Wie man eine Theaterstunde für Kindergartenkinder plant

In meinem Kinderladen mache ich seit kurzem eine Theaterstunde für die 3- bis 6-Jährigen und ich wollte euch teilhaben lassen, wie ich den Kurs und die einzelnen Stunden plane:

Orientiert habe ich mich an der „Musikalischen Lernwerkstatt“ von Valeria Borbonus, die sie uns in unserer Erzieherausbildung vorgestellt hat. Valeria ist Musikpädagogin und nimmt als Ausgangspunkt ihrer Stundenplanung jeweils ein Kinderlied, aus dem sie dann die gesamte Einheit assoziativ entwickelt. Da ich ja keine musikalische Früherziehung, sondern Theaterpädagogik mache, nehme ich statt des Liedes ein theatralisches Thema, um das sich die gesamte Stunde rankt.

Solche Themen sind beispielsweise:

  • Bälle
  • Tiere
  • Gegensätze (hoch-tief, laut-leise, schwer-leicht, hart-weich, schnell-langsam, da-weg)
  • Gefühle
  • Spiegel
  • weglaufen – verstecken – fangen
  • Reise
  • Puppen
  • Geräusche / Klang / Atem
  • Körper
  • Raum und Zeit
  • Reim und Rhytmus
  • Alltagsgegenstände (Küchenutensilien, Gegenstände zum Putzen, Büroartikel)
  • Roboter / Maschinen
  • Tücher / Decken / Seile
  • Steine / Stöcke / Naturmaterial

Als ersten Schritt assoziiere ich mit der Mind-Map-Methode alles, was mir zum gewählten Thema einfällt.

Meine Mind-Map zum Thema „Ball“ sah beispielsweise so aus:

Mind-Map zum Thema Ball
dies alles ist mir assoziativ zum Begriff „Ball“ eingefallen

Während ich die Mind-Map mache, fallen mir Szenen und Spiele ein, die ich mit den Kindern machen könnte. Aus der „Ball“-Mind-Map habe ich beispielsweise folgendes gelesen:

  • der Ball kann gegenständlich oder unsichtbar sein.
  • der Ball kann sich in verschiedene Dinge verwandeln: Ein Ei, aus dem ein Vogel schlüpfen kann, ein Samenkorn, aus dem eine Pflanze wächst, eine Glaskugel, in der man die Zukunft oder weit entfernte Orte sehen kann
  • die Kinder können sich selbst in einen Ball verwandeln und durch den Raum kugeln und rollen
  • die Kinder können sich mit dem Ball fangen und abwerfen, zum Beispiel als Schneeball
  • der Ball kann als Zauberball (wie die Nüsse bei Aschenbrödel) ein Geheimnis beherbergen, was mit dem entsprechenden Zauberspruch sichtbar gemacht werden kann

Als nächstes suche ich in Theaterbüchern Anregungen und erprobte Spiele. Aktuell verwende ich das Buch „Theaterspielen mit Kindern ab zwei Jahren“ von Petra Paula Marquart und Stefanie Jerg (Hrsg.). Ich kann das Buch nur empfehlen.

Nun kommt die „Musikalische Lernwerkstatt“ ins Spiel. Valeria baut ihre Stunden wie folgt auf:

Beginn und Schluss sind wie bei allen solchen Stunden ein festes Ritual:

Am Anfang ist das Begrüßungslied, dann wird jedes Kind von dem Eisbär (einer Handpuppe von Folkmanis) mit einem Küsschen begrüßt. Die Kinder entscheiden, wo der Eisbär während der Stunde sitzen soll und dann geht es los.

  1. Einstieg: Valeria hat etwas mitgebracht, was das Thema einleitet, entweder einen Gegenstand oder eine Geschichte oder eine Frage an die Kinder. Daraus entsteht ein Gespräch.
  2. Danach wird einmal das Lied gesungen.
  3.  Die Kinder spielen, was in dem Lied vorkommt, während es noch einmal gespielt und gesungen wird.
  4. Es entsteht daraus ein Spiel.
  5. Etwas ungewöhnliches geschieht, was dem Ablauf der Geschichte eine neue Richtung gibt.
  6. Valeria hat etwas mitgebracht, was einen Alltagsbezug zu dem Thema des Liedes herstellt (meist etwas, was man essen kann ;)).
  7. Zum Schluss dürfen die Kinder sich noch ein Spiel aussuchen, welches sie machen wollen. Das kann auch aus früheren Stunden sein.

Die gesamte Einheit dauert etwa 20 – 25 min. Bei Elementarkindern werden zwei Einheiten gemacht, bei Krippenkindern nur eine.

Zum Schluss erfolgt wieder ein Ritual. Alle sagen sich gegenseitig tschüß und die Kinder entscheiden, wie alle den Raum verlassen sollen.

Meine Aufgabe ist es nun, dieses Schema auf mein Thema zu übertragen und schon habe ich meine Stunde!

Wie meine erste Stunde im Detail ausgesehen hat und was in der Realität daraus geworden ist, könnt ihr hier lesen.

Es ist übrigens wichtig, die Einheit nicht nur einmal mit den Kindern zu spielen, sondern sie mindestens einmal zu wiederholen. Vertraut einfach eurem Fingerspitzengefühl, können die Kinder das Spiel noch nicht, dann war es zu wenig Wiederholung, fangen die Kinder an, Quatsch zu machen, war es zu viel.

Habt ihr auch schon mit Kindern Theaterunterricht gemacht? Wenn ja, dann schreibt bitte in die Kommentare. Ich freue mich, über Erfahrungsaustausch!

 

 

 

 

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