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Mias neuer Freund

Hallo ihr Lieben,

hier kommt wieder eine neue Kurzgeschichte. Diesmal ist sie für Jugendliche, da der Inhalt schon etwas heftigerer Natur ist. Ich hoffe, es gefällt:

Mias neuer Freund

Das Handy klingelte. Cara nahm ab. „Hi, Mia.“
„Hi, Schatzi! Du, ich muss dir unbedingt etwas sagen. Ich bin total verknallt. Seit einer Woche kenne ich ihn und seit gestern fliege ich auf Wolken.“
„Erzähl. Wie heißt er?“
„Er heißt … eigentlich … eigentlich sollte ich gar nichts über ihn erzählen, aber ich konnte nicht anders. Ich glaub, er stellt sich einfach lieber selbst vor. Sagen wir, er heißt Samuel. Du hast einen Namen und er seinen Willen.“
„Das ist dann jetzt nicht sein richtiger Name.“
Mia lachte. „Nee, das hab ich mir grad ausgedacht.“
„Cool, ein Deckname. Wann krieg ich ihn zu sehen?“
„Komm heute Abend ins Almodovar.“

Cara stand bibbernd vor dem Club “Almodovar”. Tiefe Bässe drangen durch die eisenbeschlagene Eingangstür. Nasse Schneeflocken tropften vom Himmel und bildeten eine feuchte Schicht auf Caras fellbesetzter Kapuze. Sie zitterte, aber nicht nur vor Kälte. Der Abend vor drei Tagen mit Mia und ihrem neuen Freund war wahrhaftig nicht so gelaufen, wie Cara sich das vorgestellt hatte und nun stand sie wieder hier und wartete. Nervös schaute sie sich um. Ein großer, dunkel gekleideter Mann stand neben der Eingangstür an einer Mauer und rauchte. Er starrte in die andere Richtung und schien keine Notiz von ihr zu nehmen. Cara war er trotzdem unheimlich. Erleichtert sah sie Tobi aus der anderen Richtung auf sich zukommen.

Wenig später betraten Cara und Tobi den Club. Tobi war ein guter Bekannter aus der Uni. Außer ihrer Freundin Mia, mit der sie zusammen nach Berlin gezogen war, um hier zu studieren, hatte sie noch keine engen Freunde. Tobi war der einzige, der ihr in ihrer Not eingefallen war. Cara trug einen sexy Minirock, eine passende Bluse und einen breiten Gürtel. An ihren Füßen glitzerten silberne Riemchenschuhe. Ängstlich klammerte sie sich an Tobis Hand. Er legte beruhigend seinen Arm um ihre Schulter und wollte sie zu einer schummrigen Ecke führen, doch sie blieb stehen.
„Dort haben wir am Samstag gesessen. Da will ich nicht hin.“ Stattdessen steuerte sie an einen gut einsehbaren Tisch an der Wand.
„Was willst du trinken?“, fragte Tobi.
„Wodka Red Bull.“
Tobi schaute sie ernst an. „Brauchst du nicht einen klaren Kopf?“
„Ich bin noch nie vernünftig gewesen.“
„Na gut. Ich bin gleich wieder da.“
Tobi ging an die Bar und bestellte. Als er wieder an den Tisch kam, saß Cara in die Ecke gepresst und ließ ihren Blick über die Gäste schweifen.
„Hast du sie gesehen?“
Cara schüttelte den Kopf.
„Dann erzähl am besten erst einmal von vorne.“
„Du kennst doch Mia, meine beste Freundin?“ Tobi nickte. „Sie trifft sich seit kurzem mit einem Typen. Sie hat ihn in ihren Erzählungen aus Scherz immer Samuel genannt. Angeblich stellt er sich am liebsten allein vor und sie sollte ihm nicht vorgreifen. Vor drei Tagen waren wir hier …“

Cara hatte wie heute vor dem Club gewartet. Eng umschlungen hatten sich Mia und ein extrem gut aussehender Mann genähert. Cara hatte unwillkürlich kichern müssen.
Mia hatte sich aus der Umarmung gelöst und war stürmisch auf Cara zugerannt. „Hallo Schätzchen!“ Bussi auf die eine, dann auf die andere Wange.
Der Mann kam lächelnd hinterher und küsste galant Caras Hand. „Hallo, ich heiße Boris und du musst Cara sein.“
Cara wurde fast ohnmächtig bei diesem Blick.

Einige Stunden später dann saßen Cara, Mia und Boris in eben jener schummerigen Ecke und unterhielten sich angeregt. Die Gläser auf dem Tisch zeigten den Alkoholspiegel. Caras Wangen waren gerötet und sie amüsierte sich prächtig.
„Ich muss mal für kleine Mädchen.“ Mia stand auf und gab ihrem Schatz einen Kuss.

Kaum war sie außer Sichtweite, legte Boris Cara den Arm um die Schulter. „Sag mal, wie wär’s. Hättest du nicht Lust, nach dem Club noch mit zu uns zu kommen?“
Cara sah ihn erstaunt an. „Und ich dachte immer, verliebte Pärchen wollten möglichst allein sein.“
Boris strich ihr über die Wange. „Du bist auch sehr schön.“
Cara schaute ihn misstrauisch an. „Bist du nun Mias Freund, oder nicht?“
„Kannst es dir ja überlegen bis wir gehen.“

Mia kam mit zwei Gläsern in der Hand zurück. „Ich dachte, ich bring noch ein paar Cocktails, aber mehr als zwei konnte ich leider nicht tragen. Schatzi, du musst dir selbst einen holen.“ Sie grinste Boris frech an.
Er lächelte charmant zurück. „Cara hat gemeint, sie würde gerne bei uns übernachten. Damit sie nicht mehr so lange fahren muss in der Nacht.“
Mia sah ihn treuherzig an. „Oh, gut. Das hat sie ja schon öfter gemacht. Kein Problem.“ Sie zwinkerte Cara zu. „Wir machen die Tür zu und werden leise sein, damit wir dich nicht stören.“
Cara lächelte schief zurück. „Ich glaub, ich geh jetzt schon nach Hause. Ich bin ziemlich kaputt.“ Sie stand auf.
Plötzlich hielt Boris sie mit eisernem Griff unter dem Tisch fest. „Ich kann dich nicht allein nach Hause gehen lassen. Das kann ich nicht verantworten. Komm mit.“
Wie eine Schlange entwand sich Cara seinem Griff und rannte ohne ein Wort aus dem Club. Hinter sich hörte sie jemanden aufspringen, doch es war ihr egal.

Cara hatte ihre Erzählung beendet. Sie zitterte wieder und lies ihren Blick unruhig über die Tanzenden schweifen.
Tobi trank sein Glas aus und sah sie nachdenklich an. „Und seitdem hast du sie nicht mehr gesehen?“
Cara schüttelte den Kopf. „Handy aus, zu Hause geht der AB ran, keine Reaktion auf Klingeln oder Klopfen, sie war nicht in der Uni, keiner den ich frage hast sie gesehen. Und sie hier zu suchen, war ja deine Idee.“
„Hast du die Polizei angerufen?“
Cara schüttelte den Kopf. „Ich wollte es zuerst irgendjemandem erzählen.“ Sie flüsterte jetzt so leise, dass er sich zu ihr beugen musste, um sie zu verstehen. „Das schlimmste an der Sache ist. Ich hab seitdem das Gefühl, beobachtet zu werden. Siehst du den Typ da?“ Ihr Blick wanderte zu einem unauffällig gekleideten Mann am Rand der Tanzfläche.
Tobis Augen folgten ihrem Blick und er nickte.
„Der hat schon draußen gestanden, als ich auf dich gewartet habe.“
„Ist das Boris?“ Cara schüttelte den Kopf. „Es ist auch nicht immer derselbe. Ich werd schon ganz verrückt.“
Tobi lächelte. „Ich glaub auch. Ich bring dich jetzt nach Hause und morgen früh schau‘n wir weiter. Wir werden Mia schon finden.“

Tobi brachte Cara bis zur Haustür. Vor ihrer Wohnung wurde sie bereits erwartet. Ihr wurden die Hände auf den Rücken verdreht, eine alte Socke in den Mund gestopft und ein Sack über den Kopf gezogen. Alles ging so schnell, dass sie noch nicht einmal schreien konnte. Die Nacht verbrachte sie dann im Laderaum eines klapprigen, alten Lieferwagens. Es war eine kurze Nacht.

Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als die Spitze eines Messers sich zärtlich in Caras Seite bohrte. Unaufhaltsam wurde sie die endlosen Gänge des Flughafens entlanggeführt. Sie fühlte sich merkwürdig ruhig. Ihre Gedanken waren glasklar. Sie würde in dem gleichen Flugzeug sitzen wie Mia einige Tage zuvor. Wohin die Reise ging, hatte sie vorhin bei einem Blick auf das Ticket erahnen können. Boris oder wie auch immer er hieß, hielt sie in festem Griff. Flucht war unmöglich. Ihr Handy befand sich ohne Akku in irgendeinem Mülleimer, ihr Ausweis in Boris Tasche. Handy, irgendwo klingelt ein Handy. Boris ließ sie los und griff in seine Tasche. Cara ergriff die Chance und rannte so schnell wie möglich los. In ihrer Jackentasche klapperten ein paar Münzen. Sie hielt sie fest, damit sie nicht aus der Tasche fielen. Was tun? Da vorne in einer Ecke war ein Münztelefon. Telefon. Münzen. Tobi. Das war es.
Mit zitternden Fingern steckte Cara die Münzen in den Automaten und wählte Tobis Nummer.
„Ja?“ kam es verschlafen aus der Leitung.
„Tobi, ich bin am Flughafen, ich werde entführt mit dem Flug nach Amsterdam um 5.42.“
Tobi war mit einem Mal hellwach. „Cara!“
Die wohlbekannte Messerspitze bohrte sich wieder in Caras Rücken. „Ich muss Schluss machen, Samuel wart… „
Eine Hand drückte auf den Hörer. „Unartiges Mädchen“, sagte Boris leise. „Es wird sowieso zu spät sein.“

IRRLICHTER – Szene 9

Erzähler: Die Sommerferien sind vorbei. Die Schulkinder und ihre Familien reisen ab und überlassen den Zeltplatz den Dauercampern und den älteren Leuten. Ab heute wird es wieder ruhiger werden im Ort, aber vielleicht auch ein Stück langweiliger.

Der letzte Tag in den Ferien. Die Kinder spielen wieder “Münchhausen”. Dorfkinder und Ferienkinder bunt gemischt. Taschen und Koffer stehen beisammen. Die Zelte sind abgebaut. Tine bekommt den Ball.

Tine: Ich bin diesen Sommer entführt worden.

Die anderen lachen.

Mara: Damit kannst du uns nicht mehr beeindrucken.

Elternstimme: Tine, Tine wir fahren!

Die Kinder hören auf zu spielen und stehen sich gegenüber. Alle verabschieden sich von Tine.

Tim: Na dann mach’s gut und gute Heimreise.

Elternstimme: Kinder, Kinder wir wollen los.

Die Kinder umarmen sich zum Abschied.

Katinka: Kommt ihr wieder?

Kathrin: Sollen wir denn?

Petra: Klar, aber dann machen wir aber ne richtige Moorwanderung. Wenn die Hälfte von euch ankommt, ist das gut.

Kai: Wir haben keine Angst vor euch.

Annika: Wie wär’s, wenn ihr uns mal besuchen kommt?

Fleur: Au ja.

Frieda: Schon ganz nett, aber mal ehrlich, wer will denn schon in der Stadt Urlaub machen?

Klara: Ok, wir kommen wieder, aber sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt!

Alle lachen.

Elternstimme: Kinder, Kinder!

Kinder nehmen die Koffer und gehen ab. Sie winken.

Tine: Also tschüss! Bis nächstes Jahr!

ENDE

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IRRLICHTER – Szene 8

Die Kinder kommen draußen vor der Seekate an. Sie flüstern.

Erzähler: Die Kinder haben das ehemalige Restaurant erreicht. Auf der Rückseite des Hauses fällt die Klippe steil zum Strand ab. Dort ist ein Teil der Hauswand bereits eingestürzt. Nur von dem etwas eingerückten Wintergarten, an dessen Rückseite eine hölzerne Außentreppe auf den darüber liegenden Balkon führt, stehen noch alle drei Seiten.

Frieda: Im oberen Stockwerk sind ein paar Dielen durchgebrochen. Man kann den ganzen Saal überblicken. Am besten, wir checken zuerst von dort die Lage.

Kai: Von oben? Wie denn? Ich mein, ich wär zwar gern Spiderman, aber …

Julina: Du wirst schon sehen.

Die Dorfkinder führen die Ferienkinder um das Haus herum zu der morschen Außentreppe, die an der Rückseite des Hauses auf den Balkon führt. Sie gehen hinauf und klettern durch ein zerbrochenes Fenster ins Innere des Hauses. Derweil gibt Frida flüsternd Anweisungen, da es stockfinster ist.

Frieda: Hier lang. Vorsicht, die Treppe ist ein wenig morsch. Da, durch das Fenster. Achtung, dass ihr euch nicht an den Glassplittern schneidet. Leise. Hier ist das Loch im Boden. Man kann alles sehen, was im unteren Stock vor sich geht.

Eilika: Ich seh gar nichts. Zu dunkel.

Tim: Doch da. Da zündet sich jemand eine Zigarette an.

Mara: Es sind zwei. Ich hab’s genau gesehen. Tine ist auch da. Der mit der Zigarette hält Wache und der andere schläft neben Tine.

Maria: Wir müssen ihn irgendwie weglocken.

Klara: Das sollte doch kein Problem sein, oder?

Annika: Was ist, wenn sie uns entdecken? Das sind zwei erwachsene Männer. Gegen die haben wir keine Chance.

Frieda: Gefesselt können sie uns nichts tun.

Ihr Blick fällt auf die Feuerwehrschläuche.

Wenige Zeit später.

Erzähler: Kurze Zeit später haben sich die Kinder an verschiedenen Orten in und um das Haus herum versteckt.

Der Saal des ehemaligen Restaurants zu ebener Erde. An der Decke hängt ein großes Fischernetz, Dekoration aus längst vergangener Zeit. In den Ecken des Raumes steht allerlei Gerümpel, unter anderem mehrere alte Feuerwehrschläuche.

Wie schon im Moor sind plötzlich am Fenster Lichter zu sehen. Heiko, der Wache hält, geht pflichtbewusst zum Fenster, um nachzuschauen, was da los ist. Als er da ist, kann er nichts entdecken. Er dreht sich wieder um und geht zurück. Von draußen ist ein sehr lautes Geräusch zu hören. Er fährt herum. Wieder geht er zum Fenster und versucht etwas zu erkennen, doch es ist nichts zu sehen. Er geht wieder zurück und setzt sich hin. Ein Licht von draußen strahlt ihm direkt ins Gesicht. Er springt auf und läuft zum Fenster. Das Licht ist weg. Er wird unruhig.

Heiko: Was ist denn da los?

Er geht zur Tür, schließt sie auf und geht nach draußen. Inzwischen schleichen Katinka und Eilika zu Tine und wecken sie. Gleichzeitig wickeln Kai und Tim Klaus, den anderen Mann, in einen dicken Feuerwehrschlauch und stecken ihm einen Knebel in den Mund, bevor er noch richtig wach ist.

Eilika: Tine, Tine.

Tine: Was?

Katinka: Pst.

Eilika: Mist, ich krieg den Knoten nicht auf.

Heiko kommt von draußen wieder rein und sieht was passiert.

Heiko (brüllt): Klaus, du Depp! Wach auf!

Undeutliches Gemurmel zur Antwort. Eilika hat endlich Tines Fesseln gelöst.

Eilika (zu Tine): Los, schnell weg.

Heiko rennt auf die Kinder zu, die durch das Fenster klettern. Da fällt ein großes Fischernetz von der Decke. Klaus strampelt und schlägt um sich. Von allen Seiten stürzen sich Kinder auf ihn und wickeln ihn in den zweiten Feuerwehrschlauch ein. Er schreit aus Leibeskräften.

Tim: Ja brüll nur. Dich hört hier eh niemand.

Heiko ist still. Tim holt sein Handy aus der Tasche und tippt eine Nummer ein.

Katinka: Was machen wir jetzt mit ihnen?

Tim: Die Polizei kommt, sie abholen.

Die anderen kichern. Sie nehmen Tine in die Mitte und gehen ab. Kai zeigt den Entführern noch eine lange Nase.

weiter zu Szene 9

IRRLICHTER – Szene 7

Die Kinder stehen vor einem großen und einem kleinen Zelt. Alles ist dunkel.

Fleur: Hier ist Tines Zelt.

Annika: Das kleine hier gehört auch dazu. Dort habe ich ihre Eltern belauscht.

Klara (schaut vorsichtig erst in das große, dann in das kleine Zelt): Sie schlafen dort. (zeigt auf das große Zelt) In dem anderen sind nur Sachen. (zu Fleur) Kannst du dort hineinkrabbeln? Du bist die Kleinste von uns.

Fleur nickt und verschwindet geräuschlos im Zelt. Die anderen stehen Wache. Fleur kommt mit einem Brief in der Hand aus dem Zelt zurück.

Fleur: Das ist er.

Klara: Gut, dann nichts wie weg hier.

Die Kinder laufen zu dem großen Baum am Rande des Zeltplatzes. Einer nach dem anderen liest den Brief.

Katinka: Da will also jemand, dass Tines Vater, die Zulassung eines neuen Medikaments befürwortet. Und erst wenn das Medikament zugelassen ist, lässt er Tine frei.

Felix: Das ist doch Erpressung.

Annika: Ja, genau das ist es.

Fleur: Was ist eine Zulassung überhaupt?

Klara: Die Erlaubnis, dass das Medikament in der Apotheke verkauft werden darf.

Felix: Warum sollte Tines Vater das nicht tun?

Annika: Wahrscheinlich ist es nicht gut genug, oder sogar gefährlich.

Frieda: Damit wissen wir aber immer noch nicht, wo Tine steckt.

Die Kinder seufzen und schweigen. Einige gähnen.

Klara: Am besten, wir gehen jetzt schlafen und suchen morgen weiter.

Nele: Vielleicht hat uns Tine ja selbst verraten, wo sie ist. So wie Hänsel und Gretel. Was stand noch mal in dem Tagebuch?

Klara: Ich Esel! Natürlich! (zu den Dorfkindern) Wisst ihr, ob es hier in der Nähe eine Seemole oder Seekote oder so ähnlich gibt?

Petra: Klar, die Seekate. Das ist das leerstehende Restaurant, was direkt an den Klippen steht. Wegen Einsturzgefahr gesperrt.

Tim: Das perfekte Versteck.

Frieda: Na dann nichts wie los.

Alle springen auf und rennen davon.

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IRRLICHTER – Szene 6

Es ist Nacht. Susanne und Julia gehen auf einen Waldweg, der sich in einem Trampelfpad und schließlich ganz verliert, übers Moor.

Erzähler: Susanne und Julia gehen auf dem einzigen befestigten Pfad, der zum Teil über hölzerne Brücken und Stege führt, ins Moor hinein. Es liegt hinter den Dünen am Rand des kleinen Badeortes und ist der Schauplatz unzähliger Legenden und Gespenstergeschichten. Insbesondere Irrlichter sollen hier ihr Unwesen treiben.  Die Nacht ist auffallend kühl und dunstiger Nebel steigt aus dem feuchten, schlammigen Untergrund zwischen die Erlen auf. Der Vollmond am Himmel beleuchtet die Szene gespenstisch.

Unter Julias Füßen knackt das Unterholz deutlich hörbar.

Susanne (flüstert): Pscht. Leise.

Julia: Ich kann nicht. Unter meinen Füßen ist lauter Gestrüpp.

Susanne stolpert über eine Baumwurzel.

Julia: Siehst du.

Jammernd humpelt Susanne weiter. Julia geht schweigend neben ihr. Nur die Geräusche der Nacht sind zu hören.

Nach einer Weile.

Julia: Was meinst du, was sie vorhaben?

Susanne: Irgendwas Idiotisches, vermute ich. Da hinten ist der See.

Julia: Und wenn es doch nicht die Kinder sind, sondern … ein richtiger Entführer?

Susanne: Das haben wir doch alles besprochen.

Julia: Ich mein ja nur.

Susanne: Angst?

Julia schaut zu Boden.

Julia: Ich bin nur nicht gerne Lockvogel.

Susanne: Da drüben ist die Eiche.

Die beiden kommen an der Eiche an, an der ein großer weißer Zettel angepinnt ist. Susanne reißt den Zettel ab und liest ihn. Dann lacht sie.

Susanne: Na, was hab ich gesagt?

Sie gibt den Zettel Julia, die ihn laut vorliest.

Julia: “April, April, wer hierherkommt, wird reinfallen! Hoffentlich habt ihr Handtücher dabei.” Was soll denn das heißen?

Doch kaum hat Julia den Satz zu Ende gesprochen, wird den beiden das Holzbrett unter ihren Füßen mit einem Strick weggezogen. Julia und Susanne fallen hin, kullern den Abhang hinunter und landen mit einem lauten Platsch im See. Sie strampeln und prusten. Die Dorfkinder kommen mit Indianergeheul aus den Büschen hervor und stehen lachend am Ufer.

Eilika: Na, gefällt sie euch? Nachtwanderung mit anschließendem Mitternachtsbad, besondere Attraktion für unsere Feriengäste!

Katinka: Moorbäder sollen ja schön machen.

Maria: Das hilft das wohl nicht mehr.

Susanne (flüstert zu Julia): Jetzt.

Julia nickt. Dann stößt sie einen Schrei aus, der klingt, wie der eines verunglückten Vogels.

Eilika: Hast du nen Knall?

Julia: Nee, das mach ich immer wenn mir kalt ist. Ich denke, ihr habt gewonnen und wir gehen jetzt wieder zum Zeltplatz zurück. Umziehen. Schlafen.

Susanne und Julia steigen aus dem Wasser. In diesem Moment ist ein merkwürdiges Geräusch zu hören. Susanne fährt herum.

Susanne (ängstlich): Was war das?

Sophia: Was?

Susanne: Das Geräusch.

Wieder ist das Geräusch zu hören. Alle lauschen wie gebannt in diese Richtung.

Frieda: Das war der Wind.

Julia (ironisch): Jaja, der Wind, der Wind, das himmlische Kind.

Doch kurz darauf kreischt Julia auf und springt zur Seite. Alle anderen erschrecken ebenfalls und schauen sie entsetzt an.

Julia: Da war was Nasses an meinem Nacken.

Susanne (spöttisch): War wahrscheinlich auch der Wind.

Im Moor sind hier und da kleine Lichter zu sehen. Sie tauchen an bestimmten Stellen auf und verschwinden dann wieder.

Melanie: Schaut mal da.

Alle starren wie gebannt auf die Erscheinungen.

Victoria: Also meine Oma sagt immer …

Frieda: Sei ruhig.

Victoria: Also meine Oma sagt immer, Irrlichter gibt es wirklich.

Frieda (ärgerlich, um ihre Angst zu überspielen): Halt die Klappe.

Die unheimlichen Geräusche kommen wieder. Jetzt sind auch gemurmelte Worte von allen Seiten zu hören, die sich im Sprechgesang wieder und wieder wiederholen.

Irrlichter: Wer stört unsere Kreise? Wer verunglimpft unseren Namen? Wir kriegen euch und das Moor wird euch verschlingen.

Plötzlich sind überall um sie herum im Moor kleine Lichter zu sehen. Die Kinder schauen sich um und bemerken, dass Susanne und Julia verschwunden sind. Sie stehen allein im Moor.

Frieda: Wo sind sie denn hin?

Sophia: Ich hab Angst.

Frieda: Los kommt, haun wir ab.

Die Kinder gehen zusammengedrängt in die Richtung, aus der sie gekommen sind, doch von allen Seiten tauchen schwarz und braun vermummte Gestalten mit gruseligen Gesichtern auf, die sie nicht durchlassen und sie umringen. Als sie sie umstellt haben, nehmen alle gemeinsam die Masken ab. Es sind die Ferienkinder. Klara baut sich vor den verängstigten Dorfkindern auf.

Klara: Na, wer hat jetzt wen reingelegt?

Keine Antwort.

Klara: Wo ist Tine?

Frieda: Woher sollen wir das wissen?

Tim: Na ihr habt sie doch entführt.

Sophia: Haben wir nicht.

Klara (hält ihnen den Erpresserbrief vor die Nase): Der Brief ist nicht von euch?

Frieda: Wir wissen nicht, wo sie ist. Der Brief war nen Witz. Ihr habt doch selbst gelesen und überhaupt – ihr habt ihre Geschichte doch auch nicht geglaubt.

Tim: Bis sie verschwunden ist. Also, wo ist sie?

Stille.

Frieda: Tine ist noch immer nicht wiedergekommen?

Klara: Nein.

Betretenes Schweigen.

Annika: Moment mal. Hab ihr nur den Brief geschrieben oder auch noch einen an ihre Eltern?

Katinka (kleinlaut): Nur den.

Annika: Dann ist sie wirklich entführt worden.

Die anderen schauen sie fragend an.

Annika (ein wenig kleinlaut): Ich wollte … ich fand … ich wollte ihre Eltern einweihen und bin zu ihrem Zelt gegangen. Da hab ich ein Gespräch belauscht, in dem von einem Erpresserbrief die Rede war. Einem anderen, an ihre Eltern und …

Klara: … das bedeutet, dass sie tatsächlich wirklich richtig entführt worden ist.

Stille.

Frieda: Das tut uns wirklich schrecklich Leid mit dem Streich.

Julina: Wir müssen irgendwie den zweiten Brief lesen.

Tim: Wir? Heißt das, ihr helft uns?

Frieda: Ja.

Frieda hält Klara die Hand hin. Diese schlägt ein.

Susanne: Prima. Auf zum Zeltplatz. Ich muss sowieso in neue Klamotten schlüpfen.

Die anderen nicken und machen sich schweigend auf den Weg.

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IRRLICHTER – Szene 5

Auf dem Weg zurück zum Zeltplatz schlendern die Kinder nachdenklich nebeneinander her.

Kathrin: Ich wette, die Kinder aus dem Dorf haben den Brief geschrieben.

Mara: Warum? Das ergibt doch keinen Sinn.

Kathrin: Du hast es doch selbst gehört. “Das ist unser Haus. Je weniger Feriengäste, umso besser.”

Julia: Ich glaub nicht, dass Kinder so was tun würden.

Kathrin: Ich schon.

Annika: Und jetzt?

Klara: Wir tun, was in dem Brief steht. Eine andere Spur haben wir nicht.

Annika: Das kann sehr gefährlich werden.

Susanne: Dann sollten wir einen guten Schlachtplan parat haben.

Tim schaut nochmal auf den Brief.

Tim: Irrlichter? (überlegt) Wie erschreckt man Moorgeister? ….

Fleur hat inzwischen etwas auf dem Fußboden entdeckt und hebt es auf. Es ist ein kleines Büchlein.

Fleur: Hey, schaut mal.

Fleur zeigt das Buch den anderen. Tim erkennt es sofort.

Tim: Tines Tagebuch.

Kai: Zeig mal.

Fleur gibt Kai das Tagebuch. Kai blättert es aufmerksam durch.

Kai: Scheint nichts Interessantes drin zu stehen.

Tim nimmt ihm das Buch aus der Hand und schaut es ebenfalls durch. Dann schüttelt er  enttäuscht den Kopf. Auf der letzten Seite hält er erstaunt inne.

Tim: Was ist das?

Die anderen schauen ebenfalls neugierig auf die Seite.

Hanna: Das ist doch nur Gekritzel.

Tim: Nein, ist es nicht. Aber ich kann das kaum lesen. Was heißt denn das?

Frederike: Seekale, Seekole oder so ähnlich?

Nele: Das heißt Seemole. Klingt wie ein Ortsname hier in der Gegend. Moment, bin gleich wieder da.

Nele springt auf und kommt kurze Zeit später mit einer Karte und einem kleinen Büchlein zurück.

Nele: Tata! Ortsplan und Telefonbuch.

Sie klappen die Karte auf und suchen auf der Karte und im Telefonbuch fieberhaft nach den Namen. Schließlich schauen sie sich enttäuscht an.

Kai: Nirgendwo eine Seemole.

Mara: Hier auch nicht.

Kathrin: Versteh ich nicht, das muss doch ein Ort sein.

Klara (klappt entschlossen das Telefonbuch zu): Oder auch nicht. Darüber können wir uns später den Kopf zerbrechen. Wir haben noch viel zu tun bis Mitternacht.

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IRRLICHTER – Szene 4

Die alte Strandsauna in den Dünen. Hanna verfolgt eine Spur im Sand. Sie schaut auf und entdeckt das Haus. Ein Pfiff durch die Zähne. Vorsichtig geht sie um das Haus herum.

Hanna (ruft laut): Hey, kommt mal hierher. Ich hab was gefunden.

Die anderen Kinder kommen angerannt und betrachten die Strandsauna von allen Seiten.

Frederike: Eine Strandsauna.

Hanna: So, wie’s aussieht, steht sie leer.

Nele: Leise. Vielleicht is jemand drin.

Kai drückt die Klinke herunter und öffnet die Tür. Sie knarrt entsetzlich.

Hanna (triumphierend): Die Tür ist offen.

Alle Kinder schleichen in das Innere des Hauses und durchkämmen sämtliche Räume. Dann treffen sie sich im Flur wieder.

Klara (flüstert): Habt ihr was gefunden?

Die Kinder schütteln den Kopf.

Mara: Da waren wir noch nicht.

Mara zeigt auf eine Tür. Sie gehen hindurch und kommen in einen Raum, der vor kurzem benutzt worden zu sein scheint. Hier finden die Kinder zerschnittene Zeitungen, Schere und Klebstoff.

Kai: Schaut mal.

Die anderen werfen einen Blick auf die Zeitungen und schauen dann automatisch über ihre Schulter zur Tür.

Fleur (flüstert): Ob er noch da ist?

Kathrin: Woher weißt du, dass es ein ER ist?

Eine Tapetentür hinter ihnen geht auf. Eilika kommt hindurch.

Eilika (laut): Was macht ihr hier?

Die Ferienkinder schrecken zusammen und schauen sich um. Als sie sehen, dass es sich um ein Kind handelt, seufzen sie erleichtert.

Mara: Wir, äh, wir … weißt du, wer hier die Zeitungen so zerschnitten hat?

Eilika (spöttisch): Kein Ahnung.

Die anderen Dorfkinder kommen hinter dem einen durch die Tapetentür und bauen sich bedrohlich vor den Ferienkindern auf.

Mara schaut irritiert in die feindseligen Gesichter. Klara kommt ihr zu Hilfe.

Klara: Ehm, es ist nämlich … wir suchen ein Mädchen. Sie ist verschwunden …

Melanie: Hier ist sie nicht.

Frederike: Der Erpresserbrief …. er wurde aus Zeitungsbuchstaben zusammengestückelt.

Hanna: Könnt ihr uns vielleicht helfen, das Mädchen zu suchen?

Petra: Nein. Wir haben niemanden gesehen und auch kein kleines Mädchen. Und es wäre besser, wenn wir euch auch gleich nicht mehr sehen würden. Das ist unser Haus. Nur so nebenbei – verschwundene Feriengäste interessieren uns nicht, im Gegenteil, umso mehr umso besser.

Klara: (sauer) Wisst ihr, vielleicht sollte euch so was mal passieren, damit ihr mitreden könnt. Obwohl – sone Zimtzicken will wahrscheinlich eh niemand haben. (zu den anderen) Kommt wir gehen. Das war reine Zeitverschwendung.

Die Ferienkinder ab.

Die Dorfkinder brechen in Gelächter aus.

Sophia: Au weia. Wie kann man nur so’n Quatsch glauben.

Petra: Ist doch cool. Vielleicht kommen sie ja sogar wirklich ins Moor. Dann müssen wir uns ne gute Überraschung überlegen.

Fee: Ich wüßt schon was.

Melanie: Und was is nun mit dem komischen Mädchen? Is die jetzt wirklich verschwunden?

Petra: Is doch egal. Je länger sie wegbleibt, umso lustiger wird‘s.

Sophia: Wahrscheinlich is sie weggelaufen.

Frieda: Wirklich egal. (zu Fee) Los erzähl.

weiter bei Szene 5