Archiv der Kategorie: Fingerübungen

Zweite Theaterstunde

Ich habe ja geschrieben, dass man immer die Übungen mindestens einmal wiederholen sollte, bevor man etwas anderes tut. Nun ich habe mich selbst nicht dran gehalten … naja, fast oder teilweise ….

Hier kommt der Ablauf der zweiten Theaterstunde:

  1. Wir gehen alle wie eine lange Schlange in den Raum und zischen leise.
  2. Die Kinder setzen sich auf die Kissen und das Sockenmonster „Wuschel“ kommt heraus und begrüßt die Kinder. Die Kinder fragen schon nach der Ballübung mit der Bombe und der heißen Kartoffel.
  3. Wuschel muss gestehen, dass die Sockenmonster zu Hause die ganzen Bälle aufgegessen haben und wir daher nicht mit richtigen Bällen spielen können. Die Kinder lauschen ungläubig.
  4. Ich schlage vor, mit einem unsichtbaren Zauberball zu spielen und beginne das Spiel „Ballala“
  5. Dann verwandelt sich der Ball in meinen Händen in einen Hut. Ich forme ihn wieder zu einem Ball und gebe ihn dem nächsten Kind. Jedes Kind soll nun versuchen, den Zauberball in etwas anderes zu verwandeln. Nicht allen gelingt das. Bei diesem Spiel merke ich, dass ich darauf achten muss, dass die anderen tatsächlich raten, worum es sich handelt und nicht das Kind das selbst sagt. Dadurch lernen die Kinder, sich mimisch auszudrücken.
  6. Als nächstes wird das Spiel mit der Bombe verlangt. Ich frage die Kinder, ob sie es lieber mit einem echten Ball oder mit dem Zauberball spielen wollen. Sie entscheiden sich für einen echten Ball und wir nehmen einen aus einer Kiste im Kindergarten. Der Ball wird zu der heißen Kartoffel, die weitergegeben werden muss und der Bombe die sehr, sehr vorsichtig von einem Kind zum anderen geworfen werden muss. Dabei sollen die Kinder sich vorher mit Namen ansprechen, damit derjenige weiß, wer gemeint ist.
  7. Es wird Zeit, das Thema zu wechseln. In Vorbereitung auf Fasching haben wir das Lied „Der Cowboy Jim aus Texas“ gesungen und ich habe geplant, es nachzuspielen. Wir machen eine Schleichschule. Die Bösewichte schleichen sich an den schlafenden Jim. Er wacht auf und rennt weg. Die anderen rennen hinterher.
  8. Beim zweiten Durchgang ist der Floh dabei, der den Cowboy aufweckt.
  9. Dann singen wir das Lied dazu und versuchen, die Aktionen im Rhythmus des Liedes zu tun.
  10. Als Abschluss machen wir eine Tschüß-Rakete: Alle Kinder stehen im Kreis und legen die Hände aufeinander. Die Hände werden mit einem langen, lauten  „Tschüß“ in die Luft geworfen.

Grundsätzlich gilt bei der Theaterstunde das Prinzip der Freiwilligkeit. Ich frage vorher immer, wer Lust hat mitzumachen und es kommen nur Kinder mit, die dies wollen. Auch in der Stunde müssen die Kinder keine Übung mitmachen. Wer nicht möchte, darf zuschauen. Bedingung ist, dass das Kind leise ist und nicht stört. Wer absichtlich stört, wird rausgeschickt. Bisher ist mir das noch nicht passiert. Drückt mal die Daumen, dass es so bleibt!

Ich freue mich über eure Kommentare!

So, hier geht es zu:

Wie man eine Theaterstunde für Kindergartenkindern plant

1. Theaterstunde

Wie man eine Theaterstunde für Kindergartenkinder plant

In meinem Kinderladen mache ich seit kurzem eine Theaterstunde für die 3- bis 6-Jährigen und ich wollte euch teilhaben lassen, wie ich den Kurs und die einzelnen Stunden plane:

Orientiert habe ich mich an der „Musikalischen Lernwerkstatt“ von Valeria Borbonus, die sie uns in unserer Erzieherausbildung vorgestellt hat. Valeria ist Musikpädagogin und nimmt als Ausgangspunkt ihrer Stundenplanung jeweils ein Kinderlied, aus dem sie dann die gesamte Einheit assoziativ entwickelt. Da ich ja keine musikalische Früherziehung, sondern Theaterpädagogik mache, nehme ich statt des Liedes ein theatralisches Thema, um das sich die gesamte Stunde rankt.

Solche Themen sind beispielsweise:

  • Bälle
  • Tiere
  • Gegensätze (hoch-tief, laut-leise, schwer-leicht, hart-weich, schnell-langsam, da-weg)
  • Gefühle
  • Spiegel
  • weglaufen – verstecken – fangen
  • Reise
  • Puppen
  • Geräusche / Klang / Atem
  • Körper
  • Raum und Zeit
  • Reim und Rhytmus
  • Alltagsgegenstände (Küchenutensilien, Gegenstände zum Putzen, Büroartikel)
  • Roboter / Maschinen
  • Tücher / Decken / Seile
  • Steine / Stöcke / Naturmaterial

Als ersten Schritt assoziiere ich mit der Mind-Map-Methode alles, was mir zum gewählten Thema einfällt.

Meine Mind-Map zum Thema „Ball“ sah beispielsweise so aus:

Mind-Map zum Thema Ball
dies alles ist mir assoziativ zum Begriff „Ball“ eingefallen

Während ich die Mind-Map mache, fallen mir Szenen und Spiele ein, die ich mit den Kindern machen könnte. Aus der „Ball“-Mind-Map habe ich beispielsweise folgendes gelesen:

  • der Ball kann gegenständlich oder unsichtbar sein.
  • der Ball kann sich in verschiedene Dinge verwandeln: Ein Ei, aus dem ein Vogel schlüpfen kann, ein Samenkorn, aus dem eine Pflanze wächst, eine Glaskugel, in der man die Zukunft oder weit entfernte Orte sehen kann
  • die Kinder können sich selbst in einen Ball verwandeln und durch den Raum kugeln und rollen
  • die Kinder können sich mit dem Ball fangen und abwerfen, zum Beispiel als Schneeball
  • der Ball kann als Zauberball (wie die Nüsse bei Aschenbrödel) ein Geheimnis beherbergen, was mit dem entsprechenden Zauberspruch sichtbar gemacht werden kann

Als nächstes suche ich in Theaterbüchern Anregungen und erprobte Spiele. Aktuell verwende ich das Buch „Theaterspielen mit Kindern ab zwei Jahren“ von Petra Paula Marquart und Stefanie Jerg (Hrsg.). Ich kann das Buch nur empfehlen.

Nun kommt die „Musikalische Lernwerkstatt“ ins Spiel. Valeria baut ihre Stunden wie folgt auf:

Beginn und Schluss sind wie bei allen solchen Stunden ein festes Ritual:

Am Anfang ist das Begrüßungslied, dann wird jedes Kind von dem Eisbär (einer Handpuppe von Folkmanis) mit einem Küsschen begrüßt. Die Kinder entscheiden, wo der Eisbär während der Stunde sitzen soll und dann geht es los.

  1. Einstieg: Valeria hat etwas mitgebracht, was das Thema einleitet, entweder einen Gegenstand oder eine Geschichte oder eine Frage an die Kinder. Daraus entsteht ein Gespräch.
  2. Danach wird einmal das Lied gesungen.
  3.  Die Kinder spielen, was in dem Lied vorkommt, während es noch einmal gespielt und gesungen wird.
  4. Es entsteht daraus ein Spiel.
  5. Etwas ungewöhnliches geschieht, was dem Ablauf der Geschichte eine neue Richtung gibt.
  6. Valeria hat etwas mitgebracht, was einen Alltagsbezug zu dem Thema des Liedes herstellt (meist etwas, was man essen kann ;)).
  7. Zum Schluss dürfen die Kinder sich noch ein Spiel aussuchen, welches sie machen wollen. Das kann auch aus früheren Stunden sein.

Die gesamte Einheit dauert etwa 20 – 25 min. Bei Elementarkindern werden zwei Einheiten gemacht, bei Krippenkindern nur eine.

Zum Schluss erfolgt wieder ein Ritual. Alle sagen sich gegenseitig tschüß und die Kinder entscheiden, wie alle den Raum verlassen sollen.

Meine Aufgabe ist es nun, dieses Schema auf mein Thema zu übertragen und schon habe ich meine Stunde!

Wie meine erste Stunde im Detail ausgesehen hat und was in der Realität daraus geworden ist, könnt ihr hier lesen.

Es ist übrigens wichtig, die Einheit nicht nur einmal mit den Kindern zu spielen, sondern sie mindestens einmal zu wiederholen. Vertraut einfach eurem Fingerspitzengefühl, können die Kinder das Spiel noch nicht, dann war es zu wenig Wiederholung, fangen die Kinder an, Quatsch zu machen, war es zu viel.

Habt ihr auch schon mit Kindern Theaterunterricht gemacht? Wenn ja, dann schreibt bitte in die Kommentare. Ich freue mich, über Erfahrungsaustausch!

 

 

 

 

Meine Theaterstunde zum Thema „Bälle“

Wie ich schon berichtet habe, mache ich jetzt in meinem Kinderladen regelmäßige Theaterstunden mit den Kindern. Die erste Stunde ist folgendermaßen abgelaufen:

  1. Ich habe den Raum so vorbereitet, dass der Fußboden komplett frei ist und alle Dinge im Raum die Wand geschoben sind. Regale sind mit Decken ein wenig abgehängt worden. Die Gegenstände, die ich brauche, liegen auf einem Regal. Außerdem habe ich noch eine Decke und zwei Matratzen parat gelegt. Ein Kreis von Kissen auf dem Boden ist ausgelegt.
  2. Ich hole die Kinder und wir stehen vor dem Raum. Ich frage die Kinder, wie sie den Raum betreten wollen. Sie entscheiden sich, die Augen zu schließen und sich in einer langen Schlange an den Händen zu halten.
  3. Als wir im Raum sind, setzen sich alle auf die Kissen. Mein Sockenmonster „Wuschel“ kommt heraus und fragt, was eigentlich Theater ist. Die Kinder begrüßen es und versuchen es ihm zu erklären.
  4. Ich hole einen Ball heraus und rolle ihn dem Kind gegenüber mit den Worten „Ballala Maria“ zu. Die Kinder begreifen das Spiel und rollen den Ball zum nächsten, trauen sich aber noch nicht richtig, das Kind auch anzusprechen.
  5. Dann rollt der Ball mit einem Geräusch zum nächsten Kind. Die Kinder finden das sehr witzig und lassen den Ball miauen und muhen.
  6. Jetzt wird der Ball im Kreis herum gegeben. Er ist eine heiße Kartoffel. Dann verwandelt er sich in einen Matschball, dann in eine Bombe, die sehr sehr vorsichtig weitergegeben werden muss.
  7. Jetzt haben die Kinder genug davon, im Kreis zu sitzen. Wir stehen auf und kugeln uns wie die Bälle. Aus den Bällen werden Eier, aus denen kleine Küken schlüpfen.
  8. Wir bauen aus der Decke, den beiden Matratzen und zwei Stühlen eine Bühne. auf. Dann bekommen die Kinder jeweils jeder einen eigenen Ball, mit dem sie sich eine Fortbewegungsart ausdenken sollen. Jeder führt seine Fortbewegungsart auf der Bühne vor.
  9. Zum Schluss schlüpfen noch mal ein paar Küken auf der Bühne. Verbeugung. Klatschen. Abgang.

Ein richtiges Abschlussritual habe ich noch nicht gefunden, daher haben wir uns alle nur „tschüß“ gesagt.  Nach der Stunde habe ich den Raum wieder umgebaut. Ein paar der Kinder wollten noch weiter mit den Bällen spielen und waren dann noch eine ganze Weile damit beschäftigt.

Gern dürft ihr die Stunde ausprobieren. Schreibt mir doch, wie es bei euch war!

Quatschgeschichten mit Yogafiguren

Da ich ja jetzt im Kindergarten arbeite, habe ich mich damit beschäftigt, was man so für Geschichten dort gebrauchen kann. Da ich auch schon Yoga mit Kindern gemacht habe, war die erste Idee, die Yogafiguren zu einer Geschichte zu verbinden, um so einen roten Faden durch die Übungen zu haben, dem die Kinder leicht und mit Spaß folgen können. Außerdem haben Yogafiguren immer sehr anschauliche Namen, die sich gut zum Geschichtenerzählen eignen.

Als zweite Idee kam ein Spiel von Haba dazu, was „Quatschgeschichten“ heißt und in dem man vier Elemente einer Geschichte per Zufall miteinander kombinieren kann, so dass syntaktisch einwandfrei, aber inhaltlich nicht unbedingt logisch, eine Geschichte herauskommt.

Die Elemente der einzelnen Geschichten sind einfach:

  1. Ein Ort: z.B. „In einem dunklen Keller, da lebte“. Wichtig ist, dass der Satzteil mit „da lebte“ aufhört, so dass er an jedes zweite Element passt.
  2. Eine Hauptfigur, die ein Bedürfnis oder einen Wunsch hat: z.B. „…. eine kleine Maus, die sich noch nie aus ihrem Loch herausgetraut hatte. Die Maus träumte davon, die große Welt zu sehen, fand aber nicht den Mut dazu. Doch dann entdeckte sie plötzlich … “ Hier muss der Satzteil mit „und traf“, „und sah auf einmal“ oder „und entdeckte“ aufhören, damit das Puzzleteil passt.
  3. Eine Nebenfigur,  die ebenfalls ein Bedürfnis hat oder eine besondere Fähigkeit oder Leidenschaft, die zur Hauptfigur passt: z.B. „…. ein kleines Mädchen, welches im Keller Saft holen sollte. Das Mädchen liebte Mäuse und wünschte sich sehnlichst ein Haustier. Und so …“ Hier geht die Geschichte dann immer mit „also“ oder „und dann“ oder „und so“ als Anschlusswort weiter zu Nr. 4.
  4. Das Ende: hier löst sich das Problem der Hauptfigur und die beiden Figuren tun etwas mit einander: „… freundeten sich die beiden miteinander an und machten zusammen die schönsten Reisen.“ ENDE

Meine Idee war nun, diese Struktur auf die Yogageschichte anzuwenden. Jedes Element ist eine Yogafigur, die dann zu einer Geschichte verbunden werden müssen. Sind alle Geschichten fertig, können sie, wie die Quatschgeschichten frei kombiniert werden.

Die Yogafiguren habe ich dem Buch „Yoga mit Kindern“ von Mark Singleton entnommen. Sie sind jeweils fett markiert. Herausgekommen sind sechs kleine Geschichten:

  1. In einer handbetriebenen Rakete, da lebte …

    … ein tapferer Sternenkrieger. Er träumte davon, Ruhm und Ehre zu erlangen. Eines Tages fand er …

    … auf einem Planeten einen verzauberten Pfeil. Der Pfeil hatte den Auftrag, den dunklen Herrscher zu besiegen. Also …

    … stiegen die beiden ein, strampelten (Radfahren) gemeinsam zum Mittelpunkt des Universums, besiegten den dunklen Herrscher und wurden im gesamten Weltall berühmt.

  2. Auf einem kleinen Segelboot, da lebte …

    … ein geschäftstüchtiger Hahn. Der Hahn fraß für sein Leben gern Risotto und träumte davon, einmal mit Reis sein Geld zu verdienen. Eines Tages …

    … landete er an einer kleinen Insel und traf dort er einen unglücklichen, ausschlagenden Esel. Seine Mutter und sein Vater waren Goldesel gewesen, aber er brachte nur Reis zustande. Also …

    … gründeten die beiden zusammen einen Reishandel, sortierten von morgens bis abends Reis und wurden sehr reich damit.

  3. In einem alten Schaukelstuhl, da lebte eine häusliche Spinne, die sich ein Kind wünschte, aber keine eigenen bekommen konnte. Eines Tages …

    … verfing sich in ihrem Netz eine verspielte Stechmücke. Die Stechmücke hatte keine Eltern mehr und war ganz allein auf der Welt. Und so …

    … nahm sie sie an Kindesstatt an und wiegte sie wie ihr eigenes Baby .

  4. Auf einem gemütlichen Schaukelboot, das lebte …

    … eine neugierige Maus. Der Maus war schrecklich langweilig und wollte auch mal etwas Aufregendes erleben. Eines Tages …

    … brachte ein Matrose eine flinke Katze mit an Bord. Die Katze hatte die Aufgabe, die Mäuse auf dem Boot zu fangen. Doch sie war Vegetarier und wollte nicht töten. Und so …

    … sprangen sie gemeinsam vom Boot, schwammen zu einer Insel und begannen zwischen Kokospalmen ein neues Leben.

  5. In einem wendigen Helikopter, da lebte …

    … eine gelenkige Marionette, die für ihr Leben gern tanzte. Eines Tages …

    … fand sie unter dem Boden einen alten, vergessenen Triangel (Dreieck), die in jungen Jahren für ihre Musik Preise gewonnen hatte. Also …

    … machten sie gemeinsam Musik, tanzten und schüttelten sich durch bis zum Morgengrauen.

  6. Unter dem silberhellen Halbmond, da lebte …

    … ein sanfter Löwe, der für sein Leben süßen Pudding aß. Der Löwe war sehr einsam, da jeder sich vor ihm fürchtete. Eines Tages …

    … traf er eine mutige Taube, die für eine Puddingfabrik Lieferungen zustellte. Sie mochte nicht mehr für die Menschen arbeiten und wollte lieber fernab in der Wildnis leben. Also …

    … suchten sich die beiden eine lauschige Höhle, in der sie fortan gemeinsam lebten und die leckersten Puddings kochten.

Aufgrund der Vorgabe der Yogafiguren sind die Geschichtchen an sich schon etwas skuril geworden. In freier Kombination werden sie sehr schräg. Kinder lieben so etwas …

Da es sechs Geschichten sind, kann man sie ganz einfach per Würfel mischen. In dem Spiel von Haba gibt es noch Pappkärtchen mit Bildern für die einzelnen Geschichtenteile. Wenn ich die Geschichten mit in den Kindergarten bringe, werde ich für die Yogafiguren ebenfalls Karten herstellen.

 

Fotos

Es freut mich, dass euch meine Setfotos so gut gefallen haben. Darum setze ich gleich noch mal eins nach. ich habe vor langer langer Zeit während meines Studiums einen Kurs in Fotografie gemacht, richtig mit Film und Dunkelkammer und selbst entwickeln und so und dies waren die Ergebnisse. Sie sind schwarz-weiß, weil wir sie eben selbst entwickelt haben. ich hoffe, sie gefallen euch!

Wißt ihr was ein Sockenmonster ist?

Unser Sockenmoster heißt Franzi und mein Sohn ist ganz verliebt darin.

Im Prinzip funktioniert das Ganze folgendermaßen: Man ziehe sich eine nicht ganz so stinkende Socke über die Hand und fertig ist das Sockenmonster. Die mit Nadel und Faden begabten können auch noch zwei Knöpfe als Augen daran nähen oder es mit einer Zunge aus Filz verzieren, aber im Grunde braucht das gar nicht zu sein. Im Gegenteil, zur Zeit läuft Franzi immer ohne Socke herum, weil ihm bei dem Wetter zu warm ist, es spielt also nur meine Hand. Natürlich kann man auch auf die Hand Augen und Zunge malen, um dem ganzen ein wenig mehr Autentizität zu verleihen.

Für meinen Sohn ist das Wichtigsten an Franzi, dass er mit einer etwas quäkigen Kinderstimme redet, die sich deutlich von meiner normalen Stimme unterscheidet und dass er grundsätzlich alles wörtlich nimmt.

Erzieherischen Wert hat das Ganze auch, wenn Franzi nämlich sagt: Wir gehen jetzt Zähneputzen, kommt mein Sohn begeistert mit, wenn ich das sage ist die Reaktion gleich null. Hilfe! Was mache ich falsch?

Geeignet sind Sockenmonster nach meiner Erfahrung für Kinder zwischen 3 und 7, je nachdem wie erwachsen sie sich in welchem Alter fühlen. Für meine fast Neunjährige ist das Sockenmonster Babykram, während mein Sohn nur eineinhalb Jahre jünger wie gesagt ganz begeister ist. Kommt also aufs Kind an.

Wenn ihr das ausprobieren wollt, würde ich mich freuen, über Erfahrungen und Erfolge zu hören. Vielleicht hat ja auch der eine oder andere ein Bild von seinem Sockemonster. Die schönsten würde ich gern veröffentlichen!

Paris in zwei Stunden

Hier noch eine kleine Fingerübung. Aufgabe war, ein wahres Ereignis zu schildern. Nun, ganz so dramatisch war es nun doch nicht, aber fast …

Paris in zwei Stunden

Diesen Sommer wollte ich mit meiner Familie unbedingt eine „richtige“ Reise machen, was für mich die Ostsee und den Harz kategorisch ausschloss. Also wälzte ich Kataloge für Familienreisen und entschied mich für ein Feriencamp an der französischen Atlantikküste mit Halbpension, Frühsportangebot und Kinderbetreuung. Mein Mann war entsetzt. Er wollte weder nach Frankreich noch auf eine „Sportreise“. Ich beschloss, mit allen vier Kindern – Frederike, 6 Jahre alt, Ruben 5 Jahre alt, Max 3 Jahre alt und Lena 1 Jahre alt, ALLEIN zu fahren. Meine Mutter erklärte mich für verrückt. Insbesondere die Bahnfahrt hielt sie für unmöglich. Warum, erfuhr ich im Reisebüro.

„Lassen Sie mich mal schauen.“ Die Dame im Reisebüro beugte sich über ihren Computer. „Ich würde Ihnen den Intercity Night bis Paris empfehlen. Dort müssen Sie in den TGV nach Dax umsteigen. Sie kommen um 7.50 an. Um 8.40 geht es weiter.“ Ich nickte. 50 Minuten hörten sich machbar an. Die Dame ging zum Drucker und reichte mir kurz darauf die Reisedaten. Ich stutzte. „Warum kommt der Intercity in Gare d’Est an und der TGV fährt in Gare Montparnasse los? Liegen die beiden Bahnhöfe nebeneinander?“ Die Dame schüttelte den Kopf. „Sie müssen durch Paris mit der U-Bahn fahren.“ Ich schaute sie ungläubig an. „Sie haben knapp eine Stunde Zeit.“ „Ich habe vier Kinder, einen Kinderwagen und jede Menge Gepäck.“ Ich überlegte kurz. „Was wäre, wenn ich den Zug in Montparnasse verpassen würde?“ „Moment.“ Die Dame schaute in ihren Computer. „In diesem Fall verfällt das Ticket. Sie müssten ein neues lösen.“ „Wie lange braucht die U-Bahn?“ Sie tippte eifrig in ihrem Computer. „Es sind dreizehn Stationen ohne Umsteigen. Reine Fahrzeit 20 Minuten.“ Sie tippte weiter. „Eine Stunde später fährt der nächste Zug. Wäre Ihnen der lieber?“ Ich nickte. „Wesentlich lieber. Zwei Stunden werden zum Umsteigen reichen.“

7.30 Uhr. Die gleichmäßige Bewegung der Räder hielt den Zug in einer flüssigen, beruhigenden Bewegung. Ab und an schoss ein Signal vorbei. Die Sonne war bereits aufgegangen und tauchte die Banlieus in goldenes Licht. Es war eine anstrengende Nacht gewesen. Im Abteil Nr. 12 schlief noch alles tief und fest. Eine Stimme, begleitet von Rauschen und Knarzen durchbrach die Stille. „In wenigen Minuten erreichen wir den Bahnhof Paris Est.“ Augenblicklich saß ich senkrecht im Bett und stieß mir den Kopf an der Liege darüber. „Aua.“ Lena, meine kleine Einjährige, rieb sich die Augen. Auch die anderen Kinder schauten aus ihren Decken auf. Im Nu war ich angezogen und begann in aller Eile, die im Abteil verstreuten Sachen zusammenzusuchen, schlaftrunkene Kinder anzuziehen und ein Gepäckstück nach dem anderen zur Tür zu tragen. Lena lief hinter mir her und stand permanent im Weg. Äußerlich ruhig stieg ich über sie hinweg und ignorierte den Wunsch der anderen nach Frühstück. Der Kinderwagen wurde aufgebaut, Kuscheldecken verschwanden unter dem Wagen. Mein Handgepäck wurde an den Griff gehängt, die große Reisetasche kam in die eine Schale, Lena in die andere. Alle Rucksäcke auf! Frederike, meine Sechsjährige, nahm den Griff des Kinderrollkoffers. Die Bremsen quietschten. Der Zug hielt. Aussteigen!

7.50 Uhr. Wo war der Eingang zur U-Bahn? Da! Ich entdeckte ein Schild mit der Aufschrift „Metro“. Ruben zupfte mich am Ärmel. „Mama, ich hab Hunger.“ „Ich auch,“ echoten die anderen. Ich drehte den Kinderwagen in die andere Richtung und steuerte auf einen Stand mit Gebäck und Croissants. „Ich will ein Croissant.“ „Ich eine Brezel.“ „Ich auch.“ „Ich auch.“ Ich kramte mein Geld aus dem Portemonnaie und mein Französisch aus dem hintersten Winkel meines Kopfes. Glücklich mampfend zogen wir weiter.

8.00 Eine endlos lange Treppe führte in die Tiefen des Pariser Untergrunds. Suchend sah ich mich nach einem Fahrstuhl um. Es gab keinen. Eine Rolltreppe war nicht zu entdecken. Schnell orderte ich Ruben, meinen Zweitältesten, beim Kinderwagen zu bleiben, während ich mit Frederike und den Koffern die Treppe hinunterstieg. Frederike platzierte ich bei den Koffern am Fuß der Treppe. Schnell war der Kinderwagen hinuntergetragen. Vor dem Fahrkartenautomaten wartete vor dem eine gigantische Schlange. Innerlich stöhnend stellte mich in die Reihe.

8.25 Uhr. Endlich war ich an der Reihe. Welche Fahrkarte nahm man? Gab es Kinderkarten? Ich entschied mich für ein 10er Billet, während ich hinter uns Deutsch hörte. Eine klassische Familie, Vater, Mutter und zwei kleine Kinder waren auf der gleichen Odyssee. Ich schulterte meinen Rucksack und weiter ging’s. Der Eingang zur Metro war mit Schranken versperrt, durch die man unmöglich mit dem Kinderwagen kommen konnte. Frederike entdeckte die andere Familie, die gerade durch die Rollstuhlschranke verschwand. Erleichtert folgte ich ihnen. Bei den unzähligen Treppen auf dem Weg zum Bahnsteig freundeten wir uns an. Meine Kinder nahmen die anderen bei der Hand und der Vater half mir mit dem Kinderwagen. Ohne ihn hätte ich aufgegeben. 8.40 Uhr. Wir standen auf einem übervollen Bahnsteig. Die Metro kam schnell und fuhr ebenso schnell wieder davon, so dass wir Mühe hatten, alle rechtzeitig einzusteigen. Ruben war der letzte. Die andere Familie hatten wir im Gewühl verloren. Frederike hatte Angst, nicht rechtzeitig aus dem vollgestopften Wagen zu kommen. Ruben saß ganz hinten. Lena krähte. Sie wollte aus dem Kinderwagen und auch auf einem richtigen Sitzplatz sitzen. Ich verbot es. Sie bekam einen Wutanfall. Meine Nerven lagen blank.

9.00 Uhr. „Montparnasse Bienvenue.“ Aussteigen! Ruben drängelt sich rücksichtlos durch und ist diesmal der erste auf dem Bahnsteig. Kurze Zeit später sind von der Metro nur noch die Rücklichter zu sehen. Wo geht es zur Fernbahn? Da ein Schild! Ich folgte ihm und – stehe wieder vor einer Treppe. Das kann nicht wahr sein! Max zupft an meiner Jacke! „Mama, ich muss mal!“ „Kannst du aushalten bis wir im Zug sind?“ „Nein.“ Ich seufze. „Das musst du jetzt aber.“ „Kann ich aber nicht.“ Ohne ein weiteres Wort nehme ich die Koffer und schleppe sie die Treppe hinauf. Hoffentlich hat Max Unrecht.

9.20 Uhr. Ich irre durch die Gänge. Wo ist der Ausgang? Als ich zum zweiten Mal an einem vergitterten Ausgang scheitere, frage ich eine schwarze Frau nach dem Weg. Sie geht mit uns. Die Kinder fasziniert am meisten, dass sie ein lebendiges Huhn mit sich trägt, welches sie auf dem Markt gekauft hat. Ich schaue auf die Uhr. Weit kann es ja nicht mehr sein. „Mama, ich muss mal“, erinnert mich Max. „Ich weiß. Aber es geht jetzt grad nicht.“ Nach einer weiteren Treppe kommen wir zu einem Wegweiser. Mit vielen „Mercis“ verabschiede ich mich von der Frau.

9.30 Uhr Ach du liebes Bisschen! In zehn Minuten fährt unser Zug! Im Laufschritt biegen wir um die Ecke und – stehen vor einem großen Tunnel mit zwei langen Förderbändern. Wo ist der Bahnhof? Hastig geht es weiter über die Förderbänder. „Ich kann nicht mehr!“ jammert Frederike. Wortlos nehme ich ihren Koffer in die Hand. Kurz hinter dem Förderband liegt der Bahnhof.

9.38 Uhr. Im Endspurt renne ich den Bahnsteig entlang. Die Kinder kommen nicht hinterher. Frederike schreit lauthals. „Warte, warte auf mich!“ Ruben heult. Dass der Zug warten wird, sobald ich in der Tür stehe, fällt ihnen in diesem Moment nicht ein. Atemlos komme ich bei unserem Wagen an. Der Schaffner nickt mir freundlich zu. Der Zug habe 10 Minuten Verspätung. Außer Atem kommen die Kinder an der Tür an. „Mama, du solltest warten!“ Ein Kind nach dem anderen wird in den Zug gehoben, die Koffer auf den riesigen Gepäckberg im Gang gepackt.

9.50 Uhr. Wir finden unsere Plätze. Der Zug rollt an in Richtung Atlantikküste. Innerlich ruhig reiche ich Frederike den restlichen Proviant und suche für Max eine neue Hose heraus. Paris in zwei Stunden ist ein unmögliches Unterfangen, aber wir haben es geschafft!