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Lilli begegnet den Ponies

Hier eine Geschichte, die für ein Bilderbuch für die ganz Kleinen (Zwei- bis Dreijährige) gedacht ist und eine Frage. Gibt es jemanden, der Lust hätte, zu der Geschichte Bilder zu malen (ich kann das leider aufgrund Talentlosigkeit nicht)? Ich würde sie mit der Geschichte veröffentlichen …

 

Lilli begegnet den Ponies

 

Mama und ihre große Schwester Susanne gehen mit Lilli zu den Ponys. Lilli liebt Ponys.

Susanne bindet ihr Pony Max zum Putzen an. Lilli läuft auf Max zu. Sie will ihn streicheln.

Max ist groß. Er senkt den Kopf und schnuppert. Dann schnaubt er.

Mit einem Satz springt Lilli zurück und klammert sich an Mamas Bein. Mama nimmt sie auf den Arm.

Lilli streichelt Max Nase. Max beginnt zu knabbern. Schnell zieht Lilli die Hand weg.

Susanne hat eine Idee. Sie nimmt Lilli und setzt sie auf Max Rücken. Jetzt ist Lilli groß.

Sie streichelt den warmen Hals, lehnt sich nach vorn und umarmt Max.

 

Warum nicht?

Hallo ihr Lieben! Hier eine Geschichte für Kindergartenkinder. Die kleine Julie fragt nicht nur ständig „Warum?“, sondern andauernd „Warum nicht?“ und das ist manchmal gar nicht so einfach zu beantworten …. Aber lest einfach selbst. Viel Spass!

 

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Warum nicht?

Julie ging mit Mama an der Hand vom Kindergarten nach Hause. Jeden Tag liefen sie denselben Weg. Die Sonne schien und versprach einen schönen Nachmittag. Das Grundstück vor ihnen trennte ein niedriger Zaun vom Gehweg. Dahinter im Garten lag ein kleiner privater Spielplatz. Er sah aus, als wäre er seit Jahrzehnten nicht mehr benutzt worden. Eine rote Schaukel baumelte im Wind. Der kleine Sandkasten war mit einer Plane abgedeckt und die Tür eines Miniaturhäuschens hing windschief in den Angeln. Julie hatte schon immer auf diesen Spielplatz gewollt, aber immer war das Gartentor fest verschlossen gewesen. Doch an diesem Tag stand es weit offen.

Wie ein Wirbelwind spurtete sie den Weg entlang und bevor Mama es verhindern konnte, war sie durch das verrostete Gartentor in den Garten gehüpft.
„Julie! Das macht man doch nicht!“ Mama hechtete hinterher und blieb am Gartenzaun stehen. „Julie, komm sofort wieder zurück!“
Julie drehte sich mit unschuldiger Miene um und schaute Mama mit großen Augen an. „Warum nicht?“
Mama seufzte. „Komm bitte da raus. Die Leute wollen sicher nicht, dass du in ihrem Garten spielst.“
„Warum nicht?“, wiederholte Julie noch einmal.
Mama stöhnte. „Weil … weil sie vielleicht ihre Ruhe haben wollen?“
„Aber hier ist doch gar keiner da.“
Mama verdrehte die Augen. „Nein, schon, aber … aber der Garten gehört doch jemandem.“ Sie holte tief Luft und hub an zu erklären. „Schau mal, Julie, du willst doch auch nicht, dass jemand mit deinem Kuschelhasen spielt, wenn du im Kindergarten bist, oder? Obwohl du nicht da bist.“
Julie überlegte einen Augenblick, dann hellte sich ihre Miene auf. „Wir fragen einfach. Das machen wir im Kindergarten auch so.“
Und bevor Mama es verhindern konnte, war sie schon zur Tür gehüpft und hatte auf den Klingelknopf gedrückt. Mama hastete hinterher.

In diesem Moment öffnete eine ältere Dame und schaute Julie erstaunt an.
„Darf ich in deinem Garten spielen? Der ist so schön“, platzte Julie heraus. Mama schlug die Hände über dem Kopf zusammen.

Der Blick älteren der Dame wanderte zu dem offenen Gartentor und dann wieder zurück zu dem Kind. Dann lächelte sie. „Oh, da habe ich wohl das Gartentor offen stehenlassen, aber du darfst. Es war lange mehr kein Kind in meinem Garten.“
Julie strahlte. „Danke!“ und flitzte zu der etwas rostigen Schaukel. Sie schwang sich darauf und schaukelte wild hin und her.
Mama warf der Dame einen entschuldigenden Blick zu, während diese zum Tor ging, um es zu schließen. „Es tut mir furchtbar leid, dass wir Sie gestört haben. Das wollte ich wirklich nicht, aber … aber ich war einfach nicht schnell genug.“
Die Dame lächelte. „Aber das macht doch nichts. Ich freue mich.“
Julie war inzwischen von der Schaukel gehüpft und rannte wieder auf die beiden zu. Neugierig schaute sie der alten Dame ins Gesicht. „Wie heißt du?“ fragte sie.
„Sie, es heißt Sie“, flüsterte ihre Mutter dazwischen.
„Ich heiße Margarete und du?“
„Julie. Buddelst du mit mir?“
Die Dame lächelte. „Nein, Kleine. Ich bin gerade am Backen, aber wenn du noch eine kleine Weile hier bist, dann bekommst du nachher ein Stück frischgebackenen Apfelkuchen.“
Julie strahlte sie an. „Fein, dann backe ich dir in der Zwischenzeit auch einen Sandkuchen und wir tauschen“, und – schwupps – war sie wieder verschwunden.
Mama wehrte ab. „Aber das ist wirklich nicht nötig.“
Margarete schaute sie verschmitzt an. „Warum nicht? Ich habe nicht so oft so lebhaften Besuch. Und wenn mir das offene Gartentor so einen liebreizenden Wirbelwind beschert hat, dann muss man das ausnutzen.“
Nun lächelte auch Mama und ergab sich ihrem Schicksal.

Wenig später saßen alle drei am Gartentisch, tranken Kaffee – oder in Julies Fall Kakao – und aßen Apfelkuchen.
„Du bist total nett“, nuschelte Julie mit vollem Mund.
„Julie, man spricht nicht mit vollem Mund“, ermahnte sie die Mutter.
„Warum nicht?“
„Weil man dich nicht verstehen kann.“
„Ach so.“ Julie schluckte runter. „Könnte aber auch daran liegen, dass du dir nicht die Ohren gewaschen hast, Mama.“
Margarete lachte.
Mama wurde rot. „Daran liegt es ganz bestimmt nicht.“
„So, man kann also mit ungewaschenen Ohren gut hören, aber mit vollem Mund nicht gut sprechen? Da hast du mir gestern Abend aber noch was ganz anderes erzählt!“
Ohne Kommentar aß Mama ihren Apfelkuchen weiter.
Margarete kicherte wie ein junges Mädchen.
Julie sah sie altklug an. „Ist doch unlogisch, oder findest du nicht?“
„Julie, man sagt „Sie“ zu Erwachsenen.“
„Warum?“
„Weil es höflicher ist.“
„Was heißt höflich?“
„Dass man denjenigen nett und freundlich und mit Respekt behandelt.“
„Was ist Respekt?“
„Respekt ist so etwas wie Achtung.“
„Achtung, das kenn ich. Achtung, Achtung eine Durchsage.“ Julie hielt ihre Hände an den Mund wie ein Trichter. „Der Zug nach Düsseldorf hat zehn Minuten Verspätung! Aber wir sind hier doch gar nicht auf dem Bahnhof.“
„Nein.“
Margarete mischte sich ein. „Julie, du bist ein wundervolles, kleines Mädchen und du bist genau so richtig wie du bist. Du bist sehr kostbar und wertvoll – wie ein kleiner Edelstein.“
Über Julies Gesicht ging die Sonne auf. „Das hast du schön gesagt.“
„Das ist Achtung.“
„Du hast aber gar nicht Sie zu mir gesagt.“
„Das ist auch gar nicht notwendig dafür.“
Julie drehte sich zu ihrer Mutter um. „Siehste! Alles Quatsch.“

Auf den Kaffeetassen sah man nur noch den Bodensatz und die Kuchenteller waren bis auf den letzten Krümel leergeputzt.
Julie saß wieder auf der Schaukel und winkte Mama und Margarete zu. „Huhu! Margarete!!! Willst du auch mal schaukeln?“
Margarete schüttelte lachend den Kopf.
Julie sprang mit einem Satz von der Schaukel und lief zum Tisch. Sie zupft Margarete am Ärmel. „Nun komm schon! Ich will, dass du auch mal schaukelst!“
„Ich möchte …“, korrigiert Mama.
Julie sieht sie erbost an. „Ich möchte gar nicht, ich will.“
„Das sagt man aber nicht.“
„Warum nicht?“
„Weil es nicht höflich ist.“
„Schon wieder dieses Wort. Ich dachte, das hätte was mit dem Bahnhof zu tun und nun sagst, man ist höflich, wenn man lügt.“
„Das habe ich nicht gesagt.“
„Aber ich sollte doch nicht die Wahrheit sagen. Ist das nicht dasselbe?“
Mama seufzte, wie schon so oft an diesem Nachmittag.

Margarete unterbrach das Gespräch, indem sie aufstand und mit Julie an der Hand zur Schaukel ging. „Ich werde es mal mit dem Schaukeln probieren, aber du musst mich ganz vorsichtig anstoßen, wie bei einem sehr kleinen Kind.“
„Warum?“
„Weil ich schon sehr alt bin und sehr lange nicht auf einer Schaukel gesessen habe.“ Margarete setzte sich auf die rote Schaukel und Julie schubste sie an.
„Warum eigentlich nicht? Die Schaukel steht doch die ganze Zeit bei dir im Garten!“
Margarete lachte. „Ich glaube, es liegt einfach daran, dass allein schaukeln viel weniger Spaß macht als zu zweit.“
Julie nickte. Das konnte sie verstehen. „Dann muss ich eben ganz oft wiederkommen, damit du das Schaukeln wieder lernst.“ Sie unterbrach sich für einen Moment und zog die Nase kraus. „Warum hast du eigentlich nicht schon früher ein Kind in deinen Garten eingeladen, wenn du nicht gern alleine spielst?“
Unsicher klammerte sich Margarete an den Kettengliedern der Schaukel fest und überlegte. „Ich weißt nicht, ich bin einfach nicht auf den Gedanken gekommen, weil man so etwas im Allgemeinen eben nicht tut.“
Julie grinste. „Wer ist eigentlich dieser komische Mann, der immer allen Leuten die lustigen und spannenden Sachen verbietet?“
Margarete lachte. „Ich weiß auch nicht, aber weißt du, was ich weiß? Ich glaube, du hast Recht. Du solltest sehr bald wiederkommen. Das geht nicht, dass eine so alte Frau wie ich noch nicht einmal schaukeln kann.“
„Nein“, stimmte Julie zu. „Das geht wirklich nicht.“

Dreckspatz beim Kochen

Ich will jetzt keine Werbung machen, nur erklären, wie es zu dieser Geschichte gekommen ist. Meine Kinder lieben ein bestimmtes Badesalz. Warum? Weil auf der Packung lustige Geschichten vom kleinen Dreckspatz zu finden sind, den Werbetextern sei Lob und Preis. Jedenfalls haben wir neulich selbst knallrotes Badesalz gemacht und natürlich musste es dazu auch eine Geschichte vom kleinen Dreckspatz geben und hier ist sie:

Mama steht in der Küche und kocht Spaghetti. Der kleine Dreckspatz kommt angerannt. „Ich will nicht in die Badewanne, ich will mithelfen!“ kräht er bestimmt und klettert auf die Arbeitsplatte. Mama schneidet die Nudelpackung auf und will die Nudeln ins Wasser tun. „Ich!“ schreit der Dreckspatz, schnappt sich ein paar von den Nudeln und läßt sie elegant in das blubbernde Wasser gleiten. Mama dirigiert seine Hand und gibt den Rest der Nudeln in den Topf. Dann öffnet sie die passierten Tomaten. „Ich!“ Mama gibt ihm die Packung und will seine Hand führen. „Alleine!“ sagt der Dreckspatz energisch. Mama läßt ihn gewähren. Mit einem Schwung zielt er in den kleineren Topf. Zu kurz. Die Sauce landet … auf seinen nackten Beinen. Mama lacht. „Nun mußt du wohl doch baden.“ „Ja, aber nur in Tomatensauce!“ erklärt der Dreckspatz voller Inbrunst.

Auf einem anderen Forum hatte ich bei dieser Geschichte Kommentare nach dem Motto: Unverantwortlich von der Mutter, das Kind so nah an die heißen Töpfe ranzulassen. Wie seht ihr das?

Der gefräßige Drache

Hier einen Guten-Nacht-Geschichte, die sich mein Sohn gewünscht hat …

Der gefräßige Drache

Max lag in seinem Bett und konnte nicht einschlafen. Er wusste selbst nicht woran es lag. Die Geisterfallen waren aufgestellt, er hatte keine Angst und die Milchflasche war längst ausgetrunken. Trotzdem lag er mit offenen Augen in der Dunkelheit und der Schlaf wollte einfach nicht kommen. Leise richtete er sich auf und kletterte aus seinem Bett. Er wollte noch ein Schwert holen. Das Schwert fehlte noch in seinem Bett. Er ging zum Fenster, an dem der Korb mit den Spielzeugwaffen stand und suchte das Gummischwert heraus. Über Luises Hellebarde baumelte noch der Gürtel mit der Schwertschnalle. Ohne recht zu wissen, warum, nahm er ihn und band ihn um den Bauch. Dann steckte er das Schwert hinein. Ein Wiehern erklang in der Stille. Max hielt inne und lauschte. Was hatte da gewiehert? Hier stand doch kein Pferd auf dem Flur oder im Kinderzimmer. Max sah sich um. Im Kinderzimmer stand tatsächlich ein Pferd, Max Schaukelpferd nämlich und es wieherte noch einmal laut und vernehmlich. Max grinste. Das war also der Grund, warum er nicht schlafen konnte. Es gab in dieser Nacht noch etwas zu tun. Schnell nahm er noch seinen Spielzeugschild aus dem Korb, hob den Ritterhelm, der achtlos auf dem Boden gelegen hatte, auf und schwang sich auf das Schaukelpferd. Das Pferdchen bäumte sich auf und los ging’s!

Max wusste nicht, was diesmal auf ihn zukommen würde, aber er wusste, dass es wichtig war, wenn sein Pferdchen wieherte. Sie ritten durch ein kleines Wäldchen auf einen See zu. Am Ufer des Sees war ein hoch aufragender Kirchturm zu sehen, der offensichtlich von einem kleinen Dorf umgeben war. Grauer Rauch stieg von einem der Häuser auf und lautes Geschrei war zu hören. Max gab seinem Pferdchen die Sporen und galoppierte in Richtung Dorf.

„Oh, oh, oh“, jammerte ein Mann. Er war in einen dunkelgrünen Gugel und einen braunen Kittel gekleidet, hatte schütteres, graues Haar und einen grauen Spitzbart und Stadt vor einem ausgebrannten Haus. Max hielt sein Pferd an und sprang ab. „Was ist denn passiert, mein Herr?“ fragte er höflich. Der Mann stellte sein Wehklagen ein und drehte sich um. „Mein schönes Haus, oh Herr Ritter, und meine Tochter. Oh mein schönes Haus!“ Max sah ihn verständnislos an. „Der Drache! Ein wütender, gefräßiger, rotschuppiger, dreiköpfiger Drache war hier und hat mein Haus angezündet und meine Tochter als Frühstück mitgenommen.“ „Das ist wirklich nicht nett.“ Max war ehrlich entrüstet. „Nein, oh nein, ach mein schönes Haus!“ „War Eure Tochter denn nicht schön?“ „Was? Nein, ach natürlich vermisse ich sie auch. Sie war, sie war, wie war sie eigentlich?“ Verwirrt wandte sich der Mann ab und begann in der Ruine seines Hauses nach Wertgegenständen zu suchen. Nach und nach klaubte er Goldmünzen, goldene Becher und Teller aus den Trümmern. Max beobachtete ihn. „Soll ich sie nicht retten?“ fragte er. „Wen?“ „Eure Tochter.“ „Ach so. Ehm, ja, ja tut das. Das Aufräumen hier mache ich sowieso lieber allein.“ Liebevoll streichelte er einen Becher, den er gerade in der Hand hielt. Max stand da und sah den Mann erwartungsvoll nach weiteren Informationen an. „Ach so, ja, er ist in diese Richtung geflogen, der Drache. Sicherlich findet ihr ihn. Und wenn er Rosalinde inzwischen gefressen haben sollte, macht euch keinen Kopf. So wichtig war es nicht. Macht euch keine Gedanken.“ Schusselig wandte er sich wieder seiner Suche zu und überließ Max seinem Schicksal. Dieser schüttelte verständnislos den Kopf. Was war das nur für ein Vater, dem sein eigenes Kind nicht wichtig war? Gedankenverloren bestieg er seinen Apfelschimmel und ritt in die angegebene Richtung davon.

Tatsächlich fand er den Drachen einige Stunden später auf einer Lichtung liegend. Mutig zog er sein Schwert und forderte ihn zum Kampf. „Los, du Riesenvieh! Gib die Jungfrau Rosalinde heraus oder es soll dir schlecht bekommen!“ Träge öffnete der Drache ein Auge seines linken Kopfes und rülpste laut. Eine kleine lila Stickflamme schoss aus seiner Nase und versengte Max die Schuhspitzen. „Nö.“ Max fuchtelte mit seinem Schwert. „Los jetzt, ein bisschen dalli oder es knallt.“ Der Drache klappte das Auge wieder zu. „Nö.“ Damit ignorierte er den kleinen Ritter. „Oder hast du sie schon gefressen?“ fragte Max angstvoll. „Nö“, sagte diesmal der mittlere Kopf des Drachen. Jetzt wurde Max aber böse. „Kannst du eigentlich auch was anderes sagen?“ schimpfte er. „Nö“, antwortete nun wieder der linke Kopf und rülpste zum zweiten Mal. Diesmal war Max schon auf die kleine Stichflamme gefasst und trat einen Schritt zurück, bevor sie seine Schuhspitze erreichte. Entschlossen hob er sein Schwert und begann auf den Drachen einzuschlagen. Den kümmerte das nicht die Bohne. Max merkte, dass sein Schwert dem dicken Schuppenpanzer nichts anhaben konnte und änderte seine Taktik. Er pikste mit dem Schwert zwischen den Schuppen des Drachen in die Haut – mit durchschlagendem Erfolg. Der Drache kiekste und giggelte, fuhr in die Höhe und warf sich von einer Seite auf die andere. Max musste aufpassen, um nicht unter dem schweren Drachenleib begraben zu werden. Schließlich lachte, japste und kicherte der Drache mit allen drei Mäulern. Kleine blaue und rote Wölkchen pufften aus seinen Ohren und seine Hautfarbe hatte sich von blutrot auf hellrosa verfärbt. „Aufhören, aufhören!“ hechelte er. „Ich kann nicht mehr. Bitte aufhören!“ Max hielt inne. „Ach, du kannst ja doch reden“, bemerkte er kühl. „Jaja, aber nur mit dem rechten Kopf“, rechtfertigte sich der Drache. „Das reicht ja. Jetzt sag mir, wo das Mädchen ist, oder …“ Max hob drohend sein Schwert. „Jaja schon gut. Bloß nicht wieder kitzeln. Das war ja fürchterlich!“ Noch einmal pikste im Max kräftig in die Seite. „Also los.“ „Naja, ich hatte sie grad ein bisschen angeknabbert …“„Du hast was?“ Der Drache rollte mit den Augen. “Ich war gerade dabei, herzhaft zuzubeißen, als sie fürchterlich zu weinen anfing. Sie hat überhaupt nicht mehr aufgehört und ich dachte, das ist wegen der Fresserei. Alle heulen, wenn sie denken, gleich gefressen zu werden. Das bin ich ja gewöhnt. Also hielt ich inne und fragte: ‚Hast du Angst, gefressen zu werden?‘ Aber nee, sie antwortete: ‚Ja, friss mich ruhig. Mir ist es ganz recht. Ich bin sowieso nichts wert. Mein Vater liebt nur sein Geld und da man mich nicht verkaufen kann, bin ich ihm egal. Ich habe keinen Wert. Los, beiß schon zu.‘ Ich war völlig verdutzt. So was war mir noch nie passiert. Normalerweise ärgere ich die Mädchen nur etwas, indem ich so tue, als ob ich sie fressen wolle, damit sie auch schön folgsam sind, wenn sie mir dann den Haushalt führen sollen, aber das? Die wollte tatsächlich gefressen werden? Ich versteh es selbst nicht, aber ich tat etwas, was ich wirklich noch nie getan habe. Ich tröstete sie. ‚Dein Vater ist ein Idiot‘, sagte ich. ‚So ein schönes Mädchen kann man doch nur liebhaben.‘ Und ich versprach ihr, sie zu beschützen und ihr zu helfen und nun schläft sie oben in meiner Höhle.“ Max steckte sein Schwert wieder in die Scheide und reichte dem Drachen die Hand. „Dann sind wir jetzt zwei, die ihr helfen wollen. Der Drache schlug mit seiner Tatze ein.

Lange saßen sei auf der Lichtung im Sonnenschein und überlegten, wie sie dem geizigen Vater eine Lehre erteilen konnten, doch es fiel ihnen nichts Gescheites ein. Auf einmal hörten sie leise Schritte. Das Mädchen war aufgewacht und zu ihnen auf die Wiese gekommen. Sie war höchstens 12 Jahre alt und trug einen alten, abgewetzten Kittel aus grauem leinenestoff. Im Gegensatz zu ihrer schäbigen Kleidung waren ihre langen, blonden Haare sorgfältig gekämmt und fielen wie flüssiges Gold über ihren Rücken. Ohne ein Anzeichen von Überraschung setzte sie sich zu Max und dem Drachen ins Gras. Den letzten Teil der Unterhaltung hatte sie offensichtlich mitangehört, denn sie sagte: „Mein Vater interessiert nichts als sein Geld. Menschen sind für ihn nicht wertvoll und er wird es auch nicht lernen, egal, was ihr tut.“ Max protestierte: „Das glaube ich nicht. Und ich glaube auch nicht, dass du deinem Vater wirklich gleichgültig bist.“ „Ich aber.“ „Lass es uns ausprobieren“, schlug Max vor und erzählte, was er sich ausgedacht hatte.

Einige Stunden später kam er verschwitzt und erschöpft von dem schnellen Ritt wieder bei der verkohlten Ruine an. Der Mann hatte inzwischen alle Wertgegenstände gerettet und war dabei, die Trümmer wegzuräumen. „Herr! Herr!“ rief Max. Der Mann drehte sie um. „Herr, leider konnte ich nichts mehr für Eure Tochter tun. Ich bin zu spät gekommen. Es tut mir sehr leid.“ Max machte ein betrübtes Gesicht. Der Mann schüttelte zerstreut den Kopf. „Sehr bedauerlich, wirklich sehr bedauerlich. Nun trotzdem vielen Dank für Eure Mühe und guten Tag.“ Damit wandte er sich wieder seiner Arbeit zu und beachtete Max nicht weiter. „Nur noch eins“, sagte Max. „Eure Tochter hat dem Drachen berichtet, dass Ihr einen großen Schatz hortet. Möglicherweise kommt er wieder.“ „Was?“ Der Mann fuhr erschrocken in die Höhe. Eine fieberhafte Betriebsamkeit ergriff ihn. „Dann, dann, dann …“ Er kam zu Max und packte ihn am Bein. „Ihr müsst mir helfen, das Gold zu vergraben.“ Max schaute ihn kühl von oben herab an. „Was gebt ihr mir dafür?“ „Alles, alles, was ihr wollt … ehm … außer Geld natürlich.“ Max nahm die Hand des Mannes von seinem Knie und stieg ab. „Gut. Ich helfe Euch und Ihr versprecht mir, dem nächsten Menschen, der Euch begegnet, die Füße zu küssen und für Euren Geiz um Verzeihung zu bitten.“ Der Mann hatte Max bereits den Rücken gekehrt und suchte in den Trümmern nach einer Schaufel. „Gut, gut“, antwortete er zerstreut. Er hatte gar nicht mehr richtig zugehört. Gemeinsam vergruben sie den Schatz unter einem knorrigen Apfelbaum.

Als dies geschehen war, trat Rosalinde hinter dem Baum hervor, wo sie sich versteckt gehalten hatte. Entgeistert sah ihr Vater sie an. „Ich dachte, ich meinte … bist du nicht vom Drachen gefressen worden?“ fragte er taktlos. Rosalinde biss sich auf die Lippen. „Freust du dich, dass es nicht so ist?“ fragte sie zaghaft. Ihr Vater machte den Mund auf und zu wie ein Fisch auf dem Trockenen. Max stieß ihn in die Rippen. „Los, entschuldige dich! Sag, dass sie dir wichtiger ist als dein Gold!“ Bockig stampfte der Mann mit dem Fuß auf. „Nein“, kreischte er. „Nein, nein, nein. Dies ist überhaupt nicht meine Tochter. Ein Bastard meiner Frau mit ihrem Liebhaber, das ist sie. Ich will und kann sie nicht länger durchfüttern!“ Rosalinde war bei diesen Worten wie zu Eis erstarrt, doch Max sagte kühl: „Wie ihr wollt“ Dann rief er laut in den Himmel: „Heija, hei, hei!“ Am Himmel erschien die gigantische Silhouette des Drachen. Er landete und packte den Mann mit seinem Krallen. „Hilfe! Hilfe!“ Der Mann quiekte und quietschte in allen Tonlagen. „So helft mir doch!“ Doch Max kümmerte sich nicht um ihn. Zu Rosalinde sagte er: „Unter dem Apfelbaum ist das Gold deines Stiefvaters vergraben. Es gehört dir.“ „Was?“ japste dieser dazwischen. Rosalinde sah Max lächelnd an. „Danke. Danke für alles.“ Sie umarmte ihn und er wurde ein ganz kleines bisschen rot. Schnell löste er sich aus der Umarmung und sah den Drachen an. „Wir machen alles wie besprochen. Der Kerl da im Tausch für Rosalinde.“ Dieser bleckte seine spitzen Zähne und grinste. Bunte Rauchwölkchen quollen aus allen sechs Ohren. „Ich werde meinen Spaß haben“, feixte er. Dann packte er den Mann fester, der immer noch zappelte und schrie, und schwang sich in die Luft. „Hilfe, ich will nicht gefressen werden, Hilfe, Hilfe!“, heulte der Mann. „Ich schmecke überhaupt nicht. Ich bin ganz zäh. Hilfe!“ „Ach halt die Klappe“, sagte der Drache. „Du sollst doch nur für mich den Haushalt führen und abwaschen, wie die anderen Mädchen vor dir.“ „Abwaschen?“ krächzte der Mann und danach war er tatsächlich still.

Max aber wurde plötzlich sehr sehr müde. Er hievte sich auf sein Pferchen, winkte Rosalinde zum Abschied noch einmal zu und trabte von dannen. Zu Hause angekommen, kletterte er samt Gürtel und Schwert in sein Bett und schlief sofort ein. Sein roter Spielzeugdrache mit den drei Köpfen saß im Regal und bewachte seinen Schlaf.

Oskar

Hier nach einiger Zeit wieder eine neue Kindergeschichte. Diesmal war es eine Aufgabe aus dem Schreibkurs, den ich gerade mache. Das vernichtende Urteil meiner Tochter lautete schon „langweilig“, aber meinem Sohn hat es gefallen. Da wir als Aufhänger ein Bild von einem Mädchen mit einem Hund auf einem Feldweg bekommen haben, kommen in der Geschichte keine Feen, Elfen, Drachen und Märchenprinzen vor und das war wohl nichts für meine Tochter. Es spielt in der schnöden Realität. Ich poste es hier trotzdem mal und bin gespannt, ob ihr es ebenso „langweilig“ findet ;).

Oskar

Sophia, ein schmales, blondes Mädchen von neun Jahren, schlug die Augen auf. Die Vögel zwitscherten und vor ihrem Fenster blühten die Kirschzweige. Überall standen Kisten herum, die Mama und Papa noch nicht ausgepackt hatten, aber das störte Sophia nicht. Sie liebte ihr neues Zuhause! Aus der Küche hörte sie die Stimme ihrer Mutter: „Sophia! Sophia! Steh auf, Schlafmütze! Steh auf und komm runter!“ Sophia hüpfte aus dem Bett. Schnell zog sie sich an und lief die Treppe hinunter.

In freudiger Erwartung betrat sie die Küche. Der Tisch war festlich gedeckt und Blumen standen darauf. „Wau, wau!“ kam es von unter dem Küchentisch. Sophia blieb stehen. „Was war das?“ fragte sie vorsichtig. Mama lächelte geheimnisvoll. Sie gab den Blick auf einen Schäferhund-Labrador-Mix frei, der unter dem Tisch lag und freundlich mit dem Schwanz wedelte. Sophia schluckte. Der Hund stand auf und stupste sie erwartungsvoll mit der Schnauze. „Na?“ fragte Papa erwartungsvoll. Sophia stand wie angewurzelt. „Du hast dir doch schon immer einen Hund gewünscht und nun wo wir einen großen Garten haben …“ Papa verstummte. Mama kam hinzu. „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, meine Maus!“ sagte sie. Sophia knetete nachdenklich ihre Unterlippe. „Mama, Papa … könnten wir nicht, ich meine, wo habt ihr den Hund denn her?“ fragte sie. „Aus dem Tierheim“ antwortete Papa. „War es da nicht viel schöner?“ legte Sophia nach. Papa lachte. „Wie kommst du denn darauf?“ Sophia zögerte. „Naja, weil … ich mag lieber doch keinen Hund.“ Mama fiel aus allen Wolken. „Aber warum?“

Sicher hätten Mama und Papa Sophia besser verstanden, wenn sie gewusst hätten, was zwei Tage zuvor geschehen war:
An diesem Tag war sie zum ersten Mal allein zur Schule gegangen. Früher, als sie noch in einer kleinen Wohnung in der Stadt gewohnt hatten, war sie den Weg immer mit zwei Freundinnen gegangen. Hier hatte sie noch keine Freunde und so ging sie allein. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite kam ihr eine ältere Frau mit einem großen Rottweiler an der Leine entgegen. Ehe Sophia begriff, was geschehen war, hatte sich der Rottweiler von der Leine losgerissen und war mit wütendem Gebell über die Straße gestürmt. Instinktiv hielt Sophia ihre Schulmappe zwischen sich und den Hund, so dass seine scharfen Zähne nur in die Mappe schnappten. Die Besitzerin des Hundes kam über die Straße gerannt und versuchte, die wild fliegende Leine zu fangen. Schließlich gelang es ihr. Sie riss den Hund zurück und begann mit ihm zu schimpfen. Sophia zitterte am ganzen Körper. Sie sagte kein Wort und ging auch nicht zu der Frau hin, um sich zu beschweren. Sie wollte nur noch eins: fort. Nie, nie wieder wollte sie diesem Hund zu nahe kommen! Wie im Traum setzte sie ihre Schulmappe auf und lief schnell und immer schneller in Richtung Schule davon. Die Frau rief eine Entschuldigung hinter ihr her. Sophia hörte sie nicht mehr.

Einige Wochen später stand Sophia in der Küche und öffnete mit verhaltener Begeisterung eine Hundefutterdose. Papa beobachtete die Prozedur aufmerksam. „Willst du ihm nicht bald einen Namen geben?“ fragte er. Sophia schüttelte den Kopf. Sie stellte dem Labrador sein Fressen hin. „Wau!“ freute sich dieser und wedelt mit dem Schwanz. Dann begann er gierig zu schlingen. „Willst du ihn heute ausführen?“ fragte Papa beiläufig.  Sophia blickte auf. „Allein?“ Papa nickte. Sophia überlegte. Seit ihrem Geburtstag hatte Papa darauf bestanden, mit ihr zusammen Gassi zu gehen. Sie wusste, dass sie der Labrador mochte und ihr gehorchen würde. Dennoch … würde sie es schaffen?

Kurze Zeit später führte Sophia den Hund an der Leine einen Feldweg entlang. Es war ein wundervoller Frühlingstag. Die Sonne schien, unter den noch kahlen Bäumen blühten die Veilchen und die Birken zeigten ihr erstes Grün. Kurz vor dem Wäldchen ließ Sophia den Hund von der Leine. Sofort lief er mit der Nase am Boden ins Unterholz. Entspannt schlenderte Sophia weiter und genoss die frische Luft. Der Weg stieg sanft an.
Plötzlich sah sie auf der Kuppe des Hügels etwas, was sie erstarren ließ. Gegen die Sonne erkannte sie die Silhouette des Rottweilers. Allein. Ohne Leine. Ohne zu überlegen drehte sich Sophia um und floh den Weg zurück. Kurze Zeit später hört sie das Hecheln des Hundes hinter sich. Durch ihre Flucht hat sie nur seinen Jagdtrieb geweckt. Sie rannte, so schnell sie konnte. Tränen liefen über ihr Gesicht. Sie schluchzte und rannte schneller. Plötzlich schoss etwas wie ein Kugelblitz aus dem Unterholz und stellte sich mit gefährlichem Knurren zwischen sie und den Rottweiler. Wie ein Donnerrollen hörte sich die Warnung an. „Das ist MEIN Frauchen und wehe, du tust ihr etwas!“ schien es zu sagen. Sophia blieb keuchend in einiger Entfernung stehen. Sie zitterte wieder. Die beiden Hunde fixierten sich mit gesträubten Nackenhaaren und nach oben gezogenen Lefzen. Grrrrrrrrrrr. Rrrrrr. Rrrrrrrrrr. Doch dann senkte der Rottweiler den Kopf, zog den Schwanz ein und schlich den Weg zurück über den Hügel, auf dessen Kuppe jetzt die Besitzerin auftauchte.
Der Labrador leckte Sophias Hand. Sophia kniete sich nieder und umarmte ihren Hund. Ganz fest drückte sie ihn. „Weißt du was?“ flüsterte sie ihm ins Ohr. „Ich nenn dich Oskar. Und ich werd nie wieder vor einem Hund Angst haben, wenn du dabei bist. Auch vor diesem Miststück nicht!“

Max und die Geister

Es war einmal ein kleiner Junge, der hieß Max. Nachts, wenn es dunkel war, hatte er Angst vor Geistern und Gespenstern. Jeden Abend musste seine Mama das Fenster öffnen und sie hinausjagen, sonst konnte er nicht einschlafen. Aber wie alle Erwachsenen glaubte auch seine Mama nicht so recht an Gespenster und hatte eines Tages keine Lust mehr, ihm diesen Gefallen zu tun. Ihr müsst wissen, dass Erwachsene im Gegensatz nämlich verlernt haben, Geister und Fabelwesen zu sehen und zu erkennen. Sie sagte Max, er sei nun alt genug, um ohne diesen Hokuspokus einzuschlafen.

In dieser und den darauffolgenden Nächten heulte Max laut und lange, wenn ein Gespenst ihn mit seinem spinnenwebartigen Gewand gestreift oder mit seinem frostigen Atem angehaucht hatte. Die Mutter schimpfte nur, er solle ruhig sein, um seine Geschwister nicht aufzuwecken. Max wusste, dass sie ihn nicht verstehen würde. Da sie unfähig war, die Geister zu sehen, hielt sie die grausigen Schatten, die unten in der Kuschelhöhle lauerten doch tatsächlich für harmlose Kissen!

Und so kam es schließlich, dass eines Nachts mehrere Gespenster über Max Bett hinüberschwebten, fürchterlich heulten und ihn mit ihren Gewändern wachkitzelten. Max setzte sich senkrecht im Bett auf und schaute sich panisch um. Doch von den Gespenstern war nichts mehr zu sehen. Unten in der Kuschelhöhle hörte er ein vielstimmiges Kichern.

Vorsichtig und am ganzen Körper zitternd spähte er über den Rand seines Bettes, als hinter ihm eine etwas heisere, aber warm klingende Stimme ertönte. „Fürchtest du dich vor den Gespenstern?“ Max fuhr herum und starrte mit großen Augen auf das kleine Regal hinter sich. Es war vollgestopft mit seinen Kuscheltieren, die er dort zu Bett gebracht hatte: zwei kleine Bären, einen Esel und Jolly, ein Leopard, der schon seiner Mutter gehört hatte. Der Leopard war nicht nur ein Kuscheltier, sondern auch eine Handpuppe und wenn die Mutter ihn mit der Hand bewegte, sah er fast so aus, als sei er lebendig.

Obenauf lag sein Holzschwert. Wer hatte gesprochen? Ganz sachte streckte er den Arm aus und umfasste fest den Griff seines Schwertes. Nun fühlte er sich schon etwas sicherer. Die Stimme lachte leise. Max schaute genauer hin. Jolly, der Leopard, hob leicht seinen Kopf und zwinkerte ihm mit seinen schwarzen Knopfaugen schelmisch zu. „Vor den Gespenstern musst du keine Angst haben. Soll ich dir verraten, wie man sie vertreibt?“

Max traute seinen Augen nicht. „Du, du bist lebendig?“ stotterte er. Jolly lachte wieder. „Natürlich, alle Spielzeuge und Kuscheltiere können des Nachts lebendig werden, nur meist lassen sie das ihre Kinder nicht wissen.“ Wieder zwinkerte er Max zu. „Was gedenkst du jetzt gegen die Plagegeister zu tun?“ Er nickte in Richtung Kuschelhöhle, aus der bösartiges Zischeln zu hören war. Max zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Augen zumachen und hoffen, dass sie von allein fortgehen?“ „Das würde ich nicht tun“, sagte der Leopard ernst. „Damit lädst du sie direkt in deine Träume ein. Nein.“ Der Leopard rutschte nun ganz dicht an Max heran und flüsterte ihm ins Ohr. „Warte, bis eines der Gespenster hierherkommt und wieder versucht, dich zu erschrecken. Dann schaust du ihm direkt in die Augen, streckst du ihm die Zunge heraus und lachst es aus. Du musst nicht laut lachen. Das wichtigste ist, dass du richtig frech bist und keine Angst hast. Willst du es mal probieren?“ Max nickte langsam. „Gut, dann leg dich ins Bett und tue so, als ob du schläfst. Sobald du ein Gespenst in deiner Nähe spüren kannst, tue, was ich gesagt habe.“

Max legte sich hin und zog die Bettdecke ganz über den Kopf. Dann versuchte er, ruhig und gleichmäßig zu atmen, aber es gelang ihm nicht ganz. Kurze Zeit später spürte er die bekannte Kälte über sich und fühlte, wie ein leiser Hauch seinen Fuß streifte, der nicht ganz unter der Decke versteckt war. Ein sirrendes Geräusch war zu vernehmen.

Max kreuzte die Finger, setzte sich kerzengrade auf und schaute fest auf den bleichen Schatten mit der grausigen Fratze. Dann holte er tief Luft und schnitt die frechste Grimasse, die ihm in den Sinn kam. „Angsthase, Pfeffernase …“ Er streckt die Zunge weit heraus und grinste das unförmige, durchsichtige Etwas an. Zu seinem Erstaunen begann das Gespenst, kleiner zu werden. „Weiter“, flüsterte Jolly hinter ihm. Max lachte nun richtig und schnitt weiterhin Grimassen.

Je kleiner das Gespenst wurde, desto weniger Angst hatte er. Kurze Zeit später war das Gespenst zu einem winzigen Ball zusammengeschrumpft und löste sich mit einem leisen „Plopp“ in Luft auf.

Max atmete auf. Jolly klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. „Gut gemacht.“ Er schielte zur Kuschelhöhle, aus der nun ein ängstliches Wimmern zu hören war. „Weißt du, jedes Wesen hat einen schwachen Punkt, an dem es verletzlich ist.“ Max lächelte Jolly warm an. „Danke, dass du mir geholfen hast.“ Der Leopard winkte ab. „Ach, keine Ursache. Aber, wenn du wieder mal nicht schlafen kannst, weil du Sorgen hast. Ich helfe gerne.“ Max schüttelte Jollys Pranke. „Danke“, sagte er noch einmal. „Ich rede und spiele auch so gern mit dir.“

Jolly richtete sich auf und deutete in Richtung Kuschelhöhle. „Schau mal.“ Ein weiteres Gespenst hatte sich aus dem Schatten gelöst und kam auf Max und Jolly zugeschwebt. Es zitterte am ganzen Leib und blieb in gehörigem Abstand in der Luft stehen. Es schluckte und sprach: „Wir haben gesehen, dass du unser Geheimnis kennst. Gelächter ist unser Tod. Wir werden fortgehen und dich nie wieder belästigen. Dafür bitten wir dich, unser Geheimnis nicht zu verraten.“ Max schaute das Gespenst nachdenklich an und lächelte. „Das kann ich nun wirklich nicht versprechen.“

Am nächsten Morgen weihte er seine Geschwister Laura und Paul in das Geheimnis der Gespenster ein, damit auch sie wussten, was zu tun sei, sollte sich je wieder ein Gespenst in ihr Kinderzimmer verirren. Nur von seiner Freundschaft mit Jolly erzählte er nicht. Dies blieb sein Geheimnis.

ENDE

 

Ausflug mit der Klapprakete

Es hat leider eine Weile gedauert, bis ich wieder Zeit hatte, etwas zu posten. Unser Au-pair aus Ecuador ist vor drei Tagen angekommen und nun muss ich ihr erst einmal alles zeigen ectpp. Aber jetzt ist es geschafft, hier eine neue Guten-Nacht-Geschichte für meinen kleinen Sohn:

Ausflug mit der Klapprakete

Paul war gerade am Einschlafen, als er ein werkwürdiges Surren über sich hörte. Er setzte sich auf. Was war das? Auf der Holzumrandung seines Bettes saß etwas, was wie ein übergroßer, blauleuchtender Maikäufer aussah. Neugierig betrachtete Paul das Ding.

Plötzlich klappte es mit einem leisen Plopp zu beiden Seiten auf und heraus stieg ein kleines Wesen mit riesigen Füßen und Haaren in eben der gleichen blauen Farbe wie das Ding, aus dem es geklettert war.

Es hatte eine kleine Stubsnase, lustig funkelnde grüne Augen und war über und über mit sonnenblumengelben Sommersprossen bedeckt. Seine Kleidung war ebenso bunt wie sein Körper. Es trug lila Latzhosen mit rosa Punkten, ein rot-grün kariertes Hemd und schneeweiße Handschule. Die übergroßen Füße steckten in orangefarbenen spitz zulaufenden Schuhen. Alles in allem konnte man den Eindruck bekommen, das kleine Geschöpf wäre in einen Farbtopf gefallen. Es war nicht so leicht zu sagen, ob es sich um ein Männchen oder ein Weibchen handelte.

“Hallo Paul!” sagte es mit kecker Stimme. Paul runzelte die Stirn. “Woher weißt du, wer ich bin?” Das Wesen grinste. “Verrat ich nicht. Ich bin Iolo und komme vom Planeten Lolilalilu und das ist meine Klapprakete Lilaluloli.” Paul sperrte Mund und Augen auf. Antworten konnte er zunächst nicht mehr. “Na, dir scheint’s ja gründlich die Sprache verschlagen zu haben. Ich hab gehört, du liebst Raumschiffe und wollte dich auf einen kleinen Rundflug einladen.” “Ja”, konnte Paul grad noch rausbringen. “Prima, na dann steig ein.” “Wie denn?” Paul sah ratlos auf das ungefähr faustgroße Raumschiff. Iolo lachte. “Ganz einfach. Steck deinen Finger oder den großen Zeh oder was reinpasst in die Öffnung und schon bist du drin.

Vorsichtig steckte Paul seinen Zeigefinger in das Raumschiff, nicht sicher, ob es nicht lediglich zuklappen und ihm den Finger einklemmen würde. Doch es gab ein schmatzendes und saugendes Geräusch und schon fiel er auf den metallenen Fußboden vor einen Sessel. Iolo landete elegant in dem Sessel neben ihm. “Au. Ich hab mich gestoßen”, jammerte Paul. Iolo grinste. “Na die Landung musst du wohl noch etwas üben.”

Paul rappelte sich hoch und krabbelte auf den Sitz hinter ihm. Fasziniert beobachtet er, wie Iolo die Knöpfe am Schaltpult bediente. Das Raumschiff klappte mit einem kleinen Plopp zusammen. Dann surrte der Motor auf und das Raumschiff hob ab und flog in Richtung Fenster.

“Halt!” schrie Paul. “Wie kommen wir durchs Fenster?  Das ist doch zu!” “Kein Problem”, winkte Iolo ab. “Ich mach einfach den Scheibenwischer an und der wischt die Scheibe einfach weg.” “Ach so.” “”Willst du das machen?” Paul nickte.

Iolo zeigte auf einen lila-orangefarbenen Knopf und Paul bemerkte erst jetzt, dass das Raumschiff im Inneren so knallbunt war wie sein Kapitän. Jeder der Knopfe am Pult hatte eine andere Farbe und das Steuerruder leuchtete in dem schönsten Grasgrün, dass Paul fast die Augen davon wehtaten.

Er drückte auf den Scheibenwischerknopf und schon bewegten sich Vorhang und Fensterscheibe lautlos zur Seite und ließen das Raumschiff passieren, um sich hinter ihm wieder ebenso geräuschlos an ihren Platz zu bewegen. Paul staunte.

“Das ist also eine Klapprakete?” “Ja. Die erste und einzige ihrer Art. Ich habe sie selbst ausgebrütet.” Paul nahm diese Merkwürdigkeit inzwischen mit einer gewissen Gelassenheit hin. Hier schien sowieso alles anders zu sein als zu Hause.

Fasziniert beobachtete er die Häuser und Bäume der Althoffstr. von oben. unten auf der Straße entdeckte er die Nachbarin mit dem kleinen, schwarzen Hund. Sonst war niemand zu sehen.

“Wo soll’s denn hingehen?” Iolo sah ihn erwartungsvoll an. Paul überlegte nicht lange. Ich möchte zum Bundestag fliegen. Ich will einmal die Koppel umkreisen und einmal durch den Luftschacht und zurück.” “Na dann machen wir das.” Iolo nahm das Steuerruder in die Hand und lenkte die Rakete in Richtung Nordosten.

Eine Weile folgen sie über die nächtliche Stadt und Paul bewunderte die tausend und abertausend Lichter unter ihnen die von unzähligen Straßenlaternen, Ampeln, Autos und Leuchtreklamen zu ihnen hinaufstrahlten, bis sich Iolo schließlich zu ihm umdrehte. “Willst du auch mal steuern?” Paul nickte.

Sie tauschten die Plätze und Paul ergriff das grasgrüne Steuerruder. Es fühlte sich warm und behaglich an. Iolo nickte. “Ja, sie mag dich. Sie wird dir gehorchen.” Paul musste lachen. “Halt einfach erst einmal auf den Fernsehturm zu.” Paul folgte und hielt das Steuerruder in die angegebene Richtung. Er fühlte sich großartig. Er steuerte ein Raumschiff und es reagierte auf die kleinste Bewegung von ihm. Jetzt war er der Kapitän.

Lässig hielt er das Steuerruder in einer Hand, als plötzlich etwas großes weißes angeflogen kam und von links gegen die Windschutzscheibe prallte. Eine Taube, die offensichtlich nicht wusste, dass man als Vogel nicht im Dunkeln nichts sieht, war mit der Klapprakete zusammengestoßen. Die Rakete geriet ins Trudeln, klappte währenddessen die Flügel auf und raste in atemberaubender Geschwindigkeit in Richtung Straße.

“Hilfe! Wir stürzen ab!” Paul klammerte sich blindlings am Steuerrad fest.

Iolo versuchte das Kontrollbord zu erreichen, doch die Wucht des Aufpralls schleuderte ihn aus der Rakete und er landete unsanft oben auf dem Dach einer Imbissbude.

Die Laluleli… pardon Lilaluloli war indes mit den Flügeln an einer Ampel hängengeblieben und baumelte nun kopfüber hoch oben neben ein paar alten Turnschuhen, die ein Scherzbold hier hinaufgeworfen hatte.

“Warte”, rief Iolo,” ich rette dich.”

Doch schnell musste er sich ducken, als eine Gruppe halbwüchsiger Mädchen vorbeischlenderte. Sie zeigten auf das merkwürdige Objekt nach oben und gackerten. Einige zogen sogar ihr Handy aus der Tasche und fotografierten das bunte Etwas nebst Turnschuhen.

Iolo hatte inzwischen in Windeseile lila Sprungfedern aus seiner Hosentasche gezogen und an seinen roten Schuhe befestigt und sprang nun hinter dem Rücken der Mädchen auf die Ampel, verfehlte die Stange um Zentimeter, klammerte sich mit den Händen fest und kletterte schnaufend hinauf.

“Verflixte Taubenviecher. Dass die noch nicht mal wissen, dass sie in der Nacht zu schlafen haben”, schimpfte er leise vor sich hin, während er auf der Stange vorwärtsrobbte, um das Raumschiff zu erreichen.

Paul indes konnte nicht machen, als weiterhin kopfüber in seinem Sitz zu hängen und sich festzuklammern. Plötzlich war die ganze Fahrt gar nicht mehr so lustig.

Iolo krabbelte in das Raumschiff und schnallte sich an seinem Sitz fest.

“Achtung! Ich betätige jetzt den Schleudergang” und schon surrte der Motor wieder. Das Raumschiff flog nun im Kreis um die Ampelstange herum, an der es festhing. Immer schneller und schneller drehte es sich, bis sich schließlich der eine Flügel von der Stange befreite und der Schwung das Raumschiff aufwärts in die sternklare Nacht schleuderte.

Iolo robbte zu Paul, ergriff das Steuerruder und brachte das Schiff wieder auf Kurs.

Doch als er den hellbauen Knopf drückte, der die Rakete wieder zusammenklappen sollte, bewegte sich nur der eine Flügel. Der andere ruckte nur ein bisschen und rührte sich dann nicht mehr. “Heiliges Mondgewitter. Ach das noch. Wir müssen landen und die Klappe reparieren.”

Sanft setzte die Lulalilelo … ehm … Lolilelo … nee … Lilaluloli in einem dichten Gebüsch auf. Paul und Iolo stiegen aus. Iolo trug einen kleinen Werkzeugkoffer. Fachmännisch begutachtete er das Scharnier der rechten Klappe. “Aha! Der Bolzen ist gebrochen. Irgendwo im Raumschiff muss ich einen Ersatzbolzen haben. Ich geh in mal suchen. Versuch du inzwischen, die Schrauben zu lösen.”

Iolo verschwand im Inneren des Raumschiffes und Paul nahm sich den Schraubenzieher. Er begann mit aller Kraft, die ihm zur Verfügung stand, an einer Schraube zu drehen und tatsächlich. Sie bewegte sich. Langsam und geduldig löste Paul eine Schraube nach der anderen.

Hinter ihm im Raumschiff rumpelte es. Iolo schein den gesamten Lagerraum zu durchsuchen. Dann hörte er einen triumphierenden Schrei und Iolo kehrte mit dem Bolzen wieder zu ihm zurück.

“Endlich! Hatte doch glatt vergessen, dass ich ihn in den Kühlschrank gelegt hatte.” Paul wunderte sich – nun schon zum wiederholten Mal an diesem Abend. Ein Metallbolzen im Kühlschrank? Iolo musste das Fragezeichen auf Pauls Gesicht gesehen haben, als er antwortete: “Was soll ich denn machen? Sonst wächst er womöglich zu schnell und dann passt er nicht mehr.” Paul musste unwillkürlich kichern. Die war wirklich die merkwürdigste Rakete, die er je gesehen hatte.

Iolo schaute auf die Schrauben in Pauls Hand und nickte anerkennend. “Gut gemacht.” Schnell tauschte er den Bolzen und Paul zog die Schrauben wieder fest. Er war sehr stolz, bei einer richtigen Raumschiffreparatur geholfen zu haben. Rasch wurde der Werkzeugkasten wieder in der Rakete verstaut und Iolo und Paul stiegen ein.

Paul gähnte. Iolo, der wieder auf dem Steuersitz Platz genommen hatte, drehte sich um. “Müde?” Paul nickte. “Ich bin sehr müde. Aber ich will noch eine Runde um den Bundestag drehen”, und das taten sie.

Paul konnte kaum die Augen offenhalten, aber er sah staunend auf die hell erleuchtete Kuppel und die Türmchen und Figuren, mit denen der Bundestag ringsum verziert war.

Ohne das er richtig wusste, wie, waren die beiden wieder in Pauls Zimmer und Paul kuschelte sich in sein Bett. Das Schildchen seiner Kuscheldecke zwischen den Fingern, schlief er erschöpft ein.

Iolo winkte ihm noch einmal zu, bestieg dann sein Raumschiff und flog davon.

ENDE