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Ich bin Autorin und Regisseurin und lebe mit meinen vier Kindern in Berlin.

Zweite Theaterstunde

Ich habe ja geschrieben, dass man immer die Übungen mindestens einmal wiederholen sollte, bevor man etwas anderes tut. Nun ich habe mich selbst nicht dran gehalten … naja, fast oder teilweise ….

Hier kommt der Ablauf der zweiten Theaterstunde:

  1. Wir gehen alle wie eine lange Schlange in den Raum und zischen leise.
  2. Die Kinder setzen sich auf die Kissen und das Sockenmonster „Wuschel“ kommt heraus und begrüßt die Kinder. Die Kinder fragen schon nach der Ballübung mit der Bombe und der heißen Kartoffel.
  3. Wuschel muss gestehen, dass die Sockenmonster zu Hause die ganzen Bälle aufgegessen haben und wir daher nicht mit richtigen Bällen spielen können. Die Kinder lauschen ungläubig.
  4. Ich schlage vor, mit einem unsichtbaren Zauberball zu spielen und beginne das Spiel „Ballala“
  5. Dann verwandelt sich der Ball in meinen Händen in einen Hut. Ich forme ihn wieder zu einem Ball und gebe ihn dem nächsten Kind. Jedes Kind soll nun versuchen, den Zauberball in etwas anderes zu verwandeln. Nicht allen gelingt das. Bei diesem Spiel merke ich, dass ich darauf achten muss, dass die anderen tatsächlich raten, worum es sich handelt und nicht das Kind das selbst sagt. Dadurch lernen die Kinder, sich mimisch auszudrücken.
  6. Als nächstes wird das Spiel mit der Bombe verlangt. Ich frage die Kinder, ob sie es lieber mit einem echten Ball oder mit dem Zauberball spielen wollen. Sie entscheiden sich für einen echten Ball und wir nehmen einen aus einer Kiste im Kindergarten. Der Ball wird zu der heißen Kartoffel, die weitergegeben werden muss und der Bombe die sehr, sehr vorsichtig von einem Kind zum anderen geworfen werden muss. Dabei sollen die Kinder sich vorher mit Namen ansprechen, damit derjenige weiß, wer gemeint ist.
  7. Es wird Zeit, das Thema zu wechseln. In Vorbereitung auf Fasching haben wir das Lied „Der Cowboy Jim aus Texas“ gesungen und ich habe geplant, es nachzuspielen. Wir machen eine Schleichschule. Die Bösewichte schleichen sich an den schlafenden Jim. Er wacht auf und rennt weg. Die anderen rennen hinterher.
  8. Beim zweiten Durchgang ist der Floh dabei, der den Cowboy aufweckt.
  9. Dann singen wir das Lied dazu und versuchen, die Aktionen im Rhythmus des Liedes zu tun.
  10. Als Abschluss machen wir eine Tschüß-Rakete: Alle Kinder stehen im Kreis und legen die Hände aufeinander. Die Hände werden mit einem langen, lauten  „Tschüß“ in die Luft geworfen.

Grundsätzlich gilt bei der Theaterstunde das Prinzip der Freiwilligkeit. Ich frage vorher immer, wer Lust hat mitzumachen und es kommen nur Kinder mit, die dies wollen. Auch in der Stunde müssen die Kinder keine Übung mitmachen. Wer nicht möchte, darf zuschauen. Bedingung ist, dass das Kind leise ist und nicht stört. Wer absichtlich stört, wird rausgeschickt. Bisher ist mir das noch nicht passiert. Drückt mal die Daumen, dass es so bleibt!

Ich freue mich über eure Kommentare!

So, hier geht es zu:

Wie man eine Theaterstunde für Kindergartenkindern plant

1. Theaterstunde

Wie man eine Theaterstunde für Kindergartenkinder plant

In meinem Kinderladen mache ich seit kurzem eine Theaterstunde für die 3- bis 6-Jährigen und ich wollte euch teilhaben lassen, wie ich den Kurs und die einzelnen Stunden plane:

Orientiert habe ich mich an der „Musikalischen Lernwerkstatt“ von Valeria Borbonus, die sie uns in unserer Erzieherausbildung vorgestellt hat. Valeria ist Musikpädagogin und nimmt als Ausgangspunkt ihrer Stundenplanung jeweils ein Kinderlied, aus dem sie dann die gesamte Einheit assoziativ entwickelt. Da ich ja keine musikalische Früherziehung, sondern Theaterpädagogik mache, nehme ich statt des Liedes ein theatralisches Thema, um das sich die gesamte Stunde rankt.

Solche Themen sind beispielsweise:

  • Bälle
  • Tiere
  • Gegensätze (hoch-tief, laut-leise, schwer-leicht, hart-weich, schnell-langsam, da-weg)
  • Gefühle
  • Spiegel
  • weglaufen – verstecken – fangen
  • Reise
  • Puppen
  • Geräusche / Klang / Atem
  • Körper
  • Raum und Zeit
  • Reim und Rhytmus
  • Alltagsgegenstände (Küchenutensilien, Gegenstände zum Putzen, Büroartikel)
  • Roboter / Maschinen
  • Tücher / Decken / Seile
  • Steine / Stöcke / Naturmaterial

Als ersten Schritt assoziiere ich mit der Mind-Map-Methode alles, was mir zum gewählten Thema einfällt.

Meine Mind-Map zum Thema „Ball“ sah beispielsweise so aus:

Mind-Map zum Thema Ball
dies alles ist mir assoziativ zum Begriff „Ball“ eingefallen

Während ich die Mind-Map mache, fallen mir Szenen und Spiele ein, die ich mit den Kindern machen könnte. Aus der „Ball“-Mind-Map habe ich beispielsweise folgendes gelesen:

  • der Ball kann gegenständlich oder unsichtbar sein.
  • der Ball kann sich in verschiedene Dinge verwandeln: Ein Ei, aus dem ein Vogel schlüpfen kann, ein Samenkorn, aus dem eine Pflanze wächst, eine Glaskugel, in der man die Zukunft oder weit entfernte Orte sehen kann
  • die Kinder können sich selbst in einen Ball verwandeln und durch den Raum kugeln und rollen
  • die Kinder können sich mit dem Ball fangen und abwerfen, zum Beispiel als Schneeball
  • der Ball kann als Zauberball (wie die Nüsse bei Aschenbrödel) ein Geheimnis beherbergen, was mit dem entsprechenden Zauberspruch sichtbar gemacht werden kann

Als nächstes suche ich in Theaterbüchern Anregungen und erprobte Spiele. Aktuell verwende ich das Buch „Theaterspielen mit Kindern ab zwei Jahren“ von Petra Paula Marquart und Stefanie Jerg (Hrsg.). Ich kann das Buch nur empfehlen.

Nun kommt die „Musikalische Lernwerkstatt“ ins Spiel. Valeria baut ihre Stunden wie folgt auf:

Beginn und Schluss sind wie bei allen solchen Stunden ein festes Ritual:

Am Anfang ist das Begrüßungslied, dann wird jedes Kind von dem Eisbär (einer Handpuppe von Folkmanis) mit einem Küsschen begrüßt. Die Kinder entscheiden, wo der Eisbär während der Stunde sitzen soll und dann geht es los.

  1. Einstieg: Valeria hat etwas mitgebracht, was das Thema einleitet, entweder einen Gegenstand oder eine Geschichte oder eine Frage an die Kinder. Daraus entsteht ein Gespräch.
  2. Danach wird einmal das Lied gesungen.
  3.  Die Kinder spielen, was in dem Lied vorkommt, während es noch einmal gespielt und gesungen wird.
  4. Es entsteht daraus ein Spiel.
  5. Etwas ungewöhnliches geschieht, was dem Ablauf der Geschichte eine neue Richtung gibt.
  6. Valeria hat etwas mitgebracht, was einen Alltagsbezug zu dem Thema des Liedes herstellt (meist etwas, was man essen kann ;)).
  7. Zum Schluss dürfen die Kinder sich noch ein Spiel aussuchen, welches sie machen wollen. Das kann auch aus früheren Stunden sein.

Die gesamte Einheit dauert etwa 20 – 25 min. Bei Elementarkindern werden zwei Einheiten gemacht, bei Krippenkindern nur eine.

Zum Schluss erfolgt wieder ein Ritual. Alle sagen sich gegenseitig tschüß und die Kinder entscheiden, wie alle den Raum verlassen sollen.

Meine Aufgabe ist es nun, dieses Schema auf mein Thema zu übertragen und schon habe ich meine Stunde!

Wie meine erste Stunde im Detail ausgesehen hat und was in der Realität daraus geworden ist, könnt ihr hier lesen.

Es ist übrigens wichtig, die Einheit nicht nur einmal mit den Kindern zu spielen, sondern sie mindestens einmal zu wiederholen. Vertraut einfach eurem Fingerspitzengefühl, können die Kinder das Spiel noch nicht, dann war es zu wenig Wiederholung, fangen die Kinder an, Quatsch zu machen, war es zu viel.

Habt ihr auch schon mit Kindern Theaterunterricht gemacht? Wenn ja, dann schreibt bitte in die Kommentare. Ich freue mich, über Erfahrungsaustausch!

 

 

 

 

Meine Theaterstunde zum Thema „Bälle“

Wie ich schon berichtet habe, mache ich jetzt in meinem Kinderladen regelmäßige Theaterstunden mit den Kindern. Die erste Stunde ist folgendermaßen abgelaufen:

  1. Ich habe den Raum so vorbereitet, dass der Fußboden komplett frei ist und alle Dinge im Raum die Wand geschoben sind. Regale sind mit Decken ein wenig abgehängt worden. Die Gegenstände, die ich brauche, liegen auf einem Regal. Außerdem habe ich noch eine Decke und zwei Matratzen parat gelegt. Ein Kreis von Kissen auf dem Boden ist ausgelegt.
  2. Ich hole die Kinder und wir stehen vor dem Raum. Ich frage die Kinder, wie sie den Raum betreten wollen. Sie entscheiden sich, die Augen zu schließen und sich in einer langen Schlange an den Händen zu halten.
  3. Als wir im Raum sind, setzen sich alle auf die Kissen. Mein Sockenmonster „Wuschel“ kommt heraus und fragt, was eigentlich Theater ist. Die Kinder begrüßen es und versuchen es ihm zu erklären.
  4. Ich hole einen Ball heraus und rolle ihn dem Kind gegenüber mit den Worten „Ballala Maria“ zu. Die Kinder begreifen das Spiel und rollen den Ball zum nächsten, trauen sich aber noch nicht richtig, das Kind auch anzusprechen.
  5. Dann rollt der Ball mit einem Geräusch zum nächsten Kind. Die Kinder finden das sehr witzig und lassen den Ball miauen und muhen.
  6. Jetzt wird der Ball im Kreis herum gegeben. Er ist eine heiße Kartoffel. Dann verwandelt er sich in einen Matschball, dann in eine Bombe, die sehr sehr vorsichtig weitergegeben werden muss.
  7. Jetzt haben die Kinder genug davon, im Kreis zu sitzen. Wir stehen auf und kugeln uns wie die Bälle. Aus den Bällen werden Eier, aus denen kleine Küken schlüpfen.
  8. Wir bauen aus der Decke, den beiden Matratzen und zwei Stühlen eine Bühne. auf. Dann bekommen die Kinder jeweils jeder einen eigenen Ball, mit dem sie sich eine Fortbewegungsart ausdenken sollen. Jeder führt seine Fortbewegungsart auf der Bühne vor.
  9. Zum Schluss schlüpfen noch mal ein paar Küken auf der Bühne. Verbeugung. Klatschen. Abgang.

Ein richtiges Abschlussritual habe ich noch nicht gefunden, daher haben wir uns alle nur „tschüß“ gesagt.  Nach der Stunde habe ich den Raum wieder umgebaut. Ein paar der Kinder wollten noch weiter mit den Bällen spielen und waren dann noch eine ganze Weile damit beschäftigt.

Gern dürft ihr die Stunde ausprobieren. Schreibt mir doch, wie es bei euch war!

Quatschgeschichten mit Yogafiguren

Da ich ja jetzt im Kindergarten arbeite, habe ich mich damit beschäftigt, was man so für Geschichten dort gebrauchen kann. Da ich auch schon Yoga mit Kindern gemacht habe, war die erste Idee, die Yogafiguren zu einer Geschichte zu verbinden, um so einen roten Faden durch die Übungen zu haben, dem die Kinder leicht und mit Spaß folgen können. Außerdem haben Yogafiguren immer sehr anschauliche Namen, die sich gut zum Geschichtenerzählen eignen.

Als zweite Idee kam ein Spiel von Haba dazu, was „Quatschgeschichten“ heißt und in dem man vier Elemente einer Geschichte per Zufall miteinander kombinieren kann, so dass syntaktisch einwandfrei, aber inhaltlich nicht unbedingt logisch, eine Geschichte herauskommt.

Die Elemente der einzelnen Geschichten sind einfach:

  1. Ein Ort: z.B. „In einem dunklen Keller, da lebte“. Wichtig ist, dass der Satzteil mit „da lebte“ aufhört, so dass er an jedes zweite Element passt.
  2. Eine Hauptfigur, die ein Bedürfnis oder einen Wunsch hat: z.B. „…. eine kleine Maus, die sich noch nie aus ihrem Loch herausgetraut hatte. Die Maus träumte davon, die große Welt zu sehen, fand aber nicht den Mut dazu. Doch dann entdeckte sie plötzlich … “ Hier muss der Satzteil mit „und traf“, „und sah auf einmal“ oder „und entdeckte“ aufhören, damit das Puzzleteil passt.
  3. Eine Nebenfigur,  die ebenfalls ein Bedürfnis hat oder eine besondere Fähigkeit oder Leidenschaft, die zur Hauptfigur passt: z.B. „…. ein kleines Mädchen, welches im Keller Saft holen sollte. Das Mädchen liebte Mäuse und wünschte sich sehnlichst ein Haustier. Und so …“ Hier geht die Geschichte dann immer mit „also“ oder „und dann“ oder „und so“ als Anschlusswort weiter zu Nr. 4.
  4. Das Ende: hier löst sich das Problem der Hauptfigur und die beiden Figuren tun etwas mit einander: „… freundeten sich die beiden miteinander an und machten zusammen die schönsten Reisen.“ ENDE

Meine Idee war nun, diese Struktur auf die Yogageschichte anzuwenden. Jedes Element ist eine Yogafigur, die dann zu einer Geschichte verbunden werden müssen. Sind alle Geschichten fertig, können sie, wie die Quatschgeschichten frei kombiniert werden.

Die Yogafiguren habe ich dem Buch „Yoga mit Kindern“ von Mark Singleton entnommen. Sie sind jeweils fett markiert. Herausgekommen sind sechs kleine Geschichten:

  1. In einer handbetriebenen Rakete, da lebte …

    … ein tapferer Sternenkrieger. Er träumte davon, Ruhm und Ehre zu erlangen. Eines Tages fand er …

    … auf einem Planeten einen verzauberten Pfeil. Der Pfeil hatte den Auftrag, den dunklen Herrscher zu besiegen. Also …

    … stiegen die beiden ein, strampelten (Radfahren) gemeinsam zum Mittelpunkt des Universums, besiegten den dunklen Herrscher und wurden im gesamten Weltall berühmt.

  2. Auf einem kleinen Segelboot, da lebte …

    … ein geschäftstüchtiger Hahn. Der Hahn fraß für sein Leben gern Risotto und träumte davon, einmal mit Reis sein Geld zu verdienen. Eines Tages …

    … landete er an einer kleinen Insel und traf dort er einen unglücklichen, ausschlagenden Esel. Seine Mutter und sein Vater waren Goldesel gewesen, aber er brachte nur Reis zustande. Also …

    … gründeten die beiden zusammen einen Reishandel, sortierten von morgens bis abends Reis und wurden sehr reich damit.

  3. In einem alten Schaukelstuhl, da lebte eine häusliche Spinne, die sich ein Kind wünschte, aber keine eigenen bekommen konnte. Eines Tages …

    … verfing sich in ihrem Netz eine verspielte Stechmücke. Die Stechmücke hatte keine Eltern mehr und war ganz allein auf der Welt. Und so …

    … nahm sie sie an Kindesstatt an und wiegte sie wie ihr eigenes Baby .

  4. Auf einem gemütlichen Schaukelboot, das lebte …

    … eine neugierige Maus. Der Maus war schrecklich langweilig und wollte auch mal etwas Aufregendes erleben. Eines Tages …

    … brachte ein Matrose eine flinke Katze mit an Bord. Die Katze hatte die Aufgabe, die Mäuse auf dem Boot zu fangen. Doch sie war Vegetarier und wollte nicht töten. Und so …

    … sprangen sie gemeinsam vom Boot, schwammen zu einer Insel und begannen zwischen Kokospalmen ein neues Leben.

  5. In einem wendigen Helikopter, da lebte …

    … eine gelenkige Marionette, die für ihr Leben gern tanzte. Eines Tages …

    … fand sie unter dem Boden einen alten, vergessenen Triangel (Dreieck), die in jungen Jahren für ihre Musik Preise gewonnen hatte. Also …

    … machten sie gemeinsam Musik, tanzten und schüttelten sich durch bis zum Morgengrauen.

  6. Unter dem silberhellen Halbmond, da lebte …

    … ein sanfter Löwe, der für sein Leben süßen Pudding aß. Der Löwe war sehr einsam, da jeder sich vor ihm fürchtete. Eines Tages …

    … traf er eine mutige Taube, die für eine Puddingfabrik Lieferungen zustellte. Sie mochte nicht mehr für die Menschen arbeiten und wollte lieber fernab in der Wildnis leben. Also …

    … suchten sich die beiden eine lauschige Höhle, in der sie fortan gemeinsam lebten und die leckersten Puddings kochten.

Aufgrund der Vorgabe der Yogafiguren sind die Geschichtchen an sich schon etwas skuril geworden. In freier Kombination werden sie sehr schräg. Kinder lieben so etwas …

Da es sechs Geschichten sind, kann man sie ganz einfach per Würfel mischen. In dem Spiel von Haba gibt es noch Pappkärtchen mit Bildern für die einzelnen Geschichtenteile. Wenn ich die Geschichten mit in den Kindergarten bringe, werde ich für die Yogafiguren ebenfalls Karten herstellen.

 

Neuauflage

Huhu,

ich habe seit ewigen Zeiten hier nichts geschrieben. Das soll sich jetzt aber ändern. In den letzten drei Jahren ist viel passiert. Meine Kinder sind mittlerweile alle in der Schule, ich habe eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht und arbeite nun in einem Kinderladen, daher werde ich mich wohl weiter mit Geschichten und Theaterstücken für kleine Kinder beschäftigen ;).

Plan ist, regelmäßig Geschichten und Artikel über das Theaterspielen mit kleinen Kindern zu veröffentlichen. Ich schreibe das hier, damit ich mich auch verpflichtet fühle, es tatsächlich zu machen, da das Schreiben bei mir zur Zeit oft vom Alltag „gefressen“ wird.

Ich freue mich über Anmerkungen und Kommentare.

Eure Patricia

Der kleine Tiger mag nicht streiten

Hallo ihr Lieben,

hier kommt eine Geschichte für größere Kindergartenkinder oder kleine Grundschulkinder über den ersten Tag des kleinen Tigers in der Schule. Dort trifft er auf eine sehr streitsüchtige Ziege, doch der kleine Tiger mag nicht streiten …

Viel Spass beim Lesen!

Eure Patricia

Der kleine Tiger mag nicht streiten

Der kleine Tiger kommt in die Schule. Er hat ein wenig Angst. Alles ist neu und er kennt niemanden. Im Klassenzimmer setzt er sich auf einen leeren Platz und beobachtet, wie sich eine kleine Giraffe und ein Ziegenkind streiten:
„Du doofe Ziege!“ sagt die kleine Giraffe.
„Du Langhalsaffe!“ meckert die kleine Ziege.
„Hornungeheuer!“ ruft die kleine Giraffe.
„Fleckenteufel!“ brüllt die kleine Ziege.
„Böckchen!“ schreit die kleine Giraffe.
„Baumlutscher!“ kreischt die kleine Ziege.
Die Giraffe grinst die kleine Ziege an. „Heulsuse!“ sagt sie ganz ganz leise.
Der kleinen Ziege kommen die Tränen vor Wut. Sie haut die Giraffe. „Gar nicht!“ schreit sie außer sich vor Wut.
Die Giraffe weicht aus und lacht.
Die Lehrerin, Frau Bär, kommt herein. „Was ist denn hier los? Wer hat angefangen?“
„Sie!“
„Sie!“
Beide Kinder zeigen aufeinander. Die kleine Giraffe grinst noch immer.
Der kleine Tiger muss unwillkürlich auch kichern. Worum ging es eigentlich bei dem Streit?
Die Lehrerin schaut streng. “Ihr setzt euch augenblicklich auseinander. Du dort und du da.“ Sie zeigt mit der Tatze auf den Platz neben dem kleinen Tiger.
Die kleine Giraffe mault. „Ich will mich nicht neben jemanden setzen, den ich nicht kenn. Mit Zora war ich im Kindergarten.“
„Umso schlimmer“, antwortet Frau Bär und zeigt unerbittlich mit der Tatze auf den Platz neben dem kleinen Tiger.
Ihm wird ein wenig mulmig. Was ist, wenn die Giraffe auch Streit mit ihm anfängt? Er hasst Streit und er ist nicht gut darin.
Mit bockigem Gesicht setzt sich die kleine Giraffe neben ihn.

Im Unterricht versucht die kleine Giraffe dem kleinen Tiger den Stift wegzunehmen. Er hält fest. Er ist ein Tiger und stärker als sie. Trotzdem mag er das nicht. Was will sie? Er steckt den Stift in seine Tasche. Die Giraffe angelt nach seiner Tasche.
„Macht das dir Spaß?“, flüstert er leise.
Die kleine Giraffe grinst. „Ja“, flüstert sie zurück.
Der kleine Tiger legt seine Pranke auf die Federtasche. „Ich mag Streiten gar nicht. Das ist doof. Magst du in der Pause mit mir Fangen spielen?“ Er überlegt einen Moment, dann hält er ihr seine Pranke hin. „Ich bin Toby und wie heißt du?“
Die kleine Giraffe schaut ihn verblüfft an. „Warum wirst du nicht böse?“ fragt sie verwundert.
„Ich bin nicht gerne böse“, antwortet Toby.
Die kleine Giraffe überlegt. „Du bist komisch und ich bin Gina“, sagt sie und reicht ihm ihren Huf.

Toby und Gina gegen gemeinsam auf den Schulhof. Im Flur wird Toby von einem kleinen Löwen angerempelt, der eine Klasse höher ist. Toby reagiert nicht, aber Gina.
„Hey du Langhaarkätzchen! Mach das nicht nochmal, sonst kriegst du es mit mir zu tun, ja?“
Der kleine Löwe dreht sich um. „Ach ja?“ Er baut sich vor Gina auf. „Und was willst du tun?“ fragt er.
„Ich leg dich aufs Kreuz“, antwortet Gina und schon sind die beiden in den tollsten Ringkampf verwickelt. Schnell liegt der kleine Löwe auf dem Rücken.
Frau Bär kommt angelaufen und trennt sie. „Gina! Du bist den ersten Tag hier und bist schon wieder in einen Kampf verwickelt. Musst du immer streiten? Du bleibst in der Pause drin.“ schimpft sie.
Das ist doch ungerecht, denkt Toby. Er zupft Frau Bär am Ärmel. „Frau Bär, Gina hat nicht angefangen. Sie wollte mich verteidigen, weil der kleine Löwe mich geschubst hat, absichtlich.“
„Stimmt das?“ Frau Bär sieht die drei prüfend an. „Gut, dann ab in die Pause mit euch und keinen Streit mehr!“
Gina und Tony rennen Huf in Pranke davon. „Du darfst dir das nicht gefallen lassen“, sagt Gina zu Toby, „sonst macht er das immer wieder.“

Auf dem Schulhof spielen Toby, Gina und Zora, die kleine Ziege, Fangen. Sie rennen, bis ihnen die Zungen aus dem Hals hängen. Doch der Löwe aus der zweiten Klasse hat seine Niederlage nicht vergessen. Mitten im Lauf rennt er sie um.
Gina fällt hin und schlägt sich das Knie auf. Sie weint. „Du Blödmann!“ schluchzt sie.
Toby und Zora kommen angelaufen. Toby legt den Arm um Gina.
„Selber blöd“, antwortet der kleine Löwe. „Wer Streit anfängt, bekommt es eben zurück.“
Jetzt ist Toby wütend. Hört das denn nie auf? Er knurrt bedrohlich: „Gina ist meine Freundin. Lass sie in Ruhe!“
Der kleine Löwe zuckt mit der Schulter. „Wenn sie mich in Ruhe lässt?“ entgegnet er.
Toby sucht Ginas Blick.
Gina erwidert seinen Blick. „Nur wenn du uns in Ruhe lässt.“
Der kleine Löwe nickt. „Gut, aber ich werd nicht mit dir reden.“
Gina hält ihm ihren Huf hin. „Ich auch nicht.“
Der kleine Löwe schlägt ein. „Abgemacht.“
Toby lacht. „Ihr seid vielleicht komisch.“

Im Klassenzimmer sagt Gina zu Toby. „Du kannst ja doch sauer werden.“ Toby grinst. „Manchmal ist es eben nötig, aber meistens nicht.“

Schneeweißchen und Rosenrot – Szene 8

Szene 8          SEE

Im See schwimmt ein großer, bunter Fisch (oder mehrere). Alberich schiebt ein Boot ins Schilf. Er wirft seine Angel aus.

Der Bär beobachtet Alberich vom Ufer aus.

Die Fische betrachten interessiert den Wurm, der an der Angel hängt.

Fisch (zum Wurm): Du siehst aber lecker aus. Soll ich dich jetzt gleich verspeisen oder doch erst zum Abendbrot. Hmm, mal überlegen …

Bär (vom Ufer): He Fisch! Vorsicht! Der Wurm hängt an einer tödlichen Angel. Friss ihn nicht.

Der Fisch schaut sich um.

Fisch: Wirklich? Schade. Danke für die Warnung, lieber Bär. Du hast mir das Leben gerettet. Kann ich irgendetwas für dich tun?

Bär: Ja, das kannst du. Der die Angel auswirft ist mein Feind, der Zwerg Alberich. Ein Zauberbann umgibt ihn, so dass ich ihn nicht erreichen kann. Kannst du ihn für mich unter Wasser ziehen und ertränken?

Fisch: Aber mit Leichtigkeit kann ich das für dich tun.

Der Fisch nimmt die Angelschnur in die Flosse und beginnt zu ziehen. Der Zwerg zieht ebenfalls. Beide sind ungefähr gleich stark. Während des Tauziehens verwickelt sich der Bart des Zwerges in der Angelschnur. Er will ihn wieder entheddern und wird dabei fast vom Fisch ins Wasser gezogen. Gerade noch kann er sich wieder fangen.

Alberich: Hilfe! Hilfe!

Schneeweißchen und Rosenrot haben auf der anderen Seite des Sees Blumen gepflückt und Kränze gewunden. Sie schauen auf, eilen herbei.

Rosenrot: Wo willst du hin? Du willst doch nicht ins Wasser?

Alberich: Solch ein Narr bin ich nicht. Seht ihr nicht, der verwünschte Fisch will mich hineinziehen!

Die Mädchen halten Alberich fest und versuchen den Bart von der Schnur loszumachen, aber vergebens, Bart und Schnur sind fest ineinander verwirrt. Rosenrot zückt die Schere und schneidet dem Zwerg die Hälfte seines Bartes ab. Sie fallen zurück ins Boot und die Angel gleitet mit der anderen Hälfte des Bartes ins Wasser.

Alberich: Ist das Manier, ihr Lorche, einem das Gesicht zu schänden? Nicht genug, daß ihr mir den Bart unten abgestutzt habt, jetzt schneidet ihr mir den besten Teil davon ab: ich darf mich vor den Meinigen garnicht sehen lassen. Daß ihr laufen müßtet und die Schuhsohlen verloren hättet!

Der Zwerg schultert seinen Sack und stiefelt ohne Abschiedswort aus dem Boot.

Schneeweißchen: Wir hätten ihm nicht das Leben retten sollen?

Die Mädchen schauen ihm verwundert nach.

Rosenrot: So ein unfreundlicher Geselle. Vielleicht sollten wir ihm gar nicht mehr helfen. Er hat es nicht verdient.

Schneeweißchen: Auch wenn er es nicht verdient hat. Jede gute Tat bringt etwas Gutes hervor, auch wenn wir im Augenblick noch nicht sehen können, was es ist.

Rosenrot: Bei deiner Zuversicht muss es wohl so sein, kleine Schwester.

Schneeweißchen: Natürlich ist es so.

Schneeweißchen fasst die Schwester beim Arm und sie gehen gemeinsam zurück zu der Wiese und pflücken weiter Blumen.

Der Bär hat die ganze Szene beobachtet. Enttäuscht wendet er.

Bär: Nun ist mein Plan wieder fehlgeschlagen. Ich weiß ja, dass es gut ist jemandem zu helfen, der in Not ist, doch in diesem Fall werde ich wohl ewig als Bär durch den Wald laufen, wenn die beiden Mädchen so gut auf die Geschöpfe des Waldes achtgeben. Selbst kann ich ihn nicht besiegen, seine Zauberkraft ist zu stark und die Mädchen möchte ich nicht einweihen. Ich möchte ihren Glauben an das Gute nicht zerstören. Noch ein einziges Mal will ich versuchen, einen Verbündeten aus dem Tierreich zu gewinnen. Betet für mich, dass es gelingt.

Der Bär verschwindet im Wald.