Mias neuer Freund

Hallo ihr Lieben,

hier kommt wieder eine neue Kurzgeschichte. Diesmal ist sie für Jugendliche, da der Inhalt schon etwas heftigerer Natur ist. Ich hoffe, es gefällt:

Mias neuer Freund

Das Handy klingelte. Cara nahm ab. „Hi, Mia.“
„Hi, Schatzi! Du, ich muss dir unbedingt etwas sagen. Ich bin total verknallt. Seit einer Woche kenne ich ihn und seit gestern fliege ich auf Wolken.“
„Erzähl. Wie heißt er?“
„Er heißt … eigentlich … eigentlich sollte ich gar nichts über ihn erzählen, aber ich konnte nicht anders. Ich glaub, er stellt sich einfach lieber selbst vor. Sagen wir, er heißt Samuel. Du hast einen Namen und er seinen Willen.“
„Das ist dann jetzt nicht sein richtiger Name.“
Mia lachte. „Nee, das hab ich mir grad ausgedacht.“
„Cool, ein Deckname. Wann krieg ich ihn zu sehen?“
„Komm heute Abend ins Almodovar.“

Cara stand bibbernd vor dem Club “Almodovar”. Tiefe Bässe drangen durch die eisenbeschlagene Eingangstür. Nasse Schneeflocken tropften vom Himmel und bildeten eine feuchte Schicht auf Caras fellbesetzter Kapuze. Sie zitterte, aber nicht nur vor Kälte. Der Abend vor drei Tagen mit Mia und ihrem neuen Freund war wahrhaftig nicht so gelaufen, wie Cara sich das vorgestellt hatte und nun stand sie wieder hier und wartete. Nervös schaute sie sich um. Ein großer, dunkel gekleideter Mann stand neben der Eingangstür an einer Mauer und rauchte. Er starrte in die andere Richtung und schien keine Notiz von ihr zu nehmen. Cara war er trotzdem unheimlich. Erleichtert sah sie Tobi aus der anderen Richtung auf sich zukommen.

Wenig später betraten Cara und Tobi den Club. Tobi war ein guter Bekannter aus der Uni. Außer ihrer Freundin Mia, mit der sie zusammen nach Berlin gezogen war, um hier zu studieren, hatte sie noch keine engen Freunde. Tobi war der einzige, der ihr in ihrer Not eingefallen war. Cara trug einen sexy Minirock, eine passende Bluse und einen breiten Gürtel. An ihren Füßen glitzerten silberne Riemchenschuhe. Ängstlich klammerte sie sich an Tobis Hand. Er legte beruhigend seinen Arm um ihre Schulter und wollte sie zu einer schummrigen Ecke führen, doch sie blieb stehen.
„Dort haben wir am Samstag gesessen. Da will ich nicht hin.“ Stattdessen steuerte sie an einen gut einsehbaren Tisch an der Wand.
„Was willst du trinken?“, fragte Tobi.
„Wodka Red Bull.“
Tobi schaute sie ernst an. „Brauchst du nicht einen klaren Kopf?“
„Ich bin noch nie vernünftig gewesen.“
„Na gut. Ich bin gleich wieder da.“
Tobi ging an die Bar und bestellte. Als er wieder an den Tisch kam, saß Cara in die Ecke gepresst und ließ ihren Blick über die Gäste schweifen.
„Hast du sie gesehen?“
Cara schüttelte den Kopf.
„Dann erzähl am besten erst einmal von vorne.“
„Du kennst doch Mia, meine beste Freundin?“ Tobi nickte. „Sie trifft sich seit kurzem mit einem Typen. Sie hat ihn in ihren Erzählungen aus Scherz immer Samuel genannt. Angeblich stellt er sich am liebsten allein vor und sie sollte ihm nicht vorgreifen. Vor drei Tagen waren wir hier …“

Cara hatte wie heute vor dem Club gewartet. Eng umschlungen hatten sich Mia und ein extrem gut aussehender Mann genähert. Cara hatte unwillkürlich kichern müssen.
Mia hatte sich aus der Umarmung gelöst und war stürmisch auf Cara zugerannt. „Hallo Schätzchen!“ Bussi auf die eine, dann auf die andere Wange.
Der Mann kam lächelnd hinterher und küsste galant Caras Hand. „Hallo, ich heiße Boris und du musst Cara sein.“
Cara wurde fast ohnmächtig bei diesem Blick.

Einige Stunden später dann saßen Cara, Mia und Boris in eben jener schummerigen Ecke und unterhielten sich angeregt. Die Gläser auf dem Tisch zeigten den Alkoholspiegel. Caras Wangen waren gerötet und sie amüsierte sich prächtig.
„Ich muss mal für kleine Mädchen.“ Mia stand auf und gab ihrem Schatz einen Kuss.

Kaum war sie außer Sichtweite, legte Boris Cara den Arm um die Schulter. „Sag mal, wie wär’s. Hättest du nicht Lust, nach dem Club noch mit zu uns zu kommen?“
Cara sah ihn erstaunt an. „Und ich dachte immer, verliebte Pärchen wollten möglichst allein sein.“
Boris strich ihr über die Wange. „Du bist auch sehr schön.“
Cara schaute ihn misstrauisch an. „Bist du nun Mias Freund, oder nicht?“
„Kannst es dir ja überlegen bis wir gehen.“

Mia kam mit zwei Gläsern in der Hand zurück. „Ich dachte, ich bring noch ein paar Cocktails, aber mehr als zwei konnte ich leider nicht tragen. Schatzi, du musst dir selbst einen holen.“ Sie grinste Boris frech an.
Er lächelte charmant zurück. „Cara hat gemeint, sie würde gerne bei uns übernachten. Damit sie nicht mehr so lange fahren muss in der Nacht.“
Mia sah ihn treuherzig an. „Oh, gut. Das hat sie ja schon öfter gemacht. Kein Problem.“ Sie zwinkerte Cara zu. „Wir machen die Tür zu und werden leise sein, damit wir dich nicht stören.“
Cara lächelte schief zurück. „Ich glaub, ich geh jetzt schon nach Hause. Ich bin ziemlich kaputt.“ Sie stand auf.
Plötzlich hielt Boris sie mit eisernem Griff unter dem Tisch fest. „Ich kann dich nicht allein nach Hause gehen lassen. Das kann ich nicht verantworten. Komm mit.“
Wie eine Schlange entwand sich Cara seinem Griff und rannte ohne ein Wort aus dem Club. Hinter sich hörte sie jemanden aufspringen, doch es war ihr egal.

Cara hatte ihre Erzählung beendet. Sie zitterte wieder und lies ihren Blick unruhig über die Tanzenden schweifen.
Tobi trank sein Glas aus und sah sie nachdenklich an. „Und seitdem hast du sie nicht mehr gesehen?“
Cara schüttelte den Kopf. „Handy aus, zu Hause geht der AB ran, keine Reaktion auf Klingeln oder Klopfen, sie war nicht in der Uni, keiner den ich frage hast sie gesehen. Und sie hier zu suchen, war ja deine Idee.“
„Hast du die Polizei angerufen?“
Cara schüttelte den Kopf. „Ich wollte es zuerst irgendjemandem erzählen.“ Sie flüsterte jetzt so leise, dass er sich zu ihr beugen musste, um sie zu verstehen. „Das schlimmste an der Sache ist. Ich hab seitdem das Gefühl, beobachtet zu werden. Siehst du den Typ da?“ Ihr Blick wanderte zu einem unauffällig gekleideten Mann am Rand der Tanzfläche.
Tobis Augen folgten ihrem Blick und er nickte.
„Der hat schon draußen gestanden, als ich auf dich gewartet habe.“
„Ist das Boris?“ Cara schüttelte den Kopf. „Es ist auch nicht immer derselbe. Ich werd schon ganz verrückt.“
Tobi lächelte. „Ich glaub auch. Ich bring dich jetzt nach Hause und morgen früh schau‘n wir weiter. Wir werden Mia schon finden.“

Tobi brachte Cara bis zur Haustür. Vor ihrer Wohnung wurde sie bereits erwartet. Ihr wurden die Hände auf den Rücken verdreht, eine alte Socke in den Mund gestopft und ein Sack über den Kopf gezogen. Alles ging so schnell, dass sie noch nicht einmal schreien konnte. Die Nacht verbrachte sie dann im Laderaum eines klapprigen, alten Lieferwagens. Es war eine kurze Nacht.

Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als die Spitze eines Messers sich zärtlich in Caras Seite bohrte. Unaufhaltsam wurde sie die endlosen Gänge des Flughafens entlanggeführt. Sie fühlte sich merkwürdig ruhig. Ihre Gedanken waren glasklar. Sie würde in dem gleichen Flugzeug sitzen wie Mia einige Tage zuvor. Wohin die Reise ging, hatte sie vorhin bei einem Blick auf das Ticket erahnen können. Boris oder wie auch immer er hieß, hielt sie in festem Griff. Flucht war unmöglich. Ihr Handy befand sich ohne Akku in irgendeinem Mülleimer, ihr Ausweis in Boris Tasche. Handy, irgendwo klingelt ein Handy. Boris ließ sie los und griff in seine Tasche. Cara ergriff die Chance und rannte so schnell wie möglich los. In ihrer Jackentasche klapperten ein paar Münzen. Sie hielt sie fest, damit sie nicht aus der Tasche fielen. Was tun? Da vorne in einer Ecke war ein Münztelefon. Telefon. Münzen. Tobi. Das war es.
Mit zitternden Fingern steckte Cara die Münzen in den Automaten und wählte Tobis Nummer.
„Ja?“ kam es verschlafen aus der Leitung.
„Tobi, ich bin am Flughafen, ich werde entführt mit dem Flug nach Amsterdam um 5.42.“
Tobi war mit einem Mal hellwach. „Cara!“
Die wohlbekannte Messerspitze bohrte sich wieder in Caras Rücken. „Ich muss Schluss machen, Samuel wart… „
Eine Hand drückte auf den Hörer. „Unartiges Mädchen“, sagte Boris leise. „Es wird sowieso zu spät sein.“

Der geraubte Schlaf

Hier kommt das Kindertheaterstück, welches wir gerade mit der Theater-AG an der Schule meiner Tochter proben. Es ist nach einem Märchen, welches die Kinder sehr gerne als Gute-Nacht-Geschichte gehört haben. Das Original-Märchen habe ich der besseren Verständlichkeit halber mit eingefügt, obwohl es nicht von mir geschrieben ist. Spezifische Musikszenen sind noch nicht eingefügt, da diese die Lehrerin bearbeitet, mit der ich das Stück zusammen inszeniere. Ich werde später nachreichen, was wir für Musik verwendet haben.

 Der geraubte Schlaf
Kindermusical nach einem Märchen

FIGUREN

Erzählerin

Wurzelgeist (kann sowohl von einem Mädchen als auch von einem Jungen gespielt werden)
Musikant
Prinzessin
König

Hofstaat des Königs:
Amme der Prinzessin
Torwache
Schreiber
Diener

Ärzte
Ritter des Königs

Hofstaat des Wurzelgeistes:
alle Tiere, die unter der Erde leben, in ihr Höhlen bauen oder ihre Vorräte verstecken
wie
Eichhörnchen
Kaninchen
Maulwurf
Regenwurm
Käfer
Tausendfüßler
Assel
Spinne
Maus
Dachs
Fuchs
Schnecke
Igel
Blindschleiche
Ratte
Grille
Ameise

Die goldenen Träume der Prinzessin (drei bis max. fünf)

Fliegenpilz

SZENENBILDER

Die Spinnstube (ein Ort neben der Hauptbühne, wo die Erzählerin sitzt)
der Wald (gut vor dem Vorhang zu spielen)
das Schlafzimmer der Prinzessin im Schloss
die Palasthöhle des Wurzelgeistes

 

DAS MÄRCHEN

Es war einmal ein reicher, kluger und gütiger König. Er war so reich, dass er in einem Schloss aus purem Gold wohnte, er war so klug, dass sich alle Gelehrten des Landes um ihn versammelten und ihn um Rat fragten, und er war so gütig, dass die Blumen und Gräser sich vor ihm neigten und die scheuen Tiere herbeikamen, wenn er durch die Wälder und über die Felder seines Landes ritt.

Aber trotzdem war der König nicht glücklich, denn seine einzige schöne Tochter, die er über alles liebte, hatte ein großes Unglück betroffen. Als die Prinzessin eines Tages mit ihrem goldenen Ball durch den Wald hüpfte, zertrat sie beim Spielen ganz ohne Absicht einen kleinen Fliegenpilz. Der Wurzelgeist, welcher Herr über alles ist, was im Walde wächst, wurde darüber so böse, dass er beschloss, sich zu rächen, und eines Nachts schlich er sich heimlich ins Schloss und raubte der Prinzessin ihren Schlaf. Die Prinzessin war erschreckt aufgewacht und hatte gerade noch den hässlichen braunen Wurzelgeist davoneilen sehen.

Da lag die arme Prinzessin in ihrem goldenen Bett mit brennenden Augen, die der Schlaf nicht mehr schloss, und wurde von Tag zu Tag blasser und elender. Der König ließ die berühmtesten Ärzte kommen, aber auch sie konnten der Prinzessin nicht helfen, und bald ging die traurige Kunde, dass die Prinzessin wohl sterben müsse, wenn ihr der Schlaf nicht bald zurückgegeben würde. Der König schickte viele beherzte Männer in die Wälder, um den Wurzelgeist zu fangen und ihm den Schlaf der Prinzessin wieder abzunehmen, aber niemand wusste, wo der Wurzelgeist wohnte, denn sein unterirdisches Reich war groß, und in jedem Erdloch konnte er sich verstecken. Da wurde der König so verzweifelt, dass er versprach, demjenigen, der seiner Tochter den Schlaf wiederbrächte, jeden Wunsch zu erfüllen und wenn er auch das ganze Königreich fordere.

Zu dieser Zeit wanderte ein Musikant durch das Land, und eines Tages kam er auch an den königlichen Hof. Weil der König hoffte, seine Tochter mit Musik ein wenig aufheitern zu können, ließ er den Geiger zu sich führen und bat ihn, der Prinzessin vorzuspielen. Und dieser spielte so schön, dass alle, die ihm zuhörten, ganz verzaubert waren. Auch die Prinzessin lächelte zum ersten Male wieder. Aber selbst die zartesten Töne der Geige konnte sie nicht in den Schlaf wiegen. Da wurde der Musikant traurig und beschloss, der Prinzessin zu helfen.

Noch am gleichen Tage machte er sich auf, um den Wurzelgeist zu suchen. Er wanderte drei Tage und drei Nächte durch den Wald, schaute in jedes Erdloch und unter jeden Stein, rief den Namen des Wurzelgeistes in die Lüfte und fragte jeden, der ihm begegnete, nach ihm, aber vergeblich. Müde und hungrig setzte er sich endlich am Fuß eines riesigen, hohlen Baumes nieder, und um seine trüben Gedanken zu verscheuchen, geigte er sich ein lustiges Lied. Da regte sich plötzlich etwas in dem hohlen Baumstumpf hinter ihm, und aus einem Astloch schaute das brauche, runzelige Gesicht eines kleinen Männchens hervor. Der Musikant wusste sofort, dass dies der Wurzelgeist sein musste, aber er ließ sich nichts anmerken. „Was ist das für ein Ding, von dem die schönen Töne kommen?“ fragte der Wurzelgeist. „Ich möchte diesen braunen Kasten haben, was willst du dafür?“ Der Musikant bedachte sich, dann sagte er: „Zeig mir alles, was dir gehört, ich werde mir etwas aussuchen.“ Der Wurzelgeist lachte vergnügt: „Wenn du willst, können wir gleich gehen.“ Er klatschte in die Hände, da wurde am Fuß des Baumes eine Treppe sichtbar; die stiegen sie hinunter, und immer tiefer und tiefer ging’s hinab, bis sie endlich in einen großen Saal kamen, in dem überall Truhen und Kisten standen, angefüllt mit Perlen, Gold und Edelsteinen. Der Wurzelgeist hob einen Deckel nach dem anderen auf und fragte: „Willst du dies, willst du das?“ Aber der Geiger schüttelte jedes Mal den Kopf. „Nein, nein, meine Geige ist viel, viel kostbarer.“ Endlich kamen sie an das letzte Kästchen, das ganz aus Elfenbein geschnitzt war; aber als der Geiger seine Hand danach ausstreckte, rief der Wurzelgeist schnell: „Das kannst du nicht bekommen.“ Der Geiger bat jedoch, er möchte wenigstens sehen, was in dem Kästchen sei. Da öffnete der Wurzelgeist das Kästchen, und der Musikant erblickte darin ein gläsernes Fläschchen, und als er das Fläschchen herausnahm, schaute er in eine blaue, unendliche Tiefe, auf deren Grund goldene Träume tanzten. Es war der Schlaf der Prinzessin. „Wenn du meine Geige haben willst, musst du mir dieses Fläschchen geben“, sagte der Geiger. „Nein, nein“, schrie der Wurzelgeist, „das kannst du nicht haben!“ Als die ersten Töne erklangen, kamen Maulwürfe, Mäuse, Würmer, Käfer und viele, viele andere Tiere aus ihren Löchern hervorgekrochen und lauschten, und er spielte, bis er vor Müdigkeit fast umfiel. „Bleib bei uns“, flehten die Tiere. „Deine Musik bringt uns Freude in unserem Leben hier unter der Erde, bleib bei uns mit deinem braunen Kasten.“ – „Das geht nicht“, antwortete der Geiger, „ich bin doch ein Mensch und gehöre auf die Erde. Aber ich will euch meine Geige hierlassen, wenn mir der Wurzelgeist das kleine, weiße Kästchen schenkt. Ihr müsst ihn nur darum bitten.“ Das taten die Tiere, aber der Wurzelgeist hörte nicht auf sie, er hielt das Kästchen mit beiden Händen fest und schrie, dass er es nie herausgeben würde. Da wurden die Tiere böse. Die Maulwürfe drohten, dass sie alle Zugänge zur Erde zuschütten wollten, und die Mäuse wisperten, dass sei ihm keinen Wintervorrat mehr herbei schaffen und ihn verhungern lassen würden. Als der Wurzelgeist das hörte, bekam er Angst, und es blieb ihm nichts anderes übrig, als dem Musikanten das Kästchen zu geben und ihn auf die Erde zurückzubringen.
Der Musikant eilte nun, so schnell ihn seine Füße trugen, nach dem königlichen Schloss zurück, wo er alle in tiefer Trauer fand, denn die Prinzessin lag still und weiß auf ihren Kissen und atmete kaum noch. Rasch nahm der Geiger das gläserne Fläschchen aus dem Elfenbeinkasten und tröpfelte der Prinzessin den Schlaf in die Augen, da tat sie einen tiefen Seufzer und schlief acht Tage lang. Und als sie dann ausgeschlafen hatte und erwachte, war sie schöner und lieblicher als zuvor.
Der König ließ den Geiger zu sich kommen, dankte ihm aus vollem Herzen und fragte ihn, welchen Wunsch er ihm erfüllen solle. Da bat der Musikant um eine neue Geige, denn er hatte doch seine alte beim Wurzelgeist lassen müssen. Der König befahl sofort, dass man die beste Geige im ganzen Land herbeischaffe, und er überreichte sie dem Musikanten. „Dein Wunsch ist sehr bescheiden“, sagte der König, „die hast für uns mehr getan, als wir dir jemals vergelten können.“ – „Herr König“, antwortete der Musikant, „wenn ich mir noch etwas wünschen darf, so möchte ich hier am Hof bleiben und der Prinzessin manchmal vorspielen. Ich bin des Herumziehens müde.“ – „Eine größere Freude kannst du der Prinzessin nicht machen“, sagte der König. „Ich weiß, dass sie dich und deine Geige liebgewonnen hat. Du sollst bei uns bleiben, aber nicht als Musikant, sondern ich will dich zu meinem Nachfolger machen und dir meine Tochter zur Frau geben.“ Da wurde dem armen Muskanten ganz schwindelig vor Glück. Er fasste die Prinzessin bei der Hand und versprach, von nun an ihren Schlaf zu bewachen, damit ihn niemand mehr stehlen könne – und sie lebten lange Jahre in Glück und Freude zusammen.

ENDE

Prolog                        SPINNSTUBE          

Die Erzählerin sitzt auf ihrem Platz neben der Bühne vor einem Spinnrad und spinnt. Sie hält inne und schaut auf.

Erzählerin: Hallo Kinder, schön euch zu sehen! In alten Zeiten saßen die Mädchen und Frauen zusammen in Spinnstuben wie dieser hier, spannen Wolle, webten Stoff, stellen Kleider her und erzählten sich derweil die Geschichten – …Geschichten, die wir heute Märchen nennen. Und eines davon möchte ich euch heute erzählen:

Vorhang auf:

 

Szene 1          WALD                                                           Pantomime oder Tanz

Erzählerin: Es war einmal ein reicher, kluger und gütiger König. Er war so reich, dass er in einem Schloss aus purem Gold wohnte, er war so klug, dass sich alle Gelehrten des Landes um ihn versammelten und ihn um Rat fragten, und er war so gütig, dass die Blumen und Gräser sich vor ihm neigten und die scheuen Tiere herbeikamen, wenn er durch die Wälder und über die Felder seines Landes ritt. Aber trotzdem war der König nicht glücklich, denn seine einzige schöne Tochter, die er über alles liebte, hatte ein großes Unglück betroffen. Als die Prinzessin eines Tages mit ihrem goldenen Ball durch den Wald hüpfte, zertrat sie beim Spielen ganz ohne Absicht einen kleinen Fliegenpilz. Der Wurzelgeist, welcher Herr über alles ist, was im Walde wächst, wurde darüber so böse, dass er beschloss, sich zu rächen …

Die Prinzessin geht im Wald spazieren. Sie summt ein Lied und spielt mit ihrer goldenen Kugel. Die Tiere des Waldes kommen neugierig näher und die mutigsten lassen sich sogar von ihr streicheln. Als die Prinzessin beginnt, ihnen den Ball zuzurollen, spielen sie mit ihr. Dem Wurzelgeist gefällt das gar nicht. Er versucht, sie aus seinem Reich zu verjagen, doch sie bemerkt ihn gar nicht. Beim Spiel zertritt sie in unachtsamer Naivität einen Fliegenpilz (gespielt von einem Kind) unter ihren Füßen. Der Wurzelgeist ist wütend und schüttelt die Fäuste.

 

Szene 2          SCHLAFZIMMER DER PRINZESSIN        Pantomime oder Tanz

Erzählerin: … und eines Nachts schlich er sich heimlich ins Schloss und raubte der Prinzessin ihren Schlaf.

Der Wurzelgeist schleicht in der Nacht ins Schloss an das Bett der Prinzessin, raubt ihren Schlaf und ihre goldenen Träume, sperrt sie in ein kleines Fläschchen und verschwindet so leise und unbemerkt wie er gekommen ist. Die Prinzessin wacht mit einem Schrei auf und sitzt dann aufrecht im Bett und kann nicht mehr einschlafen. König und Gefolge kommen, durch den Radau geweckt ans Bett.

König: Mein Kind! Ist alles in Ordnung? Geht es dir gut?

Prinzessin: Ja, ja ich glaube schon. Ich bin nur … verwirrt. (Sie reibt sich die Augen.) Ich habe … ich habe von einem hässlichen, braunen Männchen geträumt. Es hat mich durch den Wald bis ins Schloss verfolgt und wollte mir etwas stehlen. Ich weiß nicht was, nur, dass es sehr wertvoll war. Und … als es das getan hatte, bin ich aufgewacht und sah eben genau dieses Männchen aus dem Schlafzimmer huschen.

König (beruhigend):Sicher hast du noch geträumt.

Amme: Das Männchen, welches die Prinzessin beschreibt, war ganz bestimmt der Wurzelgeist, der Herr über alles ist, was im Wald lebt.

Der König lächelt milde.

König: Den Wurzelgeist gibt es nicht. Das weißt du so gut wie ich, Marie. Schlaf wieder ein, meine Tochter.

Amme (murmelt): Und doch gibt es ihn, den Wurzelgeist.

Die Prinzessin legt sich hin und versucht, die Augen zu schließen. Wie eine Puppe schießt sie wieder nach oben und bleibt erschrocken im Bett sitzen.

Prinzessin: Ich kann nicht einschlafen.

Der König starrt sie entsetzt an.

Szene 3          SCHLAFZIMMER DER PRINZSSIN

Erzählerin: Da saß die arme Prinzessin in ihrem goldenen Bett mit brennenden Augen, die der Schlaf nicht mehr schloss, und wurde von Tag zu Tag blasser und elender. Der König ließ die berühmtesten Ärzte kommen.

Einige Tage später.

Musikszene: Die berühmtesten Ärzte scharen sich um das Bett der Prinzessin, die mit offenen Augen darin liegt und keinen Schlaf findet. Sie untersuchen sie, flößen ihr Tee und Pulver ein, verabreichen ihr Salben und Kompressen, doch nichts bringt die Prinzessin dazu, die Augen zu schließen. Die Prinzessin sitzt im Bett und schnellt jedes Mal wieder hoch wie ein Stehaufmännchen, wenn sie einer der Ärzte in die Kissen drückt. Schließlich wissen sich die Ärzte keinen Rat mehr.

Arzt: Majestät, wir können der Prinzessin mit unserer Kunst nicht helfen. Ihr ist der Schlaf gestohlen worden und wenn sie ihn nicht wieder zurückbekommt, muss sie sterben.

König: Sterben?

Arzt: So ist es.

König: Nein. Nein! Das darf nicht passieren. Das will ich nicht!

Arzt: Diese Entscheidung liegt nicht in Eurer Hand.

Der König senkt den Kopf, dann fasst er sich.

König: Meine Ritter! Meine tapferen, starken Ritter! Kommt zu mir. (Die Ritter versammeln sich um ihn.) Ihr habt es gehört. Meine Tochter ist todkrank. Geht hinaus und findet ein Heilmittel. Geht … geht in alle Wälder, sucht nach dem Wurzelgeist und bringt meiner Tochter ihren Schlaf zurück!

Amme: Das wird nicht so einfach sein, mein Herr. Der Wurzelgeist ist listig und verschlagen und sein Reich ist groß.

König: Geht.

Die Ritter salutieren.

Ritter: Mit Freude folgen wir Eurem Befehl, Majestät!

Musikszene: Die Ritter nehmen Schwert und Schild, schwingen sich auf ihre Steckenpferde und reiten in den Wald. Sie suchen in allen Ecken des Waldes, kämpfen mit den Bäumen, wenn sie glauben, den Wurzelgeist dort gefunden zu haben, doch dieser versteckt sich erfolgreich vor ihnen. Gelegentlich finden sie einen anderen Ritter, mit dem sie kämpfen, bis sie merken, dass es sich nicht um den Wurzelgeist handelt. Schließlich kehren sie erschöpft und derangiert ins Schloss zurück.

Ritter: Wir haben Euren Auftrag ausgeführt, Herr, aber ein Heilmittel konnten wir nicht finden.

Der König verbirgt den Kopf in den Händen und weint.

König: Schreiber! Schreibe folgendes:

Meiner geliebten Tochter wurde vom Wurzelgeist, der Herr über
alles ist, was im Wald lebt, heimtückisch der Schlaf geraubt. Wenn sie ihren Schlaf nicht bald zurückbekommt,
muss sie sterben. Demjenigen, der es schafft, den Schlaf der Prinzessin zu finden, erfülle ich JEDEN Wunsch,
und wenn es mein Königreich kostet.

Hänge diese Nachricht gut sichtbar an jedes Stadttor und jede Dorfkirche im Reich.

Der Schreiber schreibt mit.

Schreiber: Sehr wohl, Majestät.

In diesem Moment pocht es laut vernehmlich ans Burgtor. Eine Torwache tritt ein. Sie verbeugt sich.

Torwache: Herr, vor dem Tor steht ein Geiger, der um Einlass bittet.

König: Lasst ihn herein.

Die Torwache verbeugt sich nochmals und geht.

Der König bespricht sich mit dem Schreiber. Dieser rollt das Dokument zusammen und geht.

In diesem Moment kommt die Torwache mit dem Musikanten wieder. Der Musikant verbeugt sich.

Musikant: Majestät, ich bin ein armer Musikant und ziehe von Ort zu Ort. Ich bitte Euch um ein warmes Abendessen und ein Bett für die Nacht. Gern spiele ich Euch heute Abend auf. Zu meiner Musik kann man lachen und weinen, singen, träumen, tanzen und sogar schlafen, was immer Euch gefällt.

König (zum Musikanten): Ihr bekommt Euren Mahlzeit und Euer Bett. Nur um eins bitte ich Euch: spielt für meine Tochter. Sie ist todkrank. Macht Sie ein wenig fröhlich.

Der Geiger betrachtet die Prinzessin und nickt.

Musikszene: Der Musikant setzt seine Geige ans Kinn und spielt der Prinzessin vor. Sie lächelt, aber sie schläft nicht ein.

Arzt (ruft): Sie hat gelächelt!

Hofstaat (flüstern): Sie hat gelächelt. Zum ersten Mal seit Tagen hat sie gelächelt!

König (enttäuscht): Aber sie ist nicht eingeschlafen.

Währenddessen schauen sich der Musikant und die Prinzessin tief in die Augen. Der Musikant dreht sich zum König um.

Musikant: Was fehlt dir?

Prinzessin (flüstert heiser): Der Wurzelgeist hat meinen Schlaf gestohlen. Niemand kann ihn finden und ohne Schlaf kann ich nicht leben.

Musikant: Wo ist sein Reich?

Prinzessin: In den Wäldern.

Der Musikant streicht ihr vorsichtig über die Wange.

Musikant: Ich werde dir helfen, ich verspreche es. (zum König)  Ich habe Mitleid mit der Prinzessin. Ich will den Wurzelgeist suchen und nicht eher zurückkehren, bis ich ihren Schlaf gefunden habe.

Der König nickt.

König: Geh mit Gott.

Szene 4          WALD                                                           Pantomime mit Musik

Der Musikant durchsucht den Wald nach dem Wurzelgeist, kann ihn aber nirgends entdecken. Die Zuschauer aber sehen den Wurzelgeist, der sich erfolgreich vor dem Musikanten versteckt und ihn an der Nase herumführt und beobachtet. Der Musikant wird müde und setzt sich schließlich an den Fuß eines Baumes und beginnt auf seiner Geige zu spielen. Der Wurzelgeist kommt neugierig hervor, stellt sich vor den Musikanten und hört zu. Der Musikant bemerkt ihn und hört auf zu spielen.

Wurzelgeist: Was ist das für ein Kasten, der solch wundervolle Musik macht?

Musikant: Das ist eine Geige. Und nicht die Geige macht die Musik, ich mache sie. Guten Tag, wer bist du, kleiner Mann?

Wurzelgeist (schnaubt durch die Nase und plustert sich auf): Halt mich nicht zum Narren. Ich habe genau gehört, wie dieser Kasten Musik gemacht hat. Ich will ihn haben.

Musikant (schmunzelt): Wer sagt, dass ich dir meine Geige geben möchte?

Wurzelgeist: Ich gebe dir dafür alles, was du dir wünschst.

Musikant: Alles?

Wurzelgeist: Alles. Ich kann dich reich machen und mächtig. All deine Träume kann ich erfüllen. Komm mit in mein Reich und suche dir etwas aus.

Musikant: Gut. Sehr gerne!

Der Wurzelgeist klatscht in die Hände und unter der Baumwurzel öffnet sich ein Loch, welches tief in die Erde führt. Der Musikant steht auf und sie verschwinden gemeinsam in der Höhle.

                                                                                              währenddessen: Umbau

Szene 5          HÖHLE DES WURZELGEISTES

Der Wurzelgeist und der Musikant betreten die Fest- und Vorratshöhle des Wurzelgeistes. Sie ist angefüllt mit Schätzen und Diamanten, aber auch mit anderen Vorräten. In der Mitte ist eine freie Fläche. Der Wurzelgeist geht mit dem Musikanten von einem Korb zum anderen.

Wurzelgeist: Hier findest du alle Schätze dieser Erde! Ich kann dich reicher machen als jeden König!

Der Wurzelgeist hält ihm eine Handvoll goldener Ketten hin.

Musikant (schüttelt den Kopf): Die brauche ich nicht.

Der Wurzelgeist legt die Ketten wieder zurück und zeigt ihm einen Korb voll Silbermünzen. Der Musikant schüttelt wieder den Kopf.

Musikant: Die auch nicht.

Der Wurzelgeist zeigt auf einen Korb mit Goldstücken.

Wurzelgeist: Wenn nicht Silber dann Gold?

Musikant: Nein. Meine Geige ist einzigartig. Sie kann nur gegen etwas Besonderes eingetauscht werden.

Wurzelgeist: Aber schau doch, wie viele Münzen es sind. Du könntest dir die ganze Welt kaufen.

Der Musikant schüttelt lächelnd den Kopf und schaut sich weiter suchend um.

Der Wurzelgeist zieht den Musikanten zu einer Kiste mit riesigen funkelnden Diamanten.

Wurzelgeist: Hier. Die schönsten Edelsteine, die es gibt. Die anmutigsten Mädchen könntest du damit betören.

Der Musikant beachtet ihn nicht. Er hat zwischen all den Kostbarkeiten ein kleines unscheinbares Kästchen entdeckt.

Musikant: Was ist in diesem Kästchen?

Der Wurzelgeist schnappt sich schnell das Kästchen und versteckt es hinter seinem Rücken.

Wurzelgeist: Das kannst du nicht haben.

Musikant: Warum? Du hast versprochen, ich dürfe mir alles aussuchen, was du besitzt.

Wurzelgeist: Das nicht!

Musikant: Du machst mich neugierig. Lass mich wenigstens einmal hineinschauen.

Wurzelgeist (zögerlich): Na gut.

Der Wurzelgeist klappt das Kästchen auf. Der Musikant sieht hinein. Auf weißem Samt liegt ein Fläschchen mit einer tiefblauen Flüssigkeit. Der Musikant schaut in die Flüssigkeit.

Tanzszene: Auf dem Grund des Fläschchens in dem tief dunklen Blau tanzen die goldenen Träume der Prinzessin.

Der Wurzelgeist klappt das Kästchen wieder zu und versteckt es hinter seinem Rücken.

Musikant: Wenn du meine Geige haben willst, gibt mir das Kästchen dafür.

Wurzelgeist: Niemals.

Der Musikant zuckt mit den Schultern.

Musikant: Dann nicht.

Musikszene: Der Musikant stellt sich in die Mitte der freien Fläche und beginnt, die schönsten Weisen zu spielen, die ihm einfallen.

Die Tiere des Waldes und der Unterwelt kommen aus allen Löchern und Spalten, scharen sich um den Musikanten und hören gebannt zu. Sie beginnen zu schunkeln und mit zu summen und schließlich zu tanzen.

Der Musikant hört auf zu spielen. Abrupt stehen alle still.

Maus (flüstert): Wunderschön.

Der Musikant packt seine Geige in den Geigenkasten.

Der Maulwurf zupft ihn am Ärmel.

Maulwurf: Bitte bleib bei uns.

Spinne: Deine Musik erwärmt unser Herz.

Eichhörnchen: Deine Musik würde uns in der langen Winterzeit Freude machen.

Regenwurm: Bitte bleib.

Käfer: Sie ist wie ein Leuchten in der Dunkelheit, heller und strahlender als jeder Edelstein.

Musikant: Ich bin ein Mensch. Ich kann nicht bei euch unter der Erde leben. Aber ich kann in den Wald kommen und euch dort manchmal vorspielen.

Spinne (traurig): Im Winter können wir nicht über die Erde. Es ist zu kalt.

Wurzelgeist: Der Mensch dort schenkt mir den braunen Kasten. Er wird euch in trüben Wintertagen aufheitern.

Musikant: Nein. Nur, wenn du mir das Kästchen dafür gibst.

Der Wurzelgeist packt das Kästchen fester.

Maulwurf: Bitte, lieber Herr, tausche das Kästchen für die Geige.

Alle Tiere: Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte.

Wurzelgeist (kreischt): Nein, alles, was du willst, aber das Kästchen gebe ich NICHT her!

Der Musikant wendet sich zum Gehen.

Die Spinne hält ihn auf.

Spinne: Geh nicht.

Der Musikant hält inne.

Spinne (zum Wurzelgeist): Wenn du ihm das Kästchen nicht tauschst, halte ich dir nicht mehr die Fliegen und Mücken fern.

Maulwurf: Und ich verstopfe alle Ausgänge zur Oberwelt.

Kaninchen: Und ich grabe keine Höhle mehr für dich.

Regenwurm: Ich sorge dann nicht mehr für frische Luft in deinem Reich.

Eichhörnchen: Und ich sammele keinen Wintervorrat mehr für dich!

Wurzelgeist (in Panik): Dann muss ich verhungern. (wieder gefasst) Gut, gut. (knurrig) Ich gebe dir das Kästchen.

Der Wurzelgeist überreicht dem Musikanten das Kästchen. Der Musikant nimmt es mit verschmitztem Lächeln und überreicht ihm im Gegenzug die Geige. Er verbeugt sich vor dem Wurzelgeist.

Musikant: Ich danke dir.

Musikant ab. Der Wurzelgeist stapft vor Wut mit dem Fuß auf.


 

Szene 6          WALD                                                          

Mit dem Schlaf der Prinzessin eilt der Musikant so schnell wie es geht zurück zum Schloss.

währenddessen: Umbau

 

Szene 7          SCHLAFZIMMER DER PRINZESSIN

Musikszene: Der Musikant eilt in das Schlafzimmer der Prinzessin. Die Prinzessin sitzt wie tot mit offenen Augen in ihrem Bett. Der Hofstaat hat bereits die Totenklage angestimmt.

Der Musikant öffnet schnell das Fläschchen und träufelt der Prinzessin den Schlaf in die Augen. Sie seufzt und schließt die Augen.

Tanzszene: Die Träume kommen, betten sie und decken sie zu.

Der Hofstaat verlässt das Zimmer, nur der König und der Musikant halten am Bett der Prinzessin Wache.

Die Träume tanzen um das Bett der Prinzessin, bis diese erwacht.

Erzählerin: Und die Prinzessin schlief acht Tage lang und der König und der Musikant wachten an ihrem Bett. Schließlich erwachte sie, frisch und munter ausgeruht.

Die Prinzessin erwacht. Sie reckt und streckt sich. Der König, der an ihrem Bett auf dem Stuhl eingenickt war, schreckt auf und umarmt sie. Fast weint er. Der Musikant erhebt sich von seinem Stuhl und wartet.  

König: Mein Kind! Mein geliebtes Kind! Du bist wieder gesund.

Prinzessin: Gesund und munter.

Der König wendet sich dem Musikanten zu.

König: Ich habe geschworen, dem Retter meiner Tochter jeden Wunsch zu erfüllen. Was wünschst du dir?

Musikant: Ich musste ja meine Geige beim Wurzelgeist lassen und ein Geiger ohne Geige ist …Majestät, ich bitte Euch um ein neues Instrument.

Der König klatscht in die Hände. Der Diener erscheint.

König: Man bringe mir sofort die beste Geige im ganzen Königreich.

Der Diener verneigt sich und eilt davon. In der Zwischenzeit haben die Prinzessin und der Musikant nur Augen füreinander. Der König schmunzelt.

König: Dein Wunsch ist sehr bescheiden. Gibt es noch etwas anderes, womit ich dir eine Freude machen kann?

Musikant (mit einem Blick auf die Prinzessin): Ich bin des Herumziehens müde. Wenn ich mir noch etwas wünschen darf, dann würde ich gerne hier am Hof bleiben und der Prinzessin manchmal vorspielen.

Prinzessin (klatscht vor Freude in die Hände): Au ja!

König: Ich sehe, wie gern ihr euch habt und mache euch einen anderen Vorschlag. Heirate meine Tochter und bleibe hier am Hof, aber nicht als armer Musikant, sondern als mein Nachfolger.

Der Musikant schaut die Prinzessin an. Sie fällt ihm in die Arme.

Musikant: Von Herzen gern nehme ich Euren Vorschlag an.

Musikszene: Der Hofstaat des Königs und alle Tiere des Waldes erscheinen, um die Hochzeit der Prinzessin und des Musikanten zu feiern.

ENDE

ÜBERLEGUNGEN ZU DEN MUSIK- UND TANZSZENEN

  1. Liebesthema: der Musikant spielt ein Liebesthema bei dem Versuch, die Prinzessin in den Schlaf zu wiegen, dieses wiederholt er allein im Wald (evtl. auch leicht abgewandelt und melancholischer)
  2. Tanzlied: in der Höhle des Wurzelgeistes spielt der Musikant ein Tanzlied, zu dem die Tiere tanzen und welches sich am Schluss in der Hochzeitsszene wiederholt
  3. Lied der Ärzte: Während die Ärzte die Prinzessin untersuchen, singen oder tanzen sie zu einer geschäftigen, aufgeregten Melodie, die sich langsam und in Moll als Totenklage wiederholt, wenn der Musikant mit dem Fläschchen Schlaf zurückkehrt
  4. Perkussion und/oder Sprechgesang bei Auszug und Rückkehr der Ritter
  5. Kinderlied, welches die Prinzessin auf ihrem Waldspaziergang summt und/oder singt.
  6. Melodie der Träume

Die Geige wird bei uns von einer ausgebildeten Bratschistin gespielt, das Kind auf der Bühne bekommt eine „gebastelte“ Geige als Requisit.