Rapunzel-Aufführung in Berlin

Ein wenig Werbung in eigener Sache:

Im Januar spielen ich und zwei meiner Kinder in einer Theateraufführung von Rapunzel mit:

Aufführungstermine:

Fr. 10.01.2014 / 16.00 Uhr

Sa. 11.01.2014 / 16.00 Uhr

So. 12.01.2014 / 16.00 Uhr

Fr. 17.01.2014 / 10.30 Uhr

Sa. 18.01.2014 / 16.00 Uhr

 

Kartenvorbestellung unter: 030 / 6867785 (AB)

und der Flyer:

Spielort
Gemeinschaftshaus Gropiusstadt
Kleiner Saal
Bat-Yam-Platz 1
12353 Berlin

Veranstalter: Vineta-Bühne e.V.

Paris in zwei Stunden

Hier noch eine kleine Fingerübung. Aufgabe war, ein wahres Ereignis zu schildern. Nun, ganz so dramatisch war es nun doch nicht, aber fast …

Paris in zwei Stunden

Diesen Sommer wollte ich mit meiner Familie unbedingt eine „richtige“ Reise machen, was für mich die Ostsee und den Harz kategorisch ausschloss. Also wälzte ich Kataloge für Familienreisen und entschied mich für ein Feriencamp an der französischen Atlantikküste mit Halbpension, Frühsportangebot und Kinderbetreuung. Mein Mann war entsetzt. Er wollte weder nach Frankreich noch auf eine „Sportreise“. Ich beschloss, mit allen vier Kindern – Frederike, 6 Jahre alt, Ruben 5 Jahre alt, Max 3 Jahre alt und Lena 1 Jahre alt, ALLEIN zu fahren. Meine Mutter erklärte mich für verrückt. Insbesondere die Bahnfahrt hielt sie für unmöglich. Warum, erfuhr ich im Reisebüro.

„Lassen Sie mich mal schauen.“ Die Dame im Reisebüro beugte sich über ihren Computer. „Ich würde Ihnen den Intercity Night bis Paris empfehlen. Dort müssen Sie in den TGV nach Dax umsteigen. Sie kommen um 7.50 an. Um 8.40 geht es weiter.“ Ich nickte. 50 Minuten hörten sich machbar an. Die Dame ging zum Drucker und reichte mir kurz darauf die Reisedaten. Ich stutzte. „Warum kommt der Intercity in Gare d’Est an und der TGV fährt in Gare Montparnasse los? Liegen die beiden Bahnhöfe nebeneinander?“ Die Dame schüttelte den Kopf. „Sie müssen durch Paris mit der U-Bahn fahren.“ Ich schaute sie ungläubig an. „Sie haben knapp eine Stunde Zeit.“ „Ich habe vier Kinder, einen Kinderwagen und jede Menge Gepäck.“ Ich überlegte kurz. „Was wäre, wenn ich den Zug in Montparnasse verpassen würde?“ „Moment.“ Die Dame schaute in ihren Computer. „In diesem Fall verfällt das Ticket. Sie müssten ein neues lösen.“ „Wie lange braucht die U-Bahn?“ Sie tippte eifrig in ihrem Computer. „Es sind dreizehn Stationen ohne Umsteigen. Reine Fahrzeit 20 Minuten.“ Sie tippte weiter. „Eine Stunde später fährt der nächste Zug. Wäre Ihnen der lieber?“ Ich nickte. „Wesentlich lieber. Zwei Stunden werden zum Umsteigen reichen.“

7.30 Uhr. Die gleichmäßige Bewegung der Räder hielt den Zug in einer flüssigen, beruhigenden Bewegung. Ab und an schoss ein Signal vorbei. Die Sonne war bereits aufgegangen und tauchte die Banlieus in goldenes Licht. Es war eine anstrengende Nacht gewesen. Im Abteil Nr. 12 schlief noch alles tief und fest. Eine Stimme, begleitet von Rauschen und Knarzen durchbrach die Stille. „In wenigen Minuten erreichen wir den Bahnhof Paris Est.“ Augenblicklich saß ich senkrecht im Bett und stieß mir den Kopf an der Liege darüber. „Aua.“ Lena, meine kleine Einjährige, rieb sich die Augen. Auch die anderen Kinder schauten aus ihren Decken auf. Im Nu war ich angezogen und begann in aller Eile, die im Abteil verstreuten Sachen zusammenzusuchen, schlaftrunkene Kinder anzuziehen und ein Gepäckstück nach dem anderen zur Tür zu tragen. Lena lief hinter mir her und stand permanent im Weg. Äußerlich ruhig stieg ich über sie hinweg und ignorierte den Wunsch der anderen nach Frühstück. Der Kinderwagen wurde aufgebaut, Kuscheldecken verschwanden unter dem Wagen. Mein Handgepäck wurde an den Griff gehängt, die große Reisetasche kam in die eine Schale, Lena in die andere. Alle Rucksäcke auf! Frederike, meine Sechsjährige, nahm den Griff des Kinderrollkoffers. Die Bremsen quietschten. Der Zug hielt. Aussteigen!

7.50 Uhr. Wo war der Eingang zur U-Bahn? Da! Ich entdeckte ein Schild mit der Aufschrift „Metro“. Ruben zupfte mich am Ärmel. „Mama, ich hab Hunger.“ „Ich auch,“ echoten die anderen. Ich drehte den Kinderwagen in die andere Richtung und steuerte auf einen Stand mit Gebäck und Croissants. „Ich will ein Croissant.“ „Ich eine Brezel.“ „Ich auch.“ „Ich auch.“ Ich kramte mein Geld aus dem Portemonnaie und mein Französisch aus dem hintersten Winkel meines Kopfes. Glücklich mampfend zogen wir weiter.

8.00 Eine endlos lange Treppe führte in die Tiefen des Pariser Untergrunds. Suchend sah ich mich nach einem Fahrstuhl um. Es gab keinen. Eine Rolltreppe war nicht zu entdecken. Schnell orderte ich Ruben, meinen Zweitältesten, beim Kinderwagen zu bleiben, während ich mit Frederike und den Koffern die Treppe hinunterstieg. Frederike platzierte ich bei den Koffern am Fuß der Treppe. Schnell war der Kinderwagen hinuntergetragen. Vor dem Fahrkartenautomaten wartete vor dem eine gigantische Schlange. Innerlich stöhnend stellte mich in die Reihe.

8.25 Uhr. Endlich war ich an der Reihe. Welche Fahrkarte nahm man? Gab es Kinderkarten? Ich entschied mich für ein 10er Billet, während ich hinter uns Deutsch hörte. Eine klassische Familie, Vater, Mutter und zwei kleine Kinder waren auf der gleichen Odyssee. Ich schulterte meinen Rucksack und weiter ging’s. Der Eingang zur Metro war mit Schranken versperrt, durch die man unmöglich mit dem Kinderwagen kommen konnte. Frederike entdeckte die andere Familie, die gerade durch die Rollstuhlschranke verschwand. Erleichtert folgte ich ihnen. Bei den unzähligen Treppen auf dem Weg zum Bahnsteig freundeten wir uns an. Meine Kinder nahmen die anderen bei der Hand und der Vater half mir mit dem Kinderwagen. Ohne ihn hätte ich aufgegeben. 8.40 Uhr. Wir standen auf einem übervollen Bahnsteig. Die Metro kam schnell und fuhr ebenso schnell wieder davon, so dass wir Mühe hatten, alle rechtzeitig einzusteigen. Ruben war der letzte. Die andere Familie hatten wir im Gewühl verloren. Frederike hatte Angst, nicht rechtzeitig aus dem vollgestopften Wagen zu kommen. Ruben saß ganz hinten. Lena krähte. Sie wollte aus dem Kinderwagen und auch auf einem richtigen Sitzplatz sitzen. Ich verbot es. Sie bekam einen Wutanfall. Meine Nerven lagen blank.

9.00 Uhr. „Montparnasse Bienvenue.“ Aussteigen! Ruben drängelt sich rücksichtlos durch und ist diesmal der erste auf dem Bahnsteig. Kurze Zeit später sind von der Metro nur noch die Rücklichter zu sehen. Wo geht es zur Fernbahn? Da ein Schild! Ich folgte ihm und – stehe wieder vor einer Treppe. Das kann nicht wahr sein! Max zupft an meiner Jacke! „Mama, ich muss mal!“ „Kannst du aushalten bis wir im Zug sind?“ „Nein.“ Ich seufze. „Das musst du jetzt aber.“ „Kann ich aber nicht.“ Ohne ein weiteres Wort nehme ich die Koffer und schleppe sie die Treppe hinauf. Hoffentlich hat Max Unrecht.

9.20 Uhr. Ich irre durch die Gänge. Wo ist der Ausgang? Als ich zum zweiten Mal an einem vergitterten Ausgang scheitere, frage ich eine schwarze Frau nach dem Weg. Sie geht mit uns. Die Kinder fasziniert am meisten, dass sie ein lebendiges Huhn mit sich trägt, welches sie auf dem Markt gekauft hat. Ich schaue auf die Uhr. Weit kann es ja nicht mehr sein. „Mama, ich muss mal“, erinnert mich Max. „Ich weiß. Aber es geht jetzt grad nicht.“ Nach einer weiteren Treppe kommen wir zu einem Wegweiser. Mit vielen „Mercis“ verabschiede ich mich von der Frau.

9.30 Uhr Ach du liebes Bisschen! In zehn Minuten fährt unser Zug! Im Laufschritt biegen wir um die Ecke und – stehen vor einem großen Tunnel mit zwei langen Förderbändern. Wo ist der Bahnhof? Hastig geht es weiter über die Förderbänder. „Ich kann nicht mehr!“ jammert Frederike. Wortlos nehme ich ihren Koffer in die Hand. Kurz hinter dem Förderband liegt der Bahnhof.

9.38 Uhr. Im Endspurt renne ich den Bahnsteig entlang. Die Kinder kommen nicht hinterher. Frederike schreit lauthals. „Warte, warte auf mich!“ Ruben heult. Dass der Zug warten wird, sobald ich in der Tür stehe, fällt ihnen in diesem Moment nicht ein. Atemlos komme ich bei unserem Wagen an. Der Schaffner nickt mir freundlich zu. Der Zug habe 10 Minuten Verspätung. Außer Atem kommen die Kinder an der Tür an. „Mama, du solltest warten!“ Ein Kind nach dem anderen wird in den Zug gehoben, die Koffer auf den riesigen Gepäckberg im Gang gepackt.

9.50 Uhr. Wir finden unsere Plätze. Der Zug rollt an in Richtung Atlantikküste. Innerlich ruhig reiche ich Frederike den restlichen Proviant und suche für Max eine neue Hose heraus. Paris in zwei Stunden ist ein unmögliches Unterfangen, aber wir haben es geschafft!

Runa

Hallo,

hier kommt eine neue Geschichte nach einer Aufgabe in meinem Schreibkurs. Es ging darum, eine Geschichte nach einem Bild zu schreiben. Auf dem Bild war eine Familie mit zwei Kindern beim Picknick zu sehen. Kommentar meiner Studienleiterin dazu war, der Stoff gefiele ihr gut, würde sich aber eher für einen längeren Text eignen. Was denkt ihr?

Guten Rutsch euch allen

Patricia

 

Runa

Ich habe eine besondere Fähigkeit. Wem ich in die Augen schaue, ist mein Freund und zwar so, als sei er es schon immer gewesen. Meist ist das praktisch, doch manchmal nützt es rein gar nichts. Bei meinen Eltern zum Beispiel: Sie haben sich wieder gestritten. Meine Mutter hat meinem Vater ihre Pumps an den Kopf geworfen und er hat sie mit dem Käsemesser bedroht. Wenn ich dann hinter dem Fernsehschrank sitze und heule, schaue ich niemanden an und niemand ist mein Freund. Daher bin ich weggelaufen.Jetzt sitze ich neben meiner Reisetasche auf einem der unteren Äste des Kletterbaums am See und beobachte die Leute. Im See plantschen ein paar Kinder. Eine Dame mit Sonnenbrille bräunt ihren Oberkörper und unter der Trauerweide sitzt eine Familie und picknickt. Die beiden Mädchen lachen und albern. Irgendwie sieht die Familie merkwürdig glücklich aus, auch ein bisschen spießig. Bestimmt sind sie alle langweilig. Oder doch nicht glücklich. Das will ich herauskriegen.

Ich schwinge mich vom Ast und springe auf den Boden. Die Tasche wackelt bedenklich, bleibt aber liegen. Barfuß schlendere ich über die Wiese und schaue dabei die ältere der beiden Mädchen fest an. Als sie mich endeckt, springt sie auf und stürmt mit einem Quietschen auf mich zu. „Mensch, dich hab ich ja lange nicht gesehen!“ Sie hakt mich unter und schleppt mich zu ihren Eltern und ihrer Schwester. Bei der Vorstellung fehlen ihr die Worte. Das kenne ich schon. Schnell gebe ich artig die Hand und stelle mich selbst vor. „Ich bin Runa. Wir gehen zusammen auf die Schule.“

Wenig später spiele ich mit Clara und ihrer Schwester Marie auf der Wiese Verstecken. Marie zählt. Ich zeige Clara, wie hoch man auf dem Kletterbaum kommt. Im dichten Blätterwerk wird uns Marie ganz bestimmt nicht finden. „Da steht ja eine Tasche auf dem Ast“, ruft Clara überrascht. Mist, daran hab ich nicht gedacht. „Das ist meine.“ „Wohnst du hier?“ „Nee, ich war beim Sport.“ „Ach so.“ Leise kichernd sitzen wir im Geäst. Marie läuft suchend unter uns herum. „Ist es nicht eigentlich blöd, ne kleine Schwester zu haben?“ „Warum?“ „Kleine Schwestern ärgern doch ständig“, sage ich, als ob ich es wissen müsste. „Manchmal“, gibt Clara zu. „Wollen wir sie auch mal ärgern?“ Leise flüstere ich in Claras Ohr. Clara zögert. „Ich weiß nicht.“ „Ach komm, sei doch kein Spielverderber. Das wird lustig.“ Aufmunternd schaue ich sie an.

Als Marie genau unter uns sucht, springen wir mit Kriegsgeheul aus dem Baum. Clara fällt auf Maries Schultern und wirft sie zu Boden. Marie schreit auf und schubst ihre Schwester von sich herunter, so dass diese auf den Rücken fällt. Dann stürmt sie zu ihrer Mutter. Es ist einfach klasse. Als wir zur Picknickdecke kommen, empfängt uns ihre Mutter schon mit Vorwürfen. „Clara, wie konntest du nur. Ihr habt Marie richtig wehgetan. Auf der Stelle tröstest du sie“ Clara verschränkt bockig die Arme. „Marie hat mich auch geschubst. Und außerdem war es Runas Idee und nicht meine. Sie muss sich entschuldigen.“ Na soweit kommt’s noch! Marie brüllt: „Clara hat mich voll am Kopf getroffen. Clara ist blöd!“ „Aber Schätzchen!“ versucht ihre Mutter sie zu besänftigen. Doch Marie springt wütend auf. „Und überhaupt, ich spiel jetzt nur noch mit Runa.“ Damit nimmt sie meine Hand und zieht mich über die Wiese. „Hey“, ruft Clara ihr empört hinterher, „Runa ist meine Freundin!“ Jaja, so verhalten sich liebende Geschwister in perfekt glücklichen Familien.

Marie und ich sitzen unter dem Kletterbaum und spielen Elfen. Ich bin die Elfe, sie das Einhorn. Kleinlaut kommt Clara angeschlichen. „Entschuldige bitte Marie, ich hätte so etwas Blödes nicht tun sollen.“ Nanu, sie gibt klein bei? „Darf ich wieder mitspielen?“ Ach so, deswegen. Marie schaut sie freundlich an. „Na klar, komm.“ Die scheint ja ein sehr schlechtes Gedächtnis zu haben. Schnell flüstere ich: „Nur wenn sie meine Dienerin spielt. Als Strafe für vorhin.“
Aber Marie antwortet: „Nein. Sie hat sich entschuldigt und damit ist die Sache vergessen.“ Ich zucke mit den Schultern. „Na gut, dann spiel ich eben nicht mehr mit.“ Gerade will ich wieder auf meinen Baum klettern, als Marie mich zurückhält. Sie blickt mir fest in die Augen und kein bisschen Sympathie ist darin zu sehen. Das ist mir noch nie passiert!

„Weißt du, was ich glaube? Ich glaube, dass DU hier die Unruhestifterin bist. Und jetzt willst du dich mit mir gegen sie zusammentun. Aber mit Geschwistern läuft das so nicht. Die halten nämlich zusammen.“
Nervös starre ich auf den Boden. Dort krabbelt eine Ameise gerade angestrengt einen Grashalm hoch. „Warum machst du das eigentlich?“ Das war Claras Stimme. Nur ruhig Blut, jetzt schön die Unschuldige spielen. „Ich hab gar nichts gemacht.“ Marie schaut mich immer noch an. „Schau mal“, sagt sie ruhig. „wir sind beide deine Freundinnen und wollen dir nichts Böses. Also, warum? Hast du Kummer?“
Die Frage trifft mich wie ein Schlag in die Magengrube.
Mechanisch antworte ich: „Ich bin von zu Hause weg, weil ich es nicht mehr ausgehalten hab. Zuviel … zuviel Streit um mich herum.“ Clara lacht. „Wir haben ja grad bemerkt, dass du das ebenfalls perfekt beherrscht.“ Tränen laufen über meine Wangen. Bin ich schon so wie meine Mutter? „Das war nur weil …“, ich suche nach einer Erklärung, die nicht so verdammt dämlich klingt, finde aber keine. „… weil ich euch auf die Probe stellen wollte. Ihr saht so verdammt glücklich aus. Und jetzt …“ Ich angele nach meiner Tasche, die immer noch auf dem Ast steht. „… jetzt muss ich mal wieder weiter. Entschuldigt, ich wollte euch nicht den Tag versauen.“

„Runa? Wie wär’s, du spielst den Rest des Tages mit und nicht gegen uns und wir fragen Papa, ob du bei uns übernachten darfst.“ Ich schlucke. Das ist mir auch noch nie passiert.