Kapitän Maximiliano auf Schatzsuche

Wieder eine Geburtstagsgeschichte, diesmal zum vierten Geburtstag meines Sohnes! Jaja, ist schon ein bisschen länger her …

Kapitän Maximiliano auf Schatzsuche

Max war vier Jahre alt und spielte am liebsten Piraten. Er wurde dann zum gefürchteten Piratenkapitän Maximiliano, der mit seinem Schiff, der „Schwarzen Krabbe“, die sieben Weltmeere unsicher machte.

Äußerst selten konnte er seine zwei Jahre ältere Schwester Laura davon überzeugen, mit ihm zu spielen, doch diesmal war es ihm gelungen. Laura hatte sich bereit erklärt, das kleine Waisenmädchen Jenny zu sein, dass Kapitän Maximiliano als  Schiffsjungen mit an Bord genommen hatte – allerdings nur, weil er erst auf hoher See gemerkt hatte, dass der freche Fratz ein Mädchen war, und es keine Gelegenheit gab, sie wieder zurückzuschicken.

Paul, Max kleiner Bruder, spielte immer mit, ob er nun gefragt wurde oder nicht. Ihm wurde die Rolle des Schiffspapageien Loro zugeteilt, da er sowieso immer alles nachplapperte.

Dieses Mal sollte die Fahrt zu den gefährlichen Nebelinseln gehen, auf denen ein sagenhafter Schatz versteckt sein sollte, aber auch menschenfressende Eingeborene wohnten.

Maximiliano kam gerade aus einem finster aussehenden Buchladen, in dem er die Schatzkarte für die Reise besorgt hatte, als ihm Kapitän Pudelmütze, sein Erzrivale, begegnete, der im selben Moment wie Maximiliano in die Hafenkneipe „Zum schreienden Hahn“ gehen wollte. Beide quetschten sich gleichzeitig durch die Tür, da keiner dem anderen den Vortritt lassen wollte. In der Kneipe gerieten sie nach einigen Bechern Rumtreiber-Tee. Maximiliano hatte Pudelmütze von seinem Plan erzählt und dieser kam nun auf die Idee, auch nach dem Schatz zu suchen. Maximiliano fühlte die Karte in seiner rechten Brusttasche und fühlte sich sicher. Er wettete mit Pudelmütze um tausend Goldstücke, dass er den Schatz vor Pudelmütze finden werde. Beide verabschiedeten sich mit Handschlag, der besiegelte, dass sie sich in einem Monat zur Begleichung der Wettschuld hier wiedertreffen würden.

Nun waren sie auf hoher See. Kapitän Maximiliano hatte gerade mitbekommen, dass Jenny kein Schiffsjunge sondern ein Schiffsmädchen war, und hatte schrecklich schlechte Laune.

Auf dem Schiff

Jenny hatte sich auf den höchsten Mast in Sicherheit gebracht und hielt nun zusammen mit dem Schiffspapageien Loro Ausschau nach den Inseln.

Kapitän Maximiliano hielt eigenhändig das Steuer, prüfte von Zeit zu Zeit die Karte und lauschte den Hinweisen der sechs Tanten, die neben dem Steuerrad postiert waren.

Die Mannschaft schrubbte das Deck.

Am blauen Himmel war kein Wölkchen zu sehen, doch plötzlich entdeckte Jenny in der Ferne eine Nebelbank, unter der Schaumrkonen auf dem aufgewirbelten Wasser tanzten. „Hoy“, schrie sie nach unten. „Untiefe in Sicht. Wir fahren direkt darauf zu!“ „Ho, tiefe Sicht. Fahren direkt zu“, echote der Papagei. Kapitän brummte etwas in seinem Bart, zückte sein Fernrohr und sah sich die Sache genauer an. Und tatsächlich, das mußten die Inseln sein!

Ein paar Stunden später hatten sie die Stelle erreicht und tauchten in den Nebel ein. Gischt spritze und Kapitän Maximiliano gab seiner Mannschaft die Anweisung, die Segel zu reffen und mit dem Lot die Wassertiefe im Auge zu behalten. Langsam und vorsichtig schlängelte sich die „Schwarze Krabbe“ zwischen den Riffen hindurch. Jenny hielt immer noch Ausschau, doch der Nebel war so dicht, dass sie nicht einmal die Hand vor Augen sehen konnte. Plötzlich tauchte eine gewaltige, tangbedeckte Felswand direkt vor ihnen auf – die Insel! Kapitän Maximiliano riss blitzschnell das Ruder herum. Die „Schwarze Krabbe“ drehte auf der Stelle bei und saß einen Augenblick später mit einem gewaltigen RUMS auf einem vorgelagerten Felsen, der eine Handbreit aus dem Wasser ragte.

Die Matrosen versuchten alles, um das Schiff wieder flott zu bekommen. Einige tauchten sogar unter den Rumpf, um sich den Schaden von unten zu begucken, doch das Schiff saß fest und rückte und rührte sich nicht, obwohl die Brandung ringsum tobte und spritzte.

Kapitän Maximiliano und seiner Mannschaft blieb nichts anderes übrig, als die Beiboote zu Wasser zu lassen, um so den sicheren Strand zu erreichen. Die „Krabbe“ überließen sie vorerst ihrem Schicksal.

Kurz darauf ruderten sie durch die heranrollenden Wellen dem Land entgegen.

Drei der vier Boote wurden von den Brechern erfasst und so herumgewirbelt, dass sie zerschellten und die See die Matrosen einzeln an Land spuckte.

Nur das vierte Boot landete in einem Stück kopfüber auf dem weißen Sand. Ganz langsam bewegte es sich, schaukelte einen Moment und kippte dann über eine Seite auf den Kiel. Zum Vorschein kamen Kapitän Maximiliano, Jenny und vier Seeleute.  „Potz Rotzlöffel und Kanonenbart, was für einen See.“ Kapitän Maximiliano schüttelte sich den Sand aus seinen schwarzen Locken. „Potz Rotz und Kanonenfutter. Was für ein Seelachs“, krächzte nun auch der Papagei, der als einziger unbeschadet über dem Durcheinander flatterte. „Halt den Schnabel“, knurrte Kapitän Maximiliano und warf einen Schuh nach dem Vogel. „Halt den Schnabel“, wiederholte der Papagei fröhlich und setzte sich auf Maximilianos Schulter. Zärtlich knabberte er an seinem Ohr. Maximiliano mußte wider Willen kichern. Der Vogel kitzelte ihn.

Er rappelte sich hoch und sah sich um. Der Strand war von der Sonne beschienen. Der Nebelring lag nur im Wasser um die Insel herum.

Am Strand

Plötzlich stürmte eine Horde wilder Gesellen auf die Gestrandeten zu, die sich als Kapitän Pudelmütze und seine Mannschaft herausstellten. „Wir waren zuerst hier“, brüllte Pudelmütze und stürzte sich auf den verblüfften Maximiliano. Ein wüster Kampf entbrannte. Pudelmütze und Maximiliano kreutzen die Säbel immer schneller und auch ihre Matrosen waren in erbarmungslose Handgemenge und Messerkämpfe verstrickt. Die heiße Südseesonne brannte unbarmherzig auf die Kämpfenden hernieder, so dass ihnen der Schweiß ihnen von der Stirn lief .

Einzig Jenny kämpfte nicht. Sie machte sich nichts aus Pulverdampf und Säbelgerassel. Stattdessen ging sie fort, um in der Zwischenzeit die Insel zu erkunden. Loro, der Papagei folgte ihr.

Maximiliano und seine Mannschaft wehrten sich heldenhaft, doch der Übermacht von Pudelmützes Leuten waren sie nicht gewachsen. Dieser klaute Maximiliano die Schatzkarte und ließ ihn und seine Mannen fein säberlich wie die Frachtpakete verschnürt am Ufer liegen.

So wurden sie einige Stunden später von einer Horde Eingeborener gefunden, die sich neugierig aber mit erhobenen Speeren näherschlichen.

Immer noch verschnürt und an den Speeren aufgehängt, wurden sie kurz darauf unter Gejubel als „gefundenes Fressen“ ins Kanibalendorf getragen. Mißtrauisch beobachteten Maximiliano und seine Mannschaft die Eingeborenen, die fleißig Holz herbeischleppten, um über großen Feuern große Kessel mit Wasser zum Kochen zu bringen. Die Frauen putzen währenddessen Suppengemüse und warfen es in die Kessel, als Maximiliano plötzlich laut kichern mußte. Etwas kitzelte ihn am Ohr. Die Kanibalen schauten ihn mit merkwürdigen Gesichtern an, sahen jedoch, dass es sich lediglich um einen harmlosen Papageien handelte, der auf Maximilianos Brust saß und an seinem Ohr knabberte. Ihre schaurig aussehenden Gesichter verzogen sich zu einem breiten Grinsen, dann wandten sie sich wieder ihrer Arbeit zu.

Bei den Eingeborenen

„Loro“, zischte Maximiliano leise durch die Zähne, „Knabber den Strick durch.“ „Strick durch?“ wiederholte der Papagei zärtlich. Er hatte nicht verstanden. „Scht“, machte der Kapitän. Er schubste Loro mit der Nase in Richtung seiner Hände und flüstert: „Mach das Seil kaputt“, endlich verstand dieser. Kaputt machen, das konnte er und machte sich an die Arbeit. Geschickt nagte er mit Hilfe von Schnabel und Krallen Maximilianos Handfesseln durch und als dieser seine Hände befreit sah, machte er sich flugs daran, zunächst auch seine Füße und dann seine Kameraden zu befreien. Die Eingeborenen waren so sehr mit der Zubereitung der Suppe beschäftigt, dass sie gar nicht bemerkten wie sich ihr Eintopf lautlos davonschlich, so dass ihre Suppe eine Gemüsesuppe bleiben sollte.

„Kommt, hier entlang“, flüsterte Maximiliano und führte seine Mannen auf einem schmalen Pfad direkt in den Urwald. Trotz der fehlenden Schatzkarte lief er zielsicher zu einem Wasserfall, in dessen dahinterliegender Höhle der Schatz versteckt war. Kapitän Maximiliano hatte nämlich ein fotografisches Gedächtnis.

Am Höhleneingang

Allerdings kamen ihnen durch den Wasserfall vier Matrosen entgegen, die eine schwere Kiste trugen, gefolgt von Kapitän Pudelmütze, der die Ankömmlinge hämisch angrinste. „Wir sehen uns dann im „Krähenden Hahn“. Bring schon mal deinen Wetteinsatz mit. Ich werde mit der Öffnung der Kiste bis dahin warten, damit du auch was davon hast.“ Er zeigte Maximiliano eine lange Nase und alle fünf verschwanden im Dschungel.

Erschöpft und mißmutig machten sich die Seeleute der „Schwarzen Krabbe“ auf den Rückweg zu ihrem Schiff, welches immer noch auf dem Felsenriff festsaß. Müde und ratlos setzten sie sich in den Sand und starrten ihr Schiff an.

Plötzlich sah Maximiliano, wie sich etwas Blaues an Bord bewegte. Er zückte sein Fernrohr und sah genauer hin. Es war Jenny, die über die Felsen zurück auf das Schiff geklettert war und nun ihr blaues Kopftuch schwenkte. Vorsichtig machten sich die Matrosen über die glitschigen Steine auf den Weg zu ihrem Schiff.

Dort berichtete ihnen Jenny, sie habe die Schatzkiste vor den anderen entdeckt, den einzigen Gegenstand, der sich darin befand, an sich genommen und für nachfolgende Schatzsucher eine kleine Überraschung hinterlassen. Welche, wollte sie jedoch nicht verraten. Mit diesen Worten drückte sie Maximiliano eine kleine Flöte in die Hand und dieser betrachtete sie mißtrauisch. „Und nu?“ Er sah Jenny planlos an. Jenny zuckte mit den Schultern. „Ich denke, man muss sie spielen.“ „Spielen“, echote der Papagei. Kapitän Maximiliano legte die Flöte so schnell wieder in Jennys Hand, als habe er sich daran verbrannt. „Dafür bin ich nicht zuständig“, wehrte er ab. Jenny grinste und hob die Flöte an die Lippen.

Die Seeschlange

Kaum hatte sie ihr den ersten Ton entlockt, als sich eine gewaltige Seeschlange aus dem Wasser erhob und Jenny freundlich in die Augen sah. „Ich stehe zu deinen Diensten. Was ist dein Begehr?“ Jenny schaute die Schlange mehr verblüfft als erschrocken an, besann sich aber nicht lange. „Kannst du unser Schiff wieder flott machen?“ „Aber na klar“ und mit einem kleinen Schubs ihrer Schwanzspitze hob die Schlange das Boot hoch und setze es vorsichtig ins tiefe Wasser. „Ehm“, meldete sich nun Kapitän Maximiliano. „Da wäre noch etwas. Wie überzeugen wir Pudelmütze, dass Jenny den Schatz gefunden hat? Ich mein, eine kleine Flöte wird ihn schwerlich beeindrucken …“ Maximiliano schaute Jenny und die Schlange ratlos an. Auf den Lippen der Schlange erschien ein winziges Lächeln. Dann tauchte sie ab und kam mit einer wunderschönen Perlenkette, an der ein goldenes Amulett baumelte, im Maul wieder an die Wasseroberfläche. Vorsichtig legte sie Jenny die Kette um, die sie bewundernd betrachtete. Auf dem Amulett stand in verschlungenen Buchstaben geschrieben: Der Besitzer dieses Amuletts ist der rechtmäßige Eigentümer des Schatzes der Nebelinseln.“ Kapitän Maximiliano las dies ebenfalls. „Moment mal …“, begann er zu protestieren und zeigte ungläubig auf Jenny, „eigentlich bin ich … „, doch die Schlange zwinkerte Jenny noch ein letztes Mal zu und verschwand dann mit einem riesigen Platscher in der Tiefe.

Verwundert schauten Jenny, Maximiliano und Loro ihr nach. Kapitän Maximiliano wollte schon nach der Kette an Jennys Hals, doch sie hielt selbstbewußt ihre Hand auf das Amulett und funkelte ihn an. „Die gehört mir, hast du doch gehört!“ Maximiliano machte ein betretenes Gesicht. „Aber keine Angst, ich werd dich zum „Krähenden Hahn“ begleiten.“ Jenny lachte ihn versöhnlich an.

In der Kaschemme

Genau einen Monat nach ihrem ersten Zusammentreffen betraten Kapitän Maximiliano zusammen mit Jenny und Loro und Kapitän Pudelmütze den „Krähenden Hahn“ wieder. Aug in Aug saßen sie einander an dem alten Eichentisch gegenüber, auf den Pudelmützes Matrosen die Kiste gestellt hatten. „Nun wollen wir mal sehen.“ Kapitän Pudelmützes Augen blitzten schadenfroh. Langsam und bedächtig öffnete er den Deckel der Truhe. Kurz darauf verwandelte sich sein siegesgewisses Lächeln in einen ziemlich belämmerten Gesichtsausdruck. Die Kiste war bis zum Rand gefüllt mit Sand und Kieselsteinen. Oben auf lag ein Zettel, auf dem zu lesen stand: „Für alle nachfolgenden Schatzsucher! Wie ihr seht, habe ich den Schatz schon gefunden und mitgenommen. Hier ein kleiner Trostpreis für euch. Kapitän Maximiliano.“ Maximiliano schaute Jenny überrascht an. Soviel uneigennützige Loyalität hatte er ihr gar nicht zugetraut. Diese kicherte. „Hab ich’s nicht gesagt? Nur eine kleine Überraschung …“ Kapitän Maximiliano streckte seine Hand aus. „Nun bin ich wohl an der Reihe, deinen Wetteinsatz zu fordern.“ Zähneknirschend zählte Pudelmütze die tausend Taler in Maximilianos Hand, die dieser in seiner Geldkatze verschwinden ließ. „Besten Dank.“ „Besten Dank“, krächste auch der Papagei. Pudelmütze knirschte vor Zorn mit den Zähnen. „Komm Jenny, wir haben alles, was wir wollten.“ Und so ließen sie Pudelmütze mitsamt der Kiste voller Sand und Steine stehen und verließen die Kascheme.

Von diesem Tag an beschwerte sich Maximiliano nie wieder, ein Mädchen als Schiffsjungen bekommen zu haben.

„Abendessen!“ schallte es aus der Küche. Die Kinder sahen sich an und lachten. Erst jetzt bemerkten sie, dass die Abendsonne bereits rot durch die Fenster schien und sie großen Hunger hatten. Abenteuer machen hungrig! Die Kinder klettern vom Hochbett, der „Schwarzen Krabbe“ und ließen den Wust von Verkleidungs- und Spielsachen achtlos auf dem Boden liegen. Dann rannten sie in die Küche.

ENDE

Diese Geschichte heißt: Lilli und der Höhlengeist

Dieses Märchen ist nicht von mir. Es wurde mir in den Sommerferien von meiner sechsjährigen Tochter diktiert und ich habe es wortwörtlich aufgeschrieben. Ich finde, die kindliche Ausdrucksweise verleiht der Geschichte ihren besonderen Charme.

Diese Geschichte heißt: Lilli und der Höhlengeist

Lilli wurde so wie alle Kinder von einer armen Frau geboren. Lilli schrie erst einmal. Dann nahm die arme Frau Lilli auf den Arm. Als sie erblickte, dass auf Lillis Ohr ein winziger Pickel war, wollte sie das Kind nicht mehr haben. Darum ging sie in eine Höhlengrotte und setzte das Baby vor der Tür von der Höhlengrotte ab. Ein paar arme Leute fanden das Baby und hoben es auf, um es aufzuziehen. Aber als erstes wollten sie herausfinden, wem das Baby richtig gehört. Aber sie fanden die Frau oder den Mann nicht. Also haben sie das Baby selber aufgezogen.

Dann wurde Lilli groß. Als Lilli jugendlich war, hat Lilli gesagt, sie will jetzt die Welt erkundigen gehen. Dann ging sie in den Eingang der Höhlengrotte und wollte wissen, was da vor sich geht. Dann ging sie die schönen Marmorstufen hinunter. Und dann sah sie glitzernde Herzkristalle. Und sie faßte einen von ihnen an. Es war der Schönste. Dann kam aus einer dunklen Ecke ein Gespenst. Lilli erschrak furchtbar. Aber als sie bemerkte, dass der Geist gar nichts Böses von ihr wollte, hat sie gelacht. Und dann küßte sie den Geist. Dann wurde er ein schöner Prinz. Als der Prinz Lilli anfaßte und an die Hand nahm, sagte er: „Ich bin der Höhlenprinz. Möchtest du mitkommen auf mein Schloss und mich heiraten?“ Lilli sagte ja. Als Lilli aber ja sagte, kam eine böse Hexe aus irgendeiner Ecke. Der Prinz zog sein Schwert und die Hexe zog ihren Zauberstab. Und die Hexe sagte: „Hokuspokus, malus locus, bonnus, jokus, hokuspokus!“ Und der Prinz kippte um. Aber da Lilli den Prinzen noch halten konnte, nahm sie schnell sein Schwert und stach die Hexe damit in den Hals. Und dann fiel die Hexe um. Lilli spürte, dass die Hexe tot war. Bloß der Kater, der bei ihr Wache gehalten hatte, war nicht tot. Er zerbiß jetzt ihren Rock und kratzte ihre Beine auf. Aber hinter ihr erhob sich eine Gestalt. Sie erschrack furchtbar, aber dann hat sie gesehen, dass das nur der Prinz war. Dann nahm der Prinz sie wieder bei der Hand und führte sie zum Ausgang.

Und oben am Ausgang stand Lillis richtige Mutter. „Mama!“ Die Frau rief: „Lilli!“ Und Lilli rannte ihrer Mutter in die Arme. Die Mutter nahm sie auf den Arm, obwohl sie schon so groß war. Dann erblickte die Mutter dern Prinzen. Dann sagte die Mutter „Hallo“ zu dem Prinzen und die Mama sagte: „Ich kenne deinen Vater und deine Mutter.“ Dann sagte Lilli: „Weißt du, Mama, wir haben besprochen, dass wir heiraten wollen, der Höhlenprinz und ich.“ Die Mama sagte: „Naja, wir haben das ja schon lange verabredet, dein Vater und der Vater vom Höhlenprinz. Dann kann es ja jetzt auch so geschehen. Aber da jetzt eure beiden Väter tot sind, beschließen jetzt die Mütter, dass ihr heiratet. Kommt Kinder, wir gehen jetzt nach draußen. Draußen wartet schon die Hochzeit auf euch.“

Richtig viele Verwandte und Freunde haben draußen richtig viel aufgebaut für eine Hochzeit von einem Mädchen das Lilli heißt und einem Prinz der Höhlen. Ein Orchester war da und zwei lange Tische mit richtig viel Buffet. Alle Hochzeitsgäste waren schon da. Sie haben sich hübsch gemacht und sahen elegant aus. Lilli und der Höhlenprinz gingen schnell in ihre Kabinen, um sich umzuziehen als Brautpaar. Und dann begann das Fest. Der neue König, der Höhlenprinz, hat gesagt: „Jetzt kann das Fest beginnen. Kapelle spielt!“ Und alle durften tanzen und das Brautpaar fing an zu tanzen und die Väter von dem Brautpaar guckten hinunter und winkten ihnen zu. Das Brautpaar winkte zurück. Nun war es Abend, alle Hochzeitsgäste gingen nach Hause und das Brautpaar ging von der Höhlengrotte auf sein Schloss und dort regierte es lange und bekam viele Kinder. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Ein Geschenk für Prinzessin Filine

Diese Geschichte habe ich meiner Tochter zum siebenten Geburtstag geschenkt – mitsamt dem Bild und dem Ring, die in der Geschichte vorkommen. Das heißt, eigentlich hatte ich das Bild und den Ring erst und habe darum die Geschichte gesponnen …

Viel Spass beim Lesen!

 

 

 

Ein Geschenk für Prinzessin Filine

Heute hatte Laura Geburtstag. Sie war schon ganz aufgeregt. Immerhin waren sieben Jahre schon etwas Besonderes – fast erwachsen sozusagen. Neugierig schaute sie ihre Geschenkpäckchen an, die schon zusammen mit einer Kerze und einer Blume auf dem Frühstückstisch standen. „Nun mach schon auf!“ Ihr kleiner Bruder Max konnte es nicht abwarten und wollte schon selbst nach einem Geschenk greifen, um es aufzureißen. Doch Laura schaute ihn böse an und schnappte ihm das Geschenk vor der Nase weg. „Das sind meine, du Blödi!“ Dann begann sie, es in aller Ruhe auszupacken, während ihre kleinen Geschwister sich um sie drängelten, um einen Blick auf die Herrlichkeit darinnen zu erhaschen. Sie wurde enttäuschen, es war keines der ersehnten Spielzeuge, sondern ein handgemaltes Bild von einer zauberhaften Landschaft ganz in Pastelltönen gehalten, in deren Hintergrund ein Schloss zwischen zwei Bergspitzen hervorlugte. Laura strahlte. Im Gegensatz zu ihren kleinen Brüdern gefiel ihr das Bild außerordentlich gut. Sie betrachtete es andächtig und bemühte sich dann, die beiliegende Glückwunschkarte zu entziffern: „Für meine kleine Elfenprinzessin. Möge es in deinem neuen Zimmer einen Ehrenplatz erhalten und dir immer Glück und Freude bringen. Wünscht dir von Herzen deine Mama!“ stand darauf geschrieben.

Und den Ehrenplatz bekam das Bild: direkt gegenüber von Lauras Bett, von dem aus sie es noch kurz vor dem Einschlafen betrachtete und über den wundervollen ereignisreichen Geburtstag nachdachte. Zirkus hatten sie gespielt und ihren Eltern ihre Kunstfertigkeit vorgeführt, Kuchen gegessen und Süßigkeiten, verkleidet und angemalt waren sie gewesen … herrlich. Laura seufzte. Sie hatte die Augen schon fast geschlossen als sie aus dem Augenwinkel etwas Seltsames bemerkte. Das Bild, das neue schöne Bild an der Wand hatte zu leuchten begonnen. Es strahlte von innen heraus und zwar so hell und klar, dass das ganze Zimmer davon in ein rosa-bläuliches Licht getaucht wurde.

In diesem Moment bemerkte Laura, dass sie gar nicht mehr in ihrem Bett sondern auf einer weichen Wiese lag. Um sie herum blühten die wundersamsten Blumen. Laura blieb erstaunt einen Moment liegen und versuchte die Szenerie in sie aufzunehmen – den süßlichen Duft der Blüten, die Wärme der Sonnenstrahlen auf ihrer Haut, das leise Brummen und Summen unzähliger Insekten, die geschäftig von Blüte zu Blüte flogen und die leuchtenden abertausend Farben überall um sie herum. Während sie noch staunte, wurde sie sanft von etwas Weichem an der Wange berührt. Neben ihr stand ein schneeweißes Einhorn, dass sie vorwurfsvoll aus seinen blanken, schwarzen Augen ansah. „Wir müssen zurück, Prinzessin. Im Palast wird man sich schon Sorgen machen. Du kannst hier nicht weiter liegen und träumen. „Laura musste unwillkürlich lachen. Sie eine Prinzessin? Sicher, heute war sie die Hauptperson gewesen, aber eine Prinzessin war sie gewiss nicht, wie sehr sie sich das auch gewünscht hätte. Doch in dieser Umgebung fühlte sie sich so leicht und beschwingt und war bereit, jeden Spaß und jede Dummheit zu glauben und mitzumachen. Sie hatte das Gefühl, hier könne ihr nichts passieren, noch nicht einmal, wenn sie von einem Hochhaus gesprungen wäre – soweit es hier überhaupt Hochhäuser gab. Mit einem übermütigen Satz sprang sie hoch und flog drei Meter in die Luft. War sie in dieser Nacht leichter geworden? Zu ihrem Erstaunen bemerkte sie, als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte, dass ihr Flügen zwischen den Schulterblättern wuchsen, die sich automatisch ausgebreitet hatten, sobald sie vom Boden aufgesprungen war. Entzückt stieß sie einen leisen Schrei aus und schwang sich in einer eleganten Bewegung auf den Rücken des Einhorns. „Klar, lass uns zurück zum Palast reiten.“ Damit presste sie die Hacken in die Flanken des Tieres und stob davon.

Auf dem Schloss angekommen, empfing sie eine empörte Stimme, die durch die ganze Halle schallte. „Prinzessin Filine! Wie konntet Ihr es wagen ohne Erlaubnis auszureiten? Ihr wisst doch, wie gefährlich der Wald um diese Jahreszeit ist.“ Laura widersprach ohne Nachzudenken. „Es war gar nicht gefährlich. Wer bist du überhaupt?“ rutschte es ihr heraus. Im selben Moment bemerkte sie, dass sie die gestrenge, etwas verknöcherte Dame wohl kennen müsse, die das vor ihr stand und sie wütend anstarrte. „Wer ist bin … wer ich … das ist ja wohl die Höhe. Mit mir erlaubst du dir keine Späße, Fräulein Tochter. Auch wenn du das einzige vergötterte Kind deines Vaters bist, werde ich nicht zulassen, dass du ihm und allen andere auf der Nase herumtanzt. Die ständigen Kämpfe mit den blauen Piraten machen ihm sowieso genug Kopfschmerzen. Dieses Jahr sind sie so zahlreich geworden, dass wir uns ihrer kaum erwehren können. Bis zum Ball bleibst du auf deinem Zimmer, Filine. Susanna wird auf dich aufpassen …“ Ihr Blick fiel auf Filines vom Reiten verschmutzen Kleidung. „… und dich wieder standesgemäß herrichten. So kannst du dich heute Abend auf keinen Fall blicken lassen.“ Die Königin machte auf dem Absatz kehrt und ließ die verdutzte Laura  neben ihrer Kammerfrau stehen.

Während sie den ganzen Nachmittag vor dem Spiegel sitzen musste, um sich „herrichten“ zu lassen, dachte Laura darüber nach, dass das Leben als Elfenprinzessin wohl doch nicht so riesig war, wie sie sich das immer vorgestellt hatte. Trauring nahm sie einen der reich verzierten Elfenbeinkämme in die Hand und betrachtete ihn. Zugegeben – alle Dinge hier waren wunderschön, aber was nütze es, wenn man offensichtlich keine Minute unbeaufsichtigt tun konnte, wozu man Lust hatte? „Was ist das für ein Ball heute Abend?“ fragte sie Susanna. „Euer Hochzeitsball selbstverständlich. Ihr werdet den König der Schlangensümpfe heiraten, wie es seit langem beschlossen wurde. Nur so kann die Feindschaft zwischen den beiden Ländern biegelegt werden.“ Laura runzelte die Stirn. „Wieso Feindschaft? Ich mein … und …“, ich kenn ihn ja gar nicht, hatte sie sagen wollen, aber das schluckte sie lieber hinunter. Wer weiß, vielleicht kannte Filine den König ja doch und war durchaus mit der Hochzeit einverstanden. „Hab ich … zugestimmt?“ fügte sie zaghaft hinzu. „Du lieber Himmel, nein. Aber kommt es darauf denn an?“ Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend sah Laura dem Abend entgegen und beschloss, ihren zukünftigen Gatten auf die Probe zu stellen.

Der König kam auf einem prächtigen schwarzen Hengst und mit einem großen Gefolge. Ein in eine bunt-geschmückte Livree gekleideter junger Mann hielt ihm beim Absteigen die Steigbügel und führte das Pferd dann zu den Ställen. Laura, die am oberen Ende der Treppe in allem Prunk stand, beobachtete ihn. „Wer war das?“ flüsterte sie ihrer Kammerfrau zu. „Sein Knappe oder sein Leibknecht?“ Susanna lachte. „Nein, das war sein jüngerer Bruder Philip. Der König gefällt sich, seine Macht zu demonstrieren, indem er ihn zu seinem persönlichen „Begleiter“ gemacht hat. Es wird gemunkelt, der Kleine sei ein wenig zurückgeblieben im Kopf, so dass er im Hintergrund gehalten werden müsse.“ Stirnrunzelnd sah Laura Prinz Philip und dem Hengst nach. Als klein konnte man ihn wahrhaftig nicht mehr bezeichnen und in dem kurzen Moment, in dem Laura ihn hatte betrachten können, war sie sich gewiss geworden, dass es mehr seiner papageienähnlichen Kleidung als seinem Gesicht mit den klaren, wachen Augen an Respektabilität mangelte.

In diesem Moment stieß hoch oben in der Luft etwas einen fürchterlichen Schrei aus und raste direkt auf den König zu, der in Windeseile sein Schwert zückte und seinen übergroßen Prunkschild schützend erhob, um der feuerspeienden Kreatur zu begegnen. Nur der Schild verhinderte, dass er gegrillt wurde, als der Drache, vom Schwert leicht an der Brust verletzt, mit einem Schmerzensschrei wieder in die Höhe schoss und lauernd um die Burg kreiste. „Höllenbrut“, knurrte der König. „Eines Tages erwische ich dich und dann brate ich dich lebendig über kleiner Flamme, das schwöre ich.“

Laura hatte das Spektakel mit Entsetzen beobachtet und noch immer folgten ihre Augen dem über den Zinnen kreisenden Drachen, als der König sie beim Arm nahm und unsanft in die Halle zog. „Wenn Ihr wollt, Prinzessin, serviere ich Euch den Kopf dieses Scheusals morgen zum Frühstück.“ Er blickte voller Hass auf den Drachen. Laura sah ihre Chance gekommen und blinzelte ihn mit weichen Augen unschuldig an. „Ich kann das nicht sehen, wenn ein Tier umgebracht wird. Vertrag dich doch lieber mit ihm. Drachen sind sehr weise. Wenn du es richtig machst, wird es möglich sein, mit ihm Frieden zu schließen.“ Woher sie das wusste, wusste sie nicht. Sie wusste aber, dass es die Wahrheit war. Der König sah sie erstaunt an. „Sein Leben verschonen?“ Er lachte laut. „Nein mein Herzchen, von König Schlangenhaut wird niemand verschont, der ihn herausgefordert hat. Aber so ein kleines einfältiges Frauenzimmer wie du kann das nicht verstehen.“ Noch bevor sie etwas antworten konnte, packte er sie wieder beim Arm und zog sie weiter. „Komm jetzt, wir wollen heiraten.“ Laura riss sich abrupt los und gewann gebührenden Abstand zum König. Sie sah ihm fest in die Augen. „Niemand, der Euch je herausgefordert hat, wird verschont?“ fragte sie so laut, dass es der ganze Hofstaat hören konnte. „So ist es“, donnerte der König zurück. „Na dann ist die Hochzeit doch völliger Quatsch! Mit dir kann man sich nicht vertragen!“ Und noch bevor der König reagieren konnte, machte sie unter den verblüfften Blicken der Anwesenden kehrt und rannte so schnell sie konnte aus der Halle.

Das Ross des Königs war in der Box direkt neben Lauras Einhorn untergebracht, dass sie nun in Windeseile zäumte. Als sie sich auf seinen Rücken schwang, schaute Prinz Philip aus der Box des großen Pferdes über die Trennwand. „Wartet Prinzessin! Was ist geschehen?“ Doch Laura gab ihrem Reittier die Sporen und stob davon ohne sich von ihm aufhalten zu lassen. nachdenklich und besorgt schaute er ihr nach. Dann verließ er seine Arbeit und den Stall und wanderte hinaus auf das freie Feld am Fuße der Burg. Auf einen leisen Pfiff hin landete neben ihm ein riesiger rostroter Drache, der ihn geduldig auf seinen Rücken steigen ließ. Dann breitete er seine gewaltigen Schwingen aus und flog davon.

Im Palast herrschte große Aufregung. König Schlangenhaut schwor mit gewaltigen Worten, die Prinzessin wohlbehalten zum Palast zurückzubringen und stellte sogleich einen Suchtrupp zusammen, an dessen Spitze er sich setzte. Filines Eltern, die sich am Ende der großen Halle befunden und daher die Unterredung zwischen ihr und dem König nicht vernommen hatten, blieben verwirrt und besorgt zurück. Insbesondere Filines Mutter war der festen Überzeugung, Filine laufe direkt in ihr Unglück und so Unrecht hatte sie damit nicht.

Laura war bis zur Küste geritten und ruhte sich jetzt am Strand im Schatten einer steil abfallenden Felswand aus. Weit und breit war kein Mensch zu sehen, nur die Wellen rollten in beruhigendem Rhythmus an den Strand. Laura legte sich in den warmen, feinen Sand, genoss die Geräusche der Wellen und der Möwen und beobachtete die Wolken. Und so bemerkte sie nicht das blaue Segel, welches schnell näher kam. Als das Einhorn, welches die ganze Zeit genüsslich Strandhafer und andere Kräuter gefressen hatte, plötzlich scheute und wild schnaubend davon galoppierte, war es bereits zu spät. Erschrocken fuhr Laura in die Höhe und sah sich von wilden Kerlen mit blauen Gesichtern umringt, die sie höhnisch und begierig anblickten. Immerhin war sie immer noch im prächtigsten Hochzeitskleid des ganzen Landes, Diamanten und Saphire schimmerten an ihren Ohren und ihrem Hals und bevor sie sich’s versah, stülpte sich ein riesiges Schmetterlingsnetz über ihren zierlichen Körper. „Nanu, was haben wir denn hier für einen kostbaren Vogel gefangen?“ Der wildeste und größte der Kerle baute sich vor ihr auf. So gut das Netz es zuließ, richtete sich Laura würdevoll auf und antwortete mit so viel Würde, wie sie aufbringen konnte: „Ich bin ehm … Filine, die Tochter des mächtigsten Elfenkönigs, und wenn du Bandit mich nicht sofort freilässt, wird es dir übel ergehen.“ Der Kerl lachte nur. „Ach! Was du nicht sagst! Das wird sich schon ändern, wenn du meine Frau geworden bist. Der Elfenkönig wird doch nicht seinen lieben Schiegersohn hängen lassen, sondern ihm im Gegenteil schön brav sein Königreich übergeben.“ Laura starrte ihn entsetzt an. Das konnte doch nicht wahr sein! Vom Regen in die Traufe! Warum waren nur alle widerlichen, groben Kerle darauf aus, ausgerechnet sie zu heiraten? Ein eindeutiger Minuspunkt im Leben einer Prinzessin. „Und damit du mir nicht davonfliegst, meine Schöne, bekommst du erst einmal das hier.“ Damit befestigte er einen Gurt um ihre Brust, der ihre Flügel fesselte und steckte den Schlüssel dazu befriedigt in seine Tasche. „So, aufs Schiff mit ihr!“

Das Einhorn raste immer noch in Todesangst über die Ebene, als ein riesiger Drache es in seinem Lauf stoppte. Prinz Philip schwang sich vom Rücken des Drachen, packte das verängstigte Einhorn beim Zügel und klopfte im beruhigend den schweißnassen Hals. „Ruhig, nur ruhig. Wo ist deine Herrin, mein Freund?“ Das Einhorn rang nach Atem. Schließlich brachte es hervor. „Die Piraten, die blauen Piraten haben sie entführt!“ Prinz Philip überlegte einen Moment. Noch einmal klopfte er dem Einhorn den Hals. „Lauf nach Hause und ruh dich aus. Wir werden die Piraten verfolgen.“ Dann trat er zu seinem Drachen und schwang sich auf seinen Rücken. Das Einhorn nickte erschöpft und trottete in Richtung Schloss, während Prinz Philip auf dem Rücken seines Drachen aufs offene Meer zusteuerte.

Unendliches Blau erstreckte sich bis zum Horizont. Der Himmel war mit weißen Wölkchen getupft, das Meer mit Schaumkronen garniert. Die Horizontlinie war fast nicht auszumachen. Suchend blickte sich Prinz Philip um. Weit konnten die Piraten noch nicht gekommen sein. Schließlich erblickte er eine Welle, welche sich im Gegensatz zu den anderen Wellen schnell in eine Richtung bewegte. War das die Bugwelle eines Schiffes? Doch das dazugehörige Schiff war nirgends zu entdecken. Erst die scharfen Augen des Drachen erblickten das blaue Schiff mit dem blauen Segel, welches die Welle vor sich herschob. Prinz Philip folgte den Piraten in gebührendem Abstand. Er wollte sich nicht auf eine Konfrontation mit den Piraten einlassen, bevor er nicht gründlich die Lage erkundet hatte. Vielleicht gab es ja auch eine andere Möglichkeit, die Prinzessin zu befreien. Das Schiff landete an einer schroffen Felsenküste, die offensichtig zu einer Insel von beträchtlicher Größe gehörte. Hoch auf dem Felsen ragte steil eine halb verfallene Burg auf, die in früheren Zeiten wohl mächtigen und reichen Herren gehört haben musste, deren glanzvolle Zeiten aber schon lange vorüber waren. Philip ließ den Drachen hinter einem Felsvorsprung landen und beobachtet, wie die Piraten die Prinzessin über die morsche Zugbrücke schleiften. Sie wehrte sich mit Händen und Füßen, hatte aber nicht die geringste Chance auf Erfolg. Als die Piraten im Schl0ss verschwunden waren, wandte Philip sich dem Schiff zu. Trotz seiner blauen Farbe war es ganz aus Holz gebaut und wie üblich mit Teer und Werk abgedichtet. Leise besprach sich der Prinz mit seinem Drachen. Dessen Augen begannen unternehmungslustig zu funkeln und er nickte.

Die Nacht senkte sich herab. Prinz Philip umkreiste auf seinem Drachen die Zinnen der Burg. Jedes Fenster wurde vorsichtig untersucht, ob sich nicht dahinter das Gefängnis der Prinzessin befand. Schließlich wurde seine Geduld mit Erfolg belohnt. Im Turmzimmer auf der obersten Zinne erspähte er Laura und den Piratenkapitän, die sich heftig stritten. Ihre Brust war immer noch mit dem Gurt umschlossen, der ihr kaum Luft zum Atmen lies und weiterhin ihre Flügel fesselte. Leise glitt er vom Rücken des Drachen und versteckte sich auf einem Vorsprung unterhalb des Fenstersimses. „Du wirst mich schon noch heiraten wollen, wenn du lange genug hier geschmort hast!“ Mit diesen Worten stampfte der blaue Kapitän wütend aus dem kargen Raum, donnerte die Tür hinter sich zu und lies die Prinzessin allein. Laura hatte Tränen der Wut in den Augen. Sie sprang ihm nach und trommelte erfolglos gegen die verschlossene Tür, dann ging sie fast wie in Zeitlupe zur Mitte des Zimmers zurück und lies sich auf einen Schemel sinken und begann zu weinen.

Philip stieß einen leisen Pfiff aus. Laura schreckte hoch und lauschte wie erstarrt. Lautlos und mit geschmeidigen Bewegungen kletterte der Prinz ins Zimmer, den Zeigefinger an den Mund gepresst. Laura saß immer noch auf dem Schemel wie eine Statue. Philip kam zu ihr. „Hast du ein Messer?“ flüsterte sie. Philip nickt und reichte ihr ein kleines Jagdmesser. Laura nahm es und schnitt den Gurt mitten entzwei. Befreit atmete sie auf. „Danke.“ Sie gab ihm das Messer zurück. „Wie kommen wir hier weg? Wie bist du überhaupt hier hereingekommen?“ Der Prinz schmunzelte. Dann lies er einen weitere Pfiff ertönen und der Drach erschien draußen vor dem Fenster. Lauras Augen wurden groß und größer. „Oh. Der gehört zu dir? Du kannst deinen Bruder wohl nicht gerade leiden.“ Neugierig sah sie ihn an. „Die Ehre beruht auf Gegenseitigkeit. Mein Bruder gefällt sich darin, mich wie einen Dienstboten zu behandeln und obendrein noch überall im Land verbreiten zu lassen, ich sei nicht ganz richtig im Kopf.“ Draußen vor der Tür waren Schritte zu hören. Der Prinz wechselte automatisch in einen Flüsterton. „Komm, ich erzähl dir die ganze Geschichte unterwegs.“ Hastig flüchteten die beiden zum Fenster und bestiegen den Drachen, so dass der Pirat, der der Prinzessin ein kärgliches Abendessen bringen sollte, die Kammer leer vorfand.

„Alarm! Alarm!“ schallte es durch die Gänge, doch der Drache war bereit hoch oben in der Luft. „Alle Mann zum Schiff.“ Der Drache ging in einen Sturzflug. Laura klammerte sich erschrocken fest. „Was tust du da?“ „Keine Angst, wir machen den Piraten nur ein kleines Abschiedsgeschenk.“ Nur ein paar Zentimeter raste der Drach über dem Schiff hinweg. Segel und Masten, Planken und Ruder fingen Feuer unter seinem Atem und als die Piraten ihr Schiff erreichten, brannte es hell wie eine Fackel vor dem schwarzen Himmel. Prinz Philip aber drehte sich auf seinem Reittier übermütig um und rief dem unter seiner blauen Haut kreideweißen Kapitän zu: „Die Prinzessin lässt Euch mitteilen, dass sei Eure Werbung ablehnt. Seeräuber sind nicht ihr Stil.“ Laura lachte. Auf dem Rücken des Drachens fühlte sie sich plötzlich leicht und frei.

König Schlangenhaut war indes ohne Erfolg zum Schloss zurückgekehrt. König und Königin waren nach dem Eintreffen des Einhorns voller Sorge. Immer noch wussten sie nicht, was mit ihrer Tochter passiert war, da das Einhorn allein mit der Prinzessin zu sprechen pflegte. König Schlangenhaut versicherte, dass er nicht ruhen werde, bis die Prinzessin gefunden sei und dass ihr Vater sein Königreich auch getrost in ihrer Abwesenheit in seine Hände geben könne. Gebeugt vor Kummer war der König geneigt, das Angebot seines Beinahe-Schwiegersohns anzunehmen und ihm die Bürde der Regierung zu übertragen, auf dass er selbst nur noch die Bürde des Kummers zu tragen hätte.

In diesem Moment erfüllt ein Rauschen die Luft und der Drache landete inmitten des Schlosshofes. König und Königin staunten nicht schlecht, als sie Laura und Philip von dessen Rücken steigen sahen, doch König Schlangenhaut erfasste die Situation sofort und wusste, sie zu seinem Vorteil zu nutzen. „Na endlich, mein Lieber, ich wusste, dass ich mich in dieser Mission auf dich verlassen kann“, begrüßte er seinen Bruder. „Übergib mir nun meine Braut, damit wir die Hochzeitzeremonie fortsetzen können. Die fürstliche Belohnung, die ich dir versprochen habe, wirst du umgehend erhalten.“ Damit nahm er Lauras Hand und wollte sie zu ihren Eltern führen, doch Philip hielt sie an der anderen fest. Weder der eine noch der andere ließen los. Philip trat neben Laura und sah seinen Bruder herausfordernd an. Der Drache schnaubte bedrohlich. „Ich fürchte, mein lieber Bruder, du hast dich verrechnet. Wie du sehr genau weißt, habe ich aus eigenem Impuls gehandelt und ich werde nicht wieder auch nur einen Befehl von dir annehmen. Wie sagtest du doch immer so schön? Dem Sieger gehört die Beute. Und der Sieger bin ich.“ Wie zur Bestätigung stieß der Drache eine kleine Stickflamme aus den Nüstern, die König Schlangenhaut den Hosenboden versengte. Er schrie auf und hielt sich sein Hinterteil. „Du, du … schon längst abschießen müssen hätt ich das Vieh!“ Und damit floh er mit grotesken Bewegungen, immer noch die Hände über seinem brennenden Allerwertesten hin zum Schlossteich, in den er seinen Po mit einem leisen Zischen versenkte.

Philip sah ihm mit Erleichterung nach. „Den wären wir los.“ Laura drehte sich zu ihm und schaute ihn direkt an. „So. Und was hast du mit mir vor? Der Beute?“ fragte sie kühl. Prinz Philip lächelte. „Was immer Ihr wollt, Prinzessin. Ich stehe zu Eurer Verfügung.“ Da lachte die Prinzessin erleichtert und fiel ihm vor Freude um den Hals. „Ich will dich“, flüsterte sie ihm ins Ohr.

Auf der Hochzeit überreichte Philip ihr anstelle des üblichen, goldenen Rings ein braun-bronzenes Medaillon, in welches merkwürdige Muster eingraviert waren. „Das habe ich von meiner Urgroßmutter geerbt. Sie sagte mir, sie hätte es von einer Quellnymphe erhalten und es würde jedem Mädchen, welches es trägt, die Klarheit des Wassers und die Zuversicht und Geborgenheit der Erde schenken.“ Laura sah ihm gerade in seine goldbraunen Augen. Mehr war im Augenblick nicht nötig.

Laura erwachte vom Gebrabbel ihrer kleinen Schwester im Bett unter ihr. Ihr erster Blick fiel auf das Bild an der Wand gegenüber. Zwar leuchtete es nicht mehr, das es war noch immer strahlend schön. Ein wunderschöner Traum war das gewesen, wie schön wäre es, wenn sie noch hätte dort bleiben können. Sie streckte sich und wollte sich aufrichten, als sie mit etwas an ihrer Hand in der Bettdecke hängen blieb. „Au! Mist!“ Verwundert besah sie den kleinen Gegenstand, der an ihrem Ringfinger gestreckt war. Es war genau das Medaillon aufs ihrem Traum.

ENDE

IRRLICHTER – Szene 1

Dünen an der Ostsee. Im Hintergrund hört man das Rauschen der Wellen. Ein paar Kinder sitzen im Kreis. Es ist Nachmittag. Die Sonne brennt heiß vom Himmel herunter.

Erzähler: Wir befinden und in den Dünen eines kleinen Ostseebades. Wie jeden Sommer ist zurzeit Hochsaison. Der nahegelegene Zeltplatz sowie jedes Bett im Ort sind ausgebucht. Auch die Kinder, die hier im Ort wohnen, haben Sommerferien. Sie verbringen ihre Freizeit fernab vom Ferienrummel an einsamen Orten und in geheimen  Schlupfwinkeln und sind auf keinen Fall bereit, diese Geheimnisse mit irgendwelchen Feriengästen zu teilen.

Einige der DORFKINDER sitzen im Kreis im Sand.

Petra: Was ist denn los?

Frieda: Nu erzähl schon!

Julina (seufzt): Ihr wisst doch, dass der Petersen, der Besitzer vom Zeltplatzes da drüben, ein alter Griesgram ist. Jeden Tag hat er etwas anderes zu meckern. Heute ging es darum, dass ich die Post für die Feriengäste hätte früher bringen sollen. Einige der Urlauber hätten sich beschwert. (macht den Zeltplatzbesitzer nach) Der Gast ist König. Saublöd. Und das nur wegen dem bisschen Taschengeld.

Frieda: Mach’s doch einfach nicht mehr.

Julina: Geht nicht. Ich will doch endlich nen eigenes I-Pad haben. Und meine Eltern geben höchstens was dazu.

Katinka: Mach dir nix draus. Bei uns im Laden beschwert sich andauernd einer. Zu lange Schlangen, zu viele Körner auf den Brötchen, zu wenige Körner auf den Brötchen, zu hohe Preise, was weiß ich … irgend nen Grund gibt es immer.

Victoria: Feriengäste sind die Pest.

Katinka: Ich krieg noch nicht mal Geld dafür, dass ich meinen Eltern helfe!

Petra: Warum treffen wir uns eigentlich HIER?

Maria: Sie haben die Seekate gesperrt. Wegen Einsturzgefahr.

Frieda: Ehrlich?

Maria (nickt): Bei dem Sturm im letzten Winter ist doch ein weiteres Stück von der Klippe abgebrochen.

Fee: Mist. Und wo schlagen wir dann diesen Sommer unser Hauptquartier auf?

Vom nahegelegenen Zeltplatz sind Kinderstimmen zu hören. Julina verdreht die Augen.

Julina: Die vom Zeltplatz sind eindeutig die Nervigsten.

Maria: Die ehemalige Strandsauna hier in der Nähe steht leer und zum Verkauf.

Petra: In unserer Pension ist es schlimmer. (macht die sich beschwerenden Feriengäste nach) Da ist ein Fleck auf dem Tisch. Die Tapete ist zu blau. Das Bett ist zu weich, der Strand drei Schritte zu weiter und ihre Kinder … stören. Zu laut, zu dreckig und überhaupt.

Victoria: Da ist aber abgeschlossen.

Petra (irritiert): Was? Unsere Pension?

Victoria: Nee, die alte Strandsauna.

Maria holt einen Schlüssel aus der Hosentasche und wirft ihn in die Mitte.

Maria: Kein Problem mit einer Immobilienmaklerin als Mutter.

Frieda: Klasse. (zu Petra) In unserer Pension benutzen die Ferienkinder sogar unser Spielzeug im Garten. Meine Eltern finden das super. Das Plus im Reiseprospekt.

Julina (nickt): Der Petersen gibt den Feriengästen auch immer Recht. Sie sind unser
Einkommen, also dürfen sie machen was sie wollen.

Eilika: Bei uns auf dem Markt sind die Leute eigentlich immer nett.

Frieda: Kunststück. Gäste kaufen eben nicht selbst Butter und Käse ein.

Katinka: Nee, die lassen sich bedienen.

Eilika: Dafür bezahlen sie ja auch Geld.

Petra: Gibt ihnen das das Recht, sich zu benehmen, als hätten sie den ganzen Ort gekauft?

Victoria: Eigentlich müsste man mal irgendwas machen, das ihnen klarmacht, dass das Dorf UNS gehört. Die sollen froh sein, dass wir sie an UNSEREM Strand baden lassen.

Die anderen lachen.

Julina: Seid mal still. Ich hör was.

Die Kinderstimmen vom Zeltplatz kommen näher.

Maria: Schnell weg.

Die Kinder springen auf und verstecken sich hinter den Dünen.

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IRRLICHTER – Vorwort und Figuren

Die IRRLICHTER ist ein Theaterstück, welches ich nach Wünschen der Kinder einer Theater-AG geschrieben habe. Die Kinder waren zwischen 2. und 6. Klasse und wir haben das Stück einmal aufgeführt. Es ist ein Sprechstück, da natürlich jeder Text haben wollte, und das deutliche Sprechen und Artikulieren stellte sich bei den Proben als die größte Herausforderung heraus. Die Rollenverteilung war der Anzahl der Kinder angepasst und läßt sich je nach Anzahl der Kinder auch anders verteilen. Die Namen der Charaktere haben die Kinder selbst ausgesucht und dienten vornehmlich zur Identifizierung mit der Rolle. Auch sie sind variabel.

Ich würde mich freuen, wenn das Stück nocheinmal aufgeführt wird. Wen das interessiert, melde sich bitte bei mir unter silbenwerkstatt@web.de.

FIGUREN

Erzähler

Tine

Weitere Ferienkinder: Julia, Kai, Kathrin, Mara, Tim, Klara, Susanne, Frederike, Hanna, Fleur, Nele, Felix, Annika

Dorfkinder: Petra, Frieda, Katinka, Victoria, Maria, Fee, Eilika, Sophia, Melanie, Julina

Entführer: Klaus, Heiko

Tines Eltern                                                                        zwei Erwachsene von Band
Elternstimmen                                                                   vom Band

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Willkommen in der Silbenwerkstatt!

Ein herzliches Hallo an alle, die diesen Blog lesen!

Hier geht es um Geschriebenes leglicher Art – naja, nicht jeglicher Art, sondern nur um Fiction. Ich schreibe leidenschafltich Geschichten, auch Theaterstücke, Drehbücher und alles, was eine Handlung hat und hier wird es zum ersten Mal veröffentlicht!

Meist gibt es irgendeinen Anlass, zu dem etwas geschrieben wurde – der Geburtstag meines Sohnes, die Theater-AG meiner Tochter … aber ich freue mich natürlich, wenn die Geschichten auch von anderen gelesen werden.

Wollt ihr meine Texte weiterverwenden, fragt mich bitte vorher!
Wollte ihr meine Theaterstücke aufführen, wendet euch bitte an http://www.mein-theaterverlag.de.

Eure Patricia