? Nein, ich denke, wir müssen das allein wieder gutmachen.

Annika: Können wir das denn?

Die anderen Kinder nicken zustimmend. Annika bleibt skeptisch, doch die anderen stecken enthusiastisch die Köpfe zusammen.

Susanne: Also ich finde, wir sollten uns zunächst in den Dünen umschauen.

Klara:  Am besten, wir teilen uns auf und durchkämmen die Gegend.

Tim: Ok, los kommt.

Die Kinder rennen davon. Annika bleibt als einzige stehen.

Annika (zu sich): Also ich weiß nicht. (dann plötzlich entschlossen) Ich geh jetzt zu ihren Eltern und erzähl ihnen alles.

Sie wendet sich und geht zu einem der Zelte. Als sie eintreten will, hört sie von innen ein lautes Gespräch, was sie innehalten lässt. Sie lauscht.

Mutter: Was willst du nun tun?

Vater: Nichts. Hier steht, dass die Entführer Tine nichts tun werden, solange ich mich an ihre Anweisungen halte. Sobald die Zulassung durch ist, lassen sie sie frei.

Mutter: Du willst die Zulassung befürworten?

Vater: Ich bin kein Held und meine Tochter keine Märtyrerin. Ich geh jetzt wieder an die Arbeit.

Annika schleicht sich, ohne das Zelt betreten zu haben, leise wieder davon.

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