Kasperle und der unheimliche Schneemensch

Bei uns steht mal wieder ein Geburtstag an. Mein kleiner Sohn wird in einer Woche vier Jahre alt und ich plane ein Kasperstück aufzuführen. Es ist sehr einfach gehalten, da nur zwei Figuren vorkommen und gut von einer Person zu spielen. Hier ist es:

KASPERLE UND DER UNHEIMLICHE SCHNEEMENSCH

Der Vorhang geht auf. Wir sehen den verschneiten Winterwald und die Räuberhöhle. Der Räuber kommt aus seiner Höhle und bibbert.

Räuber: Huh, ist mir kalt. Heute Nacht ist mir das Feuer ausgegangen.

Er schaut neben seine Höhle. Dort liegt nichts.

Räuber: Nanu, kein Feuerholz mehr da? (stöhnt) Dann muss ich ja in den Wald und sammeln gehen. Noch nicht einmal einen Pullover hab ich, den haben letzten Winter die Motten als Weihnachtsmahl gegessen. Hoffentlich treffe ich unterwegs jemanden, dem ich seinen warmen Mantel klauen kann. Aber irgendwas zum Anziehen muss ich doch haben …

Räuber verschwindet wieder in seiner Höhle.

Kasperle kommt mit einem Geschenk in der Hand den Weg daher. Er trägt eine warme Wintermütze und einen Schal.

Kasperle: Tritratrullala, Tritratrullala, der Kasperle ist wieder da! Hallo Kinder! Puh ist das kalt hier. Seid ihr auch alle da? (Kinder antworten.) Wisst ihr, was heute für ein Tag ist? Heute ist Pauls Geburtstag und ich bin eingeladen. Ich bin schon ganz aufgeregt. Ich bin gerade auf dem Weg zu ihm. Ich muss nur noch durch diesen Wald wandern. Kennt ihr ein Wanderlied? (Kinder schlagen ein Lied vor.) Oh, schön. Wollen wir das zusammen singen? Dann sind wir bestimmt ganz schnell da.

Kasperle und die Kinder singen das Lied, während Kasperle durch den Wald wandert. Der Räuber, in ein Betttuch verhüllt, lauert hinter den Bäumen. Plötzlich springt er hinter einem Baum hervor und stellt sich Kasperle in den Weg.

Räuber (vermummt): Halt!

Kasperle erschrickt.

Kasperle: Huch, wer bist du denn?

Räuber: Ich bin der unheimliche Schneemensch. Ich wohne jetzt hier im Wald.

Kasperle: Ja vor dir kann man ja Angst haben. Lass mich mal durch.

Räuber: Vor mir hat jeder Angst. Und ich lasse dich nur durch, wenn du mir deine Mütze  gibst.

Kasperle: Ach so ist das. Aber ich muss doch zum Geburtstag und ohne Mütze friert’s mich so an den Ohren. Wie wär’s, wenn ich rechts um dich herumgehe?

Geht einen Schritt nach rechts. Räuber geht auch einen Schritt nach rechts und versperrt Kasperle wieder den Weg.

Kasperle: Oder nach links?

Kasperle springt nach links. Der Räuber auch.

Kasperle: Oder doch lieber nach rechts?

Kasperle springt wieder nach rechts, doch der Räuber ist schneller.

Kasperle: Links? Rechts? Links? Rechts?

Kasperle versucht, an dem Räuber vorbeizukommen, doch dieser ist immer schneller. Schließlich gibt Kasperle außer Atem auf.

Kasperle: Puh, bist du gemein.

Räuber: Buh!

Kasperle springt zurück und zittert vor Schreck.

Kasperle: Na gut, ich geb sie schon.

Kasperle gibt dem Räuber die Mütze. Der Räuber gibt den Weg frei. Kasperle wandert weiter. Als Kasperle nicht mehr zu sehen ist, nimmt der Räuber das Bettlaken vom Kopf und setzt sich die Mütze auf.

Räuber (seufzt): Schon viel besser. Der Kasper, der war aber leicht hereinzulegen. Das werde ich gleich noch einmal probieren. Sein Schal sah so schön mollig aus und ich frier doch so schrecklich. Und das Geschenk! Das will ich auch haben. Ich bin so neugierig, was da drin ist. Am besten, ich verstecke mich dort vorn und warte.

Räuber zieht das Bettlaken wieder über den Kopf und versteckt sich hinter einem Busch. Kasperle kommt den Weg entlang. Er singt wieder das Wanderlied.

Der Räuber springt hinter dem Busch hervor.

Räuber: Buh!

Kasperle springt drei Schritte zurück.

Kasperle: Hast du mich aber erschreckt. Was willst du nun noch?

Räuber: Du läufst viel zu lange durch meinen Wald für eine einzige mickrige Mütze. Gib mir deinen Schal!

Kasperle: Aber dann frier ich ja auch noch am Hals!

Räuber (jammert): Aber du, du hast es doch gut, du kommst gleich ins Warme und isst leckere Geburtstagstorte und ich? Ich muss hier den ganzen Tag draußen im Wald verbringen! Ich werde noch sterben vor Kälte!

Kasperle: Na gut. Warte, ich muss ihn erst ausziehen.

Kasperle stellt das Geschenk hin und zieht den Schal aus.

Räuber (leise zu den Kindern): Haha, auf die Gelegenheit hab ich gewartet.

Räuber  nimmt das Geschenk und versteckt es unter dem Bettlaken. Kasperle reicht ihm den Schal. Räuber nimmt ihn.

Räuber: Vielen Dank! Jetzt muss ich mich aber beeilen!

Geht schnell ab. Kasperle schaut ihm verwundert hinterher.

Kasperle: Der hatte es aber plötzlich eilig. Huh, ist mir kalt! Schnell weiter. (schaut sich suchend nach dem Geschenk um) Aber wo ist denn das Geschenk? Kinder, habt ihr das Geschenk gesehen? Das hab ich doch hier abgestellt. (Kinder berichten, was geschehen ist.) Was? Der Schneemensch hat das Geschenk geklaut? Wie? Der Schneemensch ist in Wirklichkeit der Räuber Stinkstiefel? Warum habt ihr mir das nicht gleich gesagt? Na warte! (Kasper hebt eine Astgabel vom Waldboden auf.) Der kann was erleben. Schnell hinterher, dann holen wir ihn noch ein!

Kasperle rennt mit dem Stock in der Hand dem Räuber hinterher. Kurz vor der Räuberhöhle hat er ihn eingeholt.

Kasperle: Huhu! Schneemensch! Ich hab noch was für dich!

Der Räuber hält inne und dreht sich um.

Räuber: Nanu, ich dachte du wärst schon längst auf der Geburtstagsfeier! Was ist denn das für eine komische Gabel?

Der Räuber geht vorsichtig einen Schritt zurück.

Kasperle (feierlich): Die. Die schenke ich dir. Damit du nie mehr frieren musst.

Räuber: Nie mehr frieren? Wie soll denn das gehen?

Kasperle: Das ist eine Zauber-Wärme-Gabel oder modern ausgedrückt eine mobile Heizung.

Räuber (neugierig): Und wie funktioniert die?

Kasperle: Ich zeig es dir. Aber ich warne dich, in der Aufwärmphase wird es etwas zwicken, aber danach wird dir mollig warm werden. Du musst dich nach vorne beugen.

Der Räuber beugt sich nach vorne.

Räuber: So?

Kasperle: Ja, so ist es genau richtig.

Kasperle nimmt den Stock, holt aus und haut dem Räuber auf den Po.

Räuber: Au

Kasperle: Merkst du schon was?

Räuber: Warm ist es noch nicht.

Kasperle: Na, dann nochmal.

Kasperle haut wieder zu.

Räuber: Au, au.

Kasperle: Wie gesagt, in der Aufwärmphase völlig normal.

Kasperle haut wieder zu. Der Räuber springt auf und beginnt im Kreis zu rennen. Kasperle rennt hinterher und haut weiter.

Räuber (jammert): Hör auf, hör auf!

Kasperle: Was denn? Ist dir schon warm? So schnell hat es noch bei keinem funktioniert!

Räuber: Ja, mir ist schon ganz warm, wirklich richtig doll warm! Hör bloß auf damit!

Kasperle: Soll ich nicht noch mehr?

Räuber: Nein.

Kasperle: Fein. Wenn dir jetzt so schön warm ist, kannst du mir ja meine Mütze und meinen Schal zurückgeben.

Räuber: Eh.

Kasperle: Ich kann auch weitermachen.

Räuber: Nein, bloß nicht!

Der Räuber zieht die Mütze und den Schal aus und gibt die Sachen Kasperle.

Kasperle: Und übrigens? Hast du mein Geschenk zufällig im Wald gefunden? Ich habe es nämlich verloren und ohne Geschenk kann man doch nicht auf einer Geburtstagsfeier erscheinen.

Räuber zögert. Kasperle droht ihm mit dem Stock.

Räuber: Ehm, ja, ganz zufällig habe ich dein Geschenk gefunden.

Er holt das Geschenk heraus und gibt es Kasperle.

Kasperle: Das ist aber nett von dir. Vielen Dank!

Der Räuber bibbert.

Kasperle: Sag mal, was ich nicht verstehe: Wie kannst du eigentlich frieren, wenn du doch ein Schneemensch bist?

Räuber zieht das Laken vom Kopf. Er weint fast.

Räuber: Eigentlich bin ich gar kein Schneemensch, sondern nur der Räuber. Und in meiner Höhle war das Feuer ausgegangen und den letzten Pullover hatten die Motten als Frühstück und Feuerholz war auch keins mehr da und da …

Kasperle: … hast du dir gedacht, du kannst dir die warmen Sachen zusammenrauben. Schämst du dich gar nicht?

Räuber: Doch, ein bisschen schon. Aber ich hab doch so gefroren.

Kasperle überlegt.

Kasperle (zu den Kindern): Kinder? Sollen wir den Räuber mit zu Pauls Geburtstag nehmen?

Die Kinder antworten.

Kasperle: Gut. (zum Räuber) Ich mache dir einen Vorschlag. Ich nehme dich mit auf Pauls Geburtstag, dort ist es schön warm und Kuchen gibt es auch. Aber du musst ein Geschenk mitbringen.

Räuber: Ich hol schnell eins aus meiner Höhle.

Räuber geht in die Höhle und kommt mit einem Geschenk wieder. Kasperle hebt die Astgabel  auf.

Kasperle: Die nehme ich mit. Und wenn du wieder lange Finger machst, wird dir eingeheizt!

Räuber: Nein, nein. Ich will wirklich ganz brav sein.

Beide fangen wieder an zu singen und wandern los. Nach einer Weile bleibt Kasperle stehen.

Kasperle: Hier sind wir.

Er läutet ein Glöckchen.

Kasperle: Ist denn der Paul da?

Paul antwortet.

Kasperle: Hier. Das habe ich dir mitgebracht.

Kasperle reicht Paul das Geschenk. Der Räuber reicht sein Geschenk.

Räuber: Und ich das hier.

Kasperle: Und jetzt wollen wir alle zusammen dem Paul ein Geburtstagslied singen.

Alle singen zusammen „Viel Glück und viel Segen.“

ENDE

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s