Schneeweißchen und Rosenrot – Szene 8

Szene 8          SEE

Im See schwimmt ein großer, bunter Fisch (oder mehrere). Alberich schiebt ein Boot ins Schilf. Er wirft seine Angel aus.

Der Bär beobachtet Alberich vom Ufer aus.

Die Fische betrachten interessiert den Wurm, der an der Angel hängt.

Fisch (zum Wurm): Du siehst aber lecker aus. Soll ich dich jetzt gleich verspeisen oder doch erst zum Abendbrot. Hmm, mal überlegen …

Bär (vom Ufer): He Fisch! Vorsicht! Der Wurm hängt an einer tödlichen Angel. Friss ihn nicht.

Der Fisch schaut sich um.

Fisch: Wirklich? Schade. Danke für die Warnung, lieber Bär. Du hast mir das Leben gerettet. Kann ich irgendetwas für dich tun?

Bär: Ja, das kannst du. Der die Angel auswirft ist mein Feind, der Zwerg Alberich. Ein Zauberbann umgibt ihn, so dass ich ihn nicht erreichen kann. Kannst du ihn für mich unter Wasser ziehen und ertränken?

Fisch: Aber mit Leichtigkeit kann ich das für dich tun.

Der Fisch nimmt die Angelschnur in die Flosse und beginnt zu ziehen. Der Zwerg zieht ebenfalls. Beide sind ungefähr gleich stark. Während des Tauziehens verwickelt sich der Bart des Zwerges in der Angelschnur. Er will ihn wieder entheddern und wird dabei fast vom Fisch ins Wasser gezogen. Gerade noch kann er sich wieder fangen.

Alberich: Hilfe! Hilfe!

Schneeweißchen und Rosenrot haben auf der anderen Seite des Sees Blumen gepflückt und Kränze gewunden. Sie schauen auf, eilen herbei.

Rosenrot: Wo willst du hin? Du willst doch nicht ins Wasser?

Alberich: Solch ein Narr bin ich nicht. Seht ihr nicht, der verwünschte Fisch will mich hineinziehen!

Die Mädchen halten Alberich fest und versuchen den Bart von der Schnur loszumachen, aber vergebens, Bart und Schnur sind fest ineinander verwirrt. Rosenrot zückt die Schere und schneidet dem Zwerg die Hälfte seines Bartes ab. Sie fallen zurück ins Boot und die Angel gleitet mit der anderen Hälfte des Bartes ins Wasser.

Alberich: Ist das Manier, ihr Lorche, einem das Gesicht zu schänden? Nicht genug, daß ihr mir den Bart unten abgestutzt habt, jetzt schneidet ihr mir den besten Teil davon ab: ich darf mich vor den Meinigen garnicht sehen lassen. Daß ihr laufen müßtet und die Schuhsohlen verloren hättet!

Der Zwerg schultert seinen Sack und stiefelt ohne Abschiedswort aus dem Boot.

Schneeweißchen: Wir hätten ihm nicht das Leben retten sollen?

Die Mädchen schauen ihm verwundert nach.

Rosenrot: So ein unfreundlicher Geselle. Vielleicht sollten wir ihm gar nicht mehr helfen. Er hat es nicht verdient.

Schneeweißchen: Auch wenn er es nicht verdient hat. Jede gute Tat bringt etwas Gutes hervor, auch wenn wir im Augenblick noch nicht sehen können, was es ist.

Rosenrot: Bei deiner Zuversicht muss es wohl so sein, kleine Schwester.

Schneeweißchen: Natürlich ist es so.

Schneeweißchen fasst die Schwester beim Arm und sie gehen gemeinsam zurück zu der Wiese und pflücken weiter Blumen.

Der Bär hat die ganze Szene beobachtet. Enttäuscht wendet er.

Bär: Nun ist mein Plan wieder fehlgeschlagen. Ich weiß ja, dass es gut ist jemandem zu helfen, der in Not ist, doch in diesem Fall werde ich wohl ewig als Bär durch den Wald laufen, wenn die beiden Mädchen so gut auf die Geschöpfe des Waldes achtgeben. Selbst kann ich ihn nicht besiegen, seine Zauberkraft ist zu stark und die Mädchen möchte ich nicht einweihen. Ich möchte ihren Glauben an das Gute nicht zerstören. Noch ein einziges Mal will ich versuchen, einen Verbündeten aus dem Tierreich zu gewinnen. Betet für mich, dass es gelingt.

Der Bär verschwindet im Wald.

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